2016-03-25 Karfreitag

Predigt über 2. Korinther 5,19-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Gemeinde in Christus, liebe Konfirmanden, 

 

in der Schriftlesung aus dem Johannes-Evangelium (19,16-30)

haben wir gehört, was an Karfreitag passiert ist. 

 

In seinem zweiten Brief an die Korinther schreibt Paulus

mit knappen Worten, was Karfreitag für uns bedeutet (5,19-21)

„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu 

und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, 

denn Gott ermahnt durch uns; 

so bitten wir nun an Christi Statt: 

Lasst euch versöhnen mit Gott!

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, 

für uns zur Sünde gemacht, 

damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, 

die vor Gott gilt" 

 

 

„Gott war in Christus“

 

Dieser Satz ist der Hammer!

Keine andere Religion, keine andere Philosophie, 

keine andere Glaubensvorstellung von Gott

hat sich je getraut, so einen Satz zu sagen: 

„Gott war in Christus“. 

 

Denn das bedeutet: 

Der Allmächtige macht sich ohnmächtig. 

Der Ewige stirbt. 

Der Heilige blutet.

Der Höchste leidet - mit uns und für uns. 

 

Wenn Menschen, wenn wir fragen: 

„Wo war Gott, als mir dieses schreckliche Ereignis passiert ist?

Wo war Gott, als der Krieg unzählige und unschuldige

Leben ausgelöscht hat?

Wo war Gott in Auschwitz?

Wo ist Gott, wenn Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken?

Wo ist Gott, wenn Kinder verhungern,

wenn Menschen Gewalt angetan wird, 

wenn eine Katastrophe Not und Elend bringt?“, 

dann - gibt es auf diese beißenden Fragen 

nur eine einzige Antwort: Am Kreuz!

 

Gott war am Kreuz, denn er war in Christus!

 

Jesus, Gott, ist mittendrin in dem Bösen, 

in dem Leiden, in den Schmerzen 

und in den Sünden dieser Welt

und deines und meines persönlichen Lebens. 

 

Er ist nicht da oben. 

Er schaut nicht weg, auch nicht zu. 

Er fliegt nicht ein wie ein Superman 

und fliegt dann wieder weg. 

 

Jesus, Gott, ist mittendrin in deiner Not,

er spürt deinen Schmerz, 

er trägt deine Schuld. 

Jesus macht unser Leiden und Versagen nicht einfach weg, 

so wie man stinkende Windeln entsorgt. 

Er, „der gekreuzigte Gott“, 

kommt hinein in unser Leiden, 

um uns in unserer Not zu lieben, 

uns in unserem Schmerz zu trösten, 

in unserer Schuld zu tragen

und zu umarmen - und uns mit sich zu versöhnen!

Dafür steht das Kreuz!

 

„Lasst euch versöhnen mit Gott!“

Das ist jetzt der Ruf, die Einladung, die dringende Bitte, 

die seit Karfreitag an alle Welt, 

an dich und mich ergeht. 

Die Querbalken des Kreuzes stehen für die offenen Arme 

von Jesus Christus; 

er ruft dich und mich: 

„Komm zu mir!

Hier bei mir, an meinem Kreuz, gibt es Frieden. 

Hier ist Vergebung. 

Hier findest du Gnade. 

Komm!

 

Lebe nicht länger auf Kriegsfuß mit mir, 

sondern lass dich versöhnen mit Gott, 

dann wirst du Ruhe finden für deine Seele. 

Dann öffnet sich die Ewigkeit bei Gott für dich. 

Dann bist du endlich da, wo du hin gehörst: 

Bei mir. Bei Gott. 

Bei deinem Schöpfer, deinem Erhalter, deinem Erlöser.“

 

Lieber Gemeinde in Christus, 

viele Leute stoßen sich an der Kirche, 

an den Christen, an unchristlichem Verhalten. 

Sie wollen mit Gott nichts zu tun haben, 

weil sie sich daran stören, 

wie unglaubwürdig (auch) Christen 

immer wieder leben und handeln, 

weil sie Fehler machen und lieblos sein können. 

 

Wo sie damit Recht haben, 

ist daran nichts schön zu reden. 

Da müssen wir Buße tun 

und um Gottes Gnade und Vergebung bitten. 

 

Aber eines will ich mit Paulus doch glasklar stellen: 

Wir laden die Menschen letztlich nicht zu uns ein, in die Kirche, 

sondern wir geben Gottes Einladung weiter. 

Er lädt - zu sich ein: „Lasst euch versöhnen mit mir!“

Wir sind lediglich „Botschafter an Christi statt“ -, 

er ist der Wichtige, nicht wir. 

Um ihn geht es, nicht um uns!

 

Das „Wort von der Versöhnung“ ist nicht auf unserem Mist 

gewachsen, sondern es ist Gottes Wort an jeden einzelnen Menschen, 

der diesen Planeten betritt, egal wo, egal in welcher Kultur, 

egal mit welcher Sprache. 

 

Deshalb ist es fatal, wenn du, wenn die Kirche 

diese Einladung / diese Bitte / dieses „Wort von der Versöhnung“

verschämt verschweigt. 

Sei es, weil wir anderen damit nicht zu nahe treten wollen

(so hat die Rheinische Kirche vor kurzem erklärt, 

sie wollen Muslimen gegenüber lieber still sein), 

oder sei es, wir denken, es gäbe Wichtigeres zu tun

(z. B. indem wir uns allgemein für Flüchtlinge engagieren, 

was ja an sich völlig in Ordnung ist, aber doch nur ein Nebeneffekt

sein kann!). 

Oder sei es, dass wir einfach nur feige sind

und Angst vor Ablehnung haben!

 

„Lasst euch versöhnen mit Gott!“

Das ist die Aufforderung, die dringende Bitte des Schöpfers

an alle seine Geschöpfe. 

Sie zu verschweigen, das hieße, 

Menschen die Möglichkeit zur Versöhnung und des Friedens

mit Gott vorzuenthalten, zu nehmen. 

 

„Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, 

für uns zur Sünde gemacht …“

 

Liebe Gemeinde in Christus, 

was Gott in Christus für uns tut, 

ist mehr, viel mehr, als wir oft denken. 

Es ist ja nicht so, dass Jesus am Kreuz für uns stirbt, 

damit wir nach einem Fehler wieder ein gutes Gewissen haben. 

Es ist ja nicht so, dass Jesus am Kreuz für uns stirbt, 

damit wir uns ein bisschen geliebter fühlen, 

dass wir etwas leichter, entspannter und besser durch’s

Leben gehen. 

 

Wenn es so wäre, dann wäre der Gekreuzigte nur ein 

Lebenshilfe-Angebot unter vielen anderen. 

Dann sollten wir religiöse Vielfalt propagieren, 

statt die Gute Nachricht weiter zu geben. 

Dann könnten uns die Menschen eigentlich egal sein, 

denn dann wäre ja alles gleich gültig:

Jesus, Mohammed, Buddha, Gurus, Yoga oder Atheismus -, 

nimm, was dir guttut, egal was. 

 

Aber wer so denkt, hat nichts verstanden. 

 

Der hat nicht verstanden, was an Karfreitag wirklich passiert ist. 

 

Seit Karfreitag ist alles anders, 

denn an dem Tag hat Gott mit uns die Plätze getauscht. 

 

Könnt Ihr Konfirmanden euch noch an das Anspiel auf der 

Freizeit bei den „Fackelträgern“ erinnern, 

bei jemand in das Loch zwischen zwei Stühlen gefallen ist? 

Da hängt jemand in diesem „Loch“ und kommt nicht mehr raus. 

Und es kommen verschiedene „Helfer“ vorbei. 

Sie haben alle gute Ratschläge, aber tun nichts für den im Loch. 

Bis Jesus kommt - und selber in das Loch steigt - und diesen 

Menschen heraus zieht!

 

So ist das mit Karfreitag. 

Da verändert sich alles. 

An Karfreitag tauscht Jesus mit uns: 

Nicht nur die Klamotten, sondern die Plätze!

Er geht in die Sünde, damit wir da heraus kommen

und in der Gerechtigkeit Gottes sind. 

Ja, ER wird sündig, damit wir gerecht werden. 

 

Wer’s glaubt und sich von Jesus heraus helfen lässt, 

ist versöhnt. 

 

Mit Gott, seinem Schöpfer und himmlischen Vater

und mit denen, die ebenfalls glauben, 

die sich von Jesus helfen lassen. 

 

Deshalb sind wir heute am Karfreitag auch eingeladen

im Abendmahl - ganz bewusst diese Versöhnung unseres Gottes

anzunehmen und zu bekennen: 

„Ich bin ein Sünder. 

Aber durch Christus hat Gott uns mit sich versöhnt. 

Und das will ich für mich annehmen! Amen“.

 

 

(Ich danke Pfarrer Chr. Lehmann für seine Vorarbeit zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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