2016-03-20

Predigt über Hebräer 12,1-3 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören an diesem Palmsonntag auf Worte des Hebräerbriefes, 

Kapitel 12, die Verse 1-3:

„Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns 

haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert und die Sünde,

die uns ständig umstrickt und lasst uns laufen mit Geduld in dem

Kampf, der uns bestimmt ist und aufsehen zu Jesus, dem An-

fänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude     

haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering 

achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern

erduldet hat, damit  ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst“.

 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden. 

unsere Blickrichtung ist total wichtig. 

Von ihr hängt wahnsinnig viel ab. 

Es ist entscheidend, 

ob wir - z. B. als Autofahrer - bei Nacht direkt in die 

entgegen kommenden, blendenden Scheinwerfer schauen 

oder versuchen rechts an ihnen vorbei zu schauen, 

wie es mir mein Fahrlehrer vor Jahren immer wieder 

gesagt hat. 

 

Oder in einem anderen Fall: Ob ich beim Bergwandern nach unten 

in den gähnenden Abgrund schaue 

oder nach oben zum angepeilten Gipfelkreuz, 

das vielleicht noch weit weg ist. 

 

Immer wieder zeigt sich: Die Blickrichtung ist total wichtig, 

ja entscheidend!

 

Und: wir lernen viel von einem Menschen kennen, 

wenn wir wissen, worauf er schaut. 

 

So sind auch Christen erkennbar an dem, 

auf den sie sehen: Auf Jesus, ihren Leitstern auf allen Straßen, 

    - ihre große Liebe, die sie anbeten, 

    - ihr Vorbild, dem sie nacheifern, 

    - das große Ziel am Horizont des Lebens, 

        das alle Mühe lohnt. 

Oder, wie es unser Bibelabschnitt sagt: 

    - Jesus Christus, den Anfänger und Vollender ihres Glaubens.

 

»Lasst uns laufen in Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist.« 

So mahnt der Briefschreiber seine Adressaten. 

Er hat dabei einen Langstreckenläufer vor Augen, 

wie zu seiner Zeit bei den Olympischen Spielen im Altertum. 

Er hat darüber hinaus aber noch einen ganz besonderen Läufer 

im Blick, dessen Lauf zu einem Lebenslauf für die Welt geworden ist. 

 

 

1. Aufsehen auf Jesus, den Sieger

Unser Bibelabschnitt benutzt das Bild vom Langstreckenlauf 

für das Christsein: Jesus Christus hat diesen Lauf schon hinter sich. 

Ja, er hat diesen Lauf überhaupt erst ins Leben gerufen. 

In ihm steigt Gott von der himmlischen Ehrentribüne herunter

auf die staubige Aschenbahn dieser Welt. 

In der Umkleidekabine legt er seine himmlische Herrlichkeit 

und Macht ab und kommt im einfachen Sportdress der Menschen 

zum Startpunkt. 

Er ist in unsere umkämpfte Realität gekommen 

und unter menschlichen Bedingungen an den Start gegangen.

Er hat den Kampf des Glaubens gekämpft 

unter unseren Bedingungen und:

Er hat Treue gehalten unter gerade diesen Bedingungen.

 

Eine unvorstellbar große Treue in doppelter Richtung ist das: 

Jesus beweist Treue zu Gott: 

    - Er war abhängig von seinem Vater - trotz seiner Macht. 

    - Er war gehorsam gegen den Willen seines Vaters - trotz seiner 

        Göttlichkeit. 

    - Er geht den Weg der tausend Qualen - obwohl er vor Gott

        ein Gerechter ist und es nicht nötig hatte. 

    - Er hält fest an Gott - obwohl der ihm in seinem Leiden unendlich 

        fern wird. 

So ist Jesus treu vor seinem himmlischen Vater.

 

Gleichzeitig beweist Jesus aber auch die Treue zu uns Menschen: 

    - Er hat uns Menschen in seinem Leiden nicht vergessen. 

    - Er entscheidet sich freiwillig, am Kreuz zu bleiben und nicht 

        herabzusteigen (abzubrechen). 

    - Er nimmt den Weg des Sünders auf sich, der der unsere ist. 

    - Er bleibt bis in den Tod an der Seite der beiden Verbrecher, 

        die links und rechts neben ihm gekreuzigt werden. 

 

Unser Glaube, liebe Gemeinde, lebt von dem, 

was Jesus für uns getan hat, 

so wie der Erbe von dem lebt, 

was jemand vor ihm erarbeitet hat.

 

Kriss Akabusi, ein 400-Meter-Läufer aus England, 

hat bei Olympischen Spielen und bei Weltmeisterschaften

Silber- und Bronzemedaillen gewonnen. 

Um die Jahrtausendwende herum war er Europas schnellster 

Mittelstreckenläufer. 

Als er im bei den Commonwealth-Spielen eine Bibel in seinem 

Hotelzimmer findet, 

nimmt er sie zur Hand und liest sie ganz durch. 

Zum ersten Mal in seinem Leben versteht er, wer Jesus war. 

Ihm ist es, als ob die Einladung von Jesus ihm ganz alleine gilt: 

„Kommt alle her zu mir, dir ihr euch abmüht 

und unter eurer Last leidet! 

Ich werde euch Frieden geben!“ (Matthäus 11, 28).

 

In dieser Nacht war es, 

als ob ihm Jesus sichtbar begegnet wäre 

und zu ihm gesprochen hat. 

Das beeindruckt Akabusi so stark, 

dass er betet und sein Leben in die Hand von Jesus legt.

 

Ab jetzt hat er den Sieger des Lebens vor Augen. 

Und ist ab da einem neuen Ziel gefolgt. 

Der Lauf über die Stadionrunde war jetzt nicht mehr das Wichtigste. 

Und für die Zeit nach seiner Sportlerkarriere konnte er sagen:

„Was dann kommt, weiß ich noch nicht, 

aber ich bin jetzt ganz sicher, 

dass mein Leben in Gottes Händen liegt.“

So sehen wahre Sieger aus.

 

 

2. Aufsehen zu Jesus dem Vorkämpfer

 

In der Leichtathletik gibt es das, 

den geübten Wettläufer, der im Training auf der Bahn mitläuft. 

Aber er ist keiner, der um den Sieg mitkämpft, sondern einer, 

der immer einen oder zwei Schritte voraus läuft 

und so den Trainierenden ermutigt, mitzuziehen. 

Gerade dann, wenn seine Kräfte nachlassen wollen.

 

Dieser erfahrene und geübte Vorläufer hat nur das eine Ziel: 

Er soll den Läufer anspornen und ihn weiter bringen.

 

Ganz ähnlich ist das auch im Glauben: Jesus läuft mit. 

Er macht das Tempo, 

aber eben so, dass ich nachkommen kann 

und nicht völlig entkräftet vorzeitig aussteigen muss. 

Er zieht mich mit 

und hilft mir durchzuhalten.

 

Durchhalten, das ist entscheidend im Christsein. 

Den Glauben nicht nach Enttäuschungen über mich selber 

oder über andere Christen wegwerfen.

Das Vertrauen zu Jesus nicht an die Wand hängen, 

wenn der erste Gegenwind kommt 

in Gestalt von kritischen oder spottenden Bemerkungen.

 

Geduld ist da gefragt - und Stehvermögen, 

wie es ein Sportler braucht.

„Lasst uns laufen in Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist.« 

So ruft es uns Gottes Wort heute Morgen zu.

 

Geduld - wir erinnern da als tierisches Beispiel für die Geduld 

gern an einen Esel mit seiner sprichwörtlichen Beharrlichkeit. 

Aber ein besseres Bild für das, was hier gemeint ist, 

ist wahrscheinlich die Katze 

kurz vor dem Sprung auf ihre Beute (eine Maus): 

voller Spannung, 

jeder Muskel bis zum Zerreißen gespannt, 

volle Konzentration auf das Ziel.

 

Das meint unser Gotteswort, wenn es uns zur Geduld aufruft.

 

Eben diese Kraft, darunter zu bleiben, 

diese Anspannung, aus- und durchzuhalten. 

Gerade dann, wenn die Verlockung groß ist, 

sich der Umgebung, 

den anderen Menschen 

oder den eigenen Wünschen anzupassen.

 

Geduldig laufen in der Nachfolge, das geht nur, 

wenn ich den Vorläufer im Blick habe 

und mir nicht durch anderes den Kopf verdrehen lasse. 

Das geht nur, wenn ich gespannt und neugierig 

auf das klare Wort von Jesus höre 

und seinen Willen in meinem Leben höchste Priorität einräume.

 

Christen richten sich nach ihrem Herrn Jesus Christus aus. 

Sie folgen ihm, dem Vorläufer, Schritt um Schritt. 

Und damit bleiben Spannungen mit den Menschen, 

die anders ticken, natürlich nicht aus.

 

Was wir hier in Deutschland oft »nur« im Kleinen erleben, 

das hat für Christen in anderen Erdteilen bedrohliche Konsequenzen: 

dort, dort wo Christen verfolgt werden, 

wo sie fliehen müssen …

was heißt da nicht „Geduld in der Nachfolge“!?

 

Aber auch wir, die wir in einem religiös toleranten Staat leben, 

sind gefordert in Sachen Geduld und Treue 

beim Lauf des Glaubens. 

 

Mir fällt auf, dass viele Christen bei uns 

ihrer Umwelt immer wieder zeigen wollen, 

dass sie doch genauso sind wie die anderen, 

dass sie auch (fast) alles mitmachen können, 

wie die anderen … feiern, rauchen, trinken, Witze reißen....

Manche wollen einfach diese Spannung“ nicht länger aushalten!

 

Sie wissen schon, dass sie Jesus zu einem anderen 

Lebensstil berufen hat, 

aber sich ausklinken aus der „Masse“?

Das fällt vielen schwer!

 

Christen aber sind von ihrem Wesen her jetzt „anders“, 

von Christus her bestimmt. 

Und das will konkret gelebt sein!

Anstatt sich ständig Gedanken darüber zu machen, 

wie man - durch Kompromisse - unauffällig bleibt, 

eine „graue Maus“ … oder wie ein U-Boot um Tauchmodus …

 

Jesus als Vorläufer war anders. 

Er ist zu seinem Anderssein gestanden. 

Er hat den Widerspruch seiner Zeitgenossen ausgehalten. 

Er hat nicht den faulen Kompromiss gelebt, 

sondern das entschlossene Vertrauen zu Gott, dem Vater. 

 

So - und nur so - ist er für uns zum Vorkämpfer geworden. 

Ja mehr noch, so ist er für uns sogar zum Ziel geworden. 

 

Schauen wir auf ihn, 

dann sind wir alle Sorgen los, 

ob unser Endspurt und unsere Kraft dazu ausreicht. 

Dann zieht uns Jesus mit, 

Dann hält uns Jesus auf der rechten Spur. 

Dann bringt er uns durch. 

Jesus. 

 

 

3. Aufsehen zu Jesus - dem Trainer

Ein Sportler, liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

ist nur so gut, wie ihn sein Trainer auf den Wettkampf vorbereitet 

und einstimmt. 

 

Ein Sportler aber, der meint, 

auch ohne Trainer und ohne Training auszukommen, 

der kommt nicht weit. 

 

Weil der Trainer die Strategie für den Lauf bestimmt. 

Weil der die Motivation und den Anreiz schafft.  

Weil er die Stärken und Schwächen seines Schützlings analysiert 

und genau für ihn ein spezielles Trainingsprogramm entwickelt, 

das seine Fähigkeiten fördert

und das Maximum aus ihm heraus kitzelt. 

 

Deshalb ist es eine unglaublich schöne Erfahrung, 

die selber mache, 

zu sehen und mich darauf einzulassen: 

Jesus »managt« meinen Lauf, 

ich kann mich ihm voll anvertrauen. 

Er betreut mich. 

Er gibt dir die wichtigsten Tipps zum Durchhalten.

Er weiß um die optimale Laufkleidung: 

Möglichst wenig Gepäck, 

sagt immer wieder: Leg’ alles ab, was dich hindert!

 

Beim Sport ist das eigentlich selbstverständlich. 

Aber Christen fällt es manchmal schwer. 

Obwohl doch klar ist: 

Man kann mit Jesus nicht unterwegs sein 

und daherkommen wie ein Kofferschlepper. 

 

Ich meine es so: 

Man kann mich Jesus nicht unterwegs sein

und gleichzeitig all das Schöne, Imponierende und Interessante, 

das sich links und rechts am Weg zeigt, 

auch noch mitnehmen. 

 

Viele Sachen sind nicht schlecht, aber sie hindern!

Viele Sachen sind nicht böse, aber sie blockieren! 

Viele Sachen sind nicht gleich teuflisch, aber sie bremsen ab, 

sie besetzen unsere Gedanken, 

stehlen uns die Zeit 

und schalten den Einfluss von Jesus ab. 

 

Jesus aber, der himmlische Trainer, 

will unsere Blickrichtung verändern.

 

Er will Wachstum im Glauben schenken, 

Nicht nach der Sportlerregel: „höher, schneller, weiter“, 

eher ein Wachsen in der Substanz, 

so wie es die Jahresringe eine Baums anzeigen. 

 

Und dabei kann er uns hervorragend auch durch 

stürmische Zeiten, durch Umbruchphasen des Lebens führen. 

Jugendliche, die durch Schule und Bildung heraus gefordert sind, 

müssen nicht an einem „Kinderglauben“ scheitern, 

sondern werden von Jesus so geführt, 

dass ihr Glaube immer größere Tiefe gewinnt …

 

Junge Leute entscheiden sich zu heiraten

und Kinder zu bekommen. 

Sie lassen sich nicht blenden davon, 

allein die Karriere, eine lückenlose Erwerbsbiografie zu forcieren. 

Sondern wollen eine Familie mit und unter Gott leben. 

 

Oder ein Jugendgruppenleiter (z. B. in der Jungschar) hängt

seine knappe Zeit trotz Prüfungsvorbereitungen in der Schule

hinein. Es ist ihm wichtig, Außenstehende einzuladen. 

Sie sollen sich wohl fühlen und Jesus kennen lernen. 

 

Und das alles, 

unter der erfahrenen Leitung des Trainers Jesus Christus. 

Das bedeutet Segen!

Und - der Trainer - Jesus Christus - ist es auch, 

der gleichzeitig davor bewahrt, 

dass der Kampf des Glaubens irgendwann 

zu einem Krampf wird …

Allein Jesus bewahrt davor …

 

Deshalb:

Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Sieger, 

der Menschen zu Siegern macht.

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Vorkämpfer, 

der die Seinen unterwegs motiviert. 

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Trainer, 

der den Glauben wachsen lässt.  

Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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