2014-11-30 1. Advent

Predigt über Matthäus 21,1-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen ersten Advents-

sonntag aus dem Matthäus-Evangelium Kapitel 21, 1-9:

Jesu Einzug in Jerusalem

„1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den 

Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht 

hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin 

angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt 

sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: 

Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. 4 Das 

geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den 

Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): 5 »Sagt der Tochter Zion: 

Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem 

Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6 Die 

Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und 

brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf 

und er setzte sich darauf. 8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre 

Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und 

streuten sie auf den Weg. 9 Die Menge aber, die ihm voranging 

und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, 

der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“

 

 

Die Erwartung Israels

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

Israel war voller Erwartung. 

Die Römer hatten das Land schon seit Jahren besetzt.

Sie erhoben Steuern, übten eine z. T. sehr gewalttätige Herrschaft

aus über alle und alles. 

Überall waren sie präsent, dafür standen ihre Soldaten und 

viele Verwaltungsbeamte. 

 

Keiner war mehr sein eigener Herr, 

die Israeliten waren Besiegte in einem besetzten Land. 

Wenn es drauf ankam rechtlos und ausgeliefert. 

Sie durften zwar noch ihren eigenen Glauben ausüben, 

aber auch das war den Römern ein Dorn im Auge. 

 

Kein Wunder also, 

dass im Volk Israel die Erwartung nach einem Befreier Jahr 

für Jahr zunahm.

Das Alte Testament war ja voller Verheißungen (voller Ansagen)

über einen Messias, 

der die Welt wieder in Ordnung bringen würde. 

Mit Macht und Herrlichkeit würde er kommen 

steht da mehrfach. 

Alle sollten vor ihm auf die Knie gehen. 

Ein Sohn Davids, ein Herrscher wie damals, 

wie ein David - und das war der, vor dem das gefährliche Volk

der Philister in die Knie ging, der es fast im Alleingang

besiegt hat. 

 

Vor dem großen Befreier würden sogar die Römer

kapitulieren müssen!

 

Und dann würde er die Gerechtigkeit wiederherstellen. 

Er wäre ein König für die Verlierer am Rand der Gesellschaft:

„Siehe, dein König kommt, ein Gerechter und ein Helfer!“ -

genau so war die Erwartung im Volk gestrickt. 

Und so erwarteten den Messias, 

den Befreier Israels. ( - ) 

 

Dann - zog Jesus - in Jerusalem ein - auf einem Esel (wahr-

scheinlich einem Maultier / Muli, der Kreuzung von Pferdehengst

und Eselstute), dem typischen Königsreittier. 

So wie einst König Salomo. 

Und stand nicht im Buch Sacharia, 

dass der Befreier auf so einem Tier einreiten wird?

 

In den Leuten, die dabei standen, 

kam Hoffnung auf: 

Einer nach dem anderen zieht sein Obergewand aus

und legt es zum Teppich auf den Boden, 

dazu noch Palmzweige und sie rufen: 

„Gib Heil, Hosianna. Hilf uns!“ - in Sprechchören haben 

sie das gerufen!

„Du Sohn Davids, gelobt seist Du!“

 

Gott wird seine Gerechtigkeit wieder aufrichten

und die ganze Welt soll sehen, wer die Macht hat. 

Endlich hat das Warten ein Ende!

So haben sie gedacht! ( - ) 

 

 

2. Worauf warten wir?

 

Liebe Gemeinde am 1. Advent, 

worauf warten wir?

„Advent“ heißt Ankunft, 

aber sind wir nicht beschäftigt mit Plätzchen backen, 

Überlegungen für ein schönes Festessen, 

mit Christbäumen und Weihnachtsmärkten?

Die seligen Weihnachtslieder verfehlen ihre Wirkung nicht. 

Sie entziehen uns eine Weile von unserer eigenen Wirklichkeit. 

 

Können wir überhaupt noch richtig warten?

Und sind wir mit unseren Erwartungen noch offen für den, 

der da kommen will?

 

Wir singen von der stillen, heiligen Nacht - und halten 

eigentlich die Stille kaum noch aus. 

Wir bereiten uns auf ein schönes, friedvolles, heimeliges Fest

am 24.12. vor - viele schon ganz ohne Gemeinde - ganz privat

familiär …

Und trotzdem gibt es selten mehr Streit in den Familien 

als am Heiligen Abend und in der Weihnachtszeit. 

Wo ist da die stille, heilige Nacht, die wir besingen?

 

Und was ist es eigentlich, 

das wir da ersehnen?

 

Wir singen vom „holden Knaben im lockigen Haar“ …

Wir erwarten den schönen Jüngling Jesus, 

der vom Dreck und Leid keine Ahnung hat. 

„Vom Ros, das entsprungen ist … aus einer Wurzel zart“

und denken an unsere Zierrosen im Garten, 

ob wir sie hoffentlich auch gut gegen die Kälte geschützt haben …

 

Es gibt viele schöne Lieder, 

aber „Gott bewahre!“, dass sie uns den Blick für die Realität

verstellen!

 

Denn der Jesus der Bibel kommt ganz anders!

 

 

3. Die große Ent-Täuschung

 

Wer kennt nicht die Enttäuschungen der Kleinen, 

weil vielleicht ein Stück Schokolade im Adventskalender fehlt

oder wenn das falsche Geschenk unter dem Christbaum liegt?

 

In Jesus kommt tatsächlich der Erlöser - 

aber so ganz enttäuschend 

und völlig anders als erwartet, liebe Gemeinde!

 

Denn dieser Jesus hat nicht die Römer aus dem Land geworfen!

Er hat kein Erdbeben kommen lassen, 

sich nicht an die Macht geschwungen

und vernichtet, was ihm im Weg stand!

 

Im Gegenteil: 

Voller Ohnmacht übergibt er sich den Römern!

Ohne Gegenwehr lässt er Folterungen und Gewalt über sich ergehen, 

stirbt schließlich ohne sich zu wehren am Kreuz. 

 

Sie kennen wahrscheinlich die Geschichte von Jesus, 

wie sie weitergeht. 

So, wie er auf die Welt gekommen ist 

in einem Hinterhof zwischen Kuhfladen und Eselsfutter - 

als Sohn Gottes in Windeln -, 

so sollte (und wie sich zeigen wird: so wollte -) er enden: 

Abgelegen, verachtet, verflucht. 

 

Aber es war nicht falsch,
Jesus mit „Hosianna“ zu begrüßen bei seinem Einzug in Jerusalem. 

Auch wenn sie nicht kapiert haben, 

dass dieser Jesus Christus sie tatsächlich befreien sollte. 

Zwar nicht von den Römern und ihrer Knute, 

dafür aber von der viel schwereren Knute der Sünde und des

Todes. 

 

Nur, das sahen sie nicht!

Sie waren blind von den vielen Erwartungen, 

die sie hatten … 

 

Wie oft suchen wir schnelle Wege, schnelle Lösungen 

und wir stürzen darauf los … im Beruf … in der Liebe …, 

manche beim Bauen 

und irgendwann merken wir: Ich war blind, gefangen in meinen Ideen. 

„Der Vater des Gedankens“ war schlicht mein Wünschen und mein Sehnen …

Falsche Erwartungen … bringen führen immer wieder zur

Enttäuschung! ( - ) 

 

 

Wenn wir heute - zurück blickend - über den Einzug von Jesus

in Jerusalem nachdenken, dann sehen wir weiter. 

Dann sehen wir heute am 1. Advent, 

dass wir Weihnachten und Karfreitag ganz eng zusammen sehen müssen, 

wenn unsere Erwartungen nicht in Schieflage geraten sollen. 

 

Und das ist gut so. 

Nur, wenn wir Weihnachten und Karfreitag zusammen sehen, 

bewahrt uns das vor den Irrläufern, 

in denen wir Weihnachten als diesseitige Seligkeit auflösen - 

und die jenseitige Rettung ausklammern und verachten. 

 

Gerade heute, 

wenn unsere erste Kerze am Adventskranz brennt

und wir anfangen, uns durch die Adventszeit 

auf das Kommen von Jesus einzurichten, 

erinnert uns der Predigttext für diesen Sonntag daran, 

auf wen wir da warten: 

Nicht auf den „Knaben im lockigen Haar“, 

sondern auf das Kind, 

dem der dreckigste Winkel dieser Welt nicht zu schade war, 

das fast auf der Straße geboren worden wäre, 

das Kind, das wie jedes Kind gestillt werden musste

und in die Windeln schiss. 

 

Und dann - warten wir auch - auf das „Lamm“, 

das zur Schlachtbank geführt wird, 

dem Tod preisgegeben - damit wir leben können

und das bis heute die Einladung zum Leben ist.  

 

Wir warten auf den, der am Kreuz - für uns - mit seinem Leben 

bezahlt hat: 

den HERRN, den Heiland, den Erlöser. 

Den, der uns auslöst aus der Gefangenschaft der Welt, 

den, er uns frei macht - nicht - 

vom Druck eines stressigen Leben, 

von so manchem Ärger, vom allerhand Kram und Zumutungen, 

aber doch frei von der Knechtschaft der Sünde. 

 

Indem Jesus sein Leben hingegeben hat - unschuldig -

für dich und für mich - schon damals in der Krippe

und 33 Jahre später am Kreuz. 

 

ER kommt auf uns zu mit seiner ganzen Liebe. 

Dieser HERR ist es, auf den wir warten

und auf nichts anderes. 

Alles andere sind Sonntagsreden … ist Belletristik … 

ist Wunschdenken. 

 

Das hier - ist nicht schön und heimelig. 

Aber staunenswert und wunderbar

und manchmal auch schmerzhaft!

 

Weil wir begreifen, dass Gott sich selbst klein machen muss, 

damit wir ihn sehen 

und bereit sind ihm zu begegnen. 

 

Nur so können wir aber wirklich froh sein 

und uns auf Weihnachten freuen -, 

weil Jesus kommt - und dürfen dabei nie vergessen, 

wie er gekommen ist und für wen: 

Nämlich für uns - mir und Dir zugut!

 

 

4. Machen wir uns bereit!

 

Gott kommt uns entgegen!

Wir gehen auf das kommende Reich von Christus zu, 

seine Wiederkunft um zu richten die Lebenden und die Toten. 

Machen wir uns bereit, indem wir Buße tun!

 

Buße tun heißt: umkehren in die offenen Arme Gottes. 

Es geht nicht darum, dass wir Gott gerecht werden, 

indem wir ihn ordentlich empfangen, 

für besinnliche Stimmung sorgen. 

 

Es geht darum, dass wir zulassen, dass er - zu uns - kommt, 

dass wir uns in Beziehung mit unserem Schöpfer setzen lassen

und dass wir - durch Umkehr zu Jesus - gerecht gemacht

und in Ordnung gebracht werden. 

 

Machen wir uns also bereit, indem wir umkehren.

 

Wenden wir uns ihm zu - und wenden wir uns ab - von den 

vielen Dingen, die uns Glück, Zufriedenheit und Heil versprechen, 

aber dieses Versprechen niemals halten können!

 

Machen wir die Augen auf, so dass wir erkennen, 

dass Gott zu uns kommt - 

und dass wir seine Ankunft in unserem Leben brauchen, 

weil wir sonst verloren gehen!

 

Wenden wir uns ab von der Beschaulichkeit

und hin - zu der Ehrlichkeit von Krippe und Kreuz, 

die uns zeigen: Wir haben es nötig, dass ER kommt!

 

Jedes Jahr ruft uns die Adventszeit ins Bewusstsein. 

ER, der kommt, will unser HERR sein, 

unsere Hilfe, unsere Rettung. 

Lassen wir es zu, dass er das sein kann

und dass sein Heil nicht an unserem Leben vorbei zieht!

 

Lassen wir es zu, dass ER unser Leben verändert, 

weil wir nach seinem Willen fragen 

und ihn tun. 

 

Auch heute - kommt ER zu uns. 

 

Und ER hat das Potenzial, uns sowohl aus Hochmut 

wie auch aus Lebensmüdigkeit zu erlösen. 

 

 

Die Zumutungen dieser Welt müssen wir trotzdem aushalten. 

Aber wir dürfen unser bisheriges Leben bei ihm abladen, 

die Schuld loswerden, die uns von Gott trennt

und dann als Befreite(r) leben. 

Als „Befreite“ deshalb, weil ER dann unsere Gerechtigkeit wird

und Frieden und Freude gibt, 

wie es sie nirgendwo sonst gibt. 

 

Auch heute. In der Adventszeit.

 

„Siehe, dein König kommt zu dir, 

ein Gerechter und ein Helfer.“

 

Das ist Advent. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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