2017-01-23

Predigt über Johannes 4,46-54 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Johannes-

Evangelium Kapitel 4, die Verse 46-54:

„46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser 

zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; 

dessen Sohn lag krank in Kapernaum. 47 Dieser hörte, dass Jesus aus 

Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen 

und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. 48 Und Jesus sprach 

zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. 

49 Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 

50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! 

Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 

51 Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: 

Dein Kind lebt. 

52 Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm 

geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde 

verließ ihn das Fieber. 53 Da merkte der Vater, dass es die Stunde war,

in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit 

seinem ganzen Hause. 

54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach 

Galiläa kam.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

vielleicht kennt jemand die Federzeichnung eines alten Meisters

zu diesem Bild!? ( - ) 

 

Sie zeigt ein Wohnzimmer, in der Mitte ein Bett, 

auf dem ein Kind schwerkrank in den Kissen liegt. 

Daneben sitzt der Vater, schaut ins Leere. 

Man sieht, wie verzweifelt er ist, 

am Tisch im Hintergrund sitzt die Mutter. 

Sie betet … und auch ohne Worte ahnt man, was sie betet: 

„Lieber Gott, lass unser Kind doch wieder gesund werden!“

 

Wie oft wird diese Bitte nicht erhört!?

 

Auch noch im 21. Jahrhundert müssen immer wieder Eltern den 

schwersten Gang antreten, den es gibt, 

den Gang hinter dem Sarg ihres Kindes her!

 

Und da kann die Frage kommen: 

Gott, warum?

Warum hast Du uns nicht erhört?

Wenn einem das Liebste weggerissen wird?

 

In unserer Zeit in S. habe ich das einmal ganz 

drastisch erlebt: Ein Anruf verzweifelter Eltern, gegen Mittag. 

Ihr Sohn, Rekrut bei der Marine, liegt in Rostock im Krankenhaus. 

Es ist sein 20. Geburtstag. Sie hatten eigentlich nicht vor ihn an 

dem Tag zu besuchen … aber da kam ein Anruf aus dem Kranken-

haus: Er musste dort operiert werden. Scheinbar Routine. 

Und alles kommt anders: Sie sollen sofort kommen. 

Fahren (rasen) quer durch Deutschland … und bitten darum

für sie und ihren Sohn zu beten. 

Aber als sie ankommen … ist er schon tot. 

Kurz davor gestorben. 

 

Für die Eltern war das ein furchtbarer Schlag. 

Fast nicht auszuhalten … einzig das Wissen darum, 

dass er sein Leben bei Jesus festgemacht hatte, 

konnte sie - ein bisschen - trösten. 

Aber warum gerade er?

Er war damals der einzige in der Familie, 

der so fest im Glauben stand!? ( … )

 

Unser Predigttext heute erinnert mich immer wieder

an diese Situation, die jetzt 13 oder 14 Jahre zurück liegt …

 

Fragen wir uns also heute: 

Was heißt eigentlich „glauben“?

Wie geht das?

 

In diesem Bibelwort heute stecken 

drei Seiten des biblischen Glaubens drin. 

Und ich will versuchen, sie aufzuzeigen.

 

 

Der Glaube braucht keine Wunder.

Ein Mann aus Kapernaum, ein königlicher Beamter, 

hetzt nach Kana. 

Er muss zu Jesus, sein Sohn ist todkrank. 

Da ist ihm auch kein Weg von sieben Stunden zu viel. 

Und jetzt steht er vor Jesus: „Herr, mein Sohn ist todkrank. 

Bitte, komm nach Kapernaum und hilf, wir wissen uns sonst keinen 

Rat mehr!“

 

Jeder von uns kann sich in diese Lage versetzen. 

Es fällt uns auch nicht schwer, 

nahtlos unsere Notsituationen anzufügen, 

vielleicht eine OP 

oder die belastenden Stunden um einen schwerkranken 

Angehörigen in der Familie ...

 

Immer wieder werden wir an unsere Grenzen geführt, 

wo wir offen oder still zugeben: „Jetzt … hilft nur noch beten!“

 

Vielleicht hat der königliche Beamte schon alles Mögliche probiert, 

x Ärzte abgeklappert - alles erfolglos, 

keinen Kilometer gescheut, es ging ja um sein Kind!

Und welche Opfer nehmen Eltern nicht auch heute auf sich, 

wenn es um ihre Kinder geht, 

um deren Gesundheit!

 

Jetzt … versucht er es bei Jesus. 

 

Der hat ein offenes Ohr für ihn, wartet auf jeden, 

der in Not und Sorge kommt. 

Mit offenen Armen wirbt er doch: 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig

und beladen seid, ich will euch aufbauen!“

 

Es ist doch echt gut, wenn ein Mensch, 

vielleicht nach langer Pause, wieder betet

und mit seiner Last zu Gott kommt!

Gar nicht so selten … ist tiefes Leid … 

für Menschen zur Glaubenswende geworden!

 

Gott will uns in seine Nähe ziehen, 

er will uns losreißen von Sünde und Schuld 

und zum Frieden mit ihm bringen!

 

Aber der Schrei aus der Not drängt auch zur Soforthilfe: 

„Ich will etwas sehen!

Ich erwarte jetzt Erhörung, wo ist das Wunder, die Heilung!?“

Und wenn sie nicht kommt, wie erbeten, 

dann kommt die Ungeduld 

und oft … die totale Abwendung von Gott. 

 

Jesus erkennt diese große Gefahr im Gespräch mit dem 

Regierungsbeamten. 

Deshalb wehrt er gleich ab und sagt: „Wenn ihr nicht Zeichen 

und Wunder seht, dann glaubt ihr nicht!“

Erst das Wunder, dann der Glaube, 

also ein Glaube, der auf Wunder beruht, 

der das Wunder voraussetzt!?

 

Dagegen … wendet sich Jesus, das will Gott nicht. 

Ein Glaube, der die Sensation zur Bedingung macht, 

ist kein Glaube. 

Jesus blockiert dieses Denken.

Wer nur auf einen Jesus baut, 

der erst einmal seine übermenschlichen Möglichkeiten öffentlich 

unter Beweis stellen muss, 

der liegt nicht mehr auf der Linie Gottes. 

 

Wahrer Glaube verlangt keine Beweise, keine Sicherheiten, 

das tut … der Unglaube. 

Echter Glaube … ist Vertrauen auf Jesus Christus, 

den Sohn Gottes!

 

Wenn ich eine hohe Autobahnbrücke überfahre, 

dann brauch’ ich kein Vertrauen, 

weil Baustatiker und Prüfingenieure die Festigkeit der Brücke 

überwacht haben. 

Ich kann diese Brücke ohne Bedenken und sicher befahren. 

Aber so stellen sich manche Menschen auch den Glauben vor: 

Glaube als Sicherheit, 
Glaube als unverlierbarer Besitz, 
Glaube als etwas Statisches. 

 

Aber mit dem Glauben ist es wie in einer Ehe: 

Die Basis einer Ehe ist nicht Sicherheit, 

sondern Vertrauen. 

Und wenn das Vertrauen entzogen (weg) ist, 

geht die Ehe in die Brüche. 

So ist auch ein Glaube ohne Vertrauen zu Jesus Christus 

ohne Bestand!

 

Mein Drang nach Sicherheiten, Wundern, Beweisen 

kann regelrecht verhindern, 

dass ich in ein Vertrauensverhältnis zu Jesus Christus komme. 

 

(Ich kann auch bis heute nicht verstehen, 

wie manche Menschen gleich mit einem Ehevertrag in die Ehe starten

und dort schon mal festlegen, wie es im Falle einer Scheidung 

aussieht bei ihnen …)

 

Der Glaube vertraut auf Jesus Christus. 

Punkt … und nicht Komma.

Aber dann … gilt wirklich auch: 

 

 

Der Glaube erfährt das Wunder. 

Jetzt folgt ein echter Glaubensfortschritt bei diesem 

verzweifelten Vater. 

Hat er bisher gedacht: „Wenn Jesus selber mitkommt und 

ans Bett meines Kindes tritt, dann kann er vielleicht ein Wunder 

vollbringen!?“

Aber was für eine Enttäuschung, Jesus schickt ihn weg - 

allerdings mit diesem Wort: „Geh hin, dein Sohn lebt!“

 

Und jetzt heißt es im Text: 

„Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte 

und ging hin!“

 

Dieser total fertige Vater nimmt die Aussage von Jesus ernst, 

setzt sein ganzes Vertrauen auf dieses Wort: „Geh hin!“

Das Wort von Jesus setzt ihn in Bewegung!

 

Ähnlich war es, als Petrus von Jesus berufen worden ist. 

Da schickt er ihn und seine Freunde zum Fischen raus auf den See

Genezareth - zu einer für erfahrene Fischer unmöglichen Tageszeit, 

nämlich am hellen Mittag, 

wo die Fisch vor der Hitze weit abtauchen …

wo jeder sagt: Vergiss’ es, das bringt doch nichts!

 

Und Petrus weiß das, 

meldet seine Bedenken auch an, aber sagt dann doch: 

„Weil du es sagst, will ich das Netz auswerfen!“ (siehe Schriftlesung)

„Weil du es sagst!“

Weil Jesus es sagt …, das setzt Petrus in Bewegung. 

 

Und so ist das, was Jesus sagt, das Entscheidende: 

„Geh hin, dein Sohn lebt!“

Und der Vater vertraut diesem Wort, 

geht hin …, ist gehorsam, 

das ist der Glaubensfortschritt. 

Er verlangt keine Beweise, 

diskutiert nicht über Sinn und Unsinn der Aufforderung, 

sondern tut, was Jesus sagt. 

Das … ist Glaube … 

immer auch verbunden mit Gehorsam 

gegen Jesus und Gottes Wort (die Bibel). 

 

Und hier zeigt sich, 

dass Gott Gehorsam Gott nie unbeantwortet lässt!

Gott steht zu seinem Wort!

 

Der verzweifelte, aber gehorsame Vater erlebt tatsächlich: 

Sein Kind ist am Leben!

 

Daran sehen wir, dass der Glaube keine Wunder braucht, 

aber … er erfährt Wunder!

 

Das war bei Petrus nicht anders: 

Weil Jesus es gesagt hat, 

wirft er seine Netze am hellen Tag aus - und da heißt es: 

Sie haben so viele Fische gefangen, 

dass die Netze es kaum aushalten konnten. 

 

Gott segnet es, wenn wir ihm im Glauben … gehorchen.

Und wir erleben Wunder …, 

nicht weil wir sie verlangen, 

sondern weil Jesus das, was er sagt, 

immer wieder auch durch Wunder bestätigt, 

wie sie auch immer aussehen mögen …

(manchmal gibt es diese Wunder im „Nachgang“, 

in dem Beispiel aus Sigmaringen z. B. war es so …)

 

Es steht uns nicht zu, von Gott zu verlangen, 

dass er unser Leben oder das eines Angehörigen durch ein Wunder 

verlängern muss. 

Wir haben auch nicht das Recht … auf Heilung

unserer Krankheiten. 

 

Aber wir haben große Zusagen und die gelten: 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, 

    ich will euch aufbauen!“ 

- „Bittet, so wird euch gegeben ...“ (Mt 7,7)

„Das Gebet bewirkt viel, wenn es ernstlich ist“ (Jak 5,16)
„Rufe mich an in der Not, dann will ich dich erretten und du sollst

      mich preisen“ (Ps 50,15).

 

Wir haben die Verheißung Gottes: 

„Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir“

und das Versprechen des Auferstandenen: 

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. 

 

Ein Liederdichter hat das so ausgedrückt: 

„Er ist ein Fels, ein sichrer Hort - und Wunder sollen schauen, 

die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. 

Er hat‘s gesagt und darauf wagt 

mein Herz es froh und unverzagt

und lässt sich gar nichts grauen.“ (EG 374,2)

 

Der Glaube erfährt das Wunder wie Gott es will, 

äußerlich oder innerlich. Und noch etwas (Drittens):

 

 

Der Glaube ist ein Wunder. 

Damit, dass das Kind gesund wird, 

ist die Geschichte ja noch nicht aus. 

Am Schluss steht da der kleine und unscheinbare Satz: 

„Und er glaubte mit seinem ganzen Hause“. 

 

Es ist also nicht beim Notschrei geblieben, 

beim Drang nach einem Wunder. 

Sondern der Vater macht Schritte des Glaubens, 

weil er dem Wort von Jesus gehorsam war. 

Und daraus entsteht eine lebendige Beziehung zu Christus, 

der Funke des Glaubens springt über 

auf das ganze Haus. 

Da können Menschen richtig froh und dankbar bekennen: 

„Er … hat alles … wohl gemacht.“

 

Der Glaube selber ist letztlich ein Wunder!

 

Das will ich noch mit einem Beispiel unterstreichen: 

Ein Evangelist hat über das Wunder der Bibel gepredigt. 

Nach der Veranstaltung kommen einige alte Kameraden 

zu ihm und sagen:

„Hör mal, das mit dem Wunder, das ist ja wohl ein Bluff!“

 

Da hat er sie in seine Wohnung geführt, 

quer durch’s Haus. 

Er zeigt ihnen das Wohnzimmer: 

„Da stand früher mal ein wackliger Tisch

und ein paar Schnapsgläser samt Flaschen drauf!“

Jetzt haben sie eine saubere Wohnungseinrichtung gesehen ...

 

Er zeigt ihnen das Schlafzimmer: 

„Da sind früher ein paar alte Matrazen auf dem Boden gelegen ...“ - 

heute zwei sauber bezogene Betten. 

 

Dann zeigt er ihnen Raum, 

in dem ein gutes Klavier stand. 

 

„Schaut her!“, sagt er, „das alles … hat Gott umgekrempelt. 

Wir waren hoffnungslose Alkoholiker. 

Dann ist Jesus gekommen und hat alles neu gemacht. 

Ist das nicht das größte Wunder vor unseren Augen?“

 

Auch heute gibt es solche Wunder!

In Enzklösterle bei der Gefährdetenhilfe kann man das studieren. 

Auch wenn 70-80% es nicht schaffen, 

so schaffen es doch 20-30% … und erleben dieses Wunder!

 

Gott kann Menschen, 

für die die Krankenkassen nach der x-ten Therapie

keine Versuche mehr bezahlen will, 

die das „austherapiert“ gelten, 

weil nichts gefruchtet hat, 

durch ein Wunder auf neue Füße stellen. 

 

Wenn ein Mensch sich von Jesus … zum Glauben rufen …

und einladen lässt, 

wenn er ihm und seinem Wort vertraut

lernt sein Leben darauf zu bauen, 

dann … ist das … ein echtes Wunder!

(Oder siehe Konfirmanden, die nicht aus der Kirche „hinaus

konfirmiert werden … sondern den Weg in die Jugendarbeit schaffen …, 

obwohl ihre Eltern selber nicht zur Gemeinde gehen, 

obwohl sie zuhause niemand ermutigt und erinnert …

Das ist für mich ein echtes Wunder!

Aber es gibt diese jungen Leute!)

 

Aus sich heraus, einfach so, kann niemand glauben. 

Der Glaube ist ein Geschenk, 

das ich annehmen kann oder auch ignorieren. 

 

Er ist im Kern selber ein großes Wunder … 

und zu diesem Wunder lade ich uns alle ein, 

besonders auch euch Konfirmanden. 

Dieses Wunder anzunehmen … 

Denn Jesus ruft euch zu sich … 

Er ruft Dich in die Nachfolge!

Und da wirst Du Wunder erleben …

wenn Du ihm vertraust … und folgst. 

Bedingungslos, kompromisslos …

 

Gott kann und wirkt Wunder!

Ohne Ende. 

 

Dieses Glaube ist also kein Allerweltsglaube, 

kein Herrgott-Glaube, 

kein „also-ich-glaub-schon-auch-Herr-Pfarrer-Glaube“, 

sondern Glaube, 

bezogen immer auf eine Person, auf Jesus Christus, 

den Retter und Heiland der Welt. 

 

Dieser Glaube lebt aus dem Vertrauen auf Jesus,

es ist ein Glaube, der keine Wunder braucht, 

der aber Wunder erfährt!

Es ist ein Glaube, 

der selber das größte Wunder ist. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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