2014-12-26 2. Christfesttag

Predigt über Johannes 1,1-14 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den 2. Christfesttag, den Anfang 

des Johannes-Evangeliums, Kap. 1, die Verse 1-5 und 9-14:

„Das Wort ward Fleisch

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, 

und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 

3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe 

ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, 

und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht 

scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. 

 

6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7 

Der kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie 

alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte 

zeugen von dem Licht.

 

9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, 

die in diese Welt kommen. 10 Er war in der Welt, und die Welt 

ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er 

kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 

12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes 

Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, 13 die 

nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus 

dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 14 

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen 

seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes 

vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

der Blick auf ein neugeborenes Kind löst fast immer 

Staunen und Freude aus. 

Man staunt über das Wunder der Schöpfung, 

das hier so unmittelbar begegnet

(… eigene Kinder … erster Enkel)

 

Was löst der Blick auf das Jesuskind in der Krippe aus?

Das Staunen muss eigentlich noch größer sein!

Denn hier sehen wir nicht nur ein Schöpfungswunder, 

sondern das Unvorstellbare passiert: 

Gottes Sohn wird Mensch. 

Dieses Wunder aller Wunder 

führt uns Johannes mit dem Anfang seines Evangeliums

vor Augen und will und damit zum Staunen und Loben bringen.

 

Aber bevor wir hier so verständlich von Jesus reden - 

tut das Johannes überhaupt?

Der Name „Jesus“ fällt im ganzen Text nicht (erst danach in V17

zum ersten Mal!). 

 

Johannes redet vom „Wort“, 

aber damit ist eindeutig Jesus gemeint. 

 

Warum nimmt er diese Chiffre „Wort“ für Jesus? ( - ) 

„Wort“ erinnert an die Schöpfermacht Gottes und 

an die Propheten im Alten Testament. 

„Die Propheten hatten das Wort, aber Jesus ist das Wort. 

Mit Jesus erreicht die Offenbarung also ihren Höhepunkt“, 

erklärt es mein Kollege Hartmut Schmid. 

Bei den Propheten lesen wir immer wieder: 

„Und das Wort des Herrn geschah und Gott sprach …“

Hier bei Jesus ist das Wort Gottes selber Mensch geworden, 

unmittelbar da!

 

Und darüber will Johannes uns zum Staunen und Loben bringen, 

dass Gottes Sohn Mensch wird. 

Aber warum? Weil …

 

1. Jesus Gott ist

Mit dieser Aussage startet Johannes wie mit einem Paukenschlag

sein Evangelium. 

Damit bringt er gleich zu Beginn die Frage: 

Wer ist denn dieser Jesus überhaupt?

Seit der Geburt von Jesus geht es um diese Frage.

 

Und die Antwort darauf - ist absolut wichtig - 

für den Glauben 

und stellt sich deshalb bis heute. 

 

Johannes gibt die Antwort, 

indem er zurückgreift auf den Anfang der Bibel. 

Die Anfangsformulierung ist praktisch gleich: 

In 1. Mose 1, V1 heißt es „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“

und hier in Joh 1, V1 steht: „Im Anfang war das Wort und das Wort war

bei Gott …“

 

Also: Damals, schon ganz am Anfang, 

war Jesus in direkter Nähe zu Gott. 

Weil - Jesus - Gott ist. 

 

Damit haben wir hier eines der wichtigsten Zeugnisse 

für die Gottheit von Jesus

und damit auch für die christliche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. 

Wenn Jesus Gott ist 

und wenn der Vater und der Sohn verschieden sind (Vv14.18), 

dann findet das seinen Ausdruck in dieser Lehre. 

 

Aber noch etwas anderes wird dann wichtig: 

Wenn Jesus Gott ist, 

dann unterscheidet er sich von allen anderen Menschen. 

Dann hat er eine Bedeutung für den Glauben, 

die von keinem Menschen übernommen werden kann. 

Er ist unersetzlich für den christlichen Glauben. 

Nicht so Johannes der Täufer. 

 

Von ihm wird deshalb ausdrücklich betont wird: 

„Er kam zum Zeugnis für das Licht …

war aber nicht selber das Licht …“ (Vv7f). 

Johannes wäre also ersetzbar für den christlichen Glauben, 

er war nur Mensch, ein Bote Gottes, 

aber nicht der „Sohn Gottes“.

 

2. will uns Johannes zum Staunen und Loben darüber bringen, 

dass Gottes Sohn auch …

 

2. Jesus Schöpfer ist

Wenn Jesus Gott ist, 

dann hat er Anteil am ganzen göttlichen Wirken. 

Dann ist er auch Schöpfer. 

Johannes sagt ganz umfassend: 

„Alle Dinge sind durch dasselbe (= durch das Wort) gemacht.“

Das ist ein klarer Hinweis darauf, 

dass Jesus schon bei der Schöpfung der Welt dabei war. 

Auch im Schöpfungsbericht heißt es ja bei jedem Tag: 

„Und Gott sprach … und es geschah so“. 

„Das Wort“ … ist der Schöpfer … ist Gott. 

 

Wenn also Jesus Schöpfer ist, 

dann heißt das auch, 

dass jedes Leben und damit auch jeder Mensch

sein Leben Jesus zu verdanken hat. 

Somit hat jeder Menschen bewusst oder unbewusst

von Anfang an einen Bezug zu Jesus!

 

Aus seinem Schöpfersein leitet sich auch ein Anspruch ab: 

Das Geschaffene gehört dem Schöpfer. 

Johannes bezeichnet die Welt als „sein Eigentum“.

 

Aber nicht nur Schöpfer des biologischen Lebens 

ist Jesus. 

Jesus ist auch das Licht. 

Das erste Werk der Schöpfung („es wurde licht!“) findet sich 

bei Jesus - und durch Jesus wieder. 

Jesus will die Menschen erleuchten mit göttlicher Erkenntnis. 

 

Aber jetzt gibt es neben dem Licht

von Anfang an eine andere Macht: die Finsternis. 

 

Die Macht der Finsternis verhindert genau diese Erkenntnis des 

Lichts!

 

Und so kommt es, 

dass der Schöpfer, der Leben und Licht ist und gibt, 

nicht erkannt wird. 

Und nicht einmal durch sein Kommen in die Welt

Aufnahme findet bei denen, 

die doch eigentlich - ihm gehören. 

 

 

Jesus ist also Gott und Schöpfer -, 

aber mehr mehr - und auch das soll uns 

zum Loben und Staunen bringen: 

 

3. Jesus ist der Neu-Schöpfer

Dass Jesus abgelehnt wird ist das Eine. 

Aber Johannes weiß auch um das Andere:

Es gibt Menschen, die Jesus aufnehmen 

und an ihn glauben. 

Es gibt Menschen, 

die sich erleuchten lassen

vom Licht der Erkenntnis Gottes. 

 

Was geschieht an denen?

Der Glaube ist ist nicht einfach ein Akt im Verstehen, 

er bringt eine totale Veränderung des Menschen. 

Jesus gibt die Macht, 

Gottes Kinder zu werden. 

 

Mit dieser Aussage ist ein beliebtes Missverständnis korrigiert: 

Gottes Geschöpfe sind alle Menschen, ja das ganze Universum.

Aber Gottes Kinder aber sind nur die, 

die Jesus Christus als Sohn Gottes erkennen

und damit auch seinen Vater.

Es stimmt also nicht, dass schon immer alle Menschen

Kinder Gottes sind. 

Geschöpfe Gottes ja, aber zu seinen Kindern werden sie erst, 

wenn sie Jesus Christus in seiner Bedeutung erkennen

und annehmen. 

 

Diese neue Schöpfung kann letztlich nur Gott schaffen. 

Sie ist die Voraussetzung, 

um in Gottes Reich zu kommen. 

Jesus sagt in Joh 3, V5 „Es sei denn, dass jemand von neuem 

geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

 

Das Heil in Christus anzunehmen, 

dazu ist aber jeder Mensch gefordert (V12: „wie viele ihn 

aber aufnahmen … denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, 

denen, die an seinen Namen glauben“).

 

Gott will durch Jesus Christus den Menschen beides schenken, 

die erste und die zweite Schöpfung. 

Was nicht ausschließt, 

dass wir Menschen da auch einbezogen werden. 

Gott eröffnet jedem einzelnen Menschen im Laufe seines 

Lebens nämlich Räume zur Entscheidung für ihn -, 

Zeiten, Gelegenheiten, in denen er das Heil in Jesus Christus

ergreifen kann (Wir können nicht einfach sagen, dass so eine

Entscheidung ja noch Zeit hat, wenn sie vor uns steht, 

weil wir nicht wissen können, ob Gott uns noch einmal 

die Gelegenheit dafür gibt … wir können dafür nur beten). 

 

Um diese zweite Schöpfung beim Menschen (eine neue Geburt, 

ein neues Leben mit Gott) überhaupt möglich zu machen, 

dazu ist Jesus persönlich in die Welt gekommen!

„Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns

und wir sahen seine Herrlichkeit -, 

eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, 

voller Gnade und Wahrheit“ (V14). 

 

Denken wir also immer daran, welche Gnade es bedeutet, 

dass Gott wirklich seinen Sohn schickt!

Ich kenne nichts anderes, 

was mich im innersten glücklicher macht als das!

Je mehr ich darüber nachdenke, 

kann ich Gott einfach nur danken und loben dafür!

Es ist der große König selbst, der gekommen ist, 

damit ich leben kann!

 

In dem letzten Satz „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns

und wir sahen seine Herrlichkeit …“ (V14)

bündelt Johannes noch einmal alles: 

Der Schöpfer, 

der Ursprung allen Lebens, 

der, der eine Neuschöpfung möglich macht - wird Fleisch. 

 

Das ist das Wunder der Christnacht. 

Das sehen wir beim Blick in die Krippe. 

In diesem Kind sehen wir Gottes Herrlichkeit. 

Wir erkennen seine ganze Zuwendung zu uns. 

Er wohnt unter uns. 

Gott ist bei uns. 

In Jesus. 

 

Und er ist bei uns als einer wie wir - eben als „Fleisch“. 

Er teilt unser Leben und ist doch selber das Leben. 

 

Bringt uns Johannes - heute - am 2. Weihnachtsfeiertag noch 

mal so richtig zum Staunen und Loben 

beim Blick auf dieses Kind?

 

Amen


(Ich danke Pfarrer Dr. H. Schmid für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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