2014-01-26

Predigt über Apostelgeschichte 10,21-35 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

 

wann waren Sie zum letzten Mal in einem fremden Haus?

Wann waren Sie zuletzt in einem Haus, 

bei dem alles ganz anders ist als bei Ihnen daheim - 

und Sie merken das schon, während Sie noch vor der Tür stehen,

während Sie gerade über die Schwelle gehen

und ihnen ein ganz anderer „Odor“ (Geschack) entgegen kommt?

Sie sehen es an der Art der Möbel, 

hören es an der Musik im Hintergrund, 

die Sie an ihrem Radio nie einstellen würden.

 

Unser heutiger Predigttext erzählt von genau so einer Begegnung. 

Er nimmt uns mit hinein in die Geschichte, 

wie der Apostel Petrus in ein Haus gerufen wird, 

das ihm völlig fremd war. 

 

Wir hören als Predigttext für diesen Sonntag einige Verse aus 

der Apostelgeschichte 10(,21-35)

Dort heißt es: 

„21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, 

ich bin's, den ihr sucht; warum seid ihr hier? 22 Sie aber sprachen: 

Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann 

mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen 

von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein 

Haus und hören, was du zu sagen hast. 23 Da rief er sie herein 

und beherbergte sie. Am nächsten Tag machte er sich auf und zog 

mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Und am 

folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie 

und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammen-

gerufen. 25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen 

und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 26 Petrus aber richtete ihn 

auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.  27 Und 

während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die 

zusammengekommen waren. 28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, 

dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden 

umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, 

dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. 29 

Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt 

wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen. 

30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um 

die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein 

Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31 und sprach: 

Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht 

worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen 

Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des 

Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du 

hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier 

vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen 

ist. 34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre 

ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht;  35 sondern 

in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“

 

 

Liebe Gemeinde, lieber Konfirmanden, 

 

1Petrus steht vor der Frage: Hingehen oder Abwarten?

Von allein hätte Petrus diesen Schritt nie gewagt. 

Von Kind auf hat er das gehört, 

war ihm eingeprägt worden: 

„Geh nicht in das Haus eines Heiden! Das ist schmutzig, unrein. 

Die glauben nicht an Gott. 

Sie halten sich nicht an seine Gebote.

Lass dich nicht mit ihnen ein. 

Rede nicht mehr mit ihnen, als Du musst.

Lass Dich nicht von ihnen verführen. 

Bleib‘ auf Deinem Weg!“

 

Freiwillig in das Haus eines Römers zu gehen - das war für 

einen Israeliten undenkbar. 

Das war ja der Feind, der Besatzer, 

Blut klebte an ihren Händen. 

Und es hieß, dass sie abgetriebene Kinder in ihren Häusern 

vergraben (eine abergläubische Handlung).

In jeder Ecke dieser Häuser schien der Tod zu lauern. 

Ja, nur wer es absolut nicht vermeiden konnte, 

ging zu einem Römer ...

 

Natürlich, da war dieser Auftrag von Jesus an seine Jünger:

„Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker!“

Und oft genug hat sie Jesus in Häuser geführt, 

über die keiner vorher einen Fuß gesetzt hätte: 

In die Häuser von Zöllnern, von Menschen aus dem Rotlicht-

Bereich, Sündern - aber eben israelitischen Zöllnern 

und Randsiedlern. 

 

Die Menschen aus anderen Völkern, die waren wenn überhaupt, 

erst in zweiter Linie im Blick. 

 

Petrus und die anderen, 

die hatten sich das vielleicht auch so vorgestellt, 

wie es der Prophet Jesaja in einer Vision beschrieben hat (Jes 2): 

Menschen aus allen Völkern pilgern nach Jerusalem, 

sie kommen nach Israel 

und fragen nach dem lebendigen Gott, 

nach Gerechtigkeit - uns sie lassen sich unterweisen von Israel. 

 

War es nicht beim Kämmerer aus Äthiopien auch so?

Ein frommer Pilger, der auf der Suche war, 

der Israel besucht und der sich erst belehren 

und dann taufen lässt?

 

So rum - war‘s eine feine Sache!

Aber in die Häuser der Heiden zu gehen, 

das „Geht hin“ wörtlich zu nehmen, 

sich der Unreinheit auszusetzen, 

das wäre für Petrus undenkbar gewesen - wenn, ja wenn -

er nicht kurz davor diese Vision gehabt hätte:

„Was Gott rein gemacht hat, das nenn‘ du nicht verboten!“

 

Klar und deutlich hat er die Stimme gehört. 

Ohne die Vision wäre er der Einladung der Männer bestimmt

nicht gefolgt, hätte den Schritt über die Schwelle eines

römischen Hauses nie gemacht!

 

 

Schauen wir auf Kornelius: Ein Heide mit Sehnsucht 

nach dem lebendigen Gott!

Jetzt war Kornelius auch ein ganz besonderer Römer. 

Nicht immer - entsprechen unsere Vorurteile ja der Wirklichkeit!

Der Hauptmann Kornelius war gerade kein kinderfressender

Besatzer und auch kein gesetzloser Mensch. 

Sondern wir lernen ihn kennen als einen Menschen, 

der auf der Suche nach Gott ist, 

der die Israeliten nicht verachtet, 

sondern sich mit seinem privaten Vermögen für die Armen in 

diesem Land engagiert. 

 

Einer, der Verantwortung übernimmt für sich und sein ganzes Haus, 

nicht nur für seine Familie, 

sondern auch für die ganze Dienerschaft, seine Sklaven, 

alle, die zu seinem Haushalt gehören. 

Einer, der will, dass sie alle von Gott hören 

und der sie alle zusammen trommelt, 

damit sie hören, was Petrus zu sagen hat. 

Einer, der keinen Dolmetscher braucht, 

sondern der die Israeliten versteht, 

ihnen zuhört und was von ihnen lernen will. 

 

Der Kornelius wird uns hier beschrieben als einer, der spürt, 

dass in diesem Volk und mit diesem Volk ein Gott am Werk ist, 

der anders ist als die Götter der Römer. 

 

Dieser Kornelius hat eine Sehnsucht nach dem lebendigen Gott

und er beugt sich vor diesem Gott und vor seinem Boten ...

 

Es gibt erstaunliche Berichte von Open Doors aus dem Iran. 

Das ist ein Land, in dem Musilime, die Christen werden, 

die Todesstrafe oder zumindest Folter und Haft erwartet: 

Auffallend viele ehemalige Muslime berichten da auch, 

dass sie in Träumen oder im Gebet Jesus begegnet sind

und dass sie seine klare Stimme gehört hätten, 

dass sie ihn suchen sollten ...

 

Wir können solche Berichte aus der Ferne weder bestätigen 

noch dementieren. Aber dem römisch-heidnischen Hauptmann

Kornelius ist auch so ergangen. 

Der lebendige Gott wirkt offenbar auch in Menschen anderer

Religionen, die ihn ernsthaft suchen ...

Und ich frage mich: Wenn das auch in Deutschland so ist, 

wer von uns ist darauf vorbereitet, 

einen Moslem, einen Buddhisten, einen Bahay-Anhänger ...

da abzuholen, wo Gott ihn mit „auf dei Reise ...“ auf die Suche

nach Jesus ... geschickt hat?

 

Jetzt schickt uns Gott Millionen von Ausländern direkt vor

die Haustür, sie wohnen quasi um die Ecke -

und wir - haben Angst - bei ihnen ein Fuß über die Schwelle zu setzen?!

Oder wir laufen in der völlig verqueren Bahn falsch verstandener

Höflichkeit, wollen ja nicht aufdringlich wirken, 

niemandem zu nahe treten - und dieser Mensch wartet womöglich

schon lange darauf, dass ihn mal ein Christ (natürlich mit 

allem Respekt und mit Achtung vor seiner Kultur! - Also mal ohne

den geliebten Schweinebraten, wenn er ihn zum Essen einlädt ...) 

anspricht!?

 

Liebe Gemeinde, es gibt so viele Fremde unter uns, 

die auf der Suche nach dem lebendigen Gott sind!

Und es gibt so viel Schwellenangst auch bei uns, 

so viel Sprachstörungen!

 

 

Was ist unsere Situation?

Nochmal zurück zum Bibeltext: 

Ganz ehrlich: So würden wir uns das doch auch für unsere 

missionarischen Versuche wünschen: 

    - Dass man nach uns schickt, 

dass wir gefragt werden, eingeladen werden - und wenn wir kommen -, 

        werden wir voller Ehrerbietung empfangen

        und alle sind ganz Ohr und wollen hören, 

        was wir von Jesus Christus zu erzählen haben. 

 

Aber - es gibt auch in unserer Nachbarschaft Menschen, 

die nach Gott fragen. 

Nur, die wissen nicht, wem sie vertrauen können, 

ob sie uns vertrauen können - und wir - trauen uns nicht, 

den Schritt über die Schwellen ihrer Häuser zu wagen. 

Sie verstehen unsere Sprache nicht 

oder noch sehr schlecht und wir - sie auch nicht ...

 

    -> positives Beispiel in Schwann N. N. ...

 

    -> Der Döner-Verkäufer, der schon lange hier wohnt ...

 

    -> die ostdeutschen Nachbarn, die im Sozialismus

        aufgewachsen sind und immer wieder gehört haben:

        Der christliche Glaube ist vor-wissenschaftlich, 

        die aber doch spüren: Bei den Christen gibt es echte 

        Vorbilder [wenn sogar der ADAC heute nicht mehr als integer

        gelten kann] - Bloß: Wer schlägt Ihnen eine Brücke?
        Wer wagt den Schritt über die Schwelle,
        ihnen ganz offen den Glauben zu bezeugen ... 

        und sich nicht eines damit in die Tasche zu lügen, 

        dass sie an unserem Leben ja bestimmt selber sehen, 

        wie sie den lebendigen Gott finden können ...
        

Nein, diese Haltung gilt erst in zweiter Linie!

Wenn jemand ablehnt, was wir ihm bezeugen. 

Dann müssen wir das natürlich respektiven - und dann wird dieser 

Mensch hoffentlich auch in unserem Leben „lesen“ ...

 

Liebe Gemeinde, 

ich gebe rundum zu: Es fällt mir selber schwer zu entscheiden, 

wann es dran ist, ganz offen von Jesus zu reden ...

Ohne Scheu ... auch bei Nachbarn ... gerade im Dorf. 

Aber ich spüre auch: Da ist so viel falsche Ängstlichkeit dabei. 

 

Christus will uns dahin bringen, 

dass wir diese Scheu verlieren. 

„Die Furcht des Herrn treibt die Menschenfurcht aus!“

 

Es ist die Frage, wem wir wirklich vertrauen, 

ob wir Großes von Gott erwarten. 

 

Petrus hat sich darauf eingelassen - entgegen seiner ganzen 

Prägung und Erziehung. 

Und er hat Großes mit Gott erlebt!

Nur deshalb. 

 

Die Liebe zu den Menschen, die Gott sucht 

und finden will, retten will - mit unserer Hilfe -, 

ist entscheidend. 

Ringen wir neu um diese Liebe!

 

 

 

Gott mutet uns den Schritt über die Schwelle zu!

Liebe Gemeinde, 

ganz bestimmt, unsere Situation ist oft anders. 

Aber was sich nicht geändert hat, ist, 

dass Gott uns zumutet hinzugehen.

Er mutet es Petrus zu - und - er mutet es Kornelius zu. 

Und zwar beide gleichzeitig. 

Petrus ermutigt er, seine Furcht vor dem Unreinen zu überwinden, 

vor dem Fremden, vor dem Sündigen, dem Schuldbeladenen. 

 

Aber gleichzeitig mutet er auch Kornelius den Schritt über die Schwelle zu. 

Auch ihm sagt er: Geh hin

Geh und sende deine Boten. 

Lass diesen Simon holen, den sie auch Petrus nennen. 

Geh hin und öffne dein Haus für diesen Mann. 

Geh hin und öffne dein Herz für das, 

was ich dir durch ihn zu sagen habe.

 

In Anlehnung an ein berühmtes Zitat könnte man sagen: 

Der Schritt über die Schwelle - es ist ein kleiner Schritt für Petrus. 

Und doch war es ein Riesenschritt für die junge Christenheit: 

Heraus aus der eigenen Gemeinde -, 

hinaus in die ganze Welt, 

hinaus in die Häuser von Menschen, 

die Sehnsucht haben nach dem lebendigen Gott. 

 

Das traut Gott seinen Leuten zu, 

das mutet er uns zu

und das mutet er denen zu, die ihn suchen. 

 

 

Das Gebet ist dazu seine Vorbereitung, 

aber nicht das Ruhekissen

Bei Kornelius wie bei Petrus ist der Ausgangspunkt das Gebet. 

Nicht ein Gebet, das alle seine Sorgen vor Gott legt, 

nicht die Art von Gebet, 

in dem man Gott dankt und ihn lobt. 

 

Beide kennen auch ein Gebet, das hört, 

das Gott zu sagen hat

und sie sind bereit, sich von Gott bewegen zu lassen, 

den Hintern hoch zu bekommen und zu gehen, 

wohin er sie schickt ...

 

Die Konfirmanden lernen bis heute die Definition des Gebets

mit den Worten: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott, 

in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung ...“

Das ist nicht schlecht, aber noch ausbaufähig. 

 

Denn hier bei Petrus und bei Kornelius sehe ich noch etwas

anderes, das man eher so beschreiben könnte: 

„Das Gebet ist ein Hören des Herzens auf Gott ...“, 

ein bewusstes Fragen: Herr, was willst Du, dass ich tun soll?

Herr, wohin sendest Du mich heute?

 

Denn das dürfen wir nicht übersehen: 

Dass Gott auch heute noch so handeln will!

Dass er darauf wartet, dass wir still werden, 

dass wir uns von ihm rufen und senden lassen ...

dorthin, wo wir gebraucht werden ...

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer R. Holweger für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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