2016-10-09

Predigt über 1. Thess 4,2-8 / Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,
mit zwei Momentaufnahmen will ich heute mal beginnen: 

Drei junge Männer in einem Krankenhauszimmer.
Sie staunen, dass der Pfarrer Besuche macht.
Sie reden darüber, dass es heißt: In der Kirche wird immer nur
über weltfremde Themen gepredigt.

Der Pfarrer antwortet, dass vor 14 Tagen das Thema »Streit« dran war,
vor acht Tagen das Thema »Geld«
und am kommenden Sonntag das Thema »Sex«.

Sie können es kaum glauben – und meinen dann:
Diese Predigt zum Thema »Sex« würden sie gerne einmal lesen.

Momentaufnahme zwei: Ich rufe E-Mails ab.
Drei von zehn Nachrichten – Spam-Mails,
schmuddlig-unappetitliche, zum Teil perverse Anmache:
    - rascher Sex-Treff auf dem Parkplatz
    - boys oder girls, die hüllenlos und hemmungslos alles zeigen,
        einfach nichts auslassen 

    - 1.000 frivole Nacktbilder,
    - anscheinend authentischer Mitschnitt einer Strand-Sex-Party 

    - Pornofilm ohne jedes Tabu, 

        ein echter Hammer, alles sehen, alles unverbindlich.

 

(Sexualisierung der Gesellschaft)

Kein Tag ohne mediale sexuelle Anmache – per Mail und Internet,
per Video, Schüssel oder Kabel, am Kioskstand.
Eine gewaltsame, allgegenwärtige, kommerzielle Sexwelle
verspricht Freiheit – und treibt in die Leere der Sex-Sucht.

Sogenannte Jugendzeitschriften wie „Bravo“ propagieren
frühzeitige sexuelle Erfahrungen.
Boulevardblätter und abendliche Serien feiern die Beliebigkeit
der Lebensformen.

Natürlich, man erregt sich über jeden neuen Fall von Perversität, Kinderpornographie, Kinderschändungen,
Missbrauch sogar im Raum der Kirche.
Und seit gestern über ein übles Video zu Donald Trump …

Aber die allgegenwärtige, schleichend-gewaltsame,
finanziell motiverte, mediale Sexualisierung der Gesellschaft
findet weiter ihre Kunden – und gleichzeitig -
scheitert fast jede zweite Ehe im großstädtischen Bereich,
bundesweit jede dritte, 

viele heiraten überhaupt nicht und / oder leben einfach so zusammen,
solange es eben gut geht … und Spaß macht.

Die Zahl der Kinder aus zerbrochenen Partnerschaften wächst –
wer heute Kinderpsychologie studiert,
kann sicher sein, dass er nie arbeitslos wird!

Gibt es sie überhaupt noch, die Liebe,
die sich ausdrückt in Ganzheitlichkeit und Erfüllung,
in Verstehen und Treue?

 

(Sex und Geschäft – zwei brisante Lebensbereiche)

Paulus nimmt kein Blatt vor den Mund – so kennen wir ihn
ja aus dem Neuen Testament. 
Und in unserem Predigttext heute packt er gleich zwei heiße
Themen an: Wie verhalte ich mich richtig in der Sexualität
und beim Geschäftemachen?


Ich lese aus seinem Brief an die Christen in der Stadt Thessalonich,
Kapitel 4, die Verse 2-8
:
„2 Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben
durch den Herrn Jesus. 

3 Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung,
dass ihr meidet die Unzucht
4 und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche
in Heiligkeit und Ehrerbietung,
5 nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen.
6 Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel;
denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon
früher gesagt und bezeugt haben. 
7 Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung.
8 Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott,
der seinen Heiligen Geist in euch gibt.“

 

 

Das Geschäft und die Sexualität – zwei brisante Lebensbereiche.
In der Sexualität und im Geschäft kann Leben aufblühen,
wenn wir einander als verlässliche Partner in Achtung begegnen.
Oder aber - wir können – in der Liebe wie beim Geschäft –
einander aushungern, abservieren, missbrauchen, hintergehen.
Deshalb mahnt Paulus: In der Liebe und beim Geschäftemachen,
handelt doch bitte nicht so:
Ich wär’ ja schön blöd, wenn ich eine günstige Gelegenheit ausließe.

Denn so bleibt immer jemand auf der Strecke.
Sogar der wird einsam, der sich alles genommen hat,
was er kriegen konnte.

 

(Werben um den anderen)

Der Wille Gottes ist eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht –
lasst uns genau darauf achten, wie Paulus das meint.

Erstaunlich, wie er – der ja nicht verheiratet war,
der ja aufwuchs in einer streng jüdisch-pharisäischen Erziehung
und Ausbildung, die der Frau eine untergeordnete Rolle zuweist –
hier von und für die Frauen spricht.
Dass Frauen von uns Männern respektvoll und zuvorkommend
behandelt werden, darum geht es Paulus – in Ehrerbietung,
nicht in gieriger Lust.
Nicht als Lustobjekt.
Sondern: Meidet die Unzucht.

Unzucht meint, wo man nimmt, was einem nicht gehört.
Unzucht meint, wo man nimmt, was man kriegen kann.
Außerhalb der Ehe … Test- und Probepartnerschaften …
Unzucht meint, wo der andere nur benutzt wird zur »Triebabfuhr«.
Das ist Unzucht.

Und sie tut nicht gut.

Denn sie raubt dem anderen die Würde – ganz gleich,
ob in der Ehe, im Bordell oder bei einem One-Night-Stand.
Da wird Frauen ihre Würde genommen.
Da geht Männern ihre Menschlichkeit verloren.
Und beide – Männer wie Frauen – erleben nicht,
was Liebe heißt.

Das Besondere, das Gottgegebene an uns Menschen ist doch,
dass wir lieben können – und dass Sexualität, Liebe und Treue
in uns glücklich machender Weise zusammengehören können.

Deshalb erinnert Paulus uns Männer –
und an anderer Stelle auch die Frauen – ,
dass wir unsere Partner, mit denen wir verbunden sind,
„zu gewinnen suchen“.

Da steht also nichts von ehelicher Pflicht.
Nichts von ehelichem Recht.
Kein: »Jetzt, stell dich nicht so an.«
Werben soll ich um den anderen.
Mir Mühe geben.

„Zu gewinnen suchen“ meint, attraktiv, anziehend sein für
den anderen.

Und – das ist auffällig – genau dieses Gewinnen und Werben
empfiehlt Paulus hier ausdrücklich und vor allem uns Männern!
Sich Mühe geben, werben – nicht nur bis zur Hochzeit,
damit beide erleben, wie schön es ist,
zu lieben und geliebt zu werden.

„Werben um den anderen“ – Paulus erklärt genau,
wie er sich das vorstellt: in Heiligkeit und Ehrerbietung.
Nein, das meint keine Einschränkung.
Das soll nicht heißen, dass es keinen Spaß machen darf.
Nein, Heiligkeit macht deutlich: Mann und Frau, wir zwei,
können etwas von Gottes Art widerspiegeln.
Wenn Jesus Christus unser Herr ist.
Wenn er das Kraftfeld in der Mitte unseres Lebens ist.
Dann wird sich diese Kraft auch in der Liebe … und in der

Art, wie wir sie füllen … zeigen.

Und zu Gott gehören, das macht Menschen kostbar!

Und mit etwas sehr Kostbarem gehe ich in Ehrerbietung,
in Respekt um.

Ich respektiere, wie es dem anderen geht.
Ich respektiere, was er mag und was nicht.
Der andere, die andere, gehört nicht mir.
Ich habe nicht einfach ein Recht auf sie.
Ich darf ihn nicht einfach benutzen.

Ohne das Wissen von der kostbaren Heiligkeit
und ohne Ehrerbietung zerbricht das Miteinander,
auch das sexuelle Miteinander.

 

(Niemanden übervorteilen)

Bei der Unzucht, bei gieriger Lust fängt Paulus an.
Dann entfaltet er den Reichtum und die Schönheit der
Sexualität im Werben um einander.
Er spricht von der Kostbarkeit und Tiefe der Liebe
in Heiligkeit und Ehrerbietung.
Und schlussendlich kommt Paulus noch aufs Geschäftliche
zu sprechen.

Er schreibt an seine Geschwister in Thessaloniki,
das sind Leute wie du und ich, an normale Gemeindemitglieder:
Übervorteilt niemand!

Niemanden übervorteilen – das meint hier aber
nicht gleich Korruption, kriminellen Betrug, Tricks gegen Gesetze.

Sondern das meint viel eher die alltäglichen Grauzonen –
jene oft schwierige Gratwanderung zwischen legal und legitim.
Manches mag nach dem Gesetz noch möglich sein –
moralisch aber ist es nicht ok. 

Wenn z. B. der Stärkere die Schwierigkeiten des Schwächeren
für sich nutzt,
wenn Unternehmer das Risiko auf Subunternehmer abwälzen –,
das verletzt keine Gesetze.
Aber Anstand und Menschlichkeit bleiben auf der Strecke.
Da macht der eine ein »gutes« Geschäft – und schnürt dem
anderen die Luft ab.

Da sage keiner: Im Geschäftsleben gelten eben andere Gesetze.
Da sage niemand: Man müsse sich beim Geschäft nach der Decke
strecken und jeder muss eben sehen, wo er bleibt –
und das hätte nichts zu tun mit dem Glauben.

»Nein«, sagt Paulus, »auch wenn es alle tun – ihr sollt anders
handeln. Auch in dein Geschäftsleben schaut Gott.
Dass es alle so machen, ist kein Argument.
(Bsp. Mehrwertsteuer bei Handwerkerrechnungen …)

Ihr gehört zu Gott. Ihr seid sein Ebenbild.
Und wer im anderen auch ein Ebenbild Gottes sieht,
der wird ihn nicht übervorteilen!«

Im Geschäftsleben und in der Liebe – genau dieselben Leitlinien:
Ihr sollt die anderen nicht benutzen.
Lebt nicht auf Kosten anderer.
Macht die Partner nicht zu Objekten eurer Begierde.

 

(Keine Jagd nach Trophäen)

„Liebe Brüder, von Gott berufen, von Gott geliebt“–
so spricht Paulus seine Geschwister in Thessaloniki an.
Liebe Brüder, von Gott berufen, von Gott geliebt,
eure Heiligung, das ist Gottes Wille –
Paulus redet von ihrer Würde, von ihrer Bestimmung.

Gott will eure Heiligung.
Heilige seid ihr, weil Gott euch zu sich gerufen hat.
Weil ihr jetzt Christus gehört und in seinem Kraftfeld lebt.
Weil ihr seitdem seine Kinder seid.

Das ist so unglaublich viel!
Größeres, Wichtigeres lässt sich nicht sagen über einen Menschen
›als von Gott geliebt‹, als Gott gehörend,
in der „Umlaufbahn“ von ihm lebend. 

Wer sich von Gott geliebt weiß,
der muss den anderen nicht erst was beweisen.
Muss nicht vorzeigen, was er sich leisten kann.
Muss sich nicht profilieren als besonders gewiefter Geschäftsmann.
Ihr habt eine besondere Würde und Bestimmung, sagt Paulus.
Ihr seid jetzt wieder Menschen nach Gottes Bild.
Durch Jesus.
Durch das neue Leben,
das ihr durch ihn bekommen habt.

Deshalb braucht ihr doch nicht erst was aus euch machen -,
schon gar nicht auf Kosten anderer.
Ihr müsst nicht ständig auf der Jagd sein nach Trophäen,
die zeigen sollen, wie toll ihr seid.
Ihr müsst nicht auf der Jagd sein nach immer neuen Partnern -,

sondern - so verbindlich und treu wie Christus war,
können auch wir uns jetzt zeigen, indem wir uns binden 
und heiraten, Liebe in Treue leben.
Und im Geschäftsleben: In dem wir ehrlich und authentisch sind,
frei dazu - in Christus. 

Dieses geheiligte, dieses zu Gott gehörige Leben
in der Sexualität und im Geschäft traut Paulus seinen Leuten in Thessaloniki und in Dennach / Schwann zu.  
Amen.

 

 

(Ich Danke Pfarrer B. Krause für seine Vorarbeiten zum Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
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Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
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Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)