2017-03-19

Predigt über Markus 12,41-44 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

Franz von Assisi war eine der bekanntesten und eindrucks-

vollsten Personen des europäischen Mittelalters. 

Bis heute hat er eine unglaubliche Anziehungskraft 

auf viele Menschen. 

Franz ist gegen Ende des 12. Jahrhunderts 

in Assisi in Italien geboren worden, 

als Sohn eines reichen Tuchhändlers.

Seine Kindheit war, soweit wir wissen, 

sehr passabel und so richtig wohlhabend.

Aber mit etwa 20 Jahren ändert er sein Leben radikal, 

lebt freiwillig in völliger Armut 

und zieht predigend durchs Land.

 

Daraufhin enterbt und verstößt ihn sein Vater.

Bis heute beeindruckt … dieser Franz von Assisi viele Menschen, 

weil er sein Leben ganz Gott hingegeben hat.

 

Das Wort Gottes für diesen Sonntag handelt von einer Frau, 

die auch alles für Gott gegeben hat.

 

Wir hören aus Markus 12, die Verse 41-44:

„41 Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, 

wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. 

Und viele Reiche legten viel ein. 42 Und es kam eine arme Witwe 

und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. 

43 Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, 

ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt 

als alle, die etwas eingelegt haben. 44 Denn sie haben alle etwas von 

ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze 

Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

Gott rechnet anders.

 

Das Ganze beginnt mit einer Ungehörigkeit: 

„Jesus setzt sich dem Gotteskasten gegenüber 

und schaut zu, wie das Volk … Geld einlegt“.

 

„Jesus setzt sich“! 

Er sitzt nicht einfach irgendwo und sieht zufällig, 

wie jemand Geld reinwirft. 

Nein, Jesus setzt sich extra so hin, 

dass er die Leute beim Opfern beobachten konnte.

 

Wer macht denn so was? 

Braucht es beim Spenden einen Aufseher? 

Soll denn jemand prüfen, 

wer … was … wofür … spendet? 

Geht es jemand was an, wer viel gibt und wer wenig, 

Wer da zu loben ist und wer zu kritisieren? 

 

Bestimmt nicht!

 

Wenn Jesus hier das Spendenverhalten beobachtet, dann nicht, 

um einen auf Spendenpolizei zu machen. 

Sondern weil er – er, der jeden Menschen kennt und sieht – unseren 

Blick auf das lenken will, was bei Gott … zählt. 

Denn bei Gott, im Reich Gottes, zählt anderes als bei uns. 

Gott rechnet anders als wir. 

Dabei kann das Geld … ein Indikator (Hinweis) sein für unser Herz,

wem es eigentlich gehört!

 

 

Wie rechnet denn Gott?

1. Bei Gott zählt nicht das große Geld.

2. Bei Gott zählt unsere ganze Hingabe (die dann wiederum
auch … etwas mit dem Geld zu tun hat)

 

 

1. Bei Gott zählt nicht das große Geld.

 

Stellen wir uns doch einmal vor, 

wie das im Tempel zugegangen sein könnte mit dem Geld. 

Oder wie es bei uns, 

in unseren Kirchen und Gemeinden damit zugeht.

Da kommen Menschen zum Gottesdienst. 

Sie singen und beten und hören Gottes Wort. 

Und wenn sie wieder hinaus gehen, 

dann hängen da links und rechts 

der Tür Opferkästen, die auf eine Spende warten. 

 

Später wird der Opferkasten geleert. 

Treue Hände zählen das Geld und verbuchen es. 

Am ärgerlichsten sind dann die roten Münzen. 

Die sind so klein und unhandlich. 

Es ist ein Fitzelgeschäft, bis die alle sortiert und gezählt sind. 

Und dann tragen sie erst nicht viel aus. 

Manchmal überkommt einen ein mitleidiges Lächeln. 

Man denkt: »Da lohnt sich ja das Verbuchen nicht. Das sind doch nur Cent-,

 nur Kleckerlesbeträge hinter dem Komma.«

 

Die meisten von uns denken wahrscheinlich so:

Wir können ja rechnen. 

Und wenn wir in einer Gemeinde, einem Verein, 

einem Unternehmen Verantwortung tragen, 

dann müssen wir sagen: 

„Auf die Stellen hinterm Komma kommt’s nicht an (auf die Cents)

Vor dem Komma, was da steht, das ist entscheidend.“

 

Und genau an dieser Stelle sagt Jesus jetzt: !Nein. 

Nein, es ist gerade anders herum!“

 

Jesus sagt das nicht, um reiche Leute zu kritisieren. 

Nach dem, was Jesus … an Reichtum und Armut gekannt hat, 

würden wir sowieso alle … zu den Reichen gehören. 

Wir alle, die wir hier sitzen. 

 

Es geht auch nicht gegen knausrige Typen, 

die nichts hergeben wollen. 

 

Im Gegenteil: „Viele Reiche legten viel ein.“ 

(Das widerspricht etwas meiner Erfahrung. 

Wenn ich nur mal an Hochzeiten denken:
Reiche Paare geben meistens kaum etwas für die Kirche, 

weniger Begüterte manchmal sehr viel …) 

 

Zur Zeit von Jesus war’s noch anders: 

Die Leute geben etwas. 

Die lassen sich nicht lumpen, wenn sie in die Kirche gehen. 

 

Und das ist ja eine schöne Sache. 

Jesus kritisiert ihren Reichtum nicht …

Er legt seinen Finger aber auf einen anderen Punkt und sagt: 

„Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle anderen“! 

Dabei stimmt das „summa summarum“ ja nicht. 

Die Witwe hat zwei kleine Münzen eingelegt.

Die sind zusammen genau einen Cent wert. 

Und ein Cent ist nicht soviel wie 100 Euro. 

 

Aber Jesus sagt: „Ein Cent kann mehr sein als 100 Euro.“ 

Unsinn! Wir können doch rechnen! 

Denn nach Adam Riese sind 100 Euro doch 

mehr als ein Cent!

 

Nach Adam Riese schon …

Aber eben nicht im Reich Gottes. 

Dort wird nämlich anders gerechnet. 

 

Jesus macht deutlich: 

Im Reich Gottes zählt nicht die Höhe des Betrags. 

Im Reich Gottes kommt es auf die Liebe an 

und auf die Hingabe. 

Wie weit sich jemand ganz für Gott öffnet …

 

Und diese arme Frau – wir kennen nicht mal ihren Namen – 

hat ihr Opfer mit ganz besonderer Liebe und Hingabe gegeben. 

Sie hat nämlich nicht nur etwas gegeben – vielleicht etwas, 

was sie übrig hatte. Sondern sie hat alles gegeben. 

Alles, was sie zum Leben hatte. 

Damit hat sie sich selber eingebracht. 

Sie hat sich selber gegeben. 

 

Und darauf, sagt Jesus,

kommt es an. 

Das segnet Gott.

 

Es gibt eine Sage, die das schön veranschaulichen kann: 

Sie erzählt, wie in einer Stadt ein stolzes Münster gebaut wurde. 

Der Bischof rief die Gläubigen auf, 

für eine besondere Glocke zu spenden. 

Auch eine arme Frau brachte einen einzigen, 

abgegriffenen Silbergroschen. 

Er war ihr ganzes Vermögen. 

Ein Priester nahm das Opfer mit geringschätziger Mine entgegen. 

Und kaum hatte die Frau den Raum verlassen, 

warf er die Münze zum Fenster raus und sagte: 

»Ein Bettelpfennig vom Bettelvolk. 

Was soll eine so kleine Gabe für so eine große Glocke?«

 

Dann war die Glocke gegossen.

Aber sie hat nur einen stumpfen Ton von sich gegeben 

und ist dann ganz verstummt.

Niemand hat sich das erklären können. 

Da sieht der Bischof in einem Traum, 

wie übel einer der Priester mit 

der Gabe der armen Frau umgegangen ist. 

Der Bischof lässt den Mann kommen und stellt ihn zur Rede. 

Dann gehen beide in den Garten und suchen zusammen, 

bis sie das verschmähte Geldstück finden. 

 

Der Bischof lässt die Glocke noch einmal gießen. 

Diesmal war der Silbergroschen dabei. 

Und bald darauf erklingt die Glocke 

mit einem hellem Klang über den Dächern der Stadt …

 

In ihrer Hingabe hat diese arme Frau, 

hat auch unsere namenlose Witwe, alles gegeben, was sie hatte. 

Und das ist für Jesus mehr – objektiv mehr – als alles Große, 

das gegeben wird. 

Bei Gott zählt nicht das große Geld, 

aber er sieht durchaus, 

wofür wir alles unser Geld einsetzen!

 

(… Fremdopfer? - Geben, was uns fehlt? - Segen!

… Spenden mit Rhythmus gegen Vergesslichkeit - Auch bei 

negativem Kontostand? - Segen 

Segen ist, von Gottes hellem Licht angestrahlt werden: 

warum nicht frohes Gemüt, dankbare Kinder, kein Streit, 

wenn ich die Kraft bekomme zu vergeben u.v.a..?)

 

 

2. Bei Gott zählt unsere Hingabe.

 

Die Sache mit der Witwe wird immer wieder als Aufforderung 

zum Geben verstanden, als eine Art Spendenaufruf:

Wenn so eine Frau alles gegeben hat, 

dann sollten doch auch wir etwas geben ... 

Es muss ja nicht gleich alles sein ... 

Vielleicht wenigstens die Hälfte von dem, 

was uns gehört ... oder der Zehnte. 

 

Und sicher: Wo wir Gott etwas geben, wo wir freigiebig sind, 

da segnet Gott:

»Einen fröhlichen« – einen fröhlichen – »Geber hat Gott lieb.« 

 

Aber unsere Geschichte von der namenlosen Witwe 

ist kein Spenden-Appell. 

Es geht hier eigentlich nicht um die Frage: 

»Was opfern wir?« 

Im Kern geht es weniger ums Geld an sich, 

als um die Frage: 

»Wie dienen wir Gott?« … wenn wir uns Christen nennen?

… Dienst Du ihm wirklich mit allem, was Du bist und hast?

 

Diese Witwe – das ist für Jesus das Entscheidende – 

bringt sich ganz für Gott ein. 

Sie hat ihr Leben so voll und ganz mit Gott verbunden, 

sie erwartet alles von ihm … und ist bereit alles für ihn zu geben. 

 

Sie gibt, was sie hat. 

Das macht diese arme Frau zu einer großen Frau. 

Das macht diese Namenlose zu einem Vorbild für uns. 

Zu einem Vorbild der Hingabe.

 

Noch eimal: Es geht Jesus im Kern nicht um unser Geld. 

Natürlich können wir auch mit Geld … Hingabe ausdrücken. 

Was wir uns etwas kosten lassen 

und wofür wir spenden, 

das zeigt ja auch, wofür unser Herz schlägt. 

Nicht umsonst reden wir ja auch manchmal von einem Opfer, 

wenn wir Geld geben. 

Und ein „Opfer“ tut weh, wenn wir es hergeben …

Ein „Opfer“ ist nicht das, was wir sowieso übrig haben …

 

Beim Opfern wie bei der Hingabe, 

liebe Gemeinde, geht es um mehr als um Geld. 

Es geht um anderes als um Geld. 

Es geht um unsere Zeit, 

um unsere Kraft, 

um unseren Willen, 

um unsere Lebensziele. 

 

Es geht um die Frage: Wem dienen wir überhaupt? 

Dienen wir Gott? (Dienst Du Gott?)

Und wenn ja,

wie dienen wir ihm dann? 

Ganz? Oder halb? Nur ein bisschen? 

Vielleicht auch gar nicht?

 

Die kleine Predigt über die namenlose Witwe 

ist im Markusevangelium 

die letzte öffentliche Rede von Jesus 

vor seinem Leiden und Sterben in Jerusalem. 

Das gibt ihr ein besonderes Gewicht. 

 

Und wir gehen sicher nicht zu weit, wenn wir sagen: 

Die Frau, die alles hergibt, was sie zum Leben hat, 

die gleicht doch Jesus, 

der sein Leben für uns hergeben wird …

 

Wir sind jetzt in der Passionszeit. 

Wir bedenken das Leiden von Jesus. 

Wir denken an seinen Weg ans Kreuz. 

Und der macht deutlich: 

Jesus hat sich selbst ganz eingebracht. 

Er hat sein Leben ganz Gott ausgeliefert, 

hat sich ihm hingegeben »bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz« – 

»Darum hat ihn auch Gott erhöht 

und hat ihm den Namen gegeben, 

der über alle Namen ist« (Phil 2, 8b–9).

 

Die namenlose Witwe ist ein Gleichnis für Jesus. 

Sie gibt Gott alles, was sie hat. 

Sie gibt sich ganz hin. 

So, wie Jesus sich ganz hingibt. 

Deshalb kann Jesus auch sagen: 

»Sie hat mehr gegeben, als alle«, 

obwohl sie dem Geldbetrag nach viel weniger gegeben hat.

 

 

Gott will uns ganz.

 

Gott rechnet anders, 

wie ich es schon am Anfang gesagt habe. 

Er rechnet nicht in Geldbeträgen, 

wo die Stellen hinterm Komma kaum Bedeutung haben. 

Sondern er rechnet … mit unserer Hingabe. 

Er erwartet … unsere Hingabe!

Und die passiert oft im Kleinen. 

Die nimmt die Welt, 

die nehmen wir mit unseren Augen 

oft gar nicht wahr. 

 

Hingabe passiert in der Stille und im Gebet. 

Hingabe passiert, wo jemand in der Gemeinde mitarbeitet, 

sich nicht zu schade ist, sich Zeit nimmt …, 

wo jemand gegen seine Umwelt Gottes Wort lebt 

und nach Gottes Willen fragt. 

 

Da kommt’s nicht darauf an, 

ob jemand predigt am Sonntag 

oder bereit ist, nach dem Gemeindefest mitzuhelfen, 

das Gemeindehaus wieder auf Vordermann zu bringen. 

Obwohl auch das Ausdruck von Hingabe an Jesus sein kann

(Der Erste beim Aufbau … und der Letzte beim Abbau).

 

Hingabe hat auch mit meinem Beruf zu tun, 

ob ich ihn zur Ehre Gottes ausüben will …

ob und wie ich mich um meine Familie kümmere …

ob ich sie als Gabe und Aufgabe sehe, 

Kindern und Nachbarskindern Jesus lieb zu machen …

die Familie aber auch wiederum nicht über alles zu stellen, 

sondern in zweiter Reihe … 

nach Gott und dem, was er von mir erwartet. 

 

Hingabe heißt: Was ich tue, tue ich ganz für Gott. 

Was ich lebe, lebe ich für Gott. 

Dass wir das, was wir tun, ganz tun, 

und dass wir es für Gott tun, 

darauf kommt es an. 

 

Gott will nicht unser Geld. 

Niemand muss … auch nur einen Cent spenden. 

 

Die namenlose Witwe steht dafür, 

dass Gott unser Leben ganz will. 

Unsere Nachfolge. 

Keine halben, sondern ganze Sache!

Dann wird sich das … aber auf allen Gebieten unseres

Lebens auswirken! 

Und wir werden Menschen sein, 

die Gott segnet und zum Segen setzt. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
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Dienstag, 23.10.2018
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