2015-10-11 mit Kirchencafé

Predigt über Markus 2,1-12 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

 

wir hören auf den Predigttext für diesen Sonntag 

aus dem Markus-Evangelium, Kapitel 2, 1-12: 

„1 Und nach einigen Tagen ging er [Jesus] wieder nach Kapernaum; und 

es wurde bekannt, dass er im Hause [= „zuhause“] war. 2 Und es versam-

melten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor 

der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3 Und es kamen einige zu ihm, 

die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie 

ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie 

das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett 

herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Als nun Jesus ihren 

Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine 

Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte 

und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! 

Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Und Jesus erkannte 

sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und 

sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist 

leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden 

vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 

10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, 

Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich 

sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, 

nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie 

sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so 

etwas noch nie gesehen.“

 

 

Drei Fragen stellt dieser Bibeltext: 

1.) Wie viel ist es mir wert, dass Menschen zu Jesus kommen?

2.) Was ist mein Motto: Hauptsache gesund oder Hauptsache Vergebung?

3.) Wie stehe ich zu Jesus?

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

1.) Wie viel ist es mir wert, dass Menschen zu Jesus kommen?

 

Ich stelle mir vor, 

wie wie Massen durch die Straßen strömen, 

als sie mitbekommen, dass Jesus da ist. 

Und da kommt einem der vier Freunde die Idee: 

„Mensch, wir könnten doch unseren kranken Kumpel

auch zu Jesus bringen. 

Der kann ihm sicher helfen!?“

 

Er zögert nicht lange, 

macht sich auf den Weg zu drei weiteren Freunden

und gemeinsam gehen sie in das Stadtviertel, 

wo die Armen und Kranken wohnen. 

 

Da liegt ihr Freund und kann schon lange nicht mehr laufen. 

Er ist gelähmt uns bestimmt auch innerlich am Tiefpunkt.

„Du -, Jesus ist in der Stadt, 

sollen wir dich dem mal vorstellen?

Vielleicht kann er dich ja gesund machen?“

 

Der Kranke ist einverstanden. 

Die vier packen seine Matte und schleppen den Gelähmten davon. 

Falls jemand von Ihnen schon mal bei einer Rot-Kreuz-Übung 

mitgemacht hat, weiß er, wie schwer jemand auf einer Trage 

sein kann. 

Vor allem, wenn’s nicht nur ein paar Meter bis zum 

nächsten Krankenwagen sind, sondern durch den ganzen Ort geht. 

Das kostet „Muckies“, Kraft!

 

Aber aus Liebe zu ihrem kranken Freund haben sie das auf

sich genommen. 

Hauptsache zu Jesus -, das war ihnen wichtig!

 

Das Verhalten dieser Freunde macht mich schon nachdenklich: 

- Was lassen wir es uns eigentlich kosten, 

    dass Menschen geholfen wird?

- Oder noch konkreter gefragt:

    Wen bringen wir zu Jesus?

 

Klar, wir sollen niemand mehr oder weniger gewaltsam „abschleppen“

oder irgendwo „hinschleppen“ …

Es geht mehr um unser Denken, um das, was mir sehr wichtig ist: 

- Will ich, dass Menschen zum Glauben kommen?

- Merken überhaupt andere um mich herum in der Schule, im Betrieb, 

aber auch in der Nachbarschaft, dass ich Christ bin?

- Bete ich darum, dass Gemeinde wächst?

[Bete ich (für unsere kleine Gemeinde in Dennach?)

und für die „Ich glaub’s“ Woche ab Dienstag in Schwann

und mache ich mir Gedanken, wen ich konkret einladen könnte?]

 

Die vier damals wollten ihren kranken Freund

um jeden Preis zu Jesus bringen. 

Das war ihnen viel Stress wert, 

dafür haben sie auf einen Feierabend verzichtet, 

sich dreckige Hände und spöttische Bemerkungen geholt. 

 

Und das alles, weil sie fest darauf vertraut haben, 

dass Jesus helfen kann. 

 

Aber wie sollten sie zu Jesus hin kommen?

 

Vor dem Haus, in dem er war, 

hat sich schon eine enorme Menschentraube gebildet. 

Niemand wollte die vier mit der Matte durchlassen. 

Aber - Liebe macht erfinderisch:

Sie steigen aufs Dach - und stören den Gottesdienst drinnen, 

wie wir’s bestimmt noch nie erlebt haben. 

 

Mitten im Gottesdienst wird das Dach abgedeckt. 

Die Bretter von der Dachschalung / die Kasettendecke da oben …

und wir würden erschrocken aufstehen, 

uns auf jeden Fall gestört fühlen, 

vielleicht über die Sachbeschädigung schimpfen 

(„unmögliches Volk …“)

 

Viel anders war’s damals auch nicht. 

 

In Israel sind die Dächer flach, 

zwischen den Balken mit Zweigen und Lehm abgedichtet. 

Da kriegt man schon ein Loch rein. 

Und so bröselt der Lehm von der Decke

und bald darauf - schwebt - der Gelähmte auf seiner Trage

Jesus genau vor die Füße. 

 

So wichtig war den Vieren, 

dass ihr kranker Freund zu Jesus kommt!

Sie haben nicht aufgegeben, 

auch wenn’s nicht gleich geklappt hat - bis sie sich 

bei Jesus Gehör verschaffen können. 

 

Das ist Glaube!

 

Die vier Gesunden haben mit dem Kranken und für den Kranken

geglaubt, dass Jesus helfen kann … eine Gebetsgemeinschaft

auf acht Füßen und einer Matte. 

 

Gibt es nicht auch um Dich herum

Menschen, 

die Hilfe brauchen, 

die Dein Gebet brauchen, 

die die Begegnung mit Jesus brauchen?

 

 

2.) Was ist mein Motto: Hauptsache gesund oder 

Hauptsache Vergebung?

 

Schließlich liegt der Gelähmte vor Jesus. 

Und die vier haben bestimmt damit gerechnet: 

Jesus wird ihn körperlich heilen. 

 

Aber stattdessen kommt erst was Anderes: 

Jesus - sieht ihren Glauben

und redet erstmal den Gelähmten an: 

„Mein Sohn, Deine Sünden sind Dir vergeben!“

 

Das ist schon ´ne Überraschung!

 

Viele verstehen gar nicht, 

was Jesus da gesagt hat …, nur die Schriftgelehrten, 

ausgebildete Theologen, machen ganz finstere Gesichter, 

weil sie wissen: Kein Mensch kann Sünden vergeben. 

Sünden vergeben kann nur Gott!

 

Und wo sie Recht haben, haben sie recht!

Sünden vergeben ist das schwerste Geschäft überhaupt. 

Und dieses Geschäft lässt sich Gott nicht abnehmen. 

Deshalb - stirbt - Jesus schließlich am Kreuz. 

 

Wenn Jesus hier zum Gelähmten sagt: „Deine Sünden sind 

dir vergeben“, 

dann behauptet er damit, 

dass er Gott gleich ist

und das ist in den Augen der Schriftgelehrten eine Gotteslästerung. 

 

Mit diesem Handeln aber macht Jesus deutlich, 

worauf es ankommt, was die Hauptsache ist im Leben. 

Die meisten Menschen, 

auch viele Christen, 

stehen auf dem Standpunkt „Hauptsache gesund!“

 

Oft höre ich das bei Geburtstagsbesuchen 

und kann es gut verstehen. 

Es gibt ja so viele Krankheiten und Unfälle, 

die das Leben sehr schwer machen können. 

Das rührt einen an, gerade als gesunder Mensch!

 

Aber ich frage Dich trotzdem: 

Wenn Gesundheit wirklich die Hauptsache für Dich ist, 

was passiert dann, wenn Du morgen dauerhaft krank wirst?

Und was sage ich zu jungen Eltern, 

bei deren Kind man einen schweren Herzfehler diagnostiziert hat?

 

Bei allem Mitfühlen mit Kranken

und der Wissen, dass auch meine Gesundheit einmal 

nachlassen wird: 

Es muss doch eine andere Hauptsache für mein Leben geben! 

Eine Hauptsache, in der meine Anstrengung darum, 

möglichst lange gesund zu bleiben, 

ihren Platz hat, 

aber doch nicht mein ganzes Leben erfüllt!

 

Jesus sagt nicht: Hauptsache gesund!

Jesus sagt: Hauptsache ist die Sündenvergebung. 

 

Dabei kümmert er sich ja um die Gesundheit des Gelähmten

(die ist ihm nicht egal). 

Sogar mehr als alle anderen. 

Mehr als die ganzen Schriftgelehrten, 

die lehren, Krankheit sei eine Strafe für Sünden. 

Mehr als die Ärzte, 

die keine Möglichkeit zur Heilung sehen. 

 

Jesus macht den Gelähmten wirklich gesund (er kann das!). 

Aber er macht ihn eben erst gesund, 

nachdem er ihm die Sünden vergeben hat!

Er schafft es, dass nicht nur seine Beine wieder funktionieren, 

sondern dass auch seine Seele das Laufen wieder lernt. 

Dass für diesen Menschen die Tür zum Himmel aufgeht …

 

Aus dieser Begebenheit nehme ich mit: 

Unsere Gesundheit ist endlich - die Sündenvergebung aber ist ewig. 

Manchmal gibt Gott beides zusammen: Heil und Heilung. 

Manchmal aber - bleibt es - bei der Sündenvergebung. 

 

Es gibt große Zeugen Gottes, 

die unter der Vergebung Gottes gelebt haben

und trotzdem dauerhaft körperlich krank waren. 

Ein Paulus z. B., der erlebt hat, 

dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist (2. Kor 12,9). 

Auch er hat erlebt, dass für sein Leben die Vergebung

die Hauptsache war - weil Sünde ewig von Gott trennt. 

 

Das Wort „Sünde“ … ich weiß, es ist ein unbeliebtes

und doch uraltes, in allen Kulturen bekanntes Wort. 

Viele können es bei uns nicht mehr hören oder verharmlosen es, 

z. B. mit dem Wort „Verkehrssünder“. 

Oder ein Diabetiker sagt, wenn er vor einer Torte nicht widerstehen kann: 

„Da habe ich heute gesündigt.“

 

Das ist im Grunde ein lächerliches Sündenverständnis, 

weil Sünde nicht Peanuts ist. 

Sondern Sünde ist Trennung von Gott. 

Sünde heißt: „Da ist eine große Kluft zwischen Gott und mir. 

Ein Abgrund, der mich von Gott trennt

und den ich von mir aus nicht überwinden kann.“

 

Dabei muss es aber nicht bleiben!

 

Jesus spricht dem Gelähmten und auch uns zu: 

„Dir sind deine Sünden vergeben!“

 

Da müssen die Schriftgelehrten eingreifen. 

Aus gutem Grund: Weil nur Gott Sünden vergeben kann. 

Mit ihrem Einwand nehmen sie Gott in Schutz, 

nehmen die Sünde ernst als das, was sie ist: 

Nämlich etwas, was Menschen nicht aus der Welt schaffen können

(auch wenn das heute viele nicht wahrhaben wollen). 

 

„An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan“, 

hat David gebetet nach der Uria-Batseba-Affaire 

(seinem Ehebruch, in 2. Sam. 11 und 12).

 

Die Kritiker von Jesus haben recht: „Wer kann Sünden vergeben

als allein Gott?“

Und sprechen damit das Entscheidende aus: 

Der, der hier vergibt, ist Gott!

In Jesus kommt der Sünden vergebende Gott auf uns zu!

 

Das war für die Schriftgelehrten absolute Anmaßung. 

Und für den Gelähmten - aber auch uns heute, wenn wir uns 

das gefallen lassen - bedeutet es das Leben im Vollsinn - 

im Heil - und geheilt. 

 

So weit, so gut … damit hat die Geschichte ihr Happy End, 

könnte man meinen. 

Der Gelähmte steht geheilt auf, 

nimmt sein Gestell und marschiert heim. 

 

Und doch steht am Schluss die Frage im Raum: 

 

 

3.) Wie stehe ich zu Jesus?

 

In Vers 12 heißt es: „Da entsetzten sich alle und priesen Gott

und sprachen: So etwas haben wir noch nie gesehen.“

 

Ist das schon ein Christusbekenntnis 

in dem tiefen Sinn, dass Jesus wirklich der von Gott gesandte

Christus ist?

 

Oder ist das noch ein oberflächlicher Glaube

an einen Jesus, der starke Wunder tun kann?

Ein Glaube vielleicht, der sich von einem Wunder zum anderen 

hangelt, aber ins Schlingern kommt, 

wenn Gott schweigt und eben keine Wunder tut?

 

Immerhin, im Entsetzen kommt zumindest eine Ahnung darüber

zum Vorschein, dass da etwas ganz Neues, noch nie Dagewesene

passiert ist. 

 

Die Leute damals haben durchaus gespürt: 

In dem, was Jesus da tut, ist Gott selber am Werk!

Sie staunen, dass da einer gesund wegmarschiert … aber wohl

noch mehr, dass sich Jesus zutraut Sünden zu vergeben 

 

Das sprengt bis heute unsere menschlichen Vorstellungen 

von Gott total. 

 

Die einen stoßen sich daran (das waren die Schriftgelehrten damals)

und haben bis heute viele Nachahmer …

Nein, das kann nicht sein!

Dieser Jesus ist mir zu exklusiv, 

ich suche lieber weiter nach Wahrheit in allen Religionen …

So, wie jemand, der zum Arzt geht und dessen Rezept nicht einlösen will, 

weil er das verschriebene Mittel für zu einfach hält …

 

Die anderen freuen sich und stimmen in das Lob Gottes mit ein. 

Auch sie - haben viele Nachahmer gefunden - bis heute: 

Menschen, die aus dem Wunder der Vergebung leben

und dadurch befreite und zutiefst befriedigte Menschen geworden ist. 

 

Wo stehst Du?

 

Diese Frage schwingt hier mit. 

 

Mit dem Lied „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“, 

das wir jetzt singen, bist Du eingeladen

zu denen zu gehören, die Jesus annehmen

und das für ihr Leben in Anspruch nehmen wollen: 

 

„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe, 

ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin …“

Jesus allein kann das. 

Die Hauptsache ist die Vergebung meiner Sünden. 

Da beginnt etwas Neues. 

 

Amen

 

Lied Nr. 611

 

Amen 

 

 

(Ich danke Pfarrer Friedemann Wenzke für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext!)

Mit dem ersten "Kirchencafé" vor der Schlosskirche im Anschluss an den Gottesdienst

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kicafe2.jpg




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi
Freitag, 26.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 28.10.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)