2016-12-25

Predigt über Micha 5,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Unser Predigttext für den 1. Christfesttag führt uns hinein in eine 

spannungsgeladene Zeit und reißt vielleicht genau deswegen 

den Horizont auf, in dem wir die umfassende Bedeutung erkennen, 

die ein bestimmter Ort in der Geschichte Gottes mit den Menschen 

spielt. Ich lese Gottes Wort aus Micha 5,1-4:

„1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in 

Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen 

Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.

2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären 

soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen 

zu den Söhnen Israel.

3 Er aber wird auftreten und weiden in der Kraft des HERRN und in 

der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden 

sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit 

die Welt ist.4 Und er wird der Friede sein.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

1. Bethlehem ist unsere Welt.

 

Bethlehem hat Hochkonjunktur in diesen Tagen. 

In jedem Krippenspiel kommt der Ort vor. 

In unzähligen Weihnachtsliedern singen wir davon. 

In mancher Wohnung stehen Krippenfiguren aus Olivenholz,
die aus Bethlehem stammen. 

Und viele Menschen haben den Heiligabend-Gottesdienst 

aus der Geburtskirche in Bethlehem am Fernseher miterlebt.

 

Aber, so idyllisch-romantisch, wie es uns in vielen Weihnachts-

geschichten begegnet, 

so lieblich-freundlich geht‘s heute in Bethlehem gerade nicht zu:

Der Weihnachtsgottesdienst dort kann nur unter 

strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. 

Schwerbewaffnete Soldaten patrouillieren um die 

feiernde Gemeinde. 

Der israelisch-arabische Konflikt lebt immer noch 

in dieser Stadt. 

War das je anders?

 

Seit jeher wird Bethlehem mit David und seiner Familie 

in Verbindung gebracht:

    - Boas und Ruth lebten dort, Davids Urgroßeltern. 

    - Isai, sein Vater, ist da geboren worden. 

    - Samuel beruft David vom Schafe hüten weg
        zum König von Israel. 

        Er soll im Auftrag Gottes ein ewiges,
        ein gerechtes Königreich aufrichten, 

        in dem’s den Menschen gut geht und
        Gott verehrt wird. 

 

Aber schon bald nach David kommt es ganz anders.

Von dessen Nachfolgern heißt es in schöner Regelmäßigkeit: 

„Sie taten, was Gott nicht gefiel.“

Bethlehem ist unsere Welt.

 

Micha, ein Prophet im 8. Jahrhundert vor Christus, 

sieht deshalb großes Unheil kommen:

    - Er beklagt den ramponierten Zustand des Volkes. 

    - Er wettert gegen Lug und Trug in Jerusalem. 

    - Die führenden Männer in Juda sind ihm ein Dorn im Auge. 

        Denn: Im Weinberg Gottes findet Gott keine Früchte mehr. 

Es gibt keine Frommen und keine Gerechten mehr im Land. 

Sie lauern alle auf Blut, 

ein jeder jagt den andern, klagt Micha. 

Ihre Hände sind laufend dabei, Böses auszuhecken: 

    - Fürsten und Richter lassen sich bestechen.

Aber es kommt der Tag, warnt Micha,

da wird dich das alles einholen. 

Keine romantische Idylle damals in den Häusern und Ställen
von Bethlehem.

 

Kommt uns das vielleicht bekannt vor? 

Die abgehauenen Bäume, 

die zerstörten Hoffnungen, 

die unerfüllten Wünsche?

 

Bethlehem, das steht hier für die kahlen Überreste menschlichen 

Hochmuts und Größenwahns! 

Diese Stadt ist wie ein Zeichen für schmerzliches Scheitern. 

Und damit ist Bethlehem unsere Welt.

 

Aber ist Bethlehem deshalb abgeschrieben? 

Trampelt Gott den glimmenden Docht vollends aus

oder (mit einem anderen Bild) - reißt er die angeknackste Ähre

vollends raus?

 

Gerade das tut Gott nicht. 

Gott gibt gerade dieser Stadt (Bethlehem) eine große Verheißung: 

"Du Bethlehem, die Stadt, die klein ist unter den Städten in Juda, 

aus dir wird der Mann kommen, der Israel erretten wird." 

So übersetzt die Gute Nachricht die Prophezeiung Michas.

 

Erstaunlich! 

Denn das heißt doch: Es gibt noch Hoffnung für Bethlehem

und wenn für Bethlehem, dann auch für unsere Welt:

    - Ein Hoffnungsträger wird angekündigt, 

    - ein grüner Zweig am toten Baum, 

    - ein Weinberg, der Frucht trägt, 

    - ein Kind, das Hoffnung weckt, 

    - ein Friedensbringer und einer, der Gerechtigkeit schafft. 

 

Weil er in Bethlehem zur Welt kommt, 

wird dieser Ort nicht zum Symbol des Weltuntergangs,
sondern zum Symbol der Hoffnung. 

 

Bis heute zu einer Hoffnung

ja zu einer inzwischen bestätigten Hoffnung, 

dass aus diesem Ort das Licht kommt (ja gekommen ist), 

das alle dunklen Nächte dieser Welt hell macht.

Mitten in der tiefsten Nacht der Weltgeschichte 

geht die Verheißung in Erfüllung: 

Gott greift ein … er kommt in diese Welt … Weihnachten!

 

Diese alte Prophezeiung Michas lenkt unseren Blick 

heute noch einmal zurück auf Bethlehem, 

aber sie weitet ihn zugleich

mit Blick auf den weltgeschichtlichen Horizont, 

die das Kommen von Jesus hat: 

Ist Israel schon winzig 

und Bethlehem darin nur ein kleines Kaff, 

so kommt es fast unfassbar vor, 

wie es dann bei Micha weiter heißt (5,3f):
"Er aber, wird auftreten und sein Volk weiden in der Kraft 

des Herrn und in der Macht des Namens des Herrn, seines Gottes. 

Und sie werden sicher wohnen; 

denn er wird zur selben Zeit verherrlicht werden, so weit die Welt ist."

 

 

2. Bethlehem – so weit die Welt ist.

Die Prophezeiung Michas, liebe Gemeinde, 

läuft darauf hinaus, dass der König, der aus Bethlehem kommt, 

weltweite Majestät und Vollmacht ausüben wird. 

Der Herrschaftsanspruch des verheißenen Retter-Königs 

reicht bis an die Enden der Erde. 

 

In einer kraftvollen Vision ohnegleichen zeichnet Micha das Ziel Gottes 

mit dieser Welt (4,1ff):
"In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, 

fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. 

Und die Völker werden herzulaufen und viele Heiden werden 

hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn 

gehen und zum Hause des Gottes Jakobs. Dass er uns lehre seine 

Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung 

ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Und sie werden ihre 

Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. 

Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben und sie 

werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."

 

Die Welt, ein Friedensreich Gottes?! 

Das muss sich schon damals für die Menschen 

wie ein maßloser Größenwahn angehört haben. 

 

Mindestens so größenwahnsinnig wie der Missionsbefehl 

von Jesus an seine 11 (!) Jünger: 

"Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker." 

    - Gottes Reich, in das die Menschen hineindrängen. 

    - Die Weisungen Gottes, auf die die Menschen achten. 

    - Das Ende aller Kriege. 

    - Schwerter zu Pflugscharen (Die Plastik dazu steht 

        vor dem Gebäude der UNO in New York, 

        aber die Umsetzung klappt bisher absolut nicht)

 

Wir sind heute immer noch meilenweit davon entfernt, 

dass diese Vision Realität wird. 

In Syrien, Irak, Afghanistan und vielen anderen Hotspots der

Welt wird es nicht friedlicher, ganze Leichenberge türmen sich auf. 

Noch immer hört diese Welt lieber
auf die Botschaften von Verführern und Blendern

als auf Gottes Weisungen. 

Noch immer laufen die Leute weltweit (und auch Deutschland

mehr und mehr) falschen Götzen nach 

und finden eher nicht den Weg dorthin,
wo sie Gottes Wort hören. 

 

Aber indem wir auf diesen Predigttext an Weihnachten 2016 

ganz neu hören, sehen wir, 

dass Gott an seiner Voraussage festhält. 

 

Sein Sohn ist in diese Welt gekommen, 

in der er von vielen weiterhin abgelehnt wird …

und in der Gewalt, Folter und Tod weite Landstriche beherrschen. 

Eine Welt, in der viele Menschen 

in einem Überlebenskampf stehen. 

In der auch heute noch Kinder in Flüchtlingszelten oder 

zerbombten Häusern oder auf der Flucht geboren werden

und wo (vor allem in den westlichen Ländern) allein in diesem 

Jahr 45 Millionen Kinder vor ihrer Geburt abgetrieben wurden. 

 

Unsere Welt heute ist weithin 

… wie Bethlehem damals zur Zeit Michas, ja sogar

… wie zur Zeit des Kindermordes des Herodes

 

Aber Gott ist angekommen in dieser Welt. 

Es konnte niemand verhindern und

er nimmt seinen Weg. 

Geht in sie hinein, wirkt in sie hinein. 

Jesus ließ sich nicht beirren. 

Sie haben ihn umgebracht, 

aber er hat gerade darin gesiegt. 

Dem Bösen (Satan) ist die Macht genommen. 

Er ist wie ein „angeschossener Tiger“ (Pfarrer Lange hat das in 

seiner Predigt am 4. Advent so ausgedrückt). 

Und als solcher wütet er blind … 

Wir erleben ihn wie eine Bestie: Die täglichen Nachrichten

zeigen es. 

 

Aber Gott kommt zu seinem Ziel. 

Seine Verheißungen erfüllen sich mehr und mehr. 

Trotz Bethlehem … trotz Kriegen und Kriegsgeschrei …

trotz Unglücken und Katastrophen …

trotz einer taumelnden Welt.

 

Sehen wir das schon?

Haben wir ein Recht zum Jammern? 

Haben wir ein Recht, Hoffnung fahren zu lassen? 

wegzuschauen, wenn uns die Not der Welt anspringt? 

 

Nein, absolut nein. 

 

Aber nicht weil Christen einfach über allem drüber stehen. 

Nicht weil sie (aus sich heraus) so viel mehr Liebe geben 

und Frieden schaffen könnten. 

 

Sondern weil Gott selber zu seinen Verheißungen

für diese Welt steht. 

 

Dass Jesus in Bethlehem geboren wird

und für das Böse und alle Sünden dieser Welt am Kreuz stirbt, 

dass er alle Menschen dieser Welt 

nach Hause lieben will

und uns dafür als Botschafter benutzen will, 

um die Zeit und Möglichkeiten auszuschöpfen, 

das verpflichtet uns

die wir Jesus kennen und lieben gelernt haben, 

Gottes Zukunft mit großem Vertrauen entgegen zu gehen. 

 

 

Darf ich zum Schluß noch eine letzte Frage stellen?

Wo liegt eigentlich mein (und Dein) Bethlehem heute?

 

Bethlehem ist ja mehr als nur ein Name,

mehr als ein nebensächliches Fleckchen Erde im Nahen Osten. 

Bethlehem ist überall …

da, wo, wie Micha sagt: Gottes Friede sich ausbreitet

und wo Jesus selbst der Friede, 

unser Friede ist. 

 

Friede – Schalom, 

das ist mehr als das Schweigen von Waffen.

 

Friede - Schalom, 

das ist z. B. eine Gefährdetenhilfe „Wegzeichen“ in Enzklösterle, 

eine Familie Isenburg und andere, 

die Knastbrüdern und Alkohol- oder Drogenabhängigen die Liebe 

Jesu zeigen, sich dafür nicht zu schade sind. 

 

Friede - Schalom, das ist z. B. heute, 

wo Christen nicht einfach über die vielen Flüchtlinge schimpfen

(jeder weiß, dass darunter auch „falsche“ sind, 

wie es übrigens auch unter den deutschen Flüchtlingen 

am Ende des 2. Weltkriegs der Fall war), 

sondern beherzt und mutig auf einzelne zugehen, 

ihnen ihre Freundschaft anbieten - und sie für Jesus zu gewinnen suchen. 

 

Friede - Schalom, das ist z. B. eine Beratungsstelle „Aus-WEG?!“ 

in Pforzheim, wo ungewollt Schwangere nicht einfach einen 

Abtreibungsschein, sondern Hilfe zum Leben angeboten bekommen. 

 

Friede - Schalom, 

das ist die Arbeit vieler Missionare, die auch im neuen Jahr 

weitergehen wird und die wir unterstützen dürfen, 

von „Licht im Osten“, 

der Liebenzeller Mission oder welchem Werk auch immer. 

 

Friede - Schalom, das ist ein kleines Licht der Hoffnung 

auf ein Ende des syrischen Bürgerkriegs. 

 

Frieden – Heil – Schalom

ist da, wo dieser verheißene und von uns geglaubte König 

Jesus Christus mit seiner Herrschaft konkret da ist, 

    - in den Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern, 

    - in Hauskreisen, 

    - im Bilbellese- und Gebetstreff vor einem Jugendkreis. 

 

Frieden ist da, wo wir unser Heil in Gott suchen, 

wo wir einander vergeben und selber vergebungsbereit sind. 

 

Da liegt unser Bethlehem heute. 

 

Bethlehem, es ist mehr als ein Wort, 

Bethlehem ist eine Verheißung: 

das Versprechen Gottes, dass er nicht ruhen wird, 

dieser Welt den Frieden in Jesus Christus zu bringen. 

 

Bis zum Tag des Gerichts, 

an dem Jesus sichtbar wiederkommen wird, 

läuft seine Liebe, seine Hoffnung, seine Einladung in dieser Welt. 

In jedes Bethlehem. 

Und wir dürfen ihm entgegen leben, 

glauben, hoffen und lieben. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
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Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
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