2015-04-03 Karfreitag

Predigt über Johannes 19,16-30 / Pfarrer Friedhelm Bühner

> Hochzeitsstuhl steht vor dem Altar ...

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

der Karfreitag ist der seltsamste Feiertag in der ganzen 

Kirchengeschichte. 

Heute gedenkt man weltweit der Hinrichtung eines jungen Mannes

vor knapp 2000 Jahren am Kreuz. 

Bis heute schmückt sich kein Mensch mit einem goldenen Galgen

oder einer kleinen Guillotine an seinem Hals. 

Niemand hängt sich ein niedliches Maschinengewehr aus Holz

oder einen kleinen elektrischen Stuhl an den Rückspiegel

seines Autos. 

 

Das Kreuz aber ist überall zu finden. 

Das Kreuz - das entsetzliche Mordwerkzeug der Römer. 

 

Was siehst du, wenn du auf das bekannte Kreuz schaust?

Was sagt dir dieses Kreuz?

Was ärgert dich?

 

Drei Gedanken zum Kreuz heute morgen. 

Drei Augenblicke vor dem Kreuz. 

Drei Begebenheiten mit dem Gekreuzigten. 

 

1. Der Thron

Aus sicherer Entfernung sehen wir, 

wie das Kreuz von Jesus aufgerichtet wird. 

Wir sehen den Hügel, insgesamt waren es drei Kreuze. 

Das Kreuz mit Jesus steht in der Mitte - im Zentrum. 

 

Wie ein König, der seinen Thron besteigt, 

so berichtet der Evangelist Johannes von der Erhöhung Jesu.

 

Das haben sich die Nachfolger von Jesus bestimmt 

anders vorgestellt: So wie in den guten alten Zeiten der

Könige von Israels vielleicht. 

 

Alles fing an mit der Salbung des neuen Königs

durch einen Propheten - bei Jesus durch eine Frau und 

wahnsinnig teures Salböl.    

Es folgt das Reiten auf einem Esel in die Stadt Jerusalem

hinein mit einem begeisterten Empfang des Volkes am 

Straßenrand: „Lang lebe der König!“ rufen sie. 

 

Auch das berichtet Johannes: 

Jesus zieht als neuer König - auf einem Esel reitend - unter dem 

Jubel des Volkes in Jerusalem ein, 

um für alle sichtbar seinen Thron zu besteigen. 

Hier aber unterscheiden sich die göttlichen Feierlichkeiten 

zur Thronbesteigung seines Sohns 

von allen anderen Königsfeiern auf der ganzen Welt. 

 

Für alle verstörend - schildert Johannes diese Thronbesteigung 

als Kreuzigung!

 

> Kruzifix wird über Hochzeitsstuhl gelegt ...

 

Was siehst Du, wenn du auf das Kreuz schaust?

 

Johannes berichtet:

Der königliche Thron von Jesus stand mitten zwischen

zwei rechtmäßig verurteilten Verbrechern. 

 

Wohlhabende und einflussreiche Könige halten sich in der 

Regel in edlen Palästen auf. 

Ihr Thron drückt Macht aus 

und wie sie ihre Macht verstehen. 

 

Keiner, der nicht würdig wäre, 

darf sich ihnen nähern. 

 

Ihre engsten Berater sitzen rechts und links vom König

und sonnen sich im hellen Licht des Königs. 

Wie viel mehr müsste das für den 

irdischen Thron des lebendigen Gottes gelten?

 

Johannes berichtet auch, wie Jesus seinen Thron besteigt. 

Die Zeremonie fällt denkbar schlicht aus.

Ein kleine spöttische Tafel mit einem Hinweis zum „König der Juden“, 

damit es niemand übersieht. 

„INRI = JESUS VON NAZARETH, DER KÖNIG DER JUDEN“

So besteigt Jesus seinen Thron - als Verspotteter.

 

Gekreuzigt mitten zwischen zwei Verbrechern, 

mitten im kriminellen Milieu dieser Welt, 

mitten unter den zu Recht oder Unrecht Verurteilten. 

Ein Thron mitten in der tiefsten Dunkelheit menschlichen Daseins, 

draußen - vor der Stadt.

 

Was siehst du, wenn du auf das Kreuz schaust?

 

 

2. Das Kleid (sein Gewand).

 

Wir nähern uns langsam dem Kreuz, 

sehen stumme Zuschauer, die sich das alles anschauen. 

Verstehen sie, was sie sehen?

 

Johannes verurteilt sie nicht. 

Er erwähnt sie nicht einmal, 

sein Blick geht ganz auf das Geschehen am Kreuz. 

Er beschreibt, wie sich die römischen Wachen über die Kleider

und das Gewand von Jesus hermachen. 

Wenigstens noch einen kleinen Reibach machen!

 

Er wird seiner letzten Kleider beraubt, 

das Los soll entscheiden. 

 

Die Menschen in der Antike hatten ein enges Verhältnis 

zu ihrem Kleid: 

Das Kleid schützte vor Blicken,

es umhüllte den nackten Menschen, 

es war der Raum der intimen Persönlichkeit, 

mein persönlicher Ort. 

Der Raum meiner Würde. 

 

Mitten im Kreuzigungsprocedere berichtet Johannes darüber, 

dass Jesus bloßgestellt wird. 

Für die typische Kreuzigung wahrscheinlich nichts Besonderes. 

Aber für die Berichterstattung von der feierlichen Amts-

Einführung eines Königs ein Skandal!

 

„Als die Soldaten die Kleider von Jesus unter sich aufgeteilt haben, 

da hing nicht nur ein entblößter Mensch am Kreuz, 

sondern da wurde Gott selber bloßgestellt“

Vor der ganzen Welt wird der König enthüllt

und vorgeführt. 

 

> weißes Gewand wird über Kreuz / Thron gelegt ...

 

Und Gott lässt sich - vor der ganzen Welt - bloßstellen. 

 

 

Was siehst du, wenn du auf das Kreuz schaust?

 

Siehst du einen ungeschützten Gott, 

der auf jede Distanz zu dieser Welt verzichtet?

Der die religiösen Masken, die ihm die Menschen seit jeher

angelegt haben, ablegt?

Der sich all dessen entledigt, als wer oder was sich die Menschen

Gott vorstellen - bis nichts mehr - zu sehen ist - als er allein?

 

Was sehen wir, wenn wir auf das Kreuz schauen?

 

 

3. Die Vollendung

Wagen wir noch einen weiteren Schritt auf das Kreuz zu, 

so dass wir sehen und hören können, was dort los ist: 

Den schweren Atem von Jesus am Kreuz.

 

Zusammen mit Johannes stehen wir und merken, 

wie Jesus wenige Augenblicke vor seinem Tod ruft:
„Es ist vollbracht!“

Im Griechischen ein einziges Wort!

Die feierliche Amtseinführung des neuen Königs ist komplett, 

der Sohn Gottes führt den Willen seines Vaters aus. 

 

Er ist nicht gekommen, 

um seine eigenen Ziele zu verfolgen.

Er tut, was er den Vater tun sieht

und wer den Sohn sieht -, der sieht den Vater. 

 

„Es ist vollbracht!“, das ist kein Jubelschrei. 

Mitten unter zwei Verbrechern - ohne jegliche königliche

Distanz zum Volk -, so hängt Jesus am Kreuz.

Jesus, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. 

Exakt zu der Zeit, 

in der die Passalämmer im Tempel geopfert wurden. 

 

„Es ist vollbracht!“

Jesus legt sein Leben und sein Sterben in die Hände des Vaters. 

 

> Schild „Es ist vollbracht!“ wird an Gewand geheftet ...

 

Was siehst du, wenn du auf das Kreuz schaust?

 

 

Gottes rettende Liebe?!

Am Kreuz, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

wird deutlich, dass den allmächtigen Gottes

nichts Wichtigeres bewegt als 

rettende Liebe - zu uns Menschen. 

Eine Liebe, die jedem die Freiheit lässt

sich zu ihr zu verhalten, wie er will. 

Eine Liebe, die bereit war, 

auf alle Macht zu verzichten, 

in alle nur denkbaren Abgründe unseres Lebens 

hinab zu steigen. 

 

Eine rettende Liebe, 

die alles gibt, alles auf sich nimmt: 

Das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. 

Diese Liebe - kostete Gott - seinen Sohn. 

 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, 

dass er seinen einzigen Sohn dahin gab, 

damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, 

sondern das ewige Leben haben!“ (Joh 3,16). 

 

Der Grund für dieses Äußerste, das Gott bereit war

für uns zu tun, ist, 

dass es ihm das Herz herumdreht, 

wenn er mitansehen muss, 

wie wir Menschen in der Trennung von Gott verloren gehen. 

 

Er lässt uns die Freiheit, 

hat sie uns von Anfang an gelassen. 

Auch die Freiheit vor ihm davon zu laufen. 

Und so ist unser Leben und unsere Welt - geworden, 

wie sie ist. 

 

Und dieser Gott will trotzdem - sein Äußerstes dafür tun, 

dass sich alles zum Besseren wendet, 

dass wir umkehren und seine rettende Liebe annehmen -, 

ihm für diesen König - am Kreuz - danken!

 

Wer im bloßgestellten Jesus - Gottes große Liebe erkennt, 

der bittet Gott: Bekleide mich mit deiner Liebe 

und mit deiner Vergebung. 

Ich erkenne, dass eigentlich ich diesen Tod verdient habe, 

Aber Jesus hat ihn für mich erduldet. 

 

Willst auch Du - dem König Jesus - die Ehre erweisen 

und ihm dafür danken, dass er für dich gestorben ist?

 

Dann ist sein Weg in die Tiefe 

für einen Menschen zum Weg in die Höhe geworden, 

zum Anfang eines neuen Lebens bei Gott ( … )

Amen

 

> Altarkerzen werden entzündet und Blume unter das Kreuz gestellt ...


(Ich danke Pastor M. Englisch für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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