2013-11-24 Ewigkeitssonntag

Predigt über Markus 13,31-37 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den Ewigkeitssonntag aus dem Markus-Evangelium, Kapitel 13, die Verse 31-37:

(Jesus sagt:) „31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber 

werden nicht vergehen.32 Von dem Tage aber und der Stunde weiß 

niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, 

sondern allein der Vater. 33 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst 

nicht, wann die Zeit da ist. 34 Wie bei einem Menschen, der über 

Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, 

einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen: 

35 so wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses 

kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei 

oder am Morgen, 36 damit er euch nicht schlafend finde, wenn er 

plötzlich kommt. 37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: 

Wachet!“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

Frischmilch (unbehandelt) ist eine Woche haltbar. 

Auf technische Geräte gibt‘s zwei oder drei Jahre Garantie, 

auf den Stahlrahmen neuer Stühle für Gemeindehäuser (habe ich 

gelesen) sogar 20 Jahre. 

Aber letztlich trägt alles Sichtbare ein Verfallsdatum in sich, 

den Stempel: »vergänglich«. 

An diese Vergänglichkeit erinnert uns heute der Ewigkeitssonntag. 

 

Bereits da, wo wir älter werden 

oder eine Krankheit uns die Kraft nimmt, 

werden wir an unser begrenztes Haltbarkeitsdatum erinnert. 

Jeder Abschied am Grab eines lieben Menschen, 

ob vorbereitet oder ganz plötzlich, erinnert uns daran: 

»Himmel und Erde werden vergehen«.

 

1. Was bleibt?

Bleibt nun heute am Ewigkeitssonntag die Erinnerung an einen 

lieben Menschen, der viel zu früh aus unserer Mitte gerissen wurde? 

Bleibt der Gedanke daran, dass wir jetzt unseren Weg durch die Zeit 

alleine finden müssen? 

Bleibt eine Menge an wertvollen Eindrücken und Ereignissen, 

die uns miteinander über viele Jahre verbunden hatten? 

Was bleibt?

 

Jeden Sonntag ist sie in der 10. Reihe der Kirche links zur Wand 

hin gesessen. 

Schon seit Jahrzehnten hat sie im Chor mitgesungen.

Wenn sie einmal nicht mitsingen konnte, fehlte etwas.

Die diamantene Hochzeit war für sie und ihren Mann ein 

besonderes Ereignis. 

Da kam der Bürgermeister und der Pfarrer ...

 

Sie haben so manches Lobenswerte im Gespräch gestreift. 

Auch Gott ist zur Sprache gekommen. 

Da macht der Pfarrer den Vorschlag, 

zum Schluss noch einen Dankpsalm aus der Bibel vorzulesen, 

bittet um eine Bibel ... und ahnt nicht, 

in welche peinliche Lage er die Jubilarin damit bringt.

Im ganzen Haus ist erst nach langer Suche eine uralte, 

verstaubte Bibelausgabe zu finden.

 

»Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden 

nicht vergehen«, hat Jesus gesagt. 

 

Sein Wort überdauert alle Menschen und Zeiten. 

Aber es kann seine Lebenskraft nur dann entfalten, 

wenn wir es lesen und hören. 

Nur als Lesebuch wird uns das Wort von Jesus zum Lebensbuch. 

Nur wenn wir die Bibel wirklich lesen, 

kann sie uns helfen, uns raten, trösten und 

uns den Blick für's Wesentliche geben.

 

Was bleibt also? 

Nicht Himmel und Erde 

und nicht unsere großen Taten, 

sondern was Jesus gesagt hat, das bleibt. 

 

Und dann gilt auch: Wenn wir diesem bleibenden Wort 

unsere Zeit und unser Gehör schenken, 

dann ist auch uns eine Bleibe bei Jesus verheißen. 

 

Aber wie ist das eigentlich mit unserer Zeit?

 

 

2. Unsere Zeit - eine Leihgabe auf Zeit?

Während des römischen Reichs hat es einen Entscheidungstag

gegeben, an dem wir ahnen können, 

was unberechenbare Vergänglichkeit - 

und was ein überraschendes »bereit sein« bedeutet:

Der plötzliche Ausbruch des Vulkans Vesuv!

Er hat binnen kürzester Zeit die große Stadt Pompeji in Schutt und 

Asche gelegt. 

 

Wie einen abrupt angehaltenen Film haben Archäologen jenen 

Entscheidungstag in Stein gegossen ans Tageslicht gefördert. 

In Pompejis letzter, dramatischer Stunde 

        - hat der Bäcker den Teig in den Ofen geschoben, 
                konnte das Brot aber nicht mehr heraus holen. 

- Das Fleisch hat im Topf gekocht und
  ist nie gegessen worden. 

- Der Sklave ist an der Mühle gestanden und der Geldwechsler
  in seiner Zählstube, aber keiner von ihnen hat das
Ergebnis seiner Arbeit gesehen.

Der glühende Staub ist auf alle gefallen,
die giftigen Dämpfe sind in jeden Spalt eingedrungen und
die glühende Lava hat Häuser und Bewohner und alles,
was sie gemacht hatten, unter sich begraben.

Plötzlich herausgerissen aus dem Alltag. 

 

Ob diese Menschen bereit waren für ihr Ende? 

Ob wir bereit sind, wenn »Himmel und Erde« plötzlich vergehen 

und Jesus wieder kommt?

 

Eine Leihgabe ist kein Eigentum und kein Besitz ...

so ist das auch mit der Zeit. 

Das vergessen wir ganz leicht im Alltag. 

Zeit ist eine Leihgabe unseres Herrn. 

Der Ewigkeitssonntag will uns daran ganz neu erinnern. 

Jesus stellt uns wohlwollend Zeit zur Verfügung - Lebenszeit. 

 

Was machen wir damit? 

Haben wir uns in dieser Lebenszeit häuslich eingerichtet 

wie ein Grundstücksbesitzer, 

obwohl wir doch Arbeiter auf Zeit bei Jesus sind? 

Haben wir uns häuslich in unserem Alltag breit gemacht, 

so als sei unsere Lebenszeit auf ewig unser Eigentum? 

Schreiben wir deshalb, 

wenn ein lieber Mensch uns plötzlich von der Seite wegstirbt 

über die Todesanzeige: »Unfassbar!«? 

 

Jede Lebenssituation ist wie eine Tür, 

durch die der Herr jederzeit in unser Leben als der Eigentümer 

eintreten kann - und uns begegnen will. 

[Ich bin selber dem Tod nicht erst einmal nur ganz knapp entgangen ..., 

2009 war es einer unserer Söhne bei einem Autounfall ...]

Zeit ist eine Leihgabe des Herrn, 

über die wir einiges Tages gefragt werden:
Was hast Du mit ihr gemacht?

Was war Dir am wichtigsten?

 

So wird uns Jesus fragen ...

 

Und er hat ja Großes mit jedem von uns vor: 

Himmel und Erde und damit auch unsere Lebenszeit müssen ja 

deshalb vergehen, weil für den »neuen Himmel und die neue Erde« 

Platz werden muss. 

Wir haben in der Schriftlesung gehört, wie die neue Welt dann sein 

wird (Offenbarung 21, 1-7).

 

Deshalb ist es so unheimlich wichtig, 

dass wir jeden Tag auf das Wort von Jesus hören 

und uns fragen lassen, 

welche Vorstellungen ER von unserem Umgang mit der Zeit hat!

Vieles steht dazu in der Bibel, z. B. 

„Kaufe die günstige Gelegenheit aus“ (Eph 5,15)!

Was heißt das?

Rede, wie Jesus reden würde. 

Tu, was er tun würde. 

Halte dein Ohr an seinen Mund. 

Deine Lebenszeit ist Entscheidungszeit. 

Hier werden die Weichen für deine Ewigkeit gestellt. 

Heute, wenn du seine Stimme hörst, gilt: »Verhärte dein Herz nicht!« 

(Hebräer 3, 15).

 

Keiner von uns weiß, wann seine Zeit abgelaufen ist und 

wann der abwesende Herr zurückkommt und das Seine zurückfordert. 

 

Deshalb: Lass das Gespräch mit ihm an keinem Tag abreißen!

Lebe in seiner Nähe, in der Gemeinschaft der Christen!

Dann wirst du bereit sein für Gottes neue Welt. 

Denn Jesus ist die Brücke dorthin ...

(Das ist immer wieder unser Thema im Konfi-Unterricht ...)

 

Ein Landarzt, der für seinen festen Glauben an Jesus bekannt war, 

hat sich, wenn er mit dem Fahrrad zu den Patienten gefahren ist, 

immer von seinem Hund begleiten lassen. 

Wie auf dem Land üblich, 

durfte der Hund aber nie mit ins Zimmer, 

sondern musste im Vorraum warten. 

 

Eines Tages ist der Arzt zu einer sterbenskranken Frau gerufen worden. 

Die fragte ihn: »Herr Doktor, Sie sind ein frommer Mann. 

Ich hab‘ den Tod vor Augen. 

Was kommt nach diesem dunklen Vorhang, vor dem ich stehe?« 

 

In dem Moment kratzte der Hund an der Tür. 

 

»Das ist wie bei meinem Hund, gute Frau«, antwortet ihr der Arzt. 

»Er war noch nie hier drin - und weiß nicht, wie es hier aussieht. 

Aber er weiß, dass sein Herr hinter der Tür ist!«

 

 

3. Wie bleiben wir wach für die Begegnung 

mit Jesus?

»Unerträglich« habe es Menschen quer durch die Jahrhunderte

empfunden, dass Jesus seinen Gefolgsleuten gesagt hat: 

»Denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt« (Vers 35). 

... Wann der auferstandene Jesus Christus sichtbar für alle auf diese

Erde zurück kommt ...

 

Die Folge war, dass man Berechnungen angestellt hat. 

Man hat Pläne entworfen. 

Tiefsinnige Überlegungen sollten helfen, 

den Zeitpunkt der Wiederkunft von Jesus vorher zu sagen -, 

immer wieder ohne Erfolg.

 

Alle Versuche, das so schwer erträgliche »Nicht-Wissen« 

in ein »Wissen« zu verwandeln, sind gescheitert. 

Aber das ist gut so! 

Weil es Jesus nicht darum geht, 

dass wir uns für einen bestimmten Zeitpunkt geistlich herausputzen, 

damit er uns dann gerade noch rechtzeitig im besten Licht antrifft. 

Es geht Jesus viel mehr darum, so zu leben, 

dass er jederzeit (in jedem Augenblick!) wiederkommen könnte.

 

Dreimal wiederholt er diese Aussage: »Seid wachsam!« (Vv 33.35.37). 

 

Wachen, ohne zu wissen, wann der Hausherr wiederkommt? 

Ist das nicht eine mühsame Geschichte? 

 

Die Versuchung ist groß, sich für einen Moment hinzulegen. 

Vor der Verhaftung von Jesus ist es seinen Jüngern so gegangen.

Petrus hat beim „Hahnenschrei“ versagt. 

(Bis heute erinnern uns die „Wetterhähne“ auf den Kirchtürmen 

daran!)

 

Aber Petrus hat die Möglichkeit zur Buße bekommen - und genutzt. 

Er hat sich überwinden lassen vom Leiden von Jesus am Kreuz

und von seiner Liebe an Ostern ...

In dieser Gewissheit konnte er dann den neuen Auftrag von Jesus

übernehmen, Wächter seiner Gemeinde zu sein: 

»Weide meine Schafe!« sagt Jesus zu ihm (Joh 21, 17). 

Pass‘ darauf auf, dass die nicht mehr einschlafen, 

die an meiner Zukunft im Reich Gottes dabei sein sollen!

 

Den Teilnehmern eines Bibelkurses ist einmal die Frage gestellt

worden: »Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass Jesus 

nächste Woche wiederkommt?« 

Zwei Stunden Zeit haben sie bekommen, um sich darüber Gedanken 

zu machen.

 

Einer der Teilnehmer war gefrustet: Er kann diese »Was-wäre-wenn-

Fragen« nicht leiden, hat sich dann aber doch darauf eingelassen ...

Und war selber erstaunt, 

was ihm in den zwei Stunden alles so in den Sinn gekommen ist. 

 

Ganz ehrlich - was würden Sie tun? 

Was wollten Sie - mit wem - noch klären? 

Für wen oder was würden Sie sich auf jeden Fall noch einmal Zeit 

nehmen wollen?  

 

Jener Teilnehmer damals 

hat sich dann einige Punkte gleich für die 

nächste Woche vorgenommen und auch gemacht. 

Denn er wusste: Die beliebteste Bank ist die „lange Bank“ ... 

Etwas aufschieben ... bis zum St. Nimmerleins Tag ...

 

Deshalb will ich uns allen viel Mut machen, 

Dinge, die wir vielleicht schon Jahre mit uns herum tragen, 

mit Gott und (soweit möglich) mit Menschen zu klären!

 

Wenn Jesus seine Gefolgsleute hier dreimal auffordert: »Wacht«, 

dann heißt das: 

Lebt immer so, dass erkennbar wird: 

ER (Jesus) ist der Herr im Haus meines Lebens. 

ER (Jesus) ist der Herr über die mir anvertraute Zeit. 

 

Wo das so ist, 

da hat mein Leben ein ganz neues, erfreuliches Gesicht. 

Auch gerade das Alter mit allen seinen schweren Seiten. 

Weil ich weiß: Das Beste kommt erst noch. 

Ich bin bereit, ja ich freue mich, Jesus zu begegnen. 

Amen. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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