2014-09-14

Predigt über Markus 3,31-35 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Markus-Evangelium, 

Kapitel 3, die Verse 31-35 und gibt uns einen der seltenen 

kleinen Einblicke in die Familiensituation von Jesus. 

 

Nicht im Stil der Klatsch- und Tratschpresse (Stichwort „Brad und 

Branjolina“ …), sondern eben so, wie es in einer Familie eben zugeht, 

zumal in einer Patchwork-Familie, aus der Jesus ja stammte: 

Mutter mit etlichen Kindern, 

darunter eins mit einem anderen Vater, 

allerdings nicht von einem Seitensprung, 

sondern von Gott selber mit einem besonderem Auftrag 

ins Leben gerufen …

 

Maria hat sie (mit Josef, ihrem Mann) alle aufgezogen. 

Mindestens vier Jungs und drei Mädchen. 

Jesus, der Älteste, ist inzwischen rund 30 Jahre alt

und geht auf einmal, von Gottes Geist „aktiviert“, eigene Wege, 

beruft Jünger und heilt Menschen (und das am Sabbat) …

da scheint der Punkt gekommen, 

wo sich Maria und die Brüder von Jesus 

sich ihn mal vorknöpfen, 

ihn wieder auf den Boden der Realität holen wollen …

(Mk 3, 31-35:)

 

    "Und es kamen Jesu Mutter und Jesu Brüder und standen 

    draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 

    Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: "Siehe, 

    deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen 

    fragen nach dir!"

    Und er antwortete ihnen und sprach: "Wer ist meine Mutter

    und meine Brüder?" Und er sah ringsum auf die, die um 

    ihn im Kreise saßen und sprach: "Siehe, das ist meine Mutter

    und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, 

    der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter!"

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

die Mutter von Jesus hatte es mit ihrem Sohn auch nicht leicht. 

Sie ruft ihren erwachsenen Sohn und er kommt nicht!

Nun, er ist 30 wie gesagt … muss eigentlich wissen, was er tut. 

Aber wenn es doch so ganz verrückt aussieht, 

was er macht …, muss da eine Mama nicht einschreiten?

 

Ob sie Jesus irgendwo noch nicht hergeben wollte

oder einfach Angst um ihn hatte, 

wir wissen es nicht genau … aber es es legt sich aus

dem Zusammenhang nahe. 

 

Die „Familie“ steht jedenfalls in der Bibel hoch im Kurs. 

Und damit auch das Eltern-Kind-Verhältnis, 

dass Kinder ihren Eltern grundsätzlich gehorsam sein sollen. 

Dass sie die Eltern ehren sollen, 

auch dann noch, wenn sie selbstständig werden …

 

Wie kann dann Jesus seine Mutter (und die Brüder) 

so schroff abblitzen lassen?

 

Die Antwort darauf steht nicht im Text, 

aber sie wird aus dem größeren Zusammenhang deutlich. 

Demnach haben die Pharisäer kurz vor dieser Szene beschlossen, 

Jesus zu töten. 

 

 

Da liegt es nahe, dass die Mutter von Jesus - Maria - ihren Sohn

vor dem sicheren Tod bewahren will. 

Sie spürt: Wenn Jesus so weitermacht, 

sind ihm Verhaftung und Tod sicher. 

Dabei meint sie es bestimmt gut mit ihm, 

will Jesus aus der Gefahrenzone heraus holen.

 

Aber sie weiß nicht, 

dass Jesus diesen Weg ins Sterben - nach dem Heilsplan Gottes - 

gehen muss!

Deshalb seine heftige Reaktion!

 

Es gibt im Alten und Neuen Testament 

neben diesen kritischen Worten von Jesus zu seiner Familie

noch eine Menge positiver Aussagen voller Freude und 

Dankbarkeit für die Familie

und wie sie vor Angriffen geschützt werden soll!

 

Und auch Jesus selber ist für das 4. Gebot eingetreten, 

es wird sogar ausdrücklich gesagt:
„Er war seinen Eltern untertan!“

Und noch eindrücklicher am Kreuz, 

wo der Evangelist Johannes extra betont: 

„Noch am Kreuz sorgte Jesus für seine Mutter!“

 

Also, die Familie mit Mutter und Vater steht in der Bibel 

nicht zur Disposition, sondern hoch im Kurs!

 

Aber was will dann dieser Predigttext sagen?

 

Drei große Linien werden deutlich …

 

 

I. Der Glaube an Gott trennt: Er sprengt unter Umständen
sogar die Familie! 

 

Ein Christ darf nicht immer tun, was seine Eltern wollen!

Vielleicht befremdet Sie dieser Gedanke, 

aber das 4. Gebot, das wir ja kennen
(„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren

auf dass du lange lebest im Lande, das dir der Herr dein Gott

geben wird …“)

spricht gerade nicht vom Gehorsam,

sondern von der Ehre, die wir unseren Eltern erweisen sollen! 

 

Gehorsam dagegen ist nicht immer möglich.

 

So berichtet die Bibel z. B., dass Jesus seine Mutter wegen ihres 

versteckten Ehrgeizes bei der Hochzeit in Kana abweist!

Er wollte das Weinwunder dort nicht ihr zur Ehre tun, 

sondern nur zur Ehre Gottes! (Joh 2)

 

Auch aus der Kirchengeschichte kennen wir einige 

große Evangelisten und Missionare, 

deren Eltern ausdrücklich nicht wollten, 

dass ihre Kinder diesen Beruf ergreifen - einschließlich Martin Luther. 

 

Da ist der Ehrgeiz von Eltern, die ihre Kinder gerne 

zu „höheren Zielen“ bringen wollen, 

oft aber auch die Überlegung: 

„Da verdienst Du doch nicht genug Geld 

um ein gesichertes und bequemes Leben führen zu können!“

 

Schule, Sport, Karriere erscheinen wichtiger als Kirche. 

Jungschar, Teenkreis, christliche Freizeiten, 

den Gottesdienst besuchen, 

sagen viele, das ist nicht so wichtig …

 

Und es gibt umgekehrt, dafür danke ich Gott, 

gläubige junge Leute, die gegen den Wunsch ihrer Eltern 

unbeirrt ihren Glaubensweg gehen!

Die sich nicht beirren lassen … die ihren Eltern in dem Punkt

nicht gehorchen, sondern sie auf andere Weise ehren!

 

Sie setzen die Devise des Apostels Petrus um: „Du sollst

Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Und auch Eltern sind Menschen …

Ja, es ist so: Wer mit dem Glauben an Gott ernst macht, 

wird manchen Freund verlieren! 

 

Denn die Zielvorstellungen und Wertmaßstäbe von Jesus, 

die ich jetzt lebe, die lassen mich nicht mehr überall hinpassen. 

Und manche werden mich deshalb nicht mehr so akzeptieren 

wie sie es bisher getan haben. 

Vielleicht sind es bestimmte Witze,

über die ich nicht mehr lachen kann, 

vielleicht, weil ich nicht mehr lästern will über andere

oder weil ich es jetzt mit der Wahrheit ernst nehme, 

auch im Kleinen. 

 

Das kann für Christen bedeuten, 

dass sie nicht mehr verstanden werden, 

ja, dass sie - im alten Umfeld - einsam werden. 

Und das fällt gar nicht leicht!

 

Ja, Jesus hat sich auch mit Dirnen und Zöllnern an einen Tisch 

gesetzt. Aber das nicht, um „cool“ zu wirken oder um 

feucht fröhlich mit ihnen über ihre Erfahrungen zu plaudern, 

sondern wenn er bei diesen Menschen war, 

dann hat er das Gespräch bestimmt. 

Und wir wissen auch, worüber er mit ihnen gesprochen hat: 

Über die Vergebung der Schuld, über Umkehr 

und ein Neues Leben!

 

Das wird heute gerne „vergessen“, 

wenn Jesu Solidarität mit den Sündern hervor gehoben wird. 

Er hat ihnen dabei ins Gewissen geredet …

    - dass sie z. B. die Ehe achten sollten, 

    - dass sie ihre Eltern ehren sollten und 

    - dem „Kaiser geben, was ihm zusteht“

 

In unserem nach-christlichen Zeitalter heute

ist das total wichtig zu betonen, 

weil auch Christen - durch Gewohnheit - oft noch vieles tun, 

was sie ablegen sollten, 

weil es die Kennzeichen eines Lebens ohne Jesus trägt. 

 

Der Glaube an ihn unterscheidet, er trennt

zwischen einem Leben, in dem Jesus noch nicht das Sagen hatte

und einem Leben, das ihm die Ehre geben will. 

 

Denn "wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine

Schwester und meine Mutter", sagt Jesus!

 

Das ist die klare Gegenaussage zum oft gehörten Satz: 

Alle seien doch Jesu Brüder und Schwestern!

Nein, das ist nicht so. 

Gottes Willen … ist entscheidend … 

 

Deshalb …

 

 

II. Der Glaube an Gott verbindet! 

 

Zu Jesus gehört, wer auf ihn hört und ihm nachfolgt:

"Jesus sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen …“

 

Das waren seine Zuhörer! 

Und die nennt er "Brüder und Schwestern"!

Wie auch in Joh 15, Vers 3: "Ihr seid schon rein um des Wortes 

der Vergebung willen, das ich zu euch gesprochen habe". 

 

Hier liegt der Grund dafür, 

warum wir in jedem Gottesdienst ein Bibelwort auslegen 

und zu uns sprechen lassen!

Wir lesen nicht aus „Grimm’s Märchen“ oder aus Anleitungen

über „Positives Denken“!

 

Weil es einem Christen darum geht, 

die Worte von Jesus und von Gott zu hören!

Gottes Wort zu hören! 

Von Menschen aufgeschrieben unter den Bedingungen

ihrer Zeit, aber von Gottes Geist erfüllt … für alle Zeit!

 

Dieses Wort zu hören 

und leben zu wollen, 

das verbindet Christen mit Jesus und untereinander. 

 

Entscheidend ist das TUN, 

Gottes Willen zu TUN …

und wie sollten wir darüber im Bilde sein,

wenn wir Gottes Wort nicht regelmäßig hören!?

 

Gottes Wille ist es, der Menschen rettet. 

Und Jesus hat seine Aufgabe darin gesehen, 

Menschen dahin zu führen, 

dass sie im Jüngsten Gericht bestehen können. 

Deshalb hat Gott ihn in diese Welt geschickt

und hat ihn für unsere Sünden büßen lassen. 

Deshalb war Jesus so wahnsinnig traurig auf seinem Weg 

ans Kreuz, weil ihn diese Last - unsere Last, unsere Sünde 

angesichts des schweren Jüngsten Gerichts so 

niedergedrückt hat!

 

Wer „tut Gottes Willen“?

 

Nicht der, der „stets redlich sich bemüht …“, 

wie es unser Dichterfürst Goethe immer wieder gesagt hat!

Gottes Willen „tut“, 

der sich unter Gottes Willen beugt 

und Jesus um Vergebung bittet!

Weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist …

Und danach mit dem Heiligen Geist Gottes Willen fröhlich lebt, 

ihn nicht abschwächt oder umbiegt,

auch wenn ihn das bei Nichtchristen zum Außenseiter macht. 

 

Entscheidend ist jetzt, dass ich mit Gott verbunden bin, 

„was sollen mir da Menschen noch tun?“

 

Gottes Willen zu tun, 

dazu gehört auch, 

dass wir Gott und einander Freude machen!

Denn die, die Jesus "Bruder und Schwester" nennt, 

die sind quasi in eine neue Familie aufgenommen worden, 

die „Familie von Jesus“, 

oder die „Familie Gottes“. 

Da steht der Vater im Himmel im Mittelpunkt. 

Und seine Kinder, die ihm Freude machen wollen …

 

Auch in einem Sonntagsgottesdienst wie heute tun wir das:

Wir hören auf ihn, loben ihn, bitten ihn um seine Hilfe, 

legen am Schluss Geld zum Opfer zusammen

und gehen - das wünscht sich Gott - danach 

zurück in den Alttag mit dem Wunsch, 

unsere Kraft und Zeit für ihn einzusetzen. 

 

Darin sind Christen eine weltweite Familie, 

in der sie Jesus nachfolgen! 

(> Einige sind aus FSJ im Ausland zurück: Haben Sie das erlebt?

Fragen Sie sie!)

 

 

 

III. Der Glaube an Gott einigt in der Gemeinde! 

 

Für die Zeit von Jesus war es total neu und ungewohnt, 

dass er auch die "Schwestern" erwähnt 

und zur Familie Gottes zählt. 

 

Denn in geistlicher Hinsicht hat damals eine Frau 

nur wenig gegolten.

 

Noch 200 Jahre später verkämpft sich ein Bischof Origenes 

in seinen Predigten dafür, dass auch die Frau eine Seele habe

und in den Himmel kommen könne. 

Und das, obwohl schon in der Bibel ganz eindeutig steht: 

"Da ist weder Mann noch Frau, sie sind alle eines in Christus“ (Gal 3,28).

 

So eine Diskussion kommt uns heute ziemlich „unterirdisch“ vor. 

Weil doch klar ist: Jesus ist für Mann und Frau gestorben!

 

Schon in der Urgemeinde hat sich die neue Wertschätzung

der Frau ausgewirkt, die von Jesus ausgegangen ist:

    - Sie darf jetzt am Gottesdienst teilnehmen [am Tempelgottes-

        dienst war das nicht so, für sie gab es dort den 

        Vorhof der Frauen!] 

    - Sie betet jetzt selbstverständlich laut, lesen wir in der Bibel

    - und sie bekommt wichtige Aufgaben in der Gemeinde.

 

Bis heute: Ohne zuverlässige Frauen in der Gemeinde -

wäre Vieles überhaupt nicht mehr denkbar!

[Besuchsdienste, Gemeindefeste (bald ist es wieder so weit - Wer 

backt einen Kuchen? - auch Männer können das, ganz bestimmt, 

aber die meisten kommen doch von den Frauen!), 

Wer bedient am Fest? u. u. u.]

aber auch in der Kindergottesdienstarbeit, in Jungscharen …

Oft sind Frauen die tragenden „Säulen“!

 

So können wir sagen, wenn wir unseren Predigttext noch einmal 

Revue passieren lassen: 

Jesus beruft Männer und Frauen in die Gemeinde Gottes, 

und vergleicht sie mit einer neuen Familie!

Eine Familie, in die man nicht hineingeboren wird!  

Sondern in die jemand „aufgenommen wird“ von Jesus, 

wenn er oder sie sich ihm anschließt und seinen Willen tut. 

 

Diese neue Familie setzt mich u. U. in meiner biologischen 

Familie und bei alten Freunden ins „Aus“, 

sie gibt mir aber unvergleichlich viel mehr, 

sie verbindet mit dem heiligen und lebendigen Gott, 

mit vielen neuen Brüdern und Schwestern („Freunden Jesu“)

weltweit, die sich so darüber freuen, dass Jesus sie gerettet hat, 

dass sie zur Ehre Gottes leben wollen. 

 

Danke, Jesus, für diese neue Familie!

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
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Freitag, 19.10.2018
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Dienstag, 23.10.2018
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Chorprobe im GH in Schwann