2017-01-29

Predigt über Matthäus 5,13-16 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

in England darf eine Stewardess ihre Kette mit einem Kreuz

um den Hals nicht mehr sichtbar tragen. 

In Deutschland kann man gegen Kruzifixe im Klassenzimmer

Einspruch einlegen. 

Missionarische Bemühungen werden in manchen Medien

als fundamentalistische Übergriffe gebrandmarkt. 

Aber auch Juden, die in Deutschland leben, 

haben heute in bestimmten Städten Angst, 

mit ihrer traditionellen „Kippa“ (Kopfbedeckung) 

ohne Gefahr herumzulaufen. 

 

Der Trend ist eindeutig: 

Alles Religiöse soll aus der Öffentlichkeit verschwinden.

 

Gott sei Dank sind wir in Deutschland

noch nicht so weit … wie andere westliche Länder …

 

„Glaube, was du willst, 

aber behalte es für Dich!“, 

das ist die neue Toleranz, 

die aber sehr Intolerant ist, 

wenn es um die öffentliche Bezeugung des Glaubens geht. 

 

Vor dem Hintergrund eines solchen Denkens

sind die Worte von Jesus tipaktuell - und politisch herrlich

unkorrekt (die ich jetzt lese aus Matthäus 5,13-16:)

„13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, 

womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es 

wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das 

Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht 

verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt 

es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es 

allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den 

Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im 

Himmel preisen.“

 

 

Für die Christen unter uns heißen diese Worte: 

Kein Rückzug aus der Öffentlichkeit!

Kein Verkriechen hinter dicken Kirchenmauern

oder im Schneckenhaus persönlicher Frömmigkeit. 

Unser Glaube gehört auf die Straße, 

an die Schulen, in die Nachbarschaft,

in den Verein, in den Kindergarten, 

in die Parlamente, 

in Krankenhäuser, Fußgängerzonen und und uns. 

Von wegen, Glaube ist Privatsache!

 

Jetzt denkt vielleicht der eine oder andere: 

„O weh, wie soll ich das denn nur schaffen?

Ich bin doch kein Politiker und auch kein Evangelist. 

Ich arbeite auch nicht bei einem christlichen Pflegedienst - 

wie soll ich das nur hin bekommen, 

dass mein christlicher Glaube öffentlich sichtbar wird?“

 

Als Erstes will ich darauf antworten: 

Wenn Du ein Christ … bist, 

sollst Du und musst Du … zunächst mal gar nichts!

Jesus verlangt nicht, 

dass wir das Salz für die Erde 

und das Licht für die Welt sind, 

sondern er stellt fest. 

Besser gesagt: Er spricht es seinen Nachfolgern zu: 

„Ihr macht einen Unterschied!

Ihr würzt das Klima um euch herum

und ihr habt eine Ausstrahlung! - Das ist so. 

Das müsst ihr nicht machen, 

dafür müsst ihr euch nicht anstrengen -, 

ihr könnt euch einfach dankbar darüber freuen!“

 

Nun, ich weiß: 

Manchmal scheinen auch die Jesus-Jünger

diesen Zuspruch Lügen zu strafen!?

Manchmal fühle ich mich selber ziemlich nutzlos, 

ich hab’ den Eindruck, ich dreh’ mich um mich selber

und um mein Zeug

und ich hab’ überhaupt keine Kraft und keine Motivation 

zu „guten Werken“.

 

Oder ich kriege mit, wie Christen mit ihrer Festgefahrenheit, 

mit ihrer Abhängigkeit vom Getratsche der Leute

und ihrem Verhalten 

die Gute Nachrichten nun nicht gerade hell machen, 

es anderen sogar richtig schwer machen, 

den Zugang zum Vater im Himmel zu finden. 

 

Wenn sie reden und urteilen, 

im Grunde lieber unter sich bleiben, 

weil ihnen gewohnte Traditionen wichtiger 

sind als die Menschen ohne Jesus

und die, die sich festgefahren haben, 

weil sie genau so viel egostische Angst 

um ihr Geld, ihren Besitz, 

die Zukunft Deutschlands und der Welt haben

wie alle anderen auch …

(Deshalb Vorsicht bei Kommentaren zu Donald Trump …

Vorsicht beim Mit-Heulen von Zukunftsängsten!)

 

Denn: Wir dürfen dem Zuspruch von Jesus doch viel mehr

vertrauen als unserer Erfahrung!

Und als der Meinung der Mehrheiten!

 

Jesus steht zu seinen Jüngern und ruft ihnen zu: 

Ihr seid Salz und ihr seid Licht!

Sie dürfen dankbar und fröhlich über diese Zusage staunen

anstatt sich als „Jammerzuse“ wiederzufinden …

 

 

 

Übrigens ist auch das reale Erfahrung: 

Menschen bekommen mit, 

wenn wir uns in der Gemeinde oder einem Verein engagieren. 

Menschen merken, wenn wir ehrlich sind. 

Menschen nehmen wahr, 

wenn wir nicht mit-lästern. 

Menschen sehen es, wenn wir Gutes tun und anpacken. 

 

Das ist einfach so. 

Dafür müssen wir uns nicht sorgen. 

Wer Jesus nachfolgt … darf einfach nur … und ganz natürlich

würzen und leuchten, indem er tut, was Jesus von ihm will. 

Was Gott uns in der Bibel sagt. 

Ohne Druck, ohne Angst und ohne Aufhebens. 

 

„Tue Gutes und rede darüber?“ - 

Nee, das haben Christen nicht nötig!

Sie ziehen keine fromme Show ab

und setzen sich nicht selbst in Szene. 

 

Salz salzt, weil es zum Würzen geschaffen ist. 

Licht macht hell, weil es zum Leuchten geschaffen ist. 

Christen tun Gutes, weil sie dazu geschaffen sind. 

Alles andere wäre unnatürlich, aufgesetzt, Quatsch. 

 

Ich kenne jemand, der schon viele Jahre im Großraumbüro

derselben Firma wie ich(im Verkauf) gearbeitet hat. 

Wenn man da arbeitet, da kennt man sich mit den Jahren. 

Man hört viel und sieht viel, 

auch wenn allerhand immergrüne Pflanzen zwischen

den einzelnen Arbeitsgruppen stehen. 

 

Da wird eher nicht viel über Privates gesprochen. 

Als Azubi (Auszubildender), der alles noch ein bisschen 

aus der Distanz beobachten kann, fällt einem das auf. 

Und doch: Eines Tages öffnet sich ein Arbeitskollege 

dem Kollegen gegenüber … ganz nebenbei.  

 

Er hatte ihn nämlich gefragt, wie’s ihm denn geht!?

 

Und der gibt ein unkonventionelles Glaubensbekenntnis ab: 

„Wenn es den da oben nicht gäbe, 

wäre ich schon lange nicht mehr da“ … 

und bittet den Kollegen: 

„Wenn du betest, dann denke bitte auch an mich!“

 

Der Kollege war ohne missionarische Absicht

in der Firma zu Gange an dem Tag. 

Aber sein Christsein ist einfach nicht verborgen geblieben, 

so dass ein anderer sich ihm gegenüber vertrauensvoll 

geöffnet hat. 

 

Etwas Ähnliches ist uns als Familie auch schon passiert. 

Aus irgendeinem Grund öffnet jemand (beim Einkaufen!) sein Herz, 

erzählt, was ihm auf der Seele liegt

und wir machen ihm Mut, es bei Gott abzuladen …

„Ihr seid Salz und Licht“. 

So ist es einfach, ganz … „natürlich“. 

 

 

Liebe Geschmacksverstärker, liebe Deckenfluter, 

Jesus spricht seinen Nachfolgern nicht nur zu, 

dass sie würzen und leuchten, 

sondern er sagt auch, 

dass das auf allen Ebenen passiert. 

 

Wir sind zum Einen das Salz der Erde und das Licht der Welt. 

D. h., dieser ganze Globus sieht anders aus, 

weil Gottes Kinder darauf leben, 

weil es die Kirche Jesu Christi gibt, 

weil Menschen Jesus nachfolgen. 

 

Ist es nicht genial, 

dass es überall auf der Welt, 

zum Teil in den entlegensten Winkeln, 

christliche Gemeinden gibt?

Oder Missionare, die „an die Enden der Erde“ gehen

und Gottes rettende Liebe in Wort und Tat weitergeben?

Oder Diakonie, Hilfs- und Missionswerke 

mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Gerade auch in unserem Raum, in Baden-Württemberg …

 

Das Gesicht dieser Welt sähe öder und düsterer aus, 

wenn es die Jesus-Leute nicht gäbe - 

was für ein Zuspruch!

Dann sind sie wie eine Stadt, die auf einem Berg liegt. 

Die „Stadt“ steht in der Antike … für Politik und Gesellschaft. 

Das ist der Hintergrund für dieses Jesus-Wort. 

 

Ich bin so dankbar für Christen, 

die politisch Verantwortung übernehmen, 

die sich einbringen in Gemeinderäten, Kreistagen, Landtagen, 

auf nationaler und internationaler Ebene. 

Wir können dankbar sein für christliche Künstler und Musiker, 

die durch ihre Arbeit positiven Einfluss ausüben, 

Hoffnung verbreiten und sich zu Gott bekennen. 

 

Und für Christen, 

die als Sportler nicht für ihren eigenen Ruhm, 

sondern zur Ehre Gottes Leistung bringen. 

Es ist doch genial, was für ein starkes Glaubenszeugnis

mancher Sportler auf dem Platz, 

Rasen oder im Stadium abgibt. 

 

Auch bei der Bundeswehr habe ich das erlebt. 

Unvergesslich bleibt mir (nach dem Kosovo-Einsatz 2003) ein 

Rückkehrappell in Ulm mit großer Flaggenparade und vielen 

Dankesreden. Viele Tausend Soldaten und Ehrengäste. 

Als der kommandierende General öffentlich ein Dankgebet 

gesprochen hat. 

Was für ein starkes Zeichen dafür, 

dass es mehr gibt als das, 

das diese Welt mit ihren Siegen und Niederlagen zu bieten hat!

 

Lasst uns also für die Geschwister im Glauben beten, 

die in Politik und Öffentlichkeit stehen 

oder als Journalisten die Öffentlichkeit prägen. 

Lasst uns ihnen den Rücken stärken, 

ihnen Mut machen 

und ihnen mit Anerkennung begegnen. 

 

Denn sie machen in Politik und Gesellschaft nach Jesu 

Verheißung einen Unterschied - und zwar einen guten!

 

Schließlich sind wir ein Leuchter im Haus. 

 

Das ist zum Einen die Familie, 

aber auch unserer persönliches Lebensumfeld: 

der Platz im Büro oder an der Maschine, 

die Schule, der Verein, unsere Freundschaften …

Überall haben Jesus-Nachfolger eine Ausstrahlung. 

Überall machen sie es ein klein wenig heller, 

indem sie helfen, sich einsetzen, 

Gutes tun, gute Worte weitergeben, 

ehrliche und zuverlässige Mitarbeiter sind und und und …

 

 

Und wozu das alles?

Damit die Menschen uns loben und toll finden?

Damit Christen gut dastehen

und die Leute anerkennend nicken: 

„Ihr seid schon Wahnsinnskerle, 

was ihr alles Gutes tut!“?

Nee, es geht nicht um uns. 

Ziel und Zweck ist nicht unsere Ehre, 

sondern Gottes Ehre.

 

Es kann sogar sein, dass wir Schrammen und Kratzer

oder Schlimmeres davon tragen, 

wenn wir unseren Glauben an Christus leben. 

Das sagt Jesus direkt davor (Mt 5,10f:)

„10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn euch
die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und
allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.“

 

Aber das soll uns keine Angst einjagen. 

Das darf uns nicht die Freude nehmen, 

kann uns nicht den Mut nehmen. 

 

Denn mit Jesus … leben wir zur Ehre unseres Vaters 

im Himmel!

 

Ein Schneckenhaus- oder U-Boot-Christentum

ist keine Option. 

Verstecken und Abtauchen passt nicht zu Jesusleuten. 

Die Welt, Politik und Gesellschaft, 

unsere Kollegen, Freunde und Familien brauchen uns!

 

Denn auch sie sollen die Gerechtigkeit und 

die rettende Liebe unseres Vaters im Himmel erfahren, 

ermutigt werden zu Jesus zu kommen 

und ihn dafür preisen. 

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer Chr. Lehmann für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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