2012-05-17

Predigt über Offbarung 1,4-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Gemeinde, 

wir haben doch wunderschöne Feste in unserer Kirche. 

Weihnachten, das schönste von allen,

Erntedank, mit den Früchten und Blumen. 

Konfirmation, mit den vielen jungen Leuten. 

Ostern mit seiner Auferstehungsfreude. 

 

Ja, damit lässt sich was anfangen. 

Aber Himmelfahrt? 

Für viele ein unbekanntes und vor allem unverstandenes Fest. 

Denn viele verstehen nicht, was wir meinen, 

wenn wir "Himmel" sagen.

Die Engländer sind da in ihrer Sprache viel präziser. 

Sie haben zwei Wörter, wo wir in unserer Sprache 

nur eines haben. 

Die Engländer sagen "sky" und meinen damit die Wolken 

und das blaue Firmament, das wir sehen, 

wenn wir nach oben schauen. 

Und sie sagen "heaven", wenn sie den Ort meinen, 

wo Gott regiert. 

 

Und der ist nicht irgendwo "oben", sondern überall dort, 

wo Gott (für unsere fünf Sinne unsichtbar) ist und wirkt, 

Und das ist der viel größere Bereich der Wirklichkeit, 

im Vergleich zum kleinen Ausschnitt, den wir Menschen überhaupt

erfassen können. 

 

Himmel, das ist, wo Gott der HERR ist

und kein anderer, 

wo Gott König ist - und Jesus unser Meister. 

 

Wenn es deshalb im Glaubensbekenntnis von Jesus heißt 

"aufgefahren in den Himmel", dann bedeutet das übersetzt: 

Er ist König, Herrscher der Welt. 

Sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. 

Diesen Akzent setzt heute an Himmelfahrt auch Gottes Wort. 

Ich lese aus dem Buch der Offenbarung des Johannes im 1. Kapitel 

die Verse 4-8 einmal nach der Übertragung von Walter Jens

(Offenbarung 1,4-8):


„Johannes grüßt

in der Landschaft Asien,

die sieben Gemeinden:

Gnade für Euch

und Friede 

von dem, der da ist und war und kommen wird.

Gnade und Friede von dem Heiligen Geist,

der vor Gottes Thron steht,

und uns freundlich anblickt.

Gnade und Friede von Jesus,

dem verlässlichen Zeugen,

der auferstanden ist 

unter den Toten,

ER: ganz allein,

und über die Herren der Erde gebietet.

Ihm, der uns liebt

und uns erlöst hat

mit seinem Blut

von unsern Sünden,

ihm, dem Gesalbten,

der uns, die Bürger seines Reichs,

zu Priestern gemacht hat

vor Gott, seinem Vater.

Ihm sei Ehre und Herrlichkeit

für alle Zeiten:

so soll es sein.


Schaut! Er kommt auf den Wolken!

Alle Augen werden ihn sehen 

und es starren ihn an

die Gesichter der Männer,

die ihn folterten.

Weh! Alle Völker der Welt

werden sich

um seinetwillen

die Kleider zerreißen. -

Ja, so wird es sein.

Ich bin das A und O,

spricht Gott, der Herr,

ich bin der Anfang,

und ich bin das Ende,

Gott, der da ist und war und kommen wird,

der Herrscher über alle Könige.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,

Gott, der Herr, 

der Anfang und das Ende, 

der da ist und der da war und der da kommen wird. 

Und Jesus, der verlässliche Zeuge, 

der allein gebietet über die (Damen und) Herren der Erde.

Und der Heilige Geist, der uns freundlich anblickt.

 

Er liebt uns.

Er ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben. 

Er macht uns im Glauben an Jesus zu Bürgern seines Reichs

und zu Priestern. 

 

Als Johannes diese Zeilen schreibt, ist Rom keine Demokratie. 

Es herrscht vielmehr ein Kaiser, der sich als Gott verehren lässt. 

Im Geschichtsbuch lesen wir über Kaiser Domitian, 

dass er sehr selbstherrlich regiert hat. 

Das Streben nach Harmonie verachtete er als Schwäche. 

Domitian sah sich im römischen Reich nicht als Erster 

unter Gleichen, sondern als allen anderen übergeordnet - 

und er zeigte das auch. 

 

Wenn er den Senat betrat, trug er nicht die Toga, 

sondern das purpurne Triumphgewand des siegreichen Feldherrn, 

darin dem höchsten Gott Roms, Jupiter, 

und nicht den Senatoren gleich. 

Ihm voran schritten 24 Liktoren statt der bescheidenen 12, 

mit denen sich alle Kaiser seit Augustus begnügt hatten. 

Außerdem hat er sich den Titel 'Dominus et Deus' 

(Kaiser und Gott) zugelegt. 

 

Johannes konnte und wollte als Christ diesen Menschenkult 

nicht mitmachen. 

Wer ist Herr? - Herr ist Jesus allein, sagt er - aufgrund 

der Offenbarung, die ihm Gott gibt. 

Alle Augen sehen auf Jesus.  

Ihm sei Ehre und Herrlichkeit für alle Zeiten. 

Er ist das A und das O, der Anfang und das Ende, 

der Herrscher über alle Könige. 

 

Weil Johannes sich dem Kaiser nicht beugt 

und nur vor Jesus auf die Knie gehen will, 

landet er auf der Gefängnisinsel Patmos, 

einer Strafkolonie im Ägäischen Meer vor der kleinasiati-

schen Küste. 

 

Domitian - Kaiser und Gott. 

Aber wer weiß heute noch was über ihn? 

Im Jahr 96 ist er von seiner Palastwache ermordet worden,  

unter Zustimmung des Senats 

und sogar unter Zustimmung der eigenen Frau. 

Ein grausamer, selbstherrlicher Herrscher, 

der anderen das Atmen schwer gemacht hat. 

 

Er kannte keine Gnade, schloss keinen Frieden. 

Für ihn galt nur ein Gesetz: Ich oder du. Tod oder Leben. 

Die Römer haben Domitian nach seinem Tod deshalb nicht 

unter die Götter aufgenommen, 

wie sie es mit anderen Kaisern gemacht haben. 

Seine Gesetze und Verordnungen hat der römische Senat 

sofort nach seinem Tod für null und nichtig erklärt 

und alle Inschriften und Bildnisse tilgen lassen. 

 

Und Jesus, liebe Gemeinde, und Jesus? 

 

Der Gegensatz zu Domitian könnte kaum krasser sein. 

Jesus - ist die rettende Liebe Gottes in Person. 

Von ihm kommen Gnade und Frieden. 

Er liebt uns. 

Er opfert nicht unser Leben, sondern opfert sein Leben für uns, 

ruft uns zurück zu Gott, will nicht, dass wir verloren gehen. 

Was er sagt, ist wahr und verlässlich. 

Er ist der treue, vertrauenswürdige Zeuge Gottes, 

der uns freundlich einladend anschaut. 

 

Wem sollten wir also eher die Herrschaft über unser Leben 

einräumen, Domitian oder Jesus? 

Die Antwort kann ich mir schenken. 

 

Johannes bleibt standhaft bei seinem Bekenntnis: 

Herr ist Jesus allein! - "... der ist, der war und der kommt!"

Johannes prägt hier eine kurze Formel, 

aber sie zeigt, wovon er zutiefst überzeugt ist: 

Jesus ist da! 

Auch wenn der Kaiser Domitian (wie die selbst erklärten 

Wichtigkeiten heute ...) sich als Gott (als Maßstab aller Dinge) 

feiern lässt, auch wenn er mein Leben und das der Gemeinde 

mit dem Tod bedroht, Jesus ist da! 

 

Nur manchmal sieht es so aus, 

als habe er euch den Rücken gekehrt, 

als habe er euch seinen Segen entzogen. 

Er ist trotzdem da und sorgt für euch und für seine Gemeinde, 

besser und nachhaltiger als ihr ahnt. 

 

Oft wird uns das erst im Nachhinein klar, wenn die Gefahr 

überstanden ist. 

Wenn wir auf unser Leben zurückschauen, 

erst dann erkennen wir manchmal wie im Rückspiegel: 

Jesus hat dafür gesorgt, dass wir durchhalten konnten. 

Dass wir nicht in Sorgen und Problemen untergegangen sind. 

Dass er uns über Abgründe und Untiefen hinweg getragen hat 

wie auf starken Flügeln. 

 

Deshalb sagt Johannes auch: Jesus ist bei euch, 

so wie er auch in der Vergangenheit bei euch war! 

Wenn er nicht da gewesen wäre, ihr würdet längst nicht 

mehr leben. 

Und wenn er euch nicht am Leben erhalten hätte, 

es gäbe euch schon längst nicht mehr. 

Und damit keiner sagen kann: Was nützt es mir, dass Gott mich 

früher einmal bewahrt hat, ich bin doch jetzt in Gefahr, 

fügt er noch dazu: Und er kommt! 

Für seine Nachfolger zum Heil, 

für die, die ihn ignoriert (den guten alten Mann der christlichen 

Tradition sein ließen), zum Gericht. 

 

Und wenn er kommt, dann bedeutet das für die Seinen

den lang ersehnten Frieden, der eigentlich schon längst angefangen hat. 

Dann wird er euch befreien von aller Unsicherheit, 

von aller inneren Zerrüttung und Unruhe, sagt Johannes. 

ER - ist euer Friede!

 

Mit all dem lenkt Johannes also den Blick der Nachfolger von Jesus

auf die Mitte ihres Glaubens hin. 

Er kann nicht anders, als in höchsten Tönen Jesus zu loben und zu preisen. 

ER - ist der Anfang von allem. 

ER - ist auch das Ende von allem. 

Mit IHM fängt alles an und mit IHM hört einmal alles auf. 

Nach ihm kommt nichts mehr, 

kein Krieg, kein Unfriede, keine Tränen mehr!

 

Am Ende wird ER alles sein: das Leben, die Macht, die Kraft, 

die Herrlichkeit. 

Ewige Freude und ewiges Leben - allen, die ihm gehören.  

 

Aber jetzt müssten wir eigentlich alle ganz still werden 

und nachdenken und uns fragen: 

Wo habe ich mich dessen eigentlich als würdig erwiesen? 

 

Ihr jungen Leute (Jüngeren), wo habt ihr deutlich gemacht: 

Jesus ist HERR in meinem Leben? 

Wie viel Zeit habt ihr in den letzten Tagen und Wochen mit 

IHM verbracht? 

Wie oft habt ihr gebetet oder in seinem Wort gelesen? 

Wie oft habt ihr Gemeinschaft mit anderen Christen gehabt? 

Wie sehr habt ihr euch darum bemüht, dass euer Leben 

Gott wirklich gefällt? 

 

Aber auch wir Erwachsenen (Älteren) müssen uns fragen: 

Wo habe ich mich zu Jesus als meinem Herrn bekannt? 

Habe ich mich von der Macht des Dorfgesprächs oder der Macht 

der Medien einschüchtern lassen: 

von Dokusoaps und Filmen, die versuchen, Jesus madig 

zu machen und so viele Zweifel an den biblischen Grundlagen 

unseres Glaubens säen. 

Wir müssen da drüber stehen. 

Wir dürfen darüber lachen und solche Filme und Auslassungen

der Lächerlichkeit preisgeben. 

Jesus ist HERR. Das gilt!

Wir lassen uns von nichts und nichts aus der Bahn werfen und 

nicht von Meinungen anderer irritieren. 

Wir machen es wie Johannes, der sagt: 

Wo Menschen Jesus gehören, da breitet sich sein Reich, 

seine Macht, seine Liebe und sein Frieden aus. 

Jesus hat uns als Bürger und Priester in seinem Reich berufen.

Und wo wir ihm mit Ernst nachfolgen, 

da erfahren wir seine Kraft und Macht auch - jeden Tag aufs Neue!

 

 

Liebe Gemeinde, 

sehen Sie, auch das ist Himmelfahrt, 

dass wir uns wirklich ernsthaft mit den Anfragen unserer Zeit

auseinander setzen, ihnen Paroli bieten. 

Denn die Sache von Jesus ist noch längst nicht vorbei. 

Christen leben nicht rückwärts gewandt 

mit starrem Blick auf vergangene Zeiten 

und womöglich genauso ängstlich wie die, in deren Leben 

Jesus noch nicht angekommen ist. 

 

Christen dürfen wissen: Jesus Christus herrscht als König, 

das heißt auch: Er kommt wieder. 

Seine beste Zeit kommt erst noch. 

Ja, der Höhepunkt seines Wirkens steht uns erst noch bevor. 

 

Denn werden vielen die Augen aufgehen, 

wenn Jesus wiederkommt: 

den Mächtigen dieser Welt, den Schurken dieser Welt, 

aber auch allen, die sein Kommen herbeisehnen. 

Alle aber, die in ihm die Wahrheit erkennen, 

werden am Ende sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht. 

Ihre Kleider werden leuchten wie der reinste Schnee 

und sie werden mit ihrem Herrn versammelt vor seinem 

himmlischen Thron stehen und ihn dort anbeten. 

 

Das ist die eigentliche Dimension von Christi Himmelfahrt. 

Nicht der „Vatertag“.

 

"Jesus, Du bist Herr und Gott! 

Du hast alle Dinge geschaffen. 

Deshalb bist du würdig, dass alle dich preisen, 

dich ehren und dir gehorchen! 

Lass uns dieses geschenkte Leben als Zeit der Gnade

und der Möglichkeit zur Umkehr nicht versäumen. 

Lob und Ehre, Herrlichkeit und Macht dem, 

der auf dem Thron sitzt, für immer und ewig." 

Amen.

 

(Diese Predigt übernimmt Vorarbeiten von Pfarrer Markus Schanz)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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