2014-04-21 Ostermontag

Predigt über Apostelgeschichte 10,34-43 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Ostermontag aus der

Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 10, die Verse 34-43: 

„34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre 

ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35 sondern 

in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. 

36 Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden 

verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. 37 Ihr 

wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa 

nach der Taufe, die Johannes predigte, 38 wie Gott Jesus von 

Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist 

umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, 

die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39 Und 

wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und 

in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. 

40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen 

lassen, 41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher 

erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, 

nachdem er auferstanden war von den Toten. 42 Und er hat uns 

geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott 

bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten.43 Von 

diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, 

die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext heute schaut in die Welt der Kirche. 

Wir erleben dabei ein wichtiges Ereignis 

der jungen Gemeinde mit. 

Seit ihrer Geburt am Pfingstfest ist der kleine „Säugling Kirche“

noch nicht wirklich weit weg von seiner Wiege gekommen, 

wie es eigentlich gut gewesen wäre. 

 

Die Jerusalemer Gemeinde ist dabei, 

eine neue Lektion zu lernen 

und gleichzeitig einen Auftrag zu erfüllen: 

den Auftrag von Jesus zur Mission.

 

Das Evangelium, jene unerhörte, anstößige 

aber befreiende Predigt von Kreuz und von der Auferstehung 

Jesu muss unter die Leute. 

Das muss allen Menschen gesagt werden. 

 

Aber Mission ist nicht ein guter Brauch 

oder eine traditionelle Sitte der Kirche.

Das ist bis heute so geblieben …

 

Sondern sie ist ein klares Merkmal der Jesusleute. 

Schon am Ostertag hat das angefangen: »Geht und verkündigt« 

heißt der Osterbefehl der Engel am leeren Grab.

 

Aber wer genauer hinschaut:

Nicht immer - war die Kirche bereit zum Start: 

- Ein Leichtathlet wartet gespannt auf den Startschuss 

und stürmt mit dem Schuss aus der Pistole los was das Zeug hält.

- Der Startpfiff für die noch junge Kirche war der Missionsbefehl 

von Jesus: »Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern 

alle Völker« (Mt 28,19ff)

Aber dieser Startpfiff war scheinbar vergessen, 

als sich der Apostel Petrus und der römische Hauptmann Kornelius 

das erste Mal begegnen. 

 

In drei Schritten versuchen wir heute morgen nachzubuchstabieren, 

wie die Kirche dann doch noch aus den Startlöchern gekommen ist:

 

 

1. Ein Gesetz engt ein

»Mission« ist für viele ein negativ besetztes Wort. 

Auch in unseren Tagen. 

Es liegt vielen näher vom »Dialog« zu sprechen oder für 

»Toleranz« zu plädieren.

Jesus hat uns aber die Mission, 

die Sendung in seinem Namen ans Herz gelegt.

 

Versuchen wir uns mal vorzustellen, 

was Petrus denn vor der Begegnung mit Kornelius zum 

Thema Mission gesagt hätte: Höchstwahrscheinlich wäre er 

zu einem klaren »J-Ein!« gekommen.

 

Einerseits: »Ja, ich lass mich gerne senden zu Juden, 

denen ich Jesus, den Christus verkündigen will.« 

Und andererseits: »Nein, weil ich zu den Nichtjuden, 

also den Heiden, nicht gehen kann. 

Da mach ich mich ja kultisch unrein!«

 

»Aber Moment mal Petrus«, könnten wir einwenden, 

»hast du nicht den Missionsbefehl von Jesus gehört und erlebt, 

wie der Hauptmann von Kapernaum und die Frau aus dem 

syrophönezischen Gebiet zu Nachfolgern von Jesus wurden? 

Konnten damals bei deiner berühmten Pfingstpredigt 

nicht viele Nationen auf die Jesusbotschaft hören? 

Und hat nicht Philippus vor einiger Zeit an der Straße nach Gaza 

einen äthiopischen Minister getauft? 

Das alles waren doch nicht etwa Ausrutscher oder 

Missionsschwalben, die noch keinen Erweckungssommer 

machen?!«

 

Gott hatte doch in Jesus längst die Grenze vom Himmel 

zur Erde überschritten. 

Jesus hat die Grenzen von Tod und Krankheit überschritten. 

Und er hat längst die eng gezogenen Grenzzäune Satans 

niedergerissen, indem er viele aus seinen Klauen befreit hat.

 

Aber - da gibt es eben diese jüdischen Vorschriften, 

nach der kein Jude die Grenze zu einem Nichtjuden 

überschreiten dürfe. 

So ein Gesetz engt ein.

 

Sehen wir uns mal sein Quartier an: 

Petrus wohnt in jenen Wochen bei Simon, einem Gerber. 

Der übte einen ziemlich geruchsintensiven Beruf aus. 

Sein Haus stand deshalb einsam am Meer. 

Und genau dort, bei diesem Außenseiter, hat Petrus 

schließlich jene Vision, 

die eng mit dem Beruf seines Gastgebers zusammenhängt. 

 

Gott zeigt ihm eine Reihe von geschlachteten unreinen Tieren, 

die auf einem Tuch vom Himmel herab kommen. 

»Steh auf, schlachte und iss!«, 

heißt Gottes Befehl an den Apostel. 

 

Auf den Widerspruch des Petrus hin macht Gott ihm deutlich: 

»Ich habe doch alle Tiere erschaffen, Petrus, 

lass jetzt einfach mal die alte jüdische Einteilung von rein und unrein weg. 

Unten stehen drei Männer und rufen nach dir. 

Es sind Heiden, aber geh mit ihnen und zweifle nicht mehr, 

denn ich habe sie gesandt.«

 

 

2. Ein Hauptmann blickt durch

Kornelius war ein Soldat. Ein stolzer Römer. 

Ein Offizier, der mitsamt seiner berühmten »Italischen Abteilung« 

an den Ostrand des römischen Imperiums versetzt worden ist. 

Als langgedienter Offizier kennt er nicht nur die schmutzigsten Zoten, 

er folgt auch noch der römischen Staatsreligion, dem Kaiserkult.

 

»Warum nur musste ich ausgerechnet hierher versetzt werden, 

wo jeder Quadratmeter Boden irgendwie nach der Heiligkeit 

eines fremden Gottes riecht?«, 

hat er sich vielleicht gefragt. 

 

Wir erfahren darüber nichts, wie’s zuging, 

aber es war eine Maßarbeit Gottes, 

dass dieser Soldat hier begriffen hat, 

dass der Gott Israels ein lebendiger Gott ist, 

zu dem man beten kann!

 

Kornelius, der Hauptmann, blickt durch. 

Als er noch vor Petrus’ Ansprache 

seine Bekannten in seinem Haus begrüßt, 

wählt er diese Worte: 

»Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen.«

 

Das ist im Grunde genau das Gleiche, 

wie wenn wir unseren Gottesdienst im Namen des 

dreieinigen Gottes beginnen. 

Das hat dieser Hauptmann also begriffen.

 

Wirklich erstaunlich!

In den Augen der stolzen Römer war ja der Gott Israels 

ein Gott der Verlierer. 

Die werden untereinander etwa so geredet haben: 

»Stell dir deren Gott vor: Der ist so schwach, 

dass er seinem Volk nicht beistehen kann. 

Wir sind die Sieger. 

Und dann hat er noch scheinbar seinen Sohn geschickt. 

Aber wir haben ihn ans Kreuz gebracht. 

Und das nennt sich Gott.«

 

Kornelius blickt durch: Vor diesem - scheinbar schwachen -

Gott hat er gefastet und ihn angefleht: 

»Hol mich raus aus dem verlogenen kaiserlichen Religions-

gehabe. Zeige dich, du Gott Israels, wenn das wahr ist, 

was ich im Offizierskasino habe munkeln hören, 

dass du deinen Sohn vom Tod erweckt hast. 

Sei mir gnädig, du Lebendiger, 

zu dir bete ich, 

ich will nicht mehr sterbliche Menschen anbeten.«

 

Ein Hauptmann blickt durch, weil Gott ihn gnädig ansieht. 

Gott antwortet ihm und sendet ihm dazu einen Engel: 

»Kornelius, lass dir den Jünger Petrus ins Haus kommen, 

der wohnt gerade beim Gerber Simon in Joppe, 

draußen am Meer.«

 

Zur Mission - selbst sendet Gott keine Engel, 

dazu will er sterbliche und fehlbare Menschen gebrauchen. 

Und der Weg zur Mission, der geht nicht nur nach Afrika 

oder Asien, sondern auch von Joppe nach Cäsarea, 

und bei uns in den Nachbarort, 

oder ins Nachbarhaus.

 

 

 

3. Ein Apostel lernt um

Petrus ist ständig am Dazulernen. 

Seit er mit Jesus geht, hat er viel gelernt. 

Erst lernt er, nicht mehr seiner eigenen Kraft zu vertrauen, 

sondern dem Wort von Jesus. 

 

Er lernt auch, das Schwert stecken zu lassen 

und mit den Waffen der Liebe Gottes zu kämpfen. 

Aber hier kriegt er noch eine ganz neue Lektion auf: 

Jetzt muss die junge Kirche neu auf den Startpfiff hören: 

»Auch die gesamte Heidenwelt soll von Jesus hören! – 

Und jetzt -, Petrus -, fang bei dem heidnisch-römischen Soldaten 

an, der zu deiner Besatzungsmacht gehört. 

Er heißt Kornelius. 

Geh in sein Haus. 

Überschreite die Grenzen deines Denkens, 

überschreite die Grenze von Juden und Heiden 

und erfülle meinen Auftrag, 

alle Völker zu Jüngern zu machen.«

 

Jetzt erst begreift auch Petrus, 

wie das mit dem Missionsbefehl von Jesus gemeint war: 

Auch die Heiden, die Fernen sollen zu Jesus gehören. 

Deshalb beginnt er mit diesen Worten seine Predigt 

in der ersten Hausgemeinde des römischen Hauptmanns: 

»Jetzt erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht 

ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, 

der ist ihm angenehm«.

 

Viele von uns denken womöglich, dass sie nicht zum Predigen 

berufen sind. 

Beim Stichwort »predigen« kommt uns zuerst der Pfarrer 

in den Sinn.

Aber Petrus war Fischer …

 

»Wir wollen nur hören, was dir der Herr befohlen hat«, 

hat Kornelius bei seiner Begrüßung gesagt. 

»Wir wollen keine rhetorisch geschliffene Kanzelrede. 

Sage uns nur das, was der Herr uns sagen will!«

 

Persönlich bin ich heute noch froh - an manchen Mitarbeitern -

aus der Zeit, als ich in eine Jungschar ging, 

die den Mut hatten, nicht nur Spiele mit uns Jungs zu machen, 

sondern konkret zum Glauben einzuladen …

(auch wenn ihre Andachten manchmal ziemlich 

zusammen gestupfelt und langweilig waren …)

Einladen zum Glauben kommt an, 

wenn Menschen es wagen, auch wenn sie sich unfähig fühlen …

Es ist wie beim Schwimmen lernen: 

Schwimmen lernt man bis heute durch Schwimmen. 

Man muss erstmal ins Wasser

und dann kann man sich ein paar Bewegungen zeigen lassen, 

aber vom Beckenrand aus geht das nicht …

 

„Learning by doing“, Lernen durch Anwenden …

 

Einige Andachten aus meiner Jungscharzeit 

waren für mich echte Fischerworte

und weil sie nicht so „perfekt“ waren, 

auch Mutmacher, es später selber einfach zu versuchen …

 

Da habe ich was Bodenständiges gespürt, 

was mit meinem Leben zu tun hatte – den Herzschlag des 

Glaubens - und die Liebe, Menschen zu retten

(kein Ringelpietz, kein Zeitvertreib - dafür haben wir 

dann noch eine Dreiviertel Stunde gekickt!)

 

Und so ähnlich - hält Petrus -mit seiner schweren galiläischen 

Zunge vor den römischen Honoratioren diese klare Predigt. 

Ganz schlicht spricht er davon, wie Jesus wirkt: 

in der Kraft Gottes; 

wie er verzagten Menschen geholfen hat, 

wie er Kranke heil gemacht 

und Besessene von dunklen Bindungen befreit hat. 

Und vor allem, wie Gott ihn ins Leiden geschickt, 

aber auch wieder ins Leben gerufen hat.

 

So - überschreitet - das Evangelium Grenzen. 

Das hat der Hauptmann Kornelius verstanden.

Das Evangelium muss nicht verwaltet, 

sondern es muss den Leuten verkündigt werden. 

 

Und wenn auch unsere Kirche daran wieder neu 

ihren eigentlichen Auftrag entdeckt, 

dann wird sie sicher anders dastehen. 

Denn mit Karfreitag und Ostern ist ihr eine unvergleichliche

Siegesbotschaft anvertraut.

Wenn sie auf der „hocken“ bleibt, 

dann geht es ihr wie mit dem 5. Advent: 

Sie wissen schon: „… und wenn die fünfte Kerze brennt, 

dann hast du Weihnachten verpennt“. 

 

Also, warum in aller Welt gehen wir nur so schwer los? 

Warum denken so viele: »Ja genau, die Kirche, das sind die Leitenden, 

die Ausgebildeten, die Berufenen.«

 

Aber die Kirche – das sind wir, Sie und ich. 

Wir müssen ab sofort unsere selbst gezogenen Grenzen 

und unsere Vorbehalte überschreiten, 

damit die, die noch nicht zu Jesus gehören, 

seine Liebe kennen lernen

und Rettung erfahren. 

 

Wie hat Petrus doch gleich gesagt? 

 

»Dafür sind wir Zeugen, wir haben das alles miterlebt.« 

Das ist mit der entscheidende Satz in seiner Predigt. 

Er gibt Zeugnis, mehr nicht! 

Aber auch nicht weniger. 

Und das können Sie auch: 

Erzählen, was Sie mit Jesus erlebt haben!

 

So kommt die Gemeinde aus den Startlöchern. 

Den Startpfiff hat sie lange schon.

 

Das Evangelium ist lebendig, 

weil Jesus neues, ewiges Leben schafft. 

 

Lasst euch von Petrus ermutigen und bezeugt Jesus!

 

Jesus lebt. 

Dafür seid ihr Zeugen! 

Tragt’s in die Häuser. 

Denn ein Kornelius wohnt bestimmt ganz in eurer Nähe.    

Amen.

 

(Ich danke Pfarrer R. Hoene für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 19.06.2018
17:45 Uhr:
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19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 20.06.2018
19:00 Uhr:
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Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann