2008-08-03

Predigt über 2. Sam 12, 1-15 / Pfarrer Friedhelm Bühner
Liebe Gemeinde,
im heutigen Predigttext geht es um einen der ganz großen
Namen der Bibel, um König David.
Das ist ein Name, der schon damals zu seiner Zeit
einen guten Klang hatte und der bis heute geblieben ist.
Wer einmal nach Jerusalem kommt, der wird das merken:
Jede dritte Kneipe heißt da "David's Pub" (Davids Gasthaus),
da gibt es den Davidsstern, den Davidsturm und das
Grab Davids auf dem Zionsberg.
Kaum eine Ecke, die nicht mit David zu tun hätte.

König David hat Israel eine ganz große Glanzzeit gebracht.
Zu seiner Regierungszeit war das Land geeinigt,
Israel erlebte eine große Machtentfaltung und die
Menschen lebten in Sicherheit und Wohlstand.
König David war ein überaus erfolgreicher Mann.
Gott hielt seine schützende Hand über ihn.
Seine Psalmen und Lieder zeigen das immer wieder.
Einen sehr bekannten Davidspsalm
haben wir vorhin im Wechsel gebetet (Ps 51).

David erlebt in dieser Zeit gerade so etwas wie seine
Midlife-Crisis (Orientierungskrise, wie sie viele Männer bekommen,
wenn sie gegen die „50“ gehen ...):
Er setzt schon ein bischen Übergewicht an
und hat einfach keine Lust mehr, jeden Sommer in den
Armeezelten seiner siegreichen Heere zu vollbringen.
Er beschließt: "Ich bleib dieses Jahr einmal zu Hause.
Ich lasse die Armee für mich kämpfen!"

Und während er zu Hause ist und nichts zu tun hat,
geht er nach oben auf dem Dachgarten spazieren.
Eines Tages erblickt sein Auge in der Nähe eine holde Dame,
die sich gerade im Innenhof ihres Hauses badet.
Und David sagt sich: "Die mußt du dir holen!"
Und als König hat er seine Mittel und Wege und
lässt sie zu sich holen.

Sie scheint auch nicht ganz abgeneigt und so
kommt es, wie es kommen muss: David bricht die Ehe mit ihr!
Der Mann dieser Frau ist nämlich Offizier im Heer von David.
Das alles war nur der Anfang ...

Denn es geht noch weiter: Man kannte noch keine Empfängnis-
verhütung zu dieser Zeit ...
Die Frau, sie heißt Batseba, wird schwanger!

Aber was soll‘s: David denkt sich David einen geschickten
Plan aus, um die Angelegenheit zu vertuschen.
Batsebas Mann - Uria - kriegt Sonderurlaub und darf
seine Frau zu Hause besuchen und zwar ganz kurz
nach dem besagten Ehebruch.

David sagt zu ihm: "Ich habe gehört, wie tapfer du kämpfst.
Ich dachte, du brauchst ein bischen Erholungsurlaub.
Mach' es dir bequem und geh erst mal nach Hause!"
Uria als pflichtbewusster Soldat aber sagt sich:
"Das kann ich nicht übers Herz bringen.
Während meine Kameraden im Feld sind, soll ich jetzt
zuhause Komforturlaub machen?"

So legt er sich in aller Öffentlichkeit auf die Palaststufen
und schläft da. Und jeder sieht, daß Uria nicht zuhause
gewesen ist, dass er nicht bei seiner Frau geschlafen hat.
Da ist es dann relativ offensichtlich, dass das Kind, das da
kommt, auch nicht von ihm sein kann!
Und wir stehen damit am Anfang einer Kettenreaktion des
Unrechts! 

David schickt ihn mit einem Brief an Joab, den General, zurück.
Lesen darf er ihn nicht und er tut es wohl auch nicht,
denn er enthält sein eigenes Todesurteil.
David gibt seinem General den Befehl, dafür zu sorgen,
dass Uria in vorderster Reihe fallen soll.
Aber alles soll wie ein "Heldentod" aussehen.
Und so wird David nicht nur zum Ehebrecher, sondern auch noch -
zum Mörder.  

Es ist richtig erschreckend zu sehen, wie bei David die eine Sünde
wie bei einer Kettenreaktion gleich zur nächsten führt.

Und wir wissen bestimmt auch aus unserem eigenen Leben,
- dass wir die eine Sünde mit der anderen Sünde decken müssen,
   wenn wir sie nicht bekennen wollen,
- dass Sünde um sich greift, dass da auf einmal eine Macht da ist,
   die bewirkt, dass man immer weitermachen muss,
   um eine Sache irgendwie unter Kontrolle zu behalten.

Aber das, was vor den Menschen verborgen war,
blieb Gott nicht verborgen! 

Unser Predigttext aus 2. Sam. 12, 1-15 setzt hier an:
„1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam,
sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der
eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe
und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges
kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass
es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern.
Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und
schlief in seinem Schoß und er hielt's wie eine Tochter.
4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht
über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um
dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war,
sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete
es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. 5 Da geriet David
in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr
der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan
hat! 6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan
und sein eigenes geschont hat. 7 Da sprach Nathan zu David:
Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe
dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus
der Hand Sauls 8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben,
dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben;
und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun. 9 Warum
hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast,
was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem
Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber
hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter. 10 Nun, so
soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du
mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast,
dass sie deine Frau sei. 11 So spricht der HERR: Siehe, ich will
Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und
will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem
Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne.
12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz
Israel und im Licht der Sonne. 13 Da sprach David zu Nathan:
Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David:
So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst
nicht sterben. 14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese
Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren
ist, des Todes sterben. 15 Und Nathan ging heim. Und der HERR
schlug das Kind, das Urias Frau David geboren hatte, sodass es
todkrank wurde.“


Liebe Gemeinde,
in Davids Ehrlichkeit kommt seine wahre Größe zum Ausdruck!
Indem er nicht leugnet und nichts erklärt, sondern Buße tut.
Der stolze König gibt sich geschlagen!
In Psalm 51 bittet er:
"Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden
nach deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von
meiner Sünde, denn ich erkenne meine Missetat
und meine Sünde ist immer vor mir ...
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen
neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm
deinen heiligen Geist nicht von mir".

Nathans Erzählung lässt David erkennen, wie es um ihn steht,
dass seine Affäre kein Lapsus war, sondern aus dem Wollen
des eigenen Herzens kommt, aus der Lust, die keine Zügel kennt.

Auch bei Jesus können wir hören: Die Sünde fängt im Herzen an:
Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, böse Worte,
böse Taten (Ehebruch, Mord, Neid, Habgier, Diebstahl).
Kennen Sie diese Erfahrung auch?

Ich finde: Das Bemerkenswerte an David ist nicht der Erfolg,
sind nicht die Begabungen, bemerkenswert ist diese innere Linie,
dass er bereit war, sich vor Gott zu demütigen.
Das ist seine tiefste Sicht: "An dir allein habe ich gesündigt!
An dir, Gott!"

Ich weiß nicht, ob Sie das schon verstanden haben,
ob Gott Ihnen schon gezeigt hat, dass selbst wenn kein Mensch
sieht, was Sie tun, Gott es dennoch sieht.
Ich meine das gar nicht moralisierend.
Aber das, was ich tue, ist eine Realität.
Und selbst wenn kein Mensch diese Realität bemerkt, so ist
sie bei Gott doch bemerkt.

David erschrickt über sie.
Er bittet darum, dass Gott seinen Heiligen Geist nicht von
ihm wegnimmt und ihn nicht vor seinem Angesicht verwirft.
Haben Sie das schon einmal so gebetet?  

Wir leben in einer Zeit, in der wir alles für selbstverständlich
nehmen.
Wir betrachten es als selbstverständlich, dass Gott Liebe ist,
dass Gott gut ist. "Gott muss vergeben, das ist sein Geschäft",
hat einmal ein französischer Philosoph gesagt.
Es ist angeblich eine Selbstverständlichkeit, dass Gott vergibt,
aber das stimmt nicht!

Vielleicht brauchen auch wir heute wieder dieses Erschrecken,
wie es David erlebte, um zu erkennen:
Wir haben Gott überhaupt nicht in der Tasche.
Auch ein Pfarrer kann nicht mit Gott spielen (Sie kennen sicher
die beliebten Witze mit Petrus an der Himmelstür  ...),
sondern muss immer wieder zu Gott zurückkommen in diesem
Erschrecken.

Bei David, liebe Gemeinde, fällt mir auf:
Er misstraut gerade auch sich selbst (er ist nicht oberflächlich!)
Er weiß, er kann nicht für sich garantieren, dass er so etwas
nicht wieder macht.
Deshalb bittet er darum, dass Gott ihn verändert, mit einem
willigen Geist ausrüstet:
"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz.
Rüste mich aus mit einem willigen Geist!"
Wer schon einmal wirklich mit Sünde in seinem Leben gekämpft hat
(und es gibt keinen Christen, der das nicht von sich sagen kann),
der versteht das.
Hochmut, Gehässigkeit, aber auch Bitterkeit gegen andere (neg. Denken),
die wir kaum jemals loswerden, sie zeigen uns unsere Grenzen, die wir
nicht selber übersteigen können.

David vertraute nicht auf sich selber, 
und das ist das Großartige, dass er sich auch in seinem Versagen
an Gott wendet.

"Der HERR hat deine Sünde weggenommen"
ist die befreiende Antwort, die er darauf bekommt.

Aber ist diese Antwort nicht zu simpel?
Aus eigenem Erleben kann ich sagen: Es ist so simpel:
Wo ich Schuld vor Gott (Menschen) bekenne,
macht er mich wirklich frei davon (selbst wenn der andere mir nicht
verzeihen will), er stellt mein Herz und meine Füße wieder auf
"einen weiten Raum".

Die Ehebruchs-Geschichte Davids lädt uns dazu ein,
unsere persönliche Lebensschuld nicht einfach weiter zu
schleppen, sondern sie loszuwerden, am besten noch heute!
Mit Gott ins Reine zu kommen wie es David getan hat!

Über den Schluss der Geschichte müssen wir dann aber doch
noch erschrecken: Wir können den Widerspruch nicht auflösen,
dass dem schuldigen David vergeben wird, aber das
unschuldige Kind sterben muss.
Ich kann Ihnen darauf auch keine Antwort geben ...

Aber soviel ist hier auf jeden Fall deutlich:
Sünde ist nicht Privatangelegenheit des einzelnen,
sie zieht immer auch andere in Mitleidenschaft.
Und vielleicht haben wir hier schon einen Hinweis darauf, was
Gott 1000 Jahre später selber tun wird:
Sein Sohn wird sterben um der Sünde anderer willen.
Um meiner und deiner Lebensschuld willen ...
Der einzig Unschuldige, der je auf dieser Erde gelebt hat,
der stirbt, "auf dass wir Frieden hätten und durch seine
Wunden geheilt seien" (Jes 53).

Nicht nur David konnte umkehren, neu beginnen,
wir können es auch und wir sollten ihm folgen und dann Gott
darüber loben und preisen.
Amen.



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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