2014-03-30 Jubelkonfirmation

Predigt über Jeremia 31,31-34 anlässlich Jubelkonfirmation / Pfarrer Friedhelm Bühner

Goldene und diamantene Konfirmation am 30. März 2014 bei traumhaftem Wetter

Das Fest der Goldenen Konfirmation feierten am vergangenen Sonntag in der Schlosskirche Willy Conzelmann, Fritz Gauss, Melitta Greul, Liesel Koplin, Hans Pfrommer, Werner Stierle, Otto Wankmüller, Ursula Wankmüller und Eckhardt Weiss. Pfarrer Dieter Vallon freute sich dabei sein zu können, denn es war seine erste Konfirmandengruppe in Schwann im Jahr 1964. 

Ihre Diamantene Konfirmation feierten an diesem Tag Manfred Gentner, Erika Gorgus, Britte van Hasselt, Helga Klink, Renate Knöller, Rolf Merkle, Ute Merkle, Siegwald Renninger, Fritz Reutter, Rolf Wacker, Hanna Williams, Christa Zimmermann, Dieter Brodbeck und Marianne Wurst. Die weiteste Anreise hatte Hanna Williams, geborene Gengenbach, die extra aus dem Vereinigten Königreich anreiste, eine Tochter von Pfarrer Karl Gengenbach, dem einstigen Gemeindepfarrer und Konfirmator. Der Festgottesdienst in Schwann wurde vom San-Sebastian-Chor festlich mitgestaltet. Beide Gruppen stellten sich nach dem Gottesdienst fröhlich zum Gruppenbild auf und freuten sich auf einen schönen gemeinsamen Tag nach so langer Zeit - gemeinsam mit Pfarrer Friedhelm Bühner.

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Liebe Festgemeinde, liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn in den vergangenen Jahren mit Gott 

gemacht? 

 

Können Sie sagen: Ja,  „Du bist die Kraft, dir mir oft

fehlt (wie es Chor gerade gesungen hat)!?

oder sind Sie heute einfach mal gekommen, 

weil es doch was hat, sich nach so langer Zeit mal wieder zu treffen,

zu erfahren, ob es den anderen besser oder schlechter als einem 

selbst geht …

aber eigentlich … eigentlich haben Sie den Faden zu Gott vielleicht 

verloren, oder gar nie so richtig gefunden, trotz Konfirmation damals?

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

Einzelne haben das durchblicken lassen bei ihrer Rückmeldung

und ich finde das nur ehrlich!

 

Als Sie konfirmiert wurden, da war das Leben noch deutlich

schlichter als heute, 

da gab es längt nicht so viele Optionen für die Berufswahl, 

da hieß es in dem meisten Fällen, 

sich nach der Decke zu strecken. 

 

1954 - als Sie, liebe Diamantkonfirmanden Gott ihre 

Treue gelobt haben und ins volle Leben gestartet sind, 

da heißt es in einem Jahresrückblick:

„Der wirtschaftliche Aufschwung hält weiter an, technischer Fortschritt

zeigt sich überall. Aber auch Unglücke, Naturkatastrophen und Kriege

finden in diesem Jahr statt. In Indochina endet die französische

Kolonialherrschaft. Deutschland wird zum ersten Mal Fußball-

Weltmeister.“

 

Pfarrer Gengenbach hat sie zwei Jahre lang im Glauben

unterrichtet. Streng, aber wie mir manche sagen, 

auch aus tiefer Überzeugung. 

Viele Verse mussten gelernt werden und Sprüche, 

wer sie nicht konnte, hat sie auch schon mal zur Strafe abschreiben 

müssen. 

Aber es ist manches segensreich hängen geblieben. 

So war das 1954. 

 

Zehn Jahre später, 1964, da sind Sie, liebe Goldkonfirmanden,

mit dem Segen Gottes durchgestartet. 

„In der Sowjetunion ist gab es einen Machtwechsel. 

Chruschtschow ist gestürzt worden, in den USA wird die 

Rassentrennung unter Strafe gestellt. Viele DDR-Bürger

fliehen in den Westen. Der Einmillionste Gastarbeiter aus 

Portugal wird begrüßt.“

 

Pfarrer V., der heute auch hier im Gottesdienst ist, 

hat im Konfirmandenregister notiert: „Alle Konfirmanden wurden 

zwei Jahre lang in der evang. Lehre unterwiesen“ … 

 

Schon der Vergleich der Konfirmandenbilder zeigt, 

es hat sich viel verändert: Neue Frisuren, moderne Kleidung, 

„forschere“ Blicke der Konfirmanden, 

eine neue selbstbewusste Jugend blickt einen da an …

 

Nach und nach ist (mehr in Schwann als in Dennach)

auch Jugendarbeit entstanden: Jungscharen, zeitweise

ein Jugendkreis …

 

Was ist davon geblieben?

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

seine Nähe gesucht im Gottesdienst?

Und große Dinge mit ihm erlebt!?

Oder erschien Ihnen die Konfirmandenzeit mehr als 

„verlorene Zeit“, kaum lebenstauglich?

 

Vielleicht haben Sie Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat dazu geführt, 

dass Sie an diesem Gott irre geworden sind,  

weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten

oder Anderes ist Ihnen wichtiger geworden?

 

Wie auch immer, Er hat Sie nie aus dem Blick verloren,

hat sie vielfach bewahrt und mit Liebe umgeben, 

sucht bis heute jeden Tag neu ihre dankbare Antwort. 

 

So hören wir heute sein Wort aus Jeremia 31, die 

Verse 31-34:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem 

Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, 

als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, 

ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr HERR 

war, spricht der HERR; 

sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel

schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein 

Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie 

sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 

Und es wird keiner den anderen noch ein Bruder den anderen 

lehren und sagen: „Erkenne den HERRN“, sondern sie sollen 

mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR;

denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde 

nimmermehr gedenken.“

 

 

Liebe Festgemeinde, liebe ehemalige und neue Konfirmanden,

eine alte indische Fabel erzählt von einer Maus, 

die in großer und ständiger Angst vor der Katze lebte. 

Ein Zauberer hatte Erbarmen mit der Maus und 

verwandelte sie in eine Katze. 

Aber jetzt hatte die Maus, die in eine Katze verwandelt worden war, 

eine ständige Angst vor dem Hund. 

Also verwandelte sie der Zauberer in einen großen Hund. 

Doch jetzt als Hund fürchtete sie den Panther. 

Und der Zauberer verwandelte sie in einen Panther.

Aber jetzt hatte sie Angst vor dem Jäger.

Da gab der Zauberer auf, verwandelte sie wieder in eine Maus zurück

und sagte: „Dir wird keine äußere Verwandlung helfen, 

denn du hast immer das Herz einer Maus!“

 

Der Zauberer konnte das Grundproblem der Maus nicht lösen. 

Ihr Herz war und blieb ängstlich. 

 

Diese Fabel wirft ein Schlaglicht auf das unser Herz. 

Es bleibt dasselbe, egal welche Rollen wir spielen, 

egal in welchen Positionen wir stehen, 

wie wir uns nach außen darstellen - oder aufspielen. 

 

Der Mensch bleibt im Kern immer derselbe. 

Am Anfang ist da so ein kleiner Trotzkopf, 

der unbedingt seinen Willen haben will. 

Bis zum Erwachsenen, der wegen einer Nichtigkeit

gegen den Nachbarn vor Gericht zieht. 

 

Wie oft haben wir gehört, 

dass die Welt seit dem 11. September 2001 eine andere 

geworden sei?

Ist sie das?

Nicht wirklich. Sie ist die Alte geblieben!

 

Wie sieht es mit unserem Herzen aus?

Erschrecken Sie auch manchmal über sich selber?

Also ich schon!

Wenn ich nämlich merke, was neben dem wohl 

Sortierten und Gehüteten noch in mir steckt!

Die Gedanken sind solche Indikatoren …

 

Deshalb: Nur wer das menschl. Herz verändert, 

kann etwas Grundsätzliches verändern!

Große Worte, Appelle, soziales tun schaffen das nicht …

 

Wenn die Bibel von „Herz“ redet, dann meint sie das Innere des

Menschen, den Sitz seiner Empfindungen und Gedanken, 

die Entscheidungszentrale!

Über sie klagt der Prophet Jeremia. 

 

Dabei hatte alles so gut angefangen: 

Er erinnert an den alten Bund, den Gott mit Israel geschlossen hatte.

Am Berg Sinai hat er ihnen fest versprochen: 

„Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“ 

Und sie haben von Herzen Ja gesagt!

 

Da hat er ihnen seine Gebote gegeben, 

als Leitlinien zu einem Leben, das gelingt und Gott segnen wird. 

„Du sollst den HERRN, deinen Gott lieben von ganzem Herzen 

und von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und wiederum: 

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

So ein Starsatz aus der Konfirmandenzeit ...

Liebe Gott und deinen Nächsten!

 

Gott hat auch SIE - aus Liebe - immer wieder zu sich gezogen, 

so wie er damals die Leute aus Ägypten befreit hat. 

Er ist wie ein guter Vater. 

 

Aber enttäuscht stellt Jeremia fest: 

Sie halten meinen Bund nicht. 

Sie schalten auf Durchzug, wenn Gott redet

und lassen seine Mahnungen ins Leere laufen. 

Ein Scherbenhaufen bleibt übrig von Gottes Bund. 

 

Das kann auch bei uns so sein, 

die wir einmal an unserer Konfirmation zu diesem 

Bund mit Gott ja gesagt haben. 

Aber danach hat uns unser Herz von Gott weg geführt ...

Liebe, Ehre, Karriere, Geld waren uns wichtiger. 

Das geht so schleichend und auf einmal ist der Kontakt 

weg, die Leitung zu Gott tot, nur noch seltsame 

Entschuldigungen …

 

Aber Gott lässt das nicht kalt, 

er ist auch nicht der harmlose „liebe Gott“, 

den sich manche so richtig „treudoof“ irgendwo hinterm 

Horizont vorstellen und der zu allem JA und AMEN sagt, 

den man nicht wirklich erst nehmen muss. 

 

So war Gott damals mit seinem Volk am Ende. 

Er hätte endgültig Schluss machen können, 

es wäre verständlich gewesen. 

Sie waren selber Schuld, diese Menschen, 

mit ihrem alten, kalten und lieblosen Herzen … 

 

Aber - Gott ist so unglaublich anders!

 

Er freut sich nicht über Scherben, 

über einen zerbrochenen Bund. 

 

Nein, Gott hat kein trotziges Herz wie wir Menschen. 

Sonst hätte er anders reagiert. 

Er schlägt auch nicht blindlings drein, 

sondern gibt den Menschen noch mal eine Chance, 

eine große - letzte - und das ist seine Botschaft hier 

an sein Volk. 

 

Von sich aus eröffnet er einen Neuen Bund, 

fängt noch einmal von vorne mit uns an,

verschweigt den Vertragsbruch nicht. 

 

Und sagt doch: Ich trage nicht nach, 

ich kann „vergeben und vergessen“

und kündigt einen Neuanfang mit den Menschen an, 

mit neuer Therapie … weil das menschlich Herz sonst 

nicht umzudrehen ist. 

 

Appelle bringen nichts. 

Keim Mensch ist aus eigener Kraft fähig, 

Gottes Willen zu tun. 

Die Hilfe muss von außen kommen, 

genauer gesagt von oben. 

 

Und Gott lässt sie durch den Propheten Jeremia ankündigen:

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn 

schreiben.“ 

Die zwei Steintafeln mit den zehn Geboten Gottes 

sind in unseren Herzen nicht verankert, nicht angekommen!

Wir können sie auswendig lernen, pauken, aber 

von Herzen tun? - Gerne? Aus eigenem Antrieb? 

Nicht mehr als lästige Pflicht?

Wer kann das von sich aus?

 

Niemand hat das je geschafft!

 

Und deshalb schafft Gott selber - das gehorsame Herz!

 

Wenn wir danach fragen, wie das zugehen soll, 

dann finden wir beim Propheten Hesekiel eine Spur: 

Im Namen Gottes verkündigt er: 

„Ich will ihnen ein anderes Herz geben 

und einen neuen Geist in sie geben.“ 

 

Damit sind wir schon fast im Neuen Testament, 

bei Jesus 

und wozu er in diese Welt kam, 

in der doch das alte Herz alles bestimmt. 

 

ER kam, weil Gott durch IHN das neue gehorsame Herz 

schaffen will. 

In mir und in Dir. 

 

Nicht aus uns heraus durch Anstrengung und Gutes tun,

sondern durch eine Herz-Transplantation: 

Das Herz von Jesus - für - mein altes Herz. 

So will Gott mit jedem von uns einen neuen Bund schließen.

 

Praktisch sieht diese Herz-Transplantation so aus,

dass ich zuerst einmal einsehen muss, 

dass ich dieses neue Herz von Jesus tatsächlich brauche

und nicht länger versuche, mich vor dieser OP zu drücken …

 

Und ich muss es vor Gott bekennen: 

So wie ich bin (egal wie anständig, sozial und mitmenschlich), 

kann ich nicht bestehen. 

Ich werde Deinen Bund mit mir niemals erfüllen können. 

 

Deshalb bitte ich Dich: Gib mir das neue gehorsame Herz, 

das ich brauche. Setze mich auf die Liste der Transplantations-

Kandidaten!

Denn ich will leben. 

Leben einem neuen Herzen - einem Herzen von Dir. 

 

„Um wie viel mehr, wird der Vater im Himmel euch, 

die ihr doch böse seid ..., den Heiligen Geist geben, 

wenn ihr ihn darum bittet!“, 

verspricht uns Jesus in Lukas 11, Vers 13. 

„… wenn ihr ihn darum bittet!“?

 

Auch heute, nach 50 oder 60 Jahren seit der Konfirmation

dürfen wir zu Gott kommen und bitten: 

Gib mir Deinen Heiligen Geist, ein neues Herz!

Ich will Dir gehören,

Dein Bund soll auch mit mir zum Ziel kommen.

 

Und dann wird sich so gut wie alles verändern: 

Gottes Geist wird von mir Besitz ergreifen, 

das Steuerrad meines Lebens übernehmen. 

 

Und ich werde Dinge aus der Bibel, 

die ich im Konfirmanden Unterricht vielleicht nur widerwillig

oder gar nicht gelernt habe, 

plötzlich in einem neuen Licht sehen. 

Gott wird mich durch sein Wort leiten und führen:

 

„ER wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, 

was ich euch gesagt habe“ (sagt Jesus von diesem Geist). 

Und das Neue: Ich werde es gerne tun, Gott gehorchen, 

auch dort, wo ich bisher einen großen Bogen drum herum 

gemacht habe.

 

Und Sie werden etwas erleben, 

was sie bisher nicht für möglich gehalten haben: 

Da ist plötzlich die Angst der Maus vor der Katze weg,

meine Lebensangst, 

die Angst vor dem Zu-kurz-Kommen,

vor dem Alter … und viele mehr .

 

Denn das neue Herz verbindet mich mit Gottes Herzen. 

Durch Jesus … er ist die Brücke …

Er macht alles neu … in IHM erkenne ich Gott, 

wie er wirklich ist … und beginne Gott zu lieben

und seine Gemeinde zu lieben, 

seine Nähe zu suchen. 

 

Dazu will ich ich uns alle ermutigen

und die Jubelkonfirmanden erinnern. 

 

Jesus lädt ein. 

Er lädt ein zum Herzen Gottes. 

Er ersetzt mein altes Herz durch ein neues, 

wenn … ich ihn darum bitte, 

wenn … ich umkehre und ihm nachfolge. 

 

In wenigen Wochen werden die aktuellen Konfirmanden

gefragt: 

„Wollt ihr mit Jesus Christus (als) eurem Herrn leben, 

im Glauben an ihn wachsen

und in seiner Gemeinde bleiben?“

 

Die Antwort darauf heißt: 

„Ja, ich will … und Du, barmherziger Gott, 

hilf mir dabei. Gib mir das neue Herz. 

Ich will dir von Herzen nachfolgen.“

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
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Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
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Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
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Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)