2014-08-31

Predigt über 2. Samuel 15,1-12 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

im Predigttext heute geht es um einen der ganz großen 

Namen der Bibel, um König David.

Das ist ein Name, der schon damals zu seiner Zeit 

einen guten Klang hatte und der bis heute geblieben ist. 

Wer einmal nach Jerusalem kommt, der wird das merken:

Jede dritte Kneipe heißt da "David's Pub" (Davids Gasthaus),

da gibt es den Davidsstern, den Davidsturm und das

Grab Davids auf dem Zionsberg.

Kaum eine Ecke, die nicht mit David zu tun hätte.

 

König David hat Israel eine ganz große Glanzzeit gebracht.

Zu seiner Regierungszeit war das Land geeinigt, 

Israel erlebt eine große Machtentfaltung und die 

Menschen lebten in Sicherheit und Wohlstand. 

(Die Philister im Gaza-Streifen hatte er besiegt … 

wenigstens zu seiner Zeit war an dieser Stelle Ruhe …)

 

Dieser König David war ein absolut erfolgreicher Mann.

Gott hat seine schützende Hand über ihn gehalten, 

mehrfach.

Seine Psalmen und Lieder zeigen das immer wieder.

Einen sehr bekannten Davidspsalm 

haben wir vorhin im Wechsel gebetet (Ps 51).

 

David erlebt in dieser Zeit gerade so was wie seine 

Midlife-Crisis (eine Orientierungskrise, wie sie viele Männer befällt,

wenn sie auf die „50“ zugehen ...): 

Er setzt schon ein bisschen Übergewicht an 

und hat einfach keine Lust mehr, jeden Sommer in den 

Armeezelten seiner siegreichen Heere zu vollbringen. 

Er beschließt: "Ich bleib dieses Jahr mal zu Hause.

Ich lasse die Armee für mich kämpfen!"

 

Und während er so zu Hause ist und nicht viel zu tun hat,

geht er nach oben - auf dem Dachgarten spazieren …

der gehörte damals zu einem königlichen Penthouse. 

 

Eines Tages erblickt sein Auge in der Nähe eine holde Dame,

die sich gerade im Innenhof ihres Hauses badet. 

Und David sagt sich: "Die musst du dir holen!“

Gesagt getan!

Als König stehen David schließlich alle Mittel zur Verfügung und 

er lässt sie zu sich holen.

 

Auch Sie war wohl nicht ganz abgeneigt 

und so kommt es, wie es kommen muss: 

David bricht die Ehe mit ihr!

Der Mann dieser Frau ist nämlich Offizier im Heer von David. 

Das alles war nur der Anfang ...

 

Denn es geht noch weiter: Empfängnisverhütung gab es noch nicht …

Die Frau, sie heißt Batseba, wird schwanger!

 

Aber was soll‘s: David denkt sich David einen geschickten 

Plan aus, um die Angelegenheit zu vertuschen.

Batsebas Mann - Uria - kriegt Sonderurlaub und darf

seine Frau daheim besuchen und zwar ganz kurz 

nach dem besagten Ehebruch. 

 

David sagt zu ihm: "Ich hab’ gehört, wie tapfer du kämpfst.

Ich dachte, du brauchst ein bisschen Erholungsurlaub.

Mach's dir bequem und geh erst mal nach Hause!"

Uria - als pflichtbewusster Soldat - aber sagt sich:

"Das kann ich nicht übers Herz bringen.

Während meine Kameraden an der Front im Dreck liegen, 

soll ich jetzt daheim Komforturlaub machen?"

 

So legt er sich in aller Öffentlichkeit auf die Palaststufen 

und schläft da. Und jeder sieht, dass Uria nicht zuhause

gewesen ist, dass er nicht bei seiner Frau geschlafen hat. 

 

Da ist es dann auch schnell klar, dass das Kind, das da 

kommt, auch nicht von ihm sein kann! 

Und wir stehen damit am Anfang einer Kettenreaktion des 

Unrechts!  

 

David schickt ihn mit einem Brief an Joab, den General, zurück. 

Lesen darf er ihn nicht und er tut es wohl auch nicht, 

denn er enthält sein eigenes Todesurteil. 

David gibt seinem General den Befehl, dafür zu sorgen, 

dass Uria in vorderster Reihe fallen soll. 

Aber alles soll wie ein "Heldentod" aussehen.

Und so wird David nicht nur zum Ehebrecher, sondern auch -

zum Mörder.   

 

Es ist erschreckend zu sehen, wie bei David die eine Sünde 

wie bei einer Kettenreaktion gleich zur nächsten führt. 

 

Und wir wissen bestimmt auch aus unserem eigenen Leben,

- dass wir die eine Sünde mit der anderen Sünde decken müssen,

   wenn wir sie nicht bekennen wollen,

- dass Sünde um sich greift, dass da auf einmal eine Macht da ist,

   die bewirkt, dass man immer weitermachen muss,

   um eine Sache irgendwie unter Kontrolle zu behalten. 

 

Aber das, was vor den Menschen verborgen war,

bleibz Gott nicht verborgen!  

 

Unser Predigttext aus 2. Sam. 12, 1-15 setzt hier an:

„1 Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, 

sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der 

eine reich, der andere arm. 2 Der Reiche hatte sehr viele Schafe 

und Rinder; 3 aber der Arme hatte nichts als ein einziges 

kleines Schäfchen, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass 

es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. 

Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und 

schlief in seinem Schoß und er hielt's wie eine Tochter. 

4 Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er's nicht 

über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um 

dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war, 

sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete 

es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. 5 Da geriet David 

in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr 

der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan 

hat! 6 Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan 

und sein eigenes geschont hat. 7 Da sprach Nathan zu David: 

Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe 

dich zum König über Israel gesalbt und habe dich errettet aus 

der Hand Sauls 8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, 

dazu seine Frauen, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; 

und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun. 9 Warum 

hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, 

was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem 

Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber 

hast du umgebracht durchs Schwert der Ammoniter. 10 Nun, so 

soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du 

mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, 

dass sie deine Frau sei. 11 So spricht der HERR: Siehe, ich will 

Unheil über dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und 

will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem 

Nächsten geben, dass er bei ihnen liegen soll an der lichten Sonne. 

12 Denn du hast's heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz 

Israel und im Licht der Sonne. 13 Da sprach David zu Nathan: 

Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: 

So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst 

nicht sterben. 14 Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese 

Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren 

ist, (des Todes) sterben. 15 Und Nathan ging heim. Und der HERR 

schlug das Kind, das Urias Frau David geboren hatte, so dass es 

todkrank wurde.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

in Davids Ehrlichkeit kommt seine wahre Größe zum Ausdruck!

Indem er nicht leugnet und nichts (weg-)erklärt, sondern Buße tut. 

Der stolze König gibt sich geschlagen!

In Psalm 51 bittet er:

"Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden

nach deiner großen Barmherzigkeit. 

Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von 

meiner Sünde, denn ich erkenne meine Missetat 

und meine Sünde ist immer vor mir ...

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen 

neuen, beständigen Geist.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm 

deinen heiligen Geist nicht von mir".

 

Nathans Erzählung lässt David erkennen, wie es um ihn steht, 

dass seine Affäre kein Lapsus war, 

sondern aus dem Wollen des eigenen Herzens kommt, 

aus der Lust, die keine Zügel kennt. 

 

Auch bei Jesus können wir hören: Die Sünde fängt im Herzen an:

Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, böse Worte, 

böse Taten (Ehebruch, Mord, Neid, Habgier, Diebstahl).

 

Kennen Sie diese Erfahrung auch? 

 

Ich finde: Das Bemerkenswerte an David ist nicht sein Erfolg, 

sind nicht seine Begabungen, 

bemerkenswert ist diese innere Linie, 

dass er bereit war, sich vor Gott zu demütigen. 

Das ist seine tiefste Sicht: "An dir allein habe ich gesündigt! 

An dir, Gott!" 

 

Haben Sie das schon realisiert?

Hat Ihnen Gott auch schon gezeugt, 

dass selbst wenn kein Mensch

sieht, was Sie tun, Gott es trotzdem sieht?

 

Die Frage ist nicht moralisierend gemeint!

Aber das, was ich tue, ist eine Realität.

Und selbst wenn kein Mensch diese Realität bemerkt,

so ist sie bei Gott doch bemerkt. 

 

David erschrickt über sie. 

Er bittet darum, dass Gott seinen Heiligen Geist nicht von 

ihm wegnimmt und ihn nicht vor seinem Angesicht verwirft. 

 

Haben Sie das schon einmal so gebetet? 

(Also ich schon, schon mehrmals!)  

 

Wir leben in einer Zeit, in der wir alles für selbstverständlich 

nehmen.

Wir halten es für selbstverständlich, 

dass Gott Liebe ist, dass Gott gut ist:

"Gott muss vergeben, das ist sein Geschäft", 

hat einmal ein französischer Philosoph gesagt. 

Es ist angeblich eine Selbstverständlichkeit, dass Gott vergibt,

aber das stimmt nicht! 

 

Auch wir heute brauchen wieder dieses Erschrecken, 

wie es David erlebt hat, um zu erkennen: 

Wir haben Gott überhaupt nicht im Sack, in der Tasche …

Auch ein Pfarrer kann nicht mit Gott spielen (Sie kennen

sicher die beliebten Witze mit Petrus an der Himmelstür … 

irgendwie lustig, aber auch gefährlich:
Denn an der Himmelstür gibt es keinen Kuh-Handel, 

da sind die Würfel längst gefallen, 

ob ich vor dem lebendigen und heiligen Gott bestehen 

kann oder nicht …)

 

Selbst Pfarrer müssen zu Gott immer wieder zurück kommen, 

brauchen dieses heilsame Erschrecken!

 

 

Bei David, liebe Gemeinde, fällt mir auf: 

Er misstraut auch sich selbst (ist kein oberflächlicher Typ).

Er weiß, er kann nicht dafür garantieren, dass er so etwas 

nicht noch mal macht!

Deshalb bittet er darum, dass Gott ihn verändert, 

mit einem willigen Geist ausrüstet:

"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz.

Rüste mich aus mit einem willigen Geist!"

Wer schon mal mit Sünde in seinem Leben gekämpft hat

(das ist übrigens ein gutes Zeichen, 

weil es nämlich zeigt, dass der heilige Geist in Ihnen am 

Wirken ist …), der versteht das!

Menschen, die sich dagegen für gut halten, 

für rechtschaffen, für mit sich und mit Gott im Reinen, 

die haben nach der Bibel den Heiligen Geist noch nicht …

die sind noch keine Kinder Gottes …

 

David aber bittet: 

"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz.

Rüste mich aus mit einem willigen Geist!"

Herr, hilf mir!

Verändere meinen Willen!

 

Hochmut, Gehässigkeit, aber auch Nachtragen (nicht vergeben 

wollen), das alles ist so schwer los zu werden!

Es zeigt uns aber auch unsere Grenzen, 

die wir nicht selber übersteigen können!

 

David vertraute nicht auf sich selber,  

und das ist das Großartige, 

dass er sich auch in seinem Versagen an Gott wendet. 

 

"Der HERR hat deine Sünde weggenommen" 

ist die befreiende Antwort, die er darauf bekommt. 

 

Aber ist diese Antwort nicht zu simpel? 

 

Aus eigenem Erleben kann ich sagen: Es ist so simpel:

Wo ich Schuld vor Gott (und manchmal auch Menschen) bekenne,

macht er mich wirklich frei davon (selbst wenn der andere mir nicht 

verzeihen will), 

Gott stellt hier mein Herz und meine Füße wieder auf 

"einen weiten Raum".

 

Die Ehebruchs-Geschichte Davids lädt uns dazu ein,

unsere persönliche Lebensschuld nicht einfach weiter zu

schleppen, sondern sie loszuwerden, am besten noch heute!

Mit Gott ins Reine zu kommen wie David es getan hat! 

 

Das kann eine Ehebruchsgeschichte sein, 

kann aber auch etwas ganz Anderes sein, 

wo ich erkenne: Auf meinem Leben liegt noch ein Schleier, 

etwas, das wirkt wie ein Netz, unter dem ich seltsam gefangen bin.  

Es belastet mein Leben, ja noch mehr: Es belastet mich vor Gott. 

Ich dulde an einer bestimmen Stelle noch Sünde, 

nehme Gott nicht ganz ernst. 

 

Aber ich will davon ganz frei werden. 

Gottes Wort ernst nehmen, 

weil es Leben schafft. 

 

Dann kommen Sie damit vor den lebendigen Gott!

Gerne helfe ich Ihnen dabei, 

wenn Sie es wollen. 

Und er wird tun, was er verspricht!

 

 

Über den Schluss der Geschichte müssen wir dann aber doch 

noch erschrecken: Wir können den Widerspruch nicht auflösen, 

dass dem schuldigen David vergeben wird, aber das 

unschuldige Kind sterben muss. 

Ich habe diesen Schlusssatz im Predigttext bewusst nicht 

weggelassen, auch wenn uns das Bibelwort ohne ihn

viel „runder“ vorkommt. 

 

Aber Gott ist nicht „rund“ … nicht in allem durchschaubar, 

auch was letztlich „gerecht“ ist, 

die Bewertung darüber sollen wir ihm überlassen. 

 

In jedem Fall macht er uns hier deutlich: 

Sünde ist nie nur Privatangelegenheit eines Einzelnen, 

sie zieht immer auch andere in Mitleidenschaft.

Sünde ist wie eine Kette, ein Glied ist verbunden mit dem 

anderen … denken Sie an Kriege, an Familien, in denen 

sich die Eltern vor den Kindern oder um die Kinder streiten …

Sünde zieht immer auch andere in Mitleidenschaft. 

 

Und vielleicht haben wir hier schon einen Hinweis darauf, was

Gott 1000 Jahre später selber tun wird:

Sein Sohn wird sterben um der Sünde anderer willen.

Um meiner und deiner Schuld(en) willen.

Der einzig Unschuldige, der je auf dieser Erde gelebt hat,

er stirbt, "auf dass wir Frieden hätten und um durch seine 

Wunden geheilt werden zu können“ (Jesaja 53).

Endlich … 

 

Und deshalb gilt seit Jesus um so mehr: 

Auch WIR können umkehren, neu beginnen!

Sünde loslassen und Gott folgen, Jesus folgen, 

dem Weg zum Leben. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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