2016-02-21

Predigt über Hebräer 11,8-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

Vorbilder können uns motivieren. 

Spitzensportler geben durch ihre Leistungen so manchen jungen 

Leuten den Anstoß, selber aktiv zu werden: 

„Das gefällt mir, so will ich auch sein, solche Erfolge will ich auch 

einmal feiern!“

 

Und manche schaffen es tatsächlich. 

Vom Fan zum bekannten Athleten

und auch die andern, die es nicht zur Berühmtheit bringen, 

haben sich immerhin körperlich und geistig betätigt. 

Allemal besser als daheim vor dem Fernseher 

das Vorbild als Fan zu bestaunen!

 

Wie ist das mit unserem Glauben?

Haben wir da auch Vorbilder?

Menschen, von denen wir sagen:

 „So will ich auch auf Gott vertrauen!

Solche Erfahrungen will ich auch gerne mit Gott machen!“ 

Gibt es die?

 

Im Hebräerbrief unserer Bibel - in Kapitel 11 - werden verschiedene

Glaubensvorbilder genannt. 

An ihnen wird uns gezeigt, was Glauben bedeuten kann ...

 

Ich lese Gottes Wort aus Hebräer 11, die Verse 8-10

„8 Durch den Glauben wurde "Abraham" gehorsam, als er berufen wurde, 

in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, 

wo er hinkäme. 9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in 

dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten 

mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. 10 Denn er 

wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und 

Schöpfer Gott ist.“ ( - ) 

 

 

 

Abraham und Sara haben Erfahrungen mit Gott gemacht - 

Glaubenserfahrungen (Ihre Berufung, der Zug in die Fremde, Unsicherheit

und nicht nur einmal Warten auf weitere Order ...) 

und ihr Vertrauen auf Gottes Zusagen ist nicht enttäuscht worden. 

 

Ihr Beispiel soll uns ganz offensichtlich anspornen, 

nicht in falscher Angst oder Demut hocken zu bleiben, 

sondern auf Gottes Befehl hin losmarschieren, 

fest darauf zu vertrauen, dass Gott Wort hält!

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

 

Glauben heißt auf Gottes Zusagen felsenfest zu vertrauen (1.)

Wenn uns jemand etwas zusagt, 

dann kann das mehr oder weniger wahrscheinlich klingen und sein

und je nachdem werde ich so einer Zusage trauen (d. h. „glauben“) 

oder auch nicht. 

 

Es macht enorm viel aus, 

in welcher Beziehung jemand zum „Absender“ einer Botschaft steht, 

ob mir mein Gegenüber vertrauenswürdig vorkommt - oder nicht!

 

Kann ich der Person (und damit auch dem, was sie sagt) 

Glauben schenken?

Glaube ist zu allererst eine Frage der Beziehung!

 

Das ist genauso bei Gott: 

Kann ich mich denn auf sein Wort verlassen?

Ist die Bibel überhaupt „Gottes Wort“ 

oder bewegen wir uns hier im Bereich rein subjektiver, 

zeitbedingter Wahrheiten, 

die zwar teils hoch aktuell sein mögen, 

aber die alle erst noch danach beurteilt werden müssen, 

was heute als „allgemein akzeptiert“ oder „akzeptabel“ gelten kann. 

 

Gestern habe ich eine Morgenandacht im Radion gehört. 

Da sollte es auch um Glauben gehen. 

Aber es ist im Verlauf der Andacht nichts davon vorgekommen. 

Stattdessen hat die Pfarrerin über den Wert des Humors

gesprochen, den sie in dem Bibeltext gefunden zu haben glaubte …

 

Kann ich mich auch heute darauf verlassen, 

dass Gott konkret und verlässlich zu mir redet?

 

Manchmal fragen schon Viertklässler in der Grundschule. 

Vor allem diejenigen, die die bekannten Doku-Sendungen im Fernsehen

anschauen. 

Aber was stimmt denn jetzt?

    - „Gell, wir stammen doch alle von den Affen ab ...?!“

    - „Wo ist denn Gott, wie kann der zu uns sprechen?“

Um die Weihnachtszeit herum habe ich ein mal in der Grundschule Bilder 

aus Israel gezeigt, über Bethlehem, Galiläa, Jerusalem ...

Da hat ein Viertklässler völlig erstaunt von sich gegeben: 

„Ach, den Jesus gab es echt ...?“

„Ja“, hab’ ich ihm gesagt, 

„den Jesus gab es echt … er hat im Land Israel gelebt, 

das es heute wieder gibt … und er lebt immer noch, 

ist für Dich da, will Dir zeigen, 

wohin Du gehen sollst … durch die Bibel!“

 

Wenn Glauben heißt, 

auf Gottes Zusagen felsenfest zu vertrauen, 

dann müssen wir heute den Menschen auch zeigen können, 

warum wir der Bibel als Wegweiser Gottes, 

ihrer Überlieferungsgeschichte

und nicht zuletzt ihrem selbst formulierten Anspruch

„Gottes Wort“ zu sein, auch heute vertrauen können …

Unbeschadet dessen, 

dass wir darin so manches nicht verstehen können, 

dass manches - für unsere Logik - verquer daher kommt …

 

Auch das gehört zur Ehrlichkeit, zur Redlichkeit. 

 

Aber ich persönlich kenne bisher keine Stelle, 

die mich, „wenn ich mein ganzes Denken in den Gehorsam

gegen Christus zusammen nehme“ (2. Kor 10,5), 

wenn ich mich nicht über Gott und seine grenzenlosen 

Möglichkeiten stelle, 

vor unüberwindbare Hindernisse stellt!

 

„Es ist aber der Glaube ein zuversichtliches Vertrauen auf das, 

was man hofft, ein festes Überzeugtsein von Tatsachen, 

die man mit den Augen nicht sieht“ (hat Hermann Menge Vers 1

dieses Kapitels übersetzt). 

... „ein zuversichtliches Vertrauen“ ... auf welcher Basis?

... auf der Basis von „Tatsachen, die man mit den Augen nicht sieht“, 

auf der Basis von Gottes ungleich größeren Möglichkeiten -, 

von seinem Wort. 

 

Abraham „glaubte dem HERRN“ heißt in diesem Zusammenhang: 

Er ist Gott wirklich begegnet (eine geschriebene Bibel gab es noch nicht). 

Er hat seine Stimme gehört (wie auch immer) 

und er hat den Auftrag Gottes gehört: 

„Geh aus deiner Heimat weg in ein neues Land“ - und - 

er hat Gottes Zusage „Ich will dir das Land geben 

und dich zu einem großen Volk machen und dich segnen“ (1. Mose 12,1ff)

deshalb geglaubt. 

 

Wäre es nur ein schlechter Traum gewesen, 

warum hätte er dieses Risiko auf sich nehmen sollen?

 

Das Wissen: Der lebendige Gott hat mit mir gesprochen, 

ist die Basis für Abrahams Vertrauen in ihn, 

wird sein Antrieb, sein Motor. 

 

Und aus dem Vertrauen auf Gottes Zusage handelt er. 

Er spürt: Ich kann diesem Gott mein Leben / meine Zukunft 

anvertrauen!“

 

Wie geht es Ihnen?

Auf welche Zusagen Gottes vertrauen Sie?

Welcher Auftrag bringt Sie in Bewegung?

Jesus hat uns mitgegeben: 

„Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. 

Deshalb geht hin ...! Siehe, ich bin bei euch ...“ 

(Mt 28,18ff - der Missionsbefehl)

 

„Raus aus der Komfortzone ... rein in die Fremde!“

Über Gemeindegrenzen und bisherige Freundeskreise hinweg …

Für viele Schüler sind in den nächsten Tagen 

Abschlussprüfungen … Sie können mit Gottes Wort in die Fremde

gehen, in unbekanntes Land, vielleicht in eine Ausbildung / ein Studium

oder für ein Jahr ins Ausland …

So habe ich mich vor vielen Jahren mit einem Kumpel, 

einem großen Rucksack und einer kleinen Bibel im Gepäck

in Richtung Nordkap aufgemacht … und Gott war dabei. 

Wir haben Erfahrungen mit ihm gemacht, 

die keiner erwartet hätte. 

 

Manches Mal sind es auch harte Erfahrungen, Zerbrüche, 

Erfahrungen, durch die mich Gott vom hohen Ross herunter holt …

aber wo sein Wort dabei ist, 

da werde ich auch gehalten … 

bekomme daraus Klarheit,

vielleicht erkenne ich auch, dass ich jemand vergeben muss, 

aber immer geht von diesem Wort eine Kraft aus, 

eine göttliche Kraft, 

die höher als alle menschliche Vernunft ist. 

 

Auch in Glaubenszweifeln: 

„Aber auf dein Wort hin“ - sagte ein müder Petrus zu Jesus - 

„werfe ich die Netze aus“ 

und er macht einen großen Fang (ein Berufsfischer geht 

tagsüber auf Fischfang, wenn alle darüber lachen, weil es zu 99%

sicher ist, dass da nichts zu holen ist). 

Petrus lässt den Zweifel hinter sich … 

vertraut (gegen alles Berufswissen, gegen alle Logik).

Er vertraut auf Jesus und sein Wort. 

Und wird nicht enttäuscht. 

 

Immer wieder merken wir aber auch: 

Ein Spaziergang ist es nicht. 

 

Glauben heißt geduldig an Gott festhalten (2.)

Auf dem Weg mit Gott bleiben auch Krisen nicht aus, 

manches Mal brauchen wir einen langen Atem

und erhoffte Erfolge lassen auf sich warten. 

 

Sara und Abraham haben 25 Jahre auf Nachkommen gewartet, 

Land wirklich zu besitzen bleibt ihnen versagt.

 

Geduld kann furchtbar anstrengend sein!

 

Wie kann ich unter diesen Bedingungen an Gott festhalten?

 

Das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang heißt „treu“: 

Sara hielt den für treu, der es verheißen hat“ (das lesen wir 

einen Vers später: 11,11). 

Gottes Treue ist der Anker. 

ER ist absolut zuverlässig, 

steht unverrückbar zu seinem Wort, 

was er sagt, das gilt und wird, 

ist nicht mal so mal so gewendet, 

je nach Zweck, der verfolgt wird:

In wie vielen Ehen und Beziehungen ist die versprochene Treue 

nicht das Problem!? 

Niemand will Untreue erleben

und doch tun es sich so viele gegenseitig an!

Aber auch die Treue im Kleinen ist nicht von ohne: 

Bei uns daheim waren die Kinder immer die besten Aufpasser:
Wenn ich was versprochen und dann wieder vergessen habe,
hat’s nicht lange gedauert, bis einer der Jungs gekommen ist:
„Das hast Du uns aber versprochen!“

 

„Treue“ - Gott ist anders. 

Er ist treu und verlässlich. 

Und das will auf uns abfärben, 

Er will uns Kraft zur Treue schenken, 

IHM gegenüber und in jeder Situation, gegenüber Menschen. 

 

Wir können das aus uns heraus nicht, 

brauchen Gottes Hilfe dazu, 

Jesus und seinen Heiligen Geist, 

der uns von innen heraus verändert. 

„Er wird euch in alle Wahrheit leiten“ sagt Jesus (Joh 16,13). 

 

Dabei kann das Wort „Wahrheit“ auch mit „Verlässlichkeit“ 

übersetzt werden: 

Der Heilige Geist leitet also Menschen in eine verlässliche Treue. 

Menschen, die ihr Leben Jesus anvertraut haben

und sich nicht mehr selbst leben wollen, 

sind treue Menschen. 

 

Ein Punkt, der auch für die Partnerwahl bedacht sein will:

Ist mein Freund / meine Freundin wirklich Christ?

Lebt er / sie aus der verlässlichen Treue Gottes? - 

Dann wird das mehr und mehr sein / ihr Wesen ausmachen 

und dieser Mensch wird ebenfalls ein treuer Mensch sein!

Von anderen - sie können noch so süß und nett sein - 

würde ich das eher nicht erwarten!

 

Jetzt kann es aber auch Christen schwer aufstoßen, 

wenn sich manche Verheißungen und Zusagen Gottes

zu ihren Lebzeiten nicht erfüllen. 

Das ist schwer zu ertragen.

Das kann mein Vertrauen auf Gott erschüttern 

und vielleicht erschrecke ich dann über mich selbst!

 

Jesus hat seine Jünger mehrmals „Kleingläubige“ genannt ...

und sind wir das nicht oft?

 

Anfechtungen und Zweifel setzen Dir vielleicht zu. 

Aber das ist kein Zeichen von Unglauben oder Abfall von Gott!

Aber aus mangelndem Vertrauen oder aus Ungeduld heraus

kann ich z. B. schnell hektisch werden
und dabei Schaden anrichten (
Zorn, böse, vielleicht verletzende Worte …)

 

Gott sei Dank gibt es dafür Vergebung

und das ist nicht das Ende des Glaubens!

 

Ein Drittes: 

Glauben heißt nach einem Sturz wieder aufstehen (3)

Das Sprichwort sagt: „Fallen ist menschlich, 

aber Aufstehen ist göttlich.“ 

 

Jeder Christ, liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

kennt auch Glaubensschwäche, 

die wird nur nicht bei allen gleich stark sichtbar: 

Manche sehen aus wie „Glaubenshelden“, ohne Fehler, 

aber das ist eben nur die sichtbare Seite!

 

Manche Vorbilder des Glaubens kommen uns unerreichbar vor, 

ein Martin Luther, eine Mutter Teresa ..., 

ihr Vertrauen auf Gott scheint immer ungebrochen gewesen zu sein. 

Erst wenn man genauer hinschaut, merkt man, 

dass sie oft schwere Kämpfe hatten 

und selber nie als Glaubenshelden dastehen wollten. 

 

Die Bibel verschweigt die Schwächen, die „Macken“, 

ja sogar die Schuld von „Glaubensvorbildern“ nicht. 

Sie ist sehr realistisch und kehrt sie nicht unter den Teppich. 

Das hat mir selber schon manchmal geholfen!

Weil es in meinem Leben als Christ nämlich auch nicht 

nur Höhenwege gab und gibt ... 

da gibt es auch Versagen und Schuld ... 

und ich danke Gott von Herzen dafür, 

dass er bei mir geblieben ist, 

mir geholfen hat wieder aufzustehen. 

 

Abraham und Sara, die im Kapitel 11 des Hebräerbriefs 

so gelobt werden wegen ihres Glaubens, 

von denen wird nicht verschwiegen, 

dass die beiden versucht haben, Gott ins Rad zu greifen

       und auf andere Weise den versprochenen Nachkommen 

    herbei zu zwingen.

dass Sara gelacht hat über die Verheißung, 

    noch in diesem hohen Alter ein Kind zu bekommen (1. Mose 18,12ff)

und davor Abraham genau so (1. Mose 17,17).

 

Oder da ist der Bericht über Simon Petrus, der im Glauben 

aus dem Boot tritt, auf dem Wasser geht, 

dann aber auf die Wellen schaut ... und versinkt. 

 

Trotz und sogar mit den Schwächen von Menschen, 

die ihm nachfolgen wollten, 

hat Gott Geschichte geschrieben, 

er hat ihnen nach ihrem Sturz wieder auf die Beine geholfen. 

 

Darin zeigt er seine Treue und Gnade, 

bis heute, liebe Gemeinde!

Schuldhaftes Verhalten von Menschen beschönigt er nicht, 

aber wir müssen damit auch nicht stehen oder liegen bleiben.

 

Entscheidend und ermutigend ist für mich, 

dass Gottes Treue zu uns in Jesus Christus fest steht. 

In ihm sagt Gott „Ja“ zu allen seinen Verheißungen (2. Kor 1,20). 

In ihm legt er das Fundament für eine Zukunft in der Ewigkeit bei Gott, 

wenn wir unsere Zelte hier abbrechen müssen. 

Die einzige Voraussetzung ist, 

dass wir IHM vertraut haben, ihm gefolgt sind, 

Vergebung angenommen haben. 

 

Denn dann ist Gottes Treue in einem Leben 

zum Ziel gekommen. 

 

Dann darf ich seiner Treue schon heute trauen, 

mutige Schritte gehen, 

an ihm festhalten, wenn Schwierigkeiten zunehmen, 

und auf seine Gnade hoffen, wenn ich stürze. 

 

Der lebendige Gott wird mir wieder auf die Beine helfen 

wie Sara, wie Abraham, wie Petrus ...

und mich nicht aufgeben, 

bis ich am Ziel bin. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Freitag, 19.10.2018
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