2013-12-31 Altjahrsabend

Predigt über Hebräer 13,8f / Pfarrer Friedhelm Bühner

(Metronom tickt ...)

 

Liebe Gemeinde, 

nur in der Stille hört man das Ticken einer Uhr. 

Vielleicht wird Silvester ja deshalb oft so laut und 

ausgelassen gefeiert, damit man dieses Ticken nicht hört. 

Denn es erinnert uns daran, wie die Zeit vergeht:

Kaum war es Januar, ist schon wieder ein Jahr vorbei. 

365 Tage liegen hinter uns. 

Heute um 0 Uhr werden vom Jahr 2013 

genau 8760 Stunden, genau 525.600 Minuten, 

genau 31.536.000 Sekunden vergangen sein. 

 

»Wie doch die Zeit vergeht«

 

(Bild „Weiche Zeiger“ / Farbausdruck wird gezeigt ...)

Der Künstler Salvador Dali hat die vergehende Zeit 

eindrücklich dargestellt:

»Weiche Zeiger« hat er sein Bild genannt. 

- Es zeigt eine Taschenuhr, die vergeht. 

- Wie von Hitze weich geworden zerfließt sie  

    als wäre sie aus Wachs. 

Das Zifferblatt bröckelt ab, andere Teile brechen ab und fliegen davon, 

          so als würde die Uhr auseinander fallen. 

 

Was für eine Symbolik für vergehende und zerrinnende Zeit; 

für Zeit, die nicht wiederkommt; 

Zeit, die einfach vergangen ist, weg, abgelaufen. 

An kaum einem Tag des Jahres, 

außer vielleicht am runden Geburtstag, 

empfinden wir den Fluss der Zeit so stark wie an Silvester. 

 

Von einem alten Mann auf dem Friedhof 

habe ich einmal den Satz gehört:
»Jetzt habe ich bald mehr Freunde unter der Erde
als über der Erde. Daran wird mir bewusst, 

dass ich älter werde.« 

 

Ein Schauspieler hat es einmal auf den Punkt gebracht:
»Die Uhr schlägt - - - alle«.

 

Ein kleiner Rückblick auf das vergangene Kalenderjahr 

zeigt die harte Wirklichkeit der vergehenden Zeit
und der damit verbundenen Vergänglichkeit 

und Unsicherheit unseres Lebens – 

eine Realität, die wir gerne verdrängen, 

die uns aber zur Besinnung bringen sollte. 

 

Nur ein paar Beispiele:

    - Ein Komet explodiert über Russland, 

    - eine Jahrhundertflut trifft weite Teile Deutschlandes,          
      - viel mehr Menschenleben kostet ein Tropensturm auf
           den Philippinen, 

    - in Boston detonieren Bomben bei einem Marathonlauf.     

Edward Snowden macht uns allen klar, wie überwacht wir 

           längst sind ... und
    - der siebenfache Formel-1-Rennweltmeister Michael 

        Schuhmacher, gerade 44 Jahre alt, ringt mit dem Tod ...

 

Das sind nur einige Beispiele aus dem vergangenen Jahr. 

Allein in Deutschland sind in diesem Jahr über 820.000 

Menschen gestorben, [davon 21 aus unserer Gemeinde]. 

Ob durch Unfall, durch Gewalt oder auf natürliche Art 

und Weise: »Menschliches Wesen, was ist’s gewesen? 

In einer Stunde geht es zugrunde, sobald das Lüftlein des 

Todes drein bläst…« (2 / EG 449,7). 

 

Menschliches Leben vergeht, so wie die Zeit vergeht! 

Unser Leben ist alles andere als sicher. 

Ganz plötzlich kann es sein, 

dass wir aus dem Leben gerissen werden. 

 

Und genauso stehen wir auch in der Gefahr, 

mitgerissen und weggerissen zu werden von den 

Strömungen der Zeit: 

Werte, die über Jahrhunderte Bestand hatten, 

zerfallen und werden vom Strom der Zeit weggerissen.
In seinem Bestseller »Mehrwert« schreibt der Journalist 

Markus Spieker treffend: »Die immer schneller rotierende 

Welt fährt mit uns Achterbahn, wir rasen auf die Loopings zu – 

und halten die Gurte selbst in der Hand, haben nichts, 

woran wir sie festmachen können« (3). 

 

In den Fluten 

nach der Schneeschmelze der Werte und Tabus 

und in den Wellen 

der Angst, die über die Seele schwappen, 

wird ein Mensch sich des schnellen Vorrückens der Zeiger 

auf der Weltenuhr und auf der Lebensuhr bewusst. 

Was gestern noch »in« war, ist heute schon wieder »out«. 

Es ist deutlich: wenn wir uns an Trends und Strömungen 

festmachen oder uns am Mainstream orientieren, 

finden wir keinen Halt. 

 

Wer immer mit der Zeit gehen will, geht mit der Zeit« (4). 

 

Die Schnelllebigkeit nimmt zu und der Fluss der Zeit reißt 

alles mit sich. 

So mancher kommt dabei ins Schwimmen, 

wird mitgerissen und weiß nicht, 

woran er sich noch festhalten kann.

 

 

Liebe Gemeinde, 

da mitten hinein trifft uns heute Abend das Wort Gottes: 

Es redet von einem Felsen in der Brandung, 

von einem Felsen, 

der mitten im Strom der Zeit unverrückbar und fest ist. 

Da heißt es in Hebräer 13, in den Versen 8 und 9: 

„8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch 

in Ewigkeit. 9 Lasst euch nicht durch mancherlei und 

fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, 

dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“

 

Liebe Gemeinde, die Zeit vergeht. 

Aber heute am Altjahrsabend, 

lenkt dieses Bibelwort aus Hebräer 13 unseren Blick auf den, 

der die Zeit in seinen Händen hat, 

auf Jesus Christus, 

der unser Herr und Fels in der Brandung sein will.

 

Er allein bleibt - im Flug der Zeiten derselbe. 

Er ist der unverrückbare, feste Fels im Fluss der Zeit. 

Schon der Prophet Micha hat ihn als den angekündigt, 

der aus der Ewigkeit in unsere Zeit kommen wird:

»Und du Bethlehem …, die du die kleinste bist unter 

den Städten Judas, aus dir soll mir der kommen, 

der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von 

Ewigkeit her gewesen ist« (5). 

 

Und so ist es gekommen. Wir kommen von Weihnachten her. 

Da haben wir es wieder neu gefeiert:
Gott hat seinen Sohn aus der Ewigkeit hineingesandt 

in unsere Zeit, 

in unsere unruhige Welt, in der alles im Fluss ist. 

In ihm ist der ewige Gott gekommen

und ist und bliebt doch der, der nicht in unserer Zeit aufgeht. 

Alles vergeht, aber ER - bleibt. 

 

Von sich selbst hat er gesagt:
 »Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, 

der Anfang und das Ende« (6). 

und er wird einmal wiederkommen als Richter über alle Menschen. 

 

Wenn wir heute zurück und nach vorne schauen, 

dann ist der Blick auf IHN der wichtigste!

Das steht im Hebräerbrief an einer anderen Stelle:

»Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 

und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens!« (7) 

 

»Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.« 

heißt es hier:

 

Auf diese drei Zeitfenster will ich kurz eingehen: 

 

I „Gestern“ - in seiner guten Hand

So manches aus dem vergangenen Jahr kann uns Angst machen, 

die Veränderungen in der Natur, beim Klima, 

aber auch die Altersentwicklung in Deutschland, 

das immer stärkere Denken „Nach mir die Sintflut“. 

Da singen Rapper „Nur noch schnell die Welt retten ...“, 

aber jeder spürt, es kann gar nicht ernst gemeint sein!

 

Weltweit nimmt die Verfolgung der Christen zu. 

Und auch in Deutschland bläst Christen der Wind

kälter ins Gesicht als früher ...

Die Femen-Aktivistin, die sich im Kölner Dom halbnackt

auf den Altar gestellt hat, hat sich auf den Leib gepinselt:
„Ich bin Gott ...“
Ein Bekenntnis, das heute eine Mehrzahl der Bevölkerung

praktisch lebt, auch wenn sie so eine Aktion verurteilt. 

 

Jugendliche suchen nach Vorbildern. 

Auch bei Menschen, die glauben. 

Aber was finden sie da? Lebensentwürfe, die echt für sie sind?
Nicht aufgesetzt? In einer Umgebung,

die heute voll auf Verschleiß angelegt ist.
Entdecken Sie da Menschen, die voll im Leben stehen, 

aber leben und bekennen, was Jesus ihnen mitgegeben hat:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“? (9)

Das war 2013 so und so wird es auch im nächsten Jahr sein!

 

Manche von uns haben in diesem Jahr viel mitgemacht: 

Krankheiten, Schmerzen, Trennung, Tränen und Trauer –
aber mit Jesus kriegt das alles ein anderes Gesicht. 

Wenn ich sagen kann: 

„Er hat mein Leben in seiner Hand gehabt. 

Ich kann manches zwar nicht fassen und frage mich warum?“, 

aber ich habe mich an seine Verheißung gehalten: 

„Nichts und niemand kann mich aus seiner Hand reißen –,

nicht einmal der Tod!“ (10) 

Dann war da in allem Verwirrenden ein Friede und eine 

Zuversicht, die ich gar nicht beschreiben kann. 

 

Was haben Sie mit Jesus im vergangenen Jahr erlebt? 

Wo war er Ihnen spürbar nah? 

Denken Sie doch heute Abend noch ein Mal zurück an Ihre
eigenen Jesusbegegnungen in diesem Jahr (wenn es sie gab)

und vergessen Sie nicht, dafür Danke zu sagen!

 

Gibt es nicht viel Grund, Gott zu danken

für die 365 Tage Lebenszeit ...!?

 

»Jesus Christus gestern und heute und derselbe 

auch in Ewigkeit.« 

 

„Heute“, das zweite Zeitfenster: 

 

II Heute Abend - kann ich mich bewusst seiner Hand anbefehlen

Heute, am Ende des Jahres, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. 

Zeit, um vor diesem HERRN still zu werden; 

Zeit, mit ihm das vergangene Jahr abzuschließen. 

Und was auch immer wir noch mit uns herumschleppen: 

Bei IHM ist es gut aufgehoben. 

Er kann uns auch Vergebung schenken

und will das gerne tun. 

Vergebung bringt unser aufgewühltes Inneres zum Ruhe. 

Probieren Sie es aus!

 

Heute ist also auch die Zeit, 

in der wir Gott alle Schuld und alles Versagen dieses Jahres

bekennen können - und ihn um Vergebung und einen Neuanfang bitten.

 

Nachher sind wir eingeladen zum Abendmahl. 

Auch das ist eine Möglichkeit, 

Jesus neu zu begegnen, 

ihn zu bitten: Komm wieder in mein Leben, 

vergib mir, was mich von Dir trennt. 

Ich will neu beginnen!

 

Heute Abend ist die Schnittstelle zwischen dem alten 

und dem neuen Jahr. 

Wir treten über diese Schwelle hinein in einen neuen Raum. 

Und Jesus Christus ruft uns zu: 

Befiehl Dich meiner Hand an, dann braucht Dir nichts zu grauen!

 

»Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.« 

 

Das dritte Zeitfenster: Die ...

 

III Zukunft hat, wer Jesus hat

Jeder von uns wird im Rücklick auf das zu Ende gehende

Jahr verschiedene Eindrücke haben. 

Aber wir alle spüren: Die Zeit läuft, die Uhr „tickt“ ...

 

Man braucht kein Prophet sein, um sagen zu können: 

Es wird auch 2014 wieder stürmisch zugehen, 

es wird bedrängende Situationen geben. . 

Schwierige Entwicklungen, Wellen, Einschnitte auf unserem 

persönlichen Lebenweg vielleicht ... aber ... wir trauen nicht 

den Wahrsagern, die sich Jahr für Jahr irren, 

sondern Jesus, dem die Zukunft gehört. 

Deshalb: „Keine Panik auf der Titanic!“

Jesus steuert das Rettungsboot ...

und dort gibt es Platz für alle Passagiere, 

wenn sie nur den Mut finden, bei ihm einzusteigen, 

ihre Zeit nicht zu verplempern

und am Schluss unter zu gehen!

 

 

Auch im neuen Jahr wird es Diskussionen geben 

um Themen im Bereich der Ethik, um Gesellschaftsfragen ...

Da werden wieder biblische Aussagen in Frage gestellt 

oder als überholt abgetan werden ...

 

Aber Gottes Wort ermutigt uns heute Abend und sagt uns: 

»Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, 

denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, 

welches geschieht durch Gnade.«

Halten wir einfach fröhlich Linie, 

geben wir Gottes Wort die Ehre, 

stärken wir den Zusamenhalt in der Gemeinde. 

Das wird uns davor bewahren, 

vom Strom der Zeit fortgerissen zu werden.

 

Und was gibt es sonst noch, 

was uns letztlich hält?

in Sorgen?bei Dingen, die uns wieder einholen?wenn die Wogen in meiner Firma und in der Schule hochgehen?in der Ehe und Familie?

 

Wie geht das, »dass das Herz fest wird«? 

 

Hier steht nicht: »Beiß auf die Zähne!« »Halte durch!« 

»Reiß dich zusammen!« 

 

Weil Jesus weiß, dass wir uns das nicht antrainieren können. 

Es geht ihm um mein Herz, das sich festmachen lässt, 

und zwar bei ihm, bei Jesus Christus, 

der im Fluss der Zeit - gestern, heute 

und in Ewigkeit - derselbe ist und bleibt:

der ewige Fels in der Brandung,der Beständige und deshalb Verlässliche, der Treue. 

ER ist das „Auge“ im Sturm der Zeit, bei ihm ist Ruhe. 

 

»Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, 

welches geschieht durch Gnade.« 

 

Dafür will Jesus sorgen, wenn wir ihn lassen, 

ran lassen bei uns, anfangen unser Leben bei ihm fest zu machen. 

 

 

Liebe Gemeinde am Altjahrsabend, 

seiner Zukunft gehen wir entgegen. 

Jeder Tag im neuen Jahr bringt uns seiner Wiederkunft näher. 

Selbst wenn alles vergeht, 

selbst wenn uns liebe Menschen verlassen,

selbst wenn ich im neuen Jahr sterben müsste, 

an der Hand von Jesus wird es gut. 

 

Die Zeit vergeht, aber Christen gehen dem ewigen Heil entgegen. 

Sie gehen gelassen und frohen Mutes ins neue Jahr. 

 

Weil gilt: 

»Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.«   

Amen.

 

Wir wollen jetzt das neue Jahreslosungslied, das uns ins neue

Jahr begleiten soll, miteinander als Gemeinde singen:

„Gott nahe zu sein ist mein Glück!“

 

Darin spiegelt sich die praktische Umsetzung 

unseres heutigen Predigttextes.

(Morgen werde ich darauf noch näher eingehen).

 

 

Anmerkungen:

  (1) Palms 90, 1

  (2) EG 449, 7

  (3) Lahr 2007, Seite 10

  (4) Verfasser unbekannt

  (5) Micha 5, 1

  (6) Offenbarung 22, 14

  (7) Hebräer 12, 1.2

  (8) Johannes 16, 33

  (9) Matthäus 28, 20

(10) vgl. Johannes 10, 27.28

 

(Ich danke Pfarrer Martin Flaig aus Gärtringen für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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