2015-04-19

Predigt über Johannes 10,11-16.27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Johannes 10 die 

Verse 11-16 und Vers 27

„11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, 

sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf 

stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling 

und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und ich 

kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein 

Vater kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die 

Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem 

Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, 

und es wird "eine" Herde und "ein" Hirte werden ... 27 Meine Schafe 

hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

Psychologie ist die Wissenschaft, 

die sich mit den unbewussten Abläufen in der menschlichen 

Seele beschäftigt. 

Dabei versucht sie die menschliche Seele, 

die ja kompliziert und vielschichtig ist, 

zu durchleuchten und ihre Abläufe zu verstehen. 

Dabei kommt so manches Verborgene zum Vorschein, 

oft aber auch nicht. 

 

Von Jesus heißt es hier: „Ich kenne die Meinen.“

 

Ganz anders - als ein tief blickender Psychologen kennt uns Jesus.

Auch anders - als ein Personalchef, der seine Leute  kennt, 

„kennt“ in dem Sinne, dass er sie einschätzt 

für verschiedene Aufgaben in seinem Betrieb. 

Anders auch - als ein Lehrer, der seine Schüler kennt

und dabei vor allem auf die Noten schaut, 

die sie abliefern. 

 

Jesus kennt uns Menschen wie kein anderer. 

Er weiß, was mich (und Dich) m Innersten bewegt. 

 

Deshalb redet er in diesem Bibelwort heute 

von uns wie von Schafen, deren Hirte er gerne sein will. 

Wie ein Schafhirte jedes seiner Schafe kennt

so weiß Jesus - wie wir - im Innersten sind. 

 

Mit diesem Bild vom „Schaf“ will uns Jesus nicht abwerten …

Es hat für uns einen Beigeschmack. 

Eigentlich will er uns damit aufwerten

und sagen: 

Ich kenne Euch (mich und Dich) - nur zu gut. 

Er weiß, wie es um Dich steht und was du brauchst. 

 

Deshalb spricht Jesus mit diesem Bild 

die Frage nach der Qualität unseres Lebens an. 

 

Tief in uns soll das Verlangen aufbrechen, 

dass wir wirklich in Anspruch nehmen, 

was er zu bieten hat. 

Und das ist unsagbar viel!

 

Er will uns nicht nur an einem Punkt helfen, 

sondern verspricht nicht weniger als die Fülle des Lebens, 

das „Rundum-sorglos-Paket“!

 

So wie ein guter Hirte, 

der für seine Schafe voll und ganz - und immer - da ist. 

Sie sollen wir - alles haben, was wir brauchen.

Deshalb das Bild vom guten Hirten und der anvertrauten Herde. 

Für Jesus!

 

Ein Missverständnis könnte sich jetzt nahe legen: 

Nämlich dass wir denken: Also, wenn mit Jesus „Leben in Hülle

und Fülle“ verbunden ist, dann 

    - wird er Schwierigkeiten in meinem Leben 

        sicher erst gar nicht aufkommen lassen

        oder er wird sie immer sofort „lösen“!?

Und heißt so ein „Leben in Fülle“ mit Jesus nicht, 

    - dass ich einen Anspruch darauf habe, 

        immer happy zu sein, 

        immer locker flockig,

        dass das Leben dann nur so flutscht!?

 

Gestern Abend waren wir beim Jugendgottesdienst in Neuenbürg

und da kam wieder das beliebte Lied von Tobi Wörner vor:

„Meine Seele sucht Heimat, mein Herz sucht

Glück, doch wo immer ich hingeh,

geht’s mal vor und mal zurück.

Ich sehn mich nach Frieden, was ich auch tu,

am Ziel meiner Suche stehst Du.

Mein Freudeschenker, mein Heimatgeber,

mein Glücklichmacher und mein Schuld-

vergeber, mein Friedensbringer und

Worteinhalter, mein Liebesspender bist Du.

Du tust im Innern meiner Seele gut,

und Du tust, was Balsam auf den Wunden tut,

und Du suchst mich, wenn ich mich in mir verlier …“

 

 

 

Das Lied gefällt mir eigentlich - aber ich stolpere immer wieder

bei dem Wort „Glücklichmacher“ ….

Ja, es stimmt: Jesus macht glücklich!

Aber wie ist das gemeint?

Ist er mein Seelenaufheller, der Spaßmacher, 

die Stimmungskanone, womöglich sogar nur Rauschmittel …?

So was wie eine Wunderdroge (Ekstasy, Chrystal Met)?

 

Das wäre zu einfach gedacht. 

Viel besser treffen es die anderen Begriffe in dem Lied: 

Der gute Hirte Jesus 

    - schenkt wirklich „Freude“, 

    - gibt „Heimat“, 

    - „hält Wort, 

    - spendet „Liebe“

und gibt in diesem Sinne nicht nur ein bisschen, sondern alles!

 

Und das ist „Leben im Überfluss!“ 

Echt auf der ganzen Linie.

Jesus sagt: 

„Ich gehe mit euch“

„Ich will euer ständiger Begleiter sein“ - durch dick und dünn. 

 

Auch wenn das Leben streckenweise nicht einfach ist, 

wenn sich Abgründe vor Dir auftun, 

wenn ein naher Angehöriger mit Krebs im Krankenhaus liegt

und du betest und betest, hoffst und bangst …, 

wenn Du Dich und andere ganz in Gottes Hand legen musst, 

Du nichts erzwingen kannst!

Und Gottes Geist Dir gerade dann zuspricht: 

„… am Ziel meiner Suche stehst Du“.

Niemand anders. 

Ich bin bei Dir geborgen. 

 

Das ist das Geheimnis eines Lebens, 

wenn jemand auf den guten Hirten Jesus hört und ihm folgt. 

 

Da gibts immer noch Stress, Ärger und auch Frust. 

Aber Jesus in Dir (und bei Dir) fängt das alles auf, 

er ist Dein Schutz und Schirm. 

Und das heißt Friede. 

Wenn er Dich führen darf, 

kannst Du durchs dunkelste Tag ziehen - in großer Ruhe und 

ohne Angst. 

 

Weil er mitgeht. 

Weil sein Wort Dich ermutigt, trägt. 

Selbst der Tod - ist nicht mehr tot - denn 

„Jesus lebt, mit ihm auch ich, 

Tod wo sind nun deine Schrecken?“

Das haben wir auch diese Woche wieder auf dem Friedhof 

gesungen!

 

Wenn Jesus der Hirte meines Lebens geworden ist, 

dann kann mich nichts mehr „umhauen“

und nichts mehr aus seiner Hand reißen!

 

(Über-)Nächsten Sonntag werden wir das aus dem Mund unserer

Konfirmanden hören, was Paulus dazu geschrieben hat (Röm 8):

„Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, 

weder Engel noch Mächte noch Gewalten, 

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 

weder Hohes noch Tiefes … 

mich von der Liebe Gottes scheiden kann, 

die in Jesus Christus, meinem Herrn, ist.“

 

Ist Jesus Christus, der gute Hirte,

also schon „mein Herr“?

Das ist hier die Frage, 

vielleicht die wichtigste Frage im ganzen Leben!

 

„Meine Seele sucht Heimat, mein Herz sucht

Glück, doch wo immer ich hingeh,

geht’s mal vor und mal zurück.

Ich sehn mich nach Frieden, was ich auch tu,

… am Ziel meiner Suche … stehst Du …

und Du suchst mich, wenn ich mich in mir verlier …“

(Tobi Wörner)

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

der gute Hirte Jesus sucht uns. 

Und er ist wirklich ein ganz besonderer Hirte, 

hat Qualitäten wie kein anderer:

Er hat um seine Herde gekämpft (und tut es heute noch), 

er hat sein Leben für sie eingesetzt,

es geht ihm nicht um seinen persönlichen Vorteil. 

Die Christen sind für ihn kein „Herdenvieh“, 

keine „Masse“, die er willfährig durchs Leben scheucht. 

 

Er verspricht uns nicht den Himmel auf Erden, 

kein Seelen-Doping, 

kein immer happy Sein.

 

Die uns so was versprechen, 

gehören eher in die Kategorie „reißende Wölfe“, 

Seelenfänger, die Menschen an sich reißen, 

aber am Schluss an falschen Versprechen kaputt gehen lassen. 

 

Der gute Hirte Jesus aber ist für seine Herde 

ans Kreuz gegangen, 

hat sich für Dich und mich mit seinem Leben eingesetzt. 

Er geht vorne draus, zeigt den Weg (ein Kennzeichen übrigens für 

„gute Hirten“), die „schlechten Hirten“ gehen meistens hinten, 

bleiben selber in der Deckung

und treiben ihre Schafe in Richtung Schlachthaus …

 

Jesus aber hat sich selber wie ein Lamm zur Schlachtbank führen 

lassen. 

Sein Erbarmen und seine Liebe zu uns waren und sind - so groß.

Dass er nichts anderes im Sinn hat, 

als Verlorene zu suchen und zu retten!

Jesus ist „der gute Hirte …“ 

wie kein anderer vor und nach ihm. 

 

Und deshalb ist es so wichtig, 

dass Du Dich diesem einzigartigen - guten - Hirten Jesus anvertraust, 

dass Du ihm Dein Leben übergibst. 

Die Bibel nennt das „Hingabe“. 

 

Damit ist ein Risiko verbunden, sicherlich,

so wie Hingabe immer mit einem Risiko verbunden ist. 

 

Auch Jesus ist ein hohes Risiko eingegangen, 

hat sein Leben für uns aufs Spiel gesetzt - und zunächst - verloren.

Aber Gott hat ihn nach zwei Tagen auferweckt. 

 

Er hat alles riskiert - und alles gewonnen.

 

Und in diesem Sinne geht es uns nicht anders, 

wenn wir unser Leben Jesus „hingeben“ (ausliefern). 

Damit ist ein Risiko verbunden, 

eines das manche zurück schrecken lässt. 

 

Aber dem guten Hirten Jesus gehören 

ist keine reine Kopfsache. 

 

Wer erst gedanklich zu 100% sicher sein will, 

bevor er diesen Schritt geht, geht ihn nie, 

so ein Mensch wird auch niemals heiraten, 

weil es auch da keine 100ige Absicherung gibt. 

Irgendwann wirst Du Dich entscheiden müssen, 

ob Du diesem Menschen vertrauen und ihn also

heiraten willst!

 

Hingabe ist immer mit einem Risiko verbunden. 

Zumal jeder spürt, dass man sich nicht nur teilweise

„hingeben“ kann. 

 

So ist das auch beim guten Hirten Jesus. 

 

Und mir tut es immer wieder leid, wenn ich Menschen treffe, 

die zu Jesus über Jahrzehnte eine letzte Distanz eingehalten haben, 

die z. B. sagen: 

    - „Also, ich hab einfach noch keine Zeit …“ oder

    - „Ich hätte noch so viele Fragen an Jesus, die er mir 

        beantworten sollte …“, 

aber sie kommen nicht wirklich zu Jesus 

und schließen sich ihm an, 

so dass sie ihm diese Fragen auch stellen könnten!

 

Und dann ist es soweit: 

Ein Schlaganfall tritt ein, womöglich rechtsseitig

und sie können nicht mehr sprechen …

oder eine aggressive Krebserkrankung, 

die so schnell voran schreitet, 

dass sie gar nicht mehr die Möglichkeit finden, 

sich Jesus anzuschließen. 

 

Wie traurig ist das doch

und wie traurig - muss der gute Hirte Jesus sein, 

wenn Menschen ihm, der so viel für sie getan hat, 

nicht wirklich vertrauen wollen!

Wenn sie seine Stimme hören und kennen … ihm aber aus

allen möglichen Gründen nicht folgen!

 

 

Eine alte Sage von Indianern erzählt Folgendes: 

„Der große Geist hat einer jungen Frau gestattet, 

einmal durch ein Ährenfeld zu gehen 

und darin eine Ähre zu pflücken. 

Diese soll dann in ihrer Hand zu Gold werden. 

 

Da geht das Mädchen in das Ährenfeld hinein und 

sucht nach der schönsten und größten Ähre. 

Aber jedes Mal, wenn sie eine pflücken will, 

zögert sie und hofft, 

eine noch größere und schönere zu finden. 

So geht sie weiter und weiter, 

und schließlich wird das Feld lichter und die Ähren kleiner, 

und auf einmal ist sie am Ende des Feldes angekommen - 

und steht - mit leeren Händen da.“

 

 

Geht es nicht vielen Menschen heute genau so?

Sie suchen nach gedanklichen Sicherheiten, 

vielleicht nach Beweisen des Glaubens. 

 

Aber sie werden sie nicht finden. 

 

Ihre Zeit und das Leben zerrinnt ihnen unter den Fingern. 

 

Und womöglich werden sie am Ende Ihres Lebens 

traurig feststellen, dass sie nie den Mut hatten, 

sich Jesus in die Hand zu legen, 

vielleicht auch viel zu hochmütig waren, 

viel zu selbstbewusst. 

Das Risiko des Glaubens, der Nachfolge … haben sie gescheut -

und den „guten Hirten“ verpasst. 

 

Dabei hat uns der alles vorgelebt. 

Und es liegt nur an uns, 

ihm zu vertrauen oder auch nicht. 

Dass er das Vertrauen ihn ihn nie enttäuscht, 

das werde ich aber nur erfahren … durch Hingabe. 

 

Wenn ich seine Stimme höre, ihm vertraue … und folge. 

 

„Meine Seele sucht Heimat, mein Herz sucht Glück, 

doch wo immer ich hingeh, geht’s mal vor und mal zurück.

Ich sehn mich nach Frieden, 

was ich auch tu,

… am Ziel meiner Suche … steht?“

 

Ich wünsche Ihnen und Euch Konfirmanden: JESUS!

Heute (und immer wieder) der gute Hirte Jesus, 

dass Du ihm folgst. 

Ganz.

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst