2017-04-02 Gottesdienst mit Jubelkonfirmation

Predigt über 4. Mose 21,4-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Goldene und Diamantene Konfirmation in Schwann

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Goldene und Diamantene Konfirmation in Dennach

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Liebe Festgemeinde, liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn 

in den vergangenen Jahren mit Gott gemacht?

Können Sie sagen: 

Ja, „Ich lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, ... 

der alles so herrlich regieret, 

der mich auf Adelers Fittichen sicher geführet“

(Lied zum Eingang)?

 

Oder ist Ihnen dieser Gott eher fremd?

 

Manche Menschen haben ihn trotz Konfirmation 

so nie kennen gelernt!

Andere haben ihn erst nach der Konfirmation 

erst richtig kennen und lieben gelernt!

 

So hat jeder von uns heute seine eigene Geschichte. 

Viel, worüber Sie sich gegenseitig heute noch er

erzählen können. 

 

Als Sie damals konfirmiert wurden, 

zumindest im Jahr 1957, da war das Leben noch 

deutlich bescheidener wie heute. 

1967 dann hatte sich schon vieles verändert. 

Die „68er“ kündigten sich an, die Studentenproteste 

aber es war auch das „Jahr des Tourismus“. 

Die Deutschen … als Reiseweltmeister.

 

Als wir uns getroffen haben um diesen Tag vorzubereiten, 

da haben Sie so einiges erzählt, wie das damals

war in Ihrem Konfirmanden-Unterricht, 

getrennt nach Schwann und Dennach. 

 

Wer am Sonntagmorgen früh in der Kirche war, durfte die

Glocken läuten. 

Der zweijährige Unterricht war 1967 bereits abgeschafft. 

Ich habe heraus gehört, dass diese Generation schon 

einiges „aufmüpfiger“ war als frühere …

Aber es ging natürlich immer noch sehr streng zu …

es musste viel auswendig gelernt werden, 

auch aus dem Katechismus.

Strafen, manchmal sogar Geldstrafen, wurden verhängt …

 

Ein bisschen „ratlos“ war ich allerdings -, 

dass Ihnen so wenig Lebenswichtiges eingefallen ist, 

was diese Zeit für Sie gebracht hat!?

Und ich bin mir nicht ganz sicher, 

wie ich mir Ihren Konfirmandenunterricht damals 

eigentlich vorstellen soll!? ( … )

 

Heute machen wir als Pfarrer nach jedem Konfi-Jahr

auch ein Stück kritische Bilanz:

Was ist wohl hängen geblieben, 

was hat unsere Konfirmanden tief berührt

von dem, was wir behandelt haben?

 

Klar lässt sich das heute noch nicht wirklich überblicken!

 

Aber ist da wirklich eine gute Basis gelegt worden, 

von der aus junge Leute gerne und entschieden mit Jesus 

unterwegs sein wollen im Leben?

 

Darf ich Sie heute einmal so fragen: 

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Aber auch: Haben Sie das Treueversprechen von damals 

eingehalten, 

Haben Sie Gott Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

ihn gesucht in seinem Wort und im Gottesdienst?

Vielleicht große Dinge mit ihm erlebt!?

 

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat dazu geführt, 

dass Sie  sind an diesem Gott irre geworden,  

weil sie seine Führungen nicht verstehen konnten

oder sich Anderes ist Ihrem Leben vor ihn geschoben hat!?

 

Wie auch immer, 

wir haben heute einen Predigttext aus dem Alten Testament vor uns, 

in dem auch Menschen gestartet sind, 

genauer: Die Israeliten sind gestartet in Richtung

verheißenes Land. 

 

Schon viele Jahre sind sie unterwegs: 

Durch die Wüste. 

Bei sengender Hitze

Und nach etlichen Umwegen

nervlich angespannt bis an die Grenze. 

 

Da passiert das Unfassbare: 

Das Volk der Edomiter verweigert Ihnen den Durchzug. 

Anstatt in nur fünf Tagen am Ziel zu sein, 

heißt es für die Israeliten: Noch einmal zurück in die Wüste!

Das versprochene Land liegt vor ihnen, 

aber hinein kommen sie nur durch einen total unverständlichen

und grausamen Umweg. 

 

Und da kippt die Stimmung. 

Kennen Sie das?

 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem 4. Mosebuch, 

Kapitel 21, die Verse 4-9:

„4 Als die Israeliten vom Berg Hor aus weiterzogen, wandten sie 

sich zunächst nach Süden in Richtung Schilfmeer, um das Gebiet 

der Edomiter zu umgehen. Aber unterwegs verlor das Volk die 

Geduld 5 und sie beklagten sich bei Gott und bei Mose: »Warum 

habt ihr uns aus Ägypten weggeführt, damit wir in der Wüste sterben? 

Hier gibt es weder Brot noch Wasser, und dieses elende Manna hängt 

uns zum Hals heraus!« 6 Da schickte der Herr zur Strafe giftige 

Schlangen unter das Volk. Viele Israeliten wurden gebissen und 

starben. 7 Die Leute kamen zu Mose und sagten: »Es war nicht recht, 

dass wir uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt haben. 

Leg doch beim Herrn ein Wort für uns ein, damit er uns von diesen 

Schlangen befreit!« Mose betete für das Volk 8 und der Herr sagte 

zu ihm: »Fertige eine Schlange an und befestige sie oben an einer 

Stange. Wer gebissen wird, soll dieses Bild ansehen, dann wird er 

nicht sterben!«.9 Mose machte eine Schlange aus Bronze und 

befestigte sie an einer Stange. Wer gebissen wurde und auf diese 

Schlange sah, blieb am Leben.“ (Gute Nachricht Bibel)

 

 

Drei Beobachtungen aus diesem Bibelwort

will ich uns allen heute mitgeben: 

 

1. Umsehen - Gott regiert (Vv4f)

 

Es ist schon heftig, was die Israeliten durchmachen müssen. 

So kurz vor dem Ziel zwingen sie äußere Umstände zur Rückkehr 

in die Wüste. 

Anstelle des gelobten Landes geht‘s wieder auf den Wüstenweg

der Gefahren und Entbehrungen, 

fast 40 Jahre machen sie das jetzt schon mit ...

 

Da ist es doch eigentlich nur verständlich, 

wenn wir da von den Israeliten lesen: 

„ Aber unterwegs verlor das Volk die Geduld “ oder wörtlich

„Und das Volk wurde kurzatmig wegen des Umwegs“. 

 

Es geht ihnen die Luft aus,

der lange Atem der Geduld und des Wartens auf 

die versprochenen besseren Tage 

und die Tag für Tag dafür nötige Kraft auf dem Marsch dorthin. 

Sie können nicht mehr. 

 

„Ich kann nicht mehr!“

Jeder von uns wird das schon gesagt haben, 

kennt die Wüstenzeiten, in denen diese Worte alles zusammen

fassen, was in uns vorgeht. 

 

Und die Frage ist jetzt, wie wir mit solchen Empfindungen umgehen. 

Von den Israeliten lesen wir (Vv4f): „Aber unterwegs verlor das Volk die 

Geduld 5 und sie beklagten sich bei Gott und bei Mose: »Warum 

habt ihr uns aus Ägypten weggeführt, damit wir in der Wüste sterben? 

Hier gibt es weder Brot noch Wasser, und dieses elende Manna hängt 

uns zum Hals heraus!«

 

Was ist das Problem, wenn das Durchhängen 

doch eigentlich absolut verständlich ist? 

Damals wie heute …

 

Das Problem, auf das Gott auch in aller Schärfe reagiert, 

ist nicht die Müdigkeit der Leute, sondern ihr Umgang damit, 

wie es doch Gott war, der sie in die Freiheit geführt hat!

Er hat sein Volk aus Ägypten gerettet, 

es versorgt mit Brot vom Himmel (dem Manna)

und jetzt muss er sich anhören: Du treibst uns in den Tod. 

 

Verständlich, dass Gott da einschreitet!

 

Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, 

dass nur der Teufel aus der Geschichte lernt, 

können uns doch das negative Beispiel unseres Bibelworts

und eine ganze Reihe anderer - positiver - Beispiele klar machen, 

dass es in solchen Wüstenerfahrungen bessere Reaktionen gibt. 

 

Ich selber will aus dieser Begebenheit lernen: 

Nicht die Umwege sind es, die uns das Ziel verfehlen lassen!

Erst wer aufhört, sein Vertrauen auf Gott zu setzen, 

verpasst Gott und mit ihm das Ziel …

 

Und dazu gehört für mich: 

Wenn ich aufhöre dankbar zu sein, dann geht’s abwärts!

„Lobe den Herrn meine Seele - und vergiss nicht, 

was er dir Gutes getan hat …“ (Ps 103)

 

Wie geht’s Ihnen damit?

Es ist so leicht, Gott zum Sündenbock zu machen

oder die anderen oder die Umstände!

 

Aber vielfach sind wir doch einfach „blind“, 

wenn es um uns geht!

 

Ich will für mich selber festhalten: 

Derselbe Gott hat auch mich bis zu diesem Tag immer wieder

großartig geführt und bewahrt. 

Er kann auf krummen Linien gerade schreiben, 

Er war nicht nachtragend, sondern hat mich wieder aufgehoben

wo ich ihn um Vergebung gebeten habe.

 

Und so will ich mich umschauen und entdecken, 

was er für mich noch „in peto“ hat, 

dankbar sein und den Unglauben des Nichtvertrauens ablegen, 

es ernst nehmen: 

Dieser HERR regiert! 

ER hat alles in der Hand!

Ich will mich an ihn wenden (anstatt anderen zu vertrauen, 

die nur vorgeben, die Welt zu retten). 

 

Israel hat diese Sicht der Dinge aus dem Blick verloren. 

Statt Dankbarkeit und Hoffnung verurteilen sie Gott und Mose. 

Aber Gott lässt sich nicht spotten. 

Seine Reaktion folgt prompt: 

 

 

2. Hinsehen - Gott richtet (Vv6-9)

V6: „ 6 Da schickte der Herr zur Strafe giftige Schlangen unter 

das Volk. Viele Israeliten wurden gebissen und starben.“

 

Ist das Gott?

Stimmt es also doch, dass der Gott des Alten Testaments

ein rachsüchtiger Gott ist? 

 

Das wäre etwas ganz Anderes

und das zeigt uns der weitere Verlauf der Geschichte: 

Es ist kein Ausdruck von Rache wenn Gott straft, 

sondern ein „Wachrütteln“ zur Umkehr!

Wenn Gott straft, will er nicht den Tod des Sünders, 

sondern sein Leben!

 

Und trotzdem zeigt sich darin, dass Gott straft, 

wie ernst er uns Menschen nimmt 

und wie ernst er unsere Sünde - 

wörtlich: unsere „Zielverfehlung“ nimmt. 

 

Wer Gott und das, was er uns an Gutem gibt, 

undankbar einfach einsteckt, 

es zurückweist 

oder sogar schlecht macht, der verfehlt das Ziel: 

Gott und sein gelobtes Land. 

Und die Folge ist der Tod. 

 

Wenn Gott den Israeliten also tödliche Schlangen schickt, 

dann genau deshalb, um ihnen diese Konsequenz ihrer Sünde

deutlich zu machen ...

Das gilt auch für unser Leben. 

 

V7: „Die Leute kamen zu Mose und sagten: »Es war nicht recht, 

dass wir uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt haben. 

Leg doch beim Herrn ein Wort für uns ein, damit er uns von diesen 

Schlangen befreit!«

 

„Es war nicht recht, dass wir uns gegen den Herrn und gegen 

dich aufgelehnt haben …“

 

Die Israeliten spüren jetzt den wunden Punkt und

Gottes Strafe verfehlt ihre Wirkung nicht.

Sie will die Israeliten dazu bringen umzukehren - und - 

dass das angekommen ist, sehen wir daran, 

dass sie erst als Zweites darum bitten, 

dass die Schlangenplage aufhören soll. 

 

„Wir haben Schuld auf uns geladen!“

Dieses Eingeständnis ist der Schlüssel zu Leben!

Auch heute. 

Nur fällt es uns doch manchmal so schwer!?

Aber warum eigentlich?

 

Spannend finde ich auch, wie Mose sich verhält: 

Obwohl ihn das Volk gerade noch verwunschen hat, 

stellt er sich mit seinem Gebet für das Volk hinter die, 

die sich so verhalten haben ...

 

 

3. Aufsehen - Gott rettet (Vv8f - Joh 3,14f - Hebr. 12,2)

Vv8f: „und der Herr sagte zu ihm: »Fertige eine Schlange an und 

befestige sie oben an einer Stange. Wer gebissen wird, soll dieses Bild ansehen, dann wird er nicht sterben!« 9 Mose machte eine Schlange 

aus Bronze und befestigte sie an einer Stange. Wer gebissen wurde 

und auf diese Schlange sah, blieb am Leben.“  

 

Ist Ihnen aufgefallen, 

wie Gott hier das Gebet der Israeliten erhört?

 

Gott reagiert, er erhört Gebet, 

wie auch heute immer wieder, 

aber doch ganz anders als erwartet: 

Er nimmt die Plage in Gestalt von Schlangen nicht weg, 

befreit nicht komplett von dem Problem, 

sondern hilft und heilt mitten in der Not!

 

Wenn Gott unser Gebet also nicht immer so erhört, 

wie wir‘s gewollt haben, 

dann vielleicht deshalb, damit wir unseren Blick wieder auf das

Entscheidende richten!?

 

Die Israeliten und wir mit ihnen sollen offenbar lernen, 

dass die Herausforderung nicht in der Anfechtung / in dem 

Problem liegt, sondern in meinem Gottvertrauen, 

selbst in den größten Wüstenzeiten und Schwierigkeiten,

durch die ich vielleicht gerade muss. 

 

Dass Gottes „Lösung“ gnädiger war 

wie wir uns das - kurzschlüssig - warhscheinlich gewünscht hätten, 

das zeigt, wie die Geschichte weiter geht:

 

Hätte Gott das Gebet der Israeliten wörtlich erhört

und die Schlangen nur beseitigt, 

wären viele an den tödlichen Bissen gestorben. 

Aber durch die Zumutung, auf eine Schlange aus Eisen 

zu schauen und hier die eigene Schuld zu erkennen, 

    - bekommen Menschen Vergebung (und)

    - sie werden geheilt von tödlichen Bisswunden, 

        bekommen das Leben geschenkt …

 

 

Wenn Du voller Vertrauen - auf den am Kreuz erhöhten 

Jesus Christus hinauf schaust, 

darfst Du auch heute hören: 

Deine Sünden sind dir vergeben. 

Du kannst leben. 

 

Wir brauchen die Zielverfehlung unseres Lebens nicht mehr mit 

dem ewigen Tod bezahlen, sondern dürfen leben!

 

Und das hat niemand anders als Jesus selber 

in Anlehnung an dieses Bibelwort einmal gesagt (Joh 3,14+15):

„14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, 

so muss (auch) der Menschensohn erhöht werden, 

15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

 

Rettung fängt nicht erst mit dem Tod an, 

sondern mitten in den Wüstenzeiten 

und in den Stürmen dieser Welt!

 

Dazu abschließend ein Beispiel:

Auf hoher See tobt ein Sturm und da muss ein Schiffsjunge - 

eine hoch gefährliche Aktion - auf den Mast klettern. 

Der Wind tobt, die Wellen überschlagen sich und man hat den 

Eindruck, eine zweite Sintflut sei im Anmarsch. 

Das Schiff wird von unten nach oben geschleudert

und sackt plötzlich wieder von oben nach unten durch in tiefe

Wellentäler. 

 

Dem Schiffsjungen wird‘s hundeelend, schlecht, schwindelig

und er droht vom Mast runter zu fallen. 

 

Da ruft ihm der Käptn von unten immer wieder zu: 

„Junge, schau nach oben!“

 

Und der Junge reißt seinen entsetzten Blick von den Wellen los

und richtet ihn nach oben. 

Dieser Blick nach oben rettet ihn. 

Er klettert sicher bis zur Spitze des Mastbaums 

(und von dort wieder runter), kann seinen Job erledigen.“

 

 

Das Bibelwort für diesen Sonntag, 

liebe Jubilare, liebe gemeinde,

ist eine Einladung  zu diesem Blick nach oben, 

eine Einladung auf Jesus zu schauen.

 

Im Gegensatz zur Schlange, die nicht retten kann, 

sondern nur ein Zeichen ist, 

kann und will Jesus unser Retter und Helfer sein.

 

Wir sollen wir uns an ihn wenden,

damit wir ankommen 

in Gottes verheißenem Land. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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