2012-05-20 Jubelkonfirmation

Predigt über Jeremia 31,31-34 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Festgemeinde, liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn in den vergangenen Jahren mit Gott 

gemacht? Können Sie sagen: Ja, „Ich lobe den Herren, den mächtigen 

König der Ehren, ... der mich auf Adelers Fittichen sicher geführet“

(Lied zum Eingang)  

oder sind Sie heute halt gekommen, weil die Einladung so nett war?

Aber eigentlich haben Sie den Faden zu Gott verloren, 

vielleicht gar nie richtig gefunden, trotz Konfirmation damals?

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

 

Als Sie konfirmiert wurden, da war das Leben noch sehr bescheiden, 

aber man hat zusammen gehalten - auch weil man musste. 

1952 - als Sie, liebe Diamantkonfirmanden Gott ihre 

Treue gelobt haben und ins volle Leben gestartet sind, 

da waren die Lehrstellen noch knapp. 

Etliche mussten nehmen, was es halt gab. 

Ob sie den Platz wirklich wollten oder nicht. 

Und: Es gab immer noch vermisste Väter und ältere Geschwister ...

 

Auch im Konfirmanden-Unterricht, der noch zwei Jahre dauerte, 

ging es streng zu: 

Viele Verse mussten gelernt werden und Sprüche, 

die Dennacher sogar mehr, weil sie eine kleinere Gruppe waren,

wer sie nicht konnte, hat sie auch schon mal zur Strafe abschreiben müssen. 

Und doch ist manches segensreich hängen geblieben. 

Vielleicht auch durch die Christenlehre, die sich danach noch zwei Jahre

anschloss. Und von der man sich entschuldigen musste, wenn man 

nicht kam. So war das 1952. 

 

Zehn Jahre später, 1962, war manches schon etwas „lockerer“, 

so ging der Konfirmanden-Unterricht auch nur noch ein Jahr. 

Und ein neuer Pfarrer war aufgezogen: Pfarrer Richter. 

Er kam brachte ganz neue Ideen ins Gemeindeleben mit, 

aber einfach neu und anders muss auch nicht überzeugender sein ...

 

Was ist davon geblieben?

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

seine Nähe gesucht im Gottesdienst?

Und große Dinge mit ihm erlebt!?

Oder war die Konfirmandenzeit damals eher eine Schnellbleiche, 

nicht wirklich lebenstauglich?

 

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat  dazu geführt, dass Sie an diesem Gott irre geworden 

sind,  weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten

oder Anderes ist Ihnen wichtiger geworden?

Wie auch immer, er war bei Ihnen bis heute, 

hat sie vielfach bewahrt und mit Liebe umgeben, 

sucht bis heute jeden Tag neu ihre dankbare Antwort. 

 

Und so hören wir auch heute wieder das Wort Gottes. 

Es steht für diesen Sonntag in Jeremia 31, den Versen 31-34: 

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem 

Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, 

als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, 

ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr HERR 

war, spricht der HERR; 

sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel

schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein 

Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie 

sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 

Und es wird keiner den anderen noch ein Bruder den anderen 

lehren und sagen: „Erkenne den HERRN“, sondern sie sollen 

mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR;

denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde 

nimmermehr gedenken.“

 

 

Liebe Festgemeinde, liebe ehemalige und neue Konfirmanden,

eine alte indische Fabel erzählt von einer Maus, 

die in großer und ständiger Angst vor der Katze lebte. 

Ein Zauberer hatte Erbarmen mit der Maus und 

verwandelte sie in eine Katze. 

Aber jetzt hatte die Maus, die in eine Katze verwandelt worden war, 

eine ständige Angst vor dem Hund. 

Also verwandelte sie der Zauberer in einen großen Hund. 

Doch jetzt als Hund fürchtete sie den Panther. 

Und der Zauberer verwandelte sie in einen Panther.

Aber jetzt hatte sie Angst vor dem Jäger.

Da gab der Zauberer auf, verwandelte sie wieder in eine Maus zurück

und sagte: „Dir wird keine äußere Verwandlung helfen, 

denn du hast immer das Herz einer Maus!“

 

Der Zauberer konnte das Grundproblem der Maus nicht lösen. 

Ihr Herz war und blieb ängstlich. 

 

Diese Fabel wirft ein Schlaglicht auf das menschliche Herz. 

Es bleibt dasselbe, egal welche Rollen Menschen spielen, 

egal in welchen Positionen sie stehen, 

egal wie sie sich anderen gegenüber darstellen oder aufspielen. 

 

Spüren wir es nicht immer wieder, dass der Mensch derselbe bleibt?

Angefangen vom kleinen Trotzkopf, der seinen Willen nicht kriegt, 

bis zu den Erwachsenen, die sich vor Gericht um Nichtigkeiten streiten?

Ein Kommunalpolitiker hat gesagt: „Es ist zum Davonlaufen: alles 

gute Bemühen wird immer wieder bei weitem übertroffen von der

Dummheit, der Eigensucht und der Bosheit der Leute!“

 

Wie oft haben wir gehört, die Welt sei seit dem 11.9.2001 eine 

andere geworden? Ist sie das?

Nein, sie ist die alte geblieben!

 

Wie sieht es in unserem Herzen aus?

Wer sich ehrlich betrachtet, muss sagen: Aus meinem Herzen 

kommt nichts Gutes! 

Ich erschrecke manchmal über mich selber. 

Was für Gedanken können da nicht aufsteigen!?

 

Deshalb: Wer den Menschen verändern will, der muss am 

Herzen des Menschen ansetzen und das geht nicht durch 

große Worte, Appelle an die Menschlichkeit, soziales Handeln. 

 

Wenn die Bibel von „Herz“ redet, dann meint sie das Innere des

Menschen, den Sitz seiner Empfindungen und Gedanken, 

die Entscheidungszentrale!

 

Über sie klagt der Prophet Jeremia. 

Dabei hatte alles so gut angefangen: 

Er erinnert an den alten Bund, den Gott mit Israel geschlossen hatte.

Am Berg Sinai hat er ihnen fest versprochen: 

„Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“ 

Und sie haben von Herzen Ja gesagt!

 

Da hat er ihnen seine Gebote gegeben, 

als Leitlinien zu einem Leben, das gelingt und Gott segnen wird. 

„Du sollst den HERRN, deinen Gott lieben von ganzem Herzen 

und von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und wiederum: 

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Das ist so ein Starsatz aus der Konfirmandenzeit ...

Liebe Gott und deinen Nächsten!

 

Gott selber hat Sie immer wieder aus Liebe zu sich gezogen, 

die Leute damals sogar aus Ägypten befreit. 

Ein durch und durch väterliches Bild zeichnet hier Jeremia von Gott. 

 

Aber enttäuscht stellt Jeremia fest: Sie halten meinen Bund nicht. 

Sie verschließen ihre Ohren und Herzen für Gottes Führen und Mahnen. 

Nur noch noch ein Scherbenhaufen war vom Bund Gottes übrig. 

 

Das kann auch bei uns so sein, 

die wir einmal an unserer Konfirmation zu diesem Bund mit Gott

Ja gesagt haben. 

Aber danach hat uns unser Herz von Gott weg geführt ...

Liebe, Ehre, Karriere, Geld waren uns wichtiger. 

Das geht so schleichend und auf einmal ist der Kontakt 

abgebrochen, die Leitung zu Gott tot, nur noch Selbstgespräch ...

 

Aber Gott lässt das nicht kalt, 

er ist auch nicht der harmlose „liebe Gott“, 

der letztlich immer alle Augen zudrückt und doch wieder

JA und AMEN sagt. 

Gott ist nicht der Gott, den man ohnehin nicht ernst zu nehmen braucht. 

 

So war Gott mit seinem Volk damals im Grunde am Ende. 

Und hätte er - mit ihm endgültig - Schluss gemacht, wäre das absolut 

verstehbar gewesen. 

Sie waren ja selber Schuld, diese Menschen, 

mit ihrem alten, kalten und lieblosen Herzen. 

Jeremia hatte schon recht, als er diagnostizierte: 

„Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es 

ergründen?“ (17,9).

Gott hätte wirklich Schluss machen können.

 

Aber - Gott ist so unglaublich anders!

Er freut sich nicht über Scherben. 

Er freut sich nicht über den zerbrochenen Bund.

Nein, Gott hat kein trotziges Herz, wie wir Menschen. 

Sonst hätte er anders reagiert. 

Er schlägt auch nicht blindlings drein, 

sondern gibt den Menschen noch einmal eine Chance, 

eine große letzte - und das ist seine Botschaft hier an sein Volk. 

 

Von sich aus eröffnet er einen Neuen Bund, 

fängt noch einmal von vorne mit uns an. 

 

Dabei wird der Vertragsbruch nicht verwiegen. 

Aber Gott betont: Ich trage nicht nach, 

ich kann „vergeben und vergessen“ und so 

kündigt er einen Neuanfang mit den Menschen an - mit neuer Therapie. 

Weil ihm die Diagnose keine andere Wahl lässt:

„Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?“

 

Appelle an uns haben nichts gebracht. 

 

Der Mensch ist aus eigener Kraft nicht fähig, 

den Willen Gottes zu erfüllen. 

Die Hilfe muss von außen kommen, genauer gesagt von oben. 

Und Gott lässt sie durch den Propheten Jeremia ankündigen:

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.“ 

 

Im alten Bund war Gottes Programm für das Leben 

von Gott persönlich, auf zwei Steintafeln, geschrieben. 

Aber im Herzen war es nicht verankert. 

Künftig soll Gottes Programm in unser Innerstes hinein geschrieben 

sein, so dass wir es aus eigenem Antrieb, 

mit Lust und Liebe von selber - uns sogar gerne - erfüllen. 

Gott gehorchen soll keine lästige Pflicht mehr sein, 

sondern ein inneres Bedürfnis. 

Gott selber - schafft - das gehorsame Herz.

 

Wenn wir danach fragen, wie das zugehen soll, 

dann legt uns der Prophet Hesekiel dazu eine Spur: 

Im Namen Gottes verkündigt er: „Ich will ihnen ein anderes Herz geben 

und einen neuen Geist in sie geben.“ 

 

Damit sind wir schon fast im Neuen Testament angekommen. 

Bei Jesus und warum er überhaupt in diese Welt kam, 

wo das alte Herz doch alles bestimmt. 

 

ER kam, weil Gott durch IHN das neue gehorsame Herz schaffen will. 

In mir und Dir. 

Nicht aus uns heraus durch Anstrengung und Gutes tun,

sondern durch eine Herz-Transplantation: 

Das Herz von Jesus für mein altes Herz. 

So will Gott mit jedem von uns einen neuen Bund schließen.

 

Praktisch sieht das so aus, dass ich erst einmal einsehen muss, 

dass ich dieses neue Herz von Jesus wirklich brauche

und nicht länger versuche, einfach so weiterzumachen. 

Ich muss es Gott bekennen: 

Mit meinem natürlichen Zustand kann ich nicht bestehen. 

Ich habe und werde Deinen Bund mit mir so niemals erfüllen können. 

Deshalb bitte ich Dich: Gib mir das neue gehorsame Herz, 

das ich brauche. 

Ich will gerne leben. 

Leben einem neuen Herzen von Dir. 

 

Und Jesus verspricht (Lk 11,13): „Um wie viel mehr, wird der Vater im 

Himmel euch, die ihr doch böse seid ..., den Heiligen Geist geben, 

wenn ihr ihn darum bittet!“

 

Wir dürfen zu Gott kommen - auch heute, nach 50 oder 60 Jahren 

wieder und ihn bitten: 

Gib mir doch Deinen Heiligen Geist, ein neues Herz, 

damit Dein Bund mit mir endlich zum Ziel kommt. 

 

 

Und dann wird dieser Geist kommen und das Steuerrad meines 

Lebens übernehmen. 

Und ich werde Dinge aus der Bibel, 

die im Konfirmanden Unterricht einmal gelernt habe (vielleicht total 

widerwillig), plötzlich ganz anders sehen, 

sie werden mich leiten und führen:

„ER wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, 

was ich euch gesagt habe“ (sagt Jesus von diesem Geist). 

Und das Neue: Ich werde es gerne tun, Gott gehorchen, 

auch dort, wo ich bisher einen großen Bogen drum herum 

gemacht habe.

 

Und etwas unglaublich Schönes stellt sich ein: Da ist plötzlich 

die Angst der Maus vor der Katze weg, meine Lebensangst, 

die Angst vor dem Zu-kurz-Kommen, vor dem Alter ...

 

Denn das neue Herz verbindet mich mit dem Herzen Gottes. 

Durch Jesus, 

in dem sich Gott zu erkennen gegeben hat

und der alles neu macht, 

der die Gemeinschaft mit mir sucht. 

In Jesus können wir Gott erkennen - und lieben. 

 

Dieser Jesus war und ist für alle Menschen da.

Ganz gleich, welche Vergangenheit wir haben.  

Und er hat schon bei vielen alles neu gemacht, 

die mit ihm so - den Bund fürs Leben - geschlossen haben. 

Durch Jesus. 

 

Dazu will ich den neuen Konfirmanden unter uns gerne Mut machen

und die Jubelkonfirmanden daran erinnern, 

dass Jesus auch heute noch einlädt. 

Er sucht die Gemeinschaft mit Menschen, 

deren Leben alles andere als glatt gelaufen war. 

Menschen mit Krankheiten, mit Verletzungen, 

mit Wunden in der Seele, mit Schuld. 

Die Begegnung mit IHM kann sie heilen. 

 

Vor zwei bzw. drei Wochen sind unsere Konfirmanden gefragt worden: 

„Wollt ihr mit Jesus Christus (als) eurem Herrn leben, 

im Glauben an ihn wachsen

und in seiner Gemeinde bleiben?“

 

Mein ehrliches „Ja - und Gott helfe mir!“ auf diese Frage 

führt zum neuen Bund, zum neuen Herzen, 

zur Freude des Glaubens, zum Gehorsam.

Bis heute.

 

Und ich wünsche uns allen, dass wir es erleben

und von Gott Gesegnete sind. 

Amen

Impressionen in Bildern ...

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Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 18.10.2018
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Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger