2015-01-11

Predigt über Matthäus 3,13-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, wer ist Jesus? 

Der Zweifler fragt: »Was kann aus Nazareth Gutes kommen? 

Diese alte Geschichte aus einer abgelegenen Provinz des 

römischen Weltreiches, 

dieser Sturm im galiläischen Wasserglas: das soll heute in unserer 

postmodernen Welt von Bedeutung sein?«

 

Auch der Neugierige fragt: »Wer ist Jesus? 

Ich bin auf der Suche nach Halt in meinem Leben, 

nach einem Anker im Strom der Zeit. 

Manche reden von Jesus, vom Glauben, wie er im Alltag trägt. 

Könnte das für mich Folgen haben?«

 

Der Enttäuschte – fragt nicht mehr. 

Verletzung und Schmerz, enttäuschte Hoffnungen 

haben ihn sich abwenden lassen. 

Zurück bleibt aber doch die Frage wie eine Anklage:
»Wer ist der, wenn er so etwas zulassen kann?«

 

Und die Christen? 

Auch wer Jesus nachfolgt, steht immer wieder vor dieser Frage: 

Wer ist Jesus eigentlich für mich? 

Oft aus dem Staunen heraus: »Was bist du nicht für ein Herr! 

Du hast Worte des ewigen Lebens ...«.

 

Unser heutiger Predigttext gibt Antwort auf diese Frage,
die wohl jeder von uns auf seine ganz persönliche Weise stellt:
Wer ist Jesus?

Wir hören auf das Wort aus Matthäus 3, 13–17; der Abschnitt ist 

überschrieben ›Jesu Taufe‹:

„13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, 

dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und 

sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du 

kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: 

Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit 

zu erfüllen. Da ließ er's geschehen. 16 Und als Jesus getauft war, 

stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm 

der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren 

und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel 

herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

 

 

Liebe Gemeinde, was da geschieht beim ersten öffentlichen Auftreten 

von Jesus kann man in drei kurze Leitgedanken 

zusammen fassen: 

1. Jesus geht hin, mit mir.

2. Jesus geht voraus, für mich.

3. Der Himmel geht auf über uns.

 

1. Jesus geht hin, mit mir.

Wenn ich mir diese Szene vor Augen stelle, 

dann sehe ich ihn vor mir, 

den Propheten, den Täufer: Johannes, Sohn des Zacharias, 

mit mächtiger Stimme und eindrucksvoller Gestalt, 

der Rufer in der Wüste! 

 

Der Priestersohn hatte sich zurückgezogen in die Wüste beim Jordan, 

um zeichenhaft darauf hinzuweisen: 

Israel hat sich weit von Gottes Willen entfernt. 

Das Volk lebt in Wahrheit nicht 

im ›Gelobten Land‹ der Verheißung Gottes, 

sondern in der Wüste der eigenen Verirrung. 

Es sollte sich vorbereiten auf die Begegnung mit Gott. 

Deshalb die Wüste als ein Ort der Vorbereitung und der Klärung. 

Dort hat Johannes gewirkt.

 

Man konnte nicht einfach so weitermachen wie bisher. 

Ein Zeichen für die Umkehr für ein anderes Leben war nötig. 

Deshalb die Kleidung, 

die er sich aus Kamelhaar gemacht hat

und das seltsame Essen: Eben das, was er dort draußen 

gefunden hat - Heuschrecken und Honig von Wildbienen. 

So hat er gelebt, der Johannes.

 

Er hat die Menschen aufgefordert, 

ihr Leben zu ändern, 

um dem Urteil Gottes zu entgehen. 

Deshalb die Taufe, 

als Zeichen für die Möglichkeit der Umkehr. 

Dazu ruft Johannes »Tut Buße – kehrt um! – denn das Himmelreich 

ist nahe herbeigekommen!« 

 

Er hat in allernächster Zukunft 

das endgültige Gericht Gottes erwartet.

Es sollte einer kommen, 

der stärker war als er, 

der die Entscheidung bringen sollte.

 

Und da tritt Jesus auf,

kommt als ein Fremder aus Galiläa an den Jordan, 

wo Johannes predigt,

reiht sich ein unter diejenigen, 

die von überall zusammenströmen und Buße tun 

und ihre Sünden bekennen, 

um sich dann im Fluss taufen zu lassen. 

 

Braucht er das? 

Er, von dem wir an Weihnachten gesungen haben: 

»Es ist der Herr Christ, unser Gott«; 

vor dem die Weisen aus dem Osten in die Knie gegangen sind

um ihn anzubeten?

 

Johannes scheint sofort zu merken, 

dass Jesus jetzt der ›Stärkere‹ ist, den er angekündigt hat. 

Erstaunt fragt er: »Du kommst zu mir? – 

Ich hätte es doch nötig von dir getauft zu werden!«

 

Nein, er braucht es nicht. Aber er will es. 

Das ist das Erstaunliche und Tolle! 

Jesus stellt sich zu denen in der Wüste, 

zu den Suchern, 

zu denen, die spüren, dass sie Vergebung brauchen. 

Da geht er hin. So fängt Jesus an.

 

So fängt Jesus auch bei uns an. 

Da, wo wir sind, stellt er sich dazu, 

vielleicht zuerst unbemerkt wie ein Fremder. 

Da ist er plötzlich mit uns in unserer Wüste. 

 

Kennen Sie das auch: Wüstensituationen? 

 

Wir sehnen uns nach Gemeinschaft, nach Gesundheit, 

Geborgenheit; 

wir suchen den Neuanfang wie eine Quelle in der Wüste – 

›Zu der Zeit kam Jesus an den Jordan‹. 

Das heißt doch: Er gibt nicht nur fromme Anweisungen. 

keine moralischen Anweisungen, 

keine Parolen. 

 

Sondern da ist einer, der kommt, 

der voll und ganz teilnimmt an dem, was mich bewegt. 

Der nimmt nicht nur äußerlich Notiz (die bekannte Höflichkeitsfrage: 

Na, wie geht’s dir denn? …)

Und gibt dann noch ein paar gute Tipps …

Nein, Jesus stellt sich drunter, 

er macht sich auf den Weg mit uns, 

er freut sich mit, 

er leidet auch mit. 

Und das ›zu der Zeit‹ – zur rechten Zeit: dann, wenn es gilt: 

Heute!

 

Jetzt stellt sich Jesus aber nicht nur neben mich, 

um mich aufzumuntern und mir auf die Schultern zu klopfen: 

„Na ja, das wird schon wieder …“

 

Sondern – und das ist die zweite Beobachtung an diesem 

Bibelwort:

 

 

(2.) Jesus geht voraus, für mich.

Johannes hat es begriffen: »Ich hab’s nötig, dass du mich taufst – 

ich brauch’ dich!« 

Johannes, der ›mehr ist als ein Prophet‹ (1), 

Jesus hat ihn selber den „größten Propheten“ genannt (2). 

Er hat eine wirklich große Aufgabe. 

 

Trotzdem bekennt er gegenüber Jesus: »Ich brauch’ dich!«

 

In dem Moment gibt es eine Wende:

Jesus übernimmt die Regie. 

Was Johannes noch nicht versteht, ist, 

dass Jesus nicht so die Regie übernimmt, 

dass er verlangt, 

Gottes Willen jetzt sofort im ganzen Land umzusetzen,

sondern dass er selber Gottes Willen tut.

 

»Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, 

alle Gerechtigkeit zu erfüllen.« 

 

Jesus selber geht da voraus: ›alle Gerechtigkeit erfüllen‹. 

 

„Gerechtigkeit“ ist im Matthäus-Evangelium ein 

ganz wichtiges Wort. 

Sie hat zwei Seiten: Da ist zum einen tatsächlich 

unsere menschliche Gerechtigkeit, 

wenn wir nach Gottes Willen fragen 

und ihm gehorsam sind. 

In den Seligpreisungen sagt Jesus: »Selig sind, 

die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden« (3), 

das heißt: wenn sie Gottes Willen tun. 

 

Jesus kann sogar sagen: 

Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Pharisäer, 

werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (4). 

 

Wir sind also herausgefordert, 

nach Gottes Willen in unserem Leben zu fragen (eine Privatreligion
ohne Bibel und Gottesdienst kennt Jesus nicht!) 

und dann so zu handeln, 

wie man es als Gottes Wille erkannt hat. 

 

Dass Jesus hier in der Taufe vorausgeht, heißt: 

Macht es auch so, 

kehrt um, nehmt die Vergebung an

(„Gerechtigkeit“ - die eine Seite)

 

Und dann ist mit ›Gerechtigkeit‹ in der Bibel auch gemeint, 

was Gott selber tut, 

und zwar indem er sich uns - zuwendet

mit seiner ganzen rettenden Liebe.

Wie er zurecht bringt. 

Nicht: Jedem, wie er's verdient – so wie wir Gerechtigkeit verstehen. 

Sondern: Gottes Gerechtigkeit als diese Bewegung Gottes durch 

die Geschichte: »Ich habe dich je und je geliebt ...«; 

ich suche die Gemeinschaft mit dir, 

ich vergebe dir gerne, 

ich richte dich auf und mache dich recht! 

Lass es doch an Dir geschehen! …

 

Deshalb stellt Jesus sich unter das Gesetz, 

unter die Taufe, unter den Gehorsam, 

ja, er nimmt Leiden und Tod auf sich, 

um für uns Gerechtigkeit vor Gott zu schaffen – ein für alle Mal. 

›Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, 

Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm 

Knechtsgestalt an, wurde den Menschen gleich ...‹. 

So besingt der Philipperhymnus dieses Wunder, 

dass Jesus sich mit uns Sündern solidarisiert. 

 

Und dann heißt es weiter: ›Er erniedrigte sich selber und wurde 

gehorsam‹. Das haben wir hier in unserer Geschichte, 

als Jesus sich von Johannes taufen lässt …

Das beginnt hier, und dieser Gehorsam geht ›bis zum Tode, 

bis zu seinem Tod am Kreuz‹. 

 

In jener dunkelsten Stunde am Kreuz wird deutlich, 

    - dass hier Gott selber am Werk ist, 

    - dass Jesus in die Welt gekommen ist, um alles auf sich zu 

        nehmen, ja, um den Tod zu überwinden. 

Jesus geht nicht nur mit, er geht voraus, 

durch den Tod ins Leben – damit wir leben können. 

 

Da reißt der Himmel auf! 

Weil wir uns nicht selber aufrichten können, 

tritt Gott für uns ein 

und macht uns in Jesus den Himmel auf: 

    - zur Vergebung der Schuld, 

    - zu einem neuen Leben, 

    - zur Gemeinschaft mit ihm. 

Am Kreuz kommt Gottes Gerechtigkeit uns entgegen. 

Sie richtet auf, 

sie baut die Brücke zum heiligen und gerechten Gott, 

über die wir gehen können …

 

Und so wird die Gerechtigkeit erfüllt 

(Das ist der zweite Aspekt von „Gerechtigkeit“ … 

einmal von uns aus … am Anfang steht aber immer Gott

und was er für uns getan hat …)

 

Ein Drittes macht dieses Bibelwort 

so richtig anschaulich: 

 

(3.) Der Himmel geht auf über uns.

Liebe Gemeinde,

von Johannes heißt es da ganz einfach: 

Und er ließ es zu! (wörtlich: Da ließ er's geschehen)!

 

Vielleicht ist es Ihnen gerade nicht danach. 

Wüstensituation! Das verschließt einen. 

Die Pflege eines lieben Angehörigen ist wie 

eine erdrückende Last. 

Der Weg von Kindern oder Enkeln macht Ihnen große Sorgen. 

Oder auch der Ehepartner … wie er sich im Laufe der Jahre

entwickelt hat … ist eine große Last. 

Oder sie sind Alleinstehend: Wer wird einmal für mich sorgen?

Die tägliche Arbeitsbelastung … ist wie ein Riesen Berg für Sie …

 

Wie soll das alles weitergehen? 

Das ist der Himmel wie verschlossen, 

mit dicken Wolken verhangen.

 

»Ich will dir so gerne den Himmel aufreißen«, 

heißt es in einem Lied -, aber wer kann das? 

 

Wie krampfhaft sind oft unsere Versuche, 

den Himmel zu erreichen. 

Wir strampeln uns redlich ab -, sorgen vor – und haben doch das 

Nachsehen. 

 

Schon auf ihren ersten Seiten berichtet die Bibel davon, 

wie die Menschen einen Turm bauen wollten, 

der bis ›in den Himmel‹ reichen sollte. 

Aktivität, Effektivität, »wir schaffen's schon«, 

»wir bestimmen selber unser Leben«. 

Mit dieser Einstellung ist der Turmbau zu Babel angefangen 

worden. Wie gesagt „angefangen“ …

 

Denn wie hat's geendet? Im Chaos. 

In einem fürchterlichen Durcheinander. 

 

Nein, der Mensch schafft die Verbindung zum Himmel nicht.

 

Aber hier kommt die Umkehrung. 

Denn es geht nur andersherum: Gott schafft die Verbindung! 

Der Himmel tut sich auf. 

Der Geist Gottes macht alles neu. 

Hören Sie, wie es Johannes und die Umstehenden damals 

gehört haben: »Da tat sich ihm der Himmel auf ... und eine Stimme vom 

Himmel herab sprach: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich 

Wohlgefallen habe.« 

 

Da wird die Verbindung hergestellt von der Herrlichkeit Gottes 

in unsere Wüstensituation hinein. 

Ja, mitten in der Wüste stellt sich der Sohn Gottes zu uns, 

nimmt uns an der Hand und führt uns Schritt für Schritt, 

auch durch große Tiefen. 

 

»Damals ging der Himmel auf«, sagt Martin Luther, 

»Der tut sich nicht zu bis zum jüngsten Tag. 

Noch heutigen Tags ist der Himmel offen über die ganze Welt ...

Wenn der Himmel verschlossen wäre, 

wer wollte dann predigen, taufen, Abendmahl reichen, 

Vergebung zusprechen ...? 

Wo Christus ist -, da - ist der Himmel offen.« 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

wer ist Jesus? 

Dieser Frage gehen wir gerade im Konfirmandenunterricht nach …

Weil sie total wichtig ist. 

Für alle Menschen: Kinder - Jugendliche - Erwachsene. 

 

Es ist dieselbe Frage wie vor 2000 Jahren. 

Wie bei Johannes am Jordan. 

 

Und wir sind eingeladen, 

mit dieser Frage so wie Johannes umzugehen, 

es demütig anzunehmen: »Ja, ich brauche dich, Jesus«! 

 

Und dann zu erleben:

Jesus geht mit, er geht voraus. 

Ich darf ihm folgen. 

 

Und auch über mir und meinem Leben geht der Himmel auf!

Amen.

 

Anmerkungen:

(1)  Matthäus 11, 9

(2)  Matthäus 11, 11

(3)  Matthäus 5, 10

(4)  Matthäus 5, 20




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)