2015-12-13 3. Advent

Predigt über Lukas 1,5-17 / Vikar Simon Wandel

„Wir sagen euch an, den lieben Advent, sehet die dritte Kerze brennt!“ so haben wir es eingangs gesungen und Sie haben die Melodie sicherlich noch im Kopf. Ja, die Adventszeit schreitet zügig voran und unser kleiner Kranz strahlt immer mehr. Als der Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern in den 1830er Jahren den Adventskranz erfunden hat, ist ihm wirklich ein großer Wurf gelungen. Eine im Kern simple Idee, aber mit großer Symbolkraft. Je dichter wir an Weihnachten heranrücken, desto heller leuchtet unser Adventskranz. Er ist gewissermaßen eine Vorahnung auf Jesus, ein Abglanz des Lichts der Welt. Der kleine Kranz begleitet uns durch die Adventszeit, die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt unseres Herrn. Und je kürzer und dunkler die Tage im Winter werden, desto heller leuchtet der Schein des Adventskranzes; nahezu trotzig gegen die winterliche Dunkelheit.

Der kleine Kranz ist ein treuer Begleiter in der Vorweihnachtszeit. Für all diejenigen, für die Weihnachten immer überraschend und viel zu schnell kommt, mag er vielleicht nicht nur Begleiter, sondern auch Mahner sein. Der Adventskranz: ein Begleiter, ein Mahner, ein Leuchtzeichen, ein Vorbereiter auf die Ankunft des Messias‘, des Retters der Welt.

Unser Predigttext heute erzählt von einer Zeit lange vor Wichern und seiner leuchtenden Erfindung, fernab von Tannenreisig und Schneegestöber. Aber unser Text erzählt auch von einem Begleiter, einem Mahner, einem Vorbereiter; er erzählt von einem, der Feuer gefangen hat in Erwartung des Messias. Ich lese aus dem 1. Kapitel des Lukas-Evangelium Kapitel 1, die Verse 5-17:

"5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth. 

6Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. 

7Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar und beide waren hochbetagt.

8Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, 

9dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. 

10Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers. 

11Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars. 

12Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn. 

13Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben. 

14Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 

15Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. 

16Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 

17Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist."

 

Johannes der Täufer, dessen Geburt hier durch den Engel Gabriel angekündigt wird, muss eine eindrucksvolle Persönlichkeit gewesen sein. Wir wissen von seiner Existenz nicht nur durch das Neue Testament, sondern auch durch römische und jüdische Geschichtsschreiber. Ebenso wie sein Vater Zacharias stand er ganz und gar im Dienste Gottes, aber er hatte so gar nichts von einem Priester, der im Jerusalemer Tempel Dienst tut und vor Gott für das Volk Israel eintritt. Nein, Johannes war ein wilder Bursche, der zusammen mit einer stattlichen Schar von Anhänger zwischen dem Jordantal und der angrenzenden Wüste lebte. Er legte keinen Wert auf Komfort, er suchte nicht, den Menschen zu gefallen und er scherte sich nicht um Konventionen oder Traditionen. Sein Anliegen war es, die Menschen auf die Ankunft des Messias aufmerksam zu machen und vorzubereiten. Und dies tat er: vehement, lautstark und mit einer großen Freude an der Konfrontation. Tut Buße und kehrt um, bevor der Messias kommt. Ansonsten seid ihr wie ein Baum, der umgehauen wird, weil er keine guten Früchte bringt. Das ist der Sound, der damals an den Ufern des Jordans ertönte. Und die Menschen kamen in Scharen und waren nachhaltig beeindruckt von diesem eifernden Eremiten.

Unsere Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes erzählen in unterschiedlicher Ausführlichkeit von Johannes dem Täufer. Aber es ist allen vieren wichtig zu betonen, dass der Täufer schon rege und aktiv war, bevor Jesus in der Öffentlichkeit auftrat. Er befeuerte die gespannte Erwartung auf den Messias, er prägte die Menschen, die er mit seiner Botschaft erreichen konnte und richtete deren Konzentration auf das Kommen des Messias. Johannes war ein Leuchtfeuer der Messiashoffnung und er brannte umso heller, je stärker ihm bewusst war, dass die Ankunft des ersehnten Heilands kurz bevorstand. Und somit ist es auch deutlich, dass die Evangelisten die Geschichte Jesu als untrennbar verbunden mit der Geschichte des Täufers dargestellt haben. Der Täufer ist der Inbegriff des Hoffens, des Wartens, des Sich-Vorbereitens auf die Ankunft des Herrn, oder auf Latein: adventus domini. Die Zeit Johannes des Täufers ist gewissermaßen Gestalt gewordene Adventszeit.

Und nun stehen wir heute, über 2000 Jahre später, hier und singen von der fortschreitenden Adventszeit, feiern die Wochen vor Weihnachten mit Kerzenschein und Gebäck und folgen der Agende des Kirchenjahres. Diese trägt uns auf, den Advent als Zeit des Wartens, des Hoffens und der Vorbereitung zu begehen. Nur, auf was warten wir eigentlich? Auf was können wir hoffen? Diese Fragen sollten wir uns einmal beantworten, damit wir eine Ahnung davon bekommen, wie und worauf wir uns vorbereiten sollen. 

Mir persönlich sind dabei drei Aspekte wichtig: Zum einen weist die Adventszeit ganz klar auf Weihnachten hin. Es folgt jetzt hier keine Schelte des vorweihnachtlichen Kommerzes und der ökonomischen Banalisierung von Weihnachten. Sie wissen alle darüber Bescheid, dass Weihnachten mehr ist als Kling, Glöckchen, klingeling und mehr als der Coca-Cola Weihnachtsmann. Wir werden hier auch nicht über den Sinn von Weihnachten nachdenken, das machen wir dann in zwei Wochen hier, in der Kirche. Nur dieses Eine: Die Adventszeit ist gewiss eine Zeit der Vorfreude auf dieses besondere Fest. Doch ist die gespannte Erwartung, Jesu Geburtstag zu feiern zwar gut, aber noch nicht alles, was den Advent auszeichnet.

Zum zweiten richtet sich der Blick im Advent auch auf die Wiederkunft Jesu. Im Glaubensbekenntnis heißt es dazu: Er sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Unter dieser Perspektive bietet die Adventszeit die gute Gelegenheit, über unser Heil nachzudenken, das uns durch Christus geschenkt ist. Wir können über das sprechen, was nach dem Tod kommt, über die Gewissheit, die über den Tod hinaus trägt. Damit gewinnt der Advent eine Dimension, die sich weit über den Staub von Gebäckkrümeln und Tannennadeln erhebt. 

Nebenbei bemerkt:

Alle Spekulation über das Wann etc. sind nicht nur unnütz, sondern unbiblisch und führen letztendlich zu nichts. Da Jesus nicht einmal seinen Jüngern gesagt hat, wann er wiederkommen wird, werden wir es auch nicht herausfinden. Das ganz allein Sache Gottes und in Gottes Händen sehr gut aufgehoben.

Ein dritter Aspekt konzentriert sich nicht so sehr auf Tod, Gericht und Auferstehung, sondern ist im Hier und Jetzt angesiedelt. Es geht dabei um unsere, individuelle Begegnung mit dem Auferstandenen. Oder anders ausgedrückt: Es geht um tiefe Erfahrungen des Glaubens, auf die wir hoffen dürfen, es geht um die Nachfolge Jesu, auf die wir uns vorbereiten sollen. Es geht, ganz konkret, um ein Leben mit Jesus im Hier und Heute. Wenn wir die Adventszeit ernstnehmen als eine Zeit der Vorbereitung auf den Messias, als eine Zeit des Hoffens und des Wartens auf Begegnungen mit ihm, dann öffnen sich Türchen in dieser Zeit, hinter denen keine trockene Schokolade wartet, sondern belebende Inspirationen für unseren Glauben.  

Und genau hier begegnet er uns wieder, Johannes der Täufer, als Begleiter und Mahner, als Vorbereiter und Leuchtfeuer in der Zeit des Erwartens, in der Adventszeit. Denn genau das ist seine Aufgabe, die Menschen zu inspirieren, auf den Weg zu bringen, hin zur Begegnung mit dem Messias. Wie sagte doch der Engel zu Zacharias? „Dein Sohn wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.“ Nun, was hat er getan, um die Menschen vorzubereiten?

Zuallererst hat Johannes den Menschen Gott nahe gebracht. In einer berühmten Ansprache, die wir im 3. Kapitel des LkEv finden, wird deutlich, dass er das Wort und den Willen Gottes ganz konkret im Alltag der Menschen lebendig werden ließ. Er hat seinen Zuhörern gezeigt, wie sie in ihrem Leben, in ihrem Beruf das Gebot der Nächstenliebe realisieren können. Für Johannes war Gottes Wort nicht nur etwas für die Gottesdienste am Sabbat in der Synagoge, sondern Anspruch und Zuspruch für jeden Tag. Wenn ich mir das klar mache, dass Gott mich meint, mich, in meinem kleinen beschaulichen Leben, von Montag bis Sonntag, dann kann so eine Begegnung mit Gott, auch in meinem kleinen, beschaulichen Leben stattfinden. Dann fängt beispielsweise ein Satz aus der Bibel auf einmal an zu leuchten, wie eine Kerze am Adventskranz, weil er Relevanz für mein persönliches Leben gewinnt.

Johannes hat bei seinen feurigen Ansprachen nicht mit harten Vorwürfen gespart! Er hat die Menschen mit der Nase auf den ganzen Mist in ihrem Leben gestoßen und hat zur Umkehr, zur Buße nicht nur aufgerufen, sondern er hat regelrecht gedroht. Wir haben es vorhin gehört. Dabei ist eine feine Ironie Gottes, dass der Täufer dann selbst überrascht war über den Messias, der da gekommen ist, weil Jesus eben nicht mit der Axt, sondern mit Barmherzigkeit auf die Leute zugegangen ist. Auch wenn Johannes hier über das Ziel hinausgeschossen ist, bleibt eine elementare Wahrheit stehen. Es lohnt sich durchaus, dass ich einmal offen, ehrlich und selbstkritisch in den Spiegel schaue und mir überlege, wo denn der Bußruf des Täufers mich betrifft? Wo ich denn dringend angewiesen bin auf Veränderung? Wenn ich mir klar mache, dass auch ich auf die Vergebung Gottes angewiesen bin. In diesem Punkt waren sich Jesus und sein Wegbereiter sehr einig. Eines der größten Übel besteht darin, sich in Selbstgefälligkeit über meine Mitmenschen und über Gott zu erheben. Ein kritischer Blick auf das eigene Leben qualifiziert die Adventszeit ungemein

Dann hat Johannes nicht nur geredet und gedroht, sondern er hat natürlich auch getauft. Die Taufe, und alles was damit zusammenhängt, fügt sich wunderbar ein in eine Zeit der gespannten Erwartung auf Begegnungen mit dem Messias. Zum einen macht die Taufe deutlich, dass ich nicht alleine dastehe in meinem Glauben, sondern zu einer großen Gemeinschaft gehöre. Zum anderen ist Taufe, wie wir sie feiern und erleben ein tragfähiges Fundament auch in Zeiten des Zweifelns, des Nicht-Glauben-Könnens. Schließlich hat Gott einen Bund mit uns geschlossen, hat jedem Einzelnen versichert: Ich will mit dir sein! Auf diese Zusage hin kann man sich wieder neu auf die Suche machen. Diese Zusage kann man einfordern. Diese Zusage ist Grund zu echter Hoffnung. Und wenn ich nicht getauft bin? Dann weckt vielleicht das Mitfeiern einer Taufe, wie wir es heute [in Dennach] erlebt haben, die Sehnsucht nach Gott, den Wunsch, Gott zu begegnen. Oder auch den Wunsch selbst getauft zu werden. Die Tür dazu steht offen.

Liebe Gemeinde, die Adventszeit kann wirklich mehr sein als Kerzenschein und Gebäck. Sie ist eine Gelegenheit, sich auf Begegnungen mit dem Auferstanden Christus vorzubereiten. Sie ist eine Chance, konkret zu formulieren, was ich von Jesus erhoffe und erwarte. Und im Gegenzug dazu auch darüber nachzudenken, was Jesus von mir erwartet und erhofft. Lassen wir uns inspirieren von den Wegbegleitern und Leuchtzeichen, die uns im Advent begegnen und erwarten wir Großes von unserem Herrn, Jesus Christus. Amen!

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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