2013-11-17

Predigt über Jeremia 8,4-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen vorletzten Sonntag im Kirchenjahr aus dem Buch des Propheten Jeremia, Kap. 8, die Verse 4-7:

„Sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn er

fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er 

irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? 

Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für?

Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht 

umkehren wollen. Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit

reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der 

spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie

ein Hengst, der in der Schlacht dahin stürmt. 

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich

und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; 

aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.“

 

 

 

„Zum Verwechseln ähnlich!“

 

liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

dieser Spruch gilt nicht nur für Zwillinge 

oder für einen gefälschten Geldschein 

oder für den täuschend echten Nachdruck eines alten Originals. 

 

„Zum Verwechseln ähnlich!“, 

das hat es schon zu Zeiten Jeremias gegeben. 

 

Da waren nämlich 

 

1. Die falschen Gottesdienste einem echten Gottesdienst
„zum Verwechseln“ ähnlich. 

Nicht, dass da vielleicht was gefehlt hätte!

Nein, Lieder, Gebete, Lesung und Ansprache, Opfer und Segen, 

das alles war vorhanden, 

aber es ist keine Begegnung mit Gott mehr zustande gekommen. 

 

Und dieser Unterschied war gar nicht so leicht zu erkennen:

Es war doch alles da, 

und doch ist alles ins Nichts gelaufen.

 

Aber warum denn?

 

Der Prophet Jeremia sagt: 

Bei Euch hat die Wahrheit keine Chance mehr 

und deshalb kann sich auch nichts mehr zum Guten hin ändern! 

Die Priester und Propheten schauen vor allem darauf, 

was die Leute hören wollen 

und wofür sie bereit sind, ordentliche Opfer zu geben. 

 

Da hat man aus Höflichkeit und Pragmatismus gute Miene gemacht 

oder einfach geschwiegen zu Sachen, die Gott gar nicht lustig fand: 

Dinge, die gegen seinen Willen waren. 

Da ist niemand mehr geärgert worden dadurch, 

dass er zur Umkehr aufgefordert worden wäre. 

 

Ja, manche präsentieren sich sogar richtig gehend 

mit ihren Verfehlungen („Ich seh‘ das einfach so und das ist gut so!“): 

Gibt es nicht für alles letztlich auch einen guten Grund?

Und so ist der Religionsbetrieb abgelaufen, 

dass der lebendige Gott je nach Wunsch und Thema

eben auch immer öfters einfach taub und blind sein sollte, 

aber natürlich sofort dastehen musste, 

wenn es irgendwo im Haus oder im Leben der Menschen brannte. 

 

Er musste wegschauen, 

wenn den Leuten seine Gebote lästig oder altbacken vorkamen, 

aber sofort herhalten, wenn sie ihn brauchten. 

 

Das ist so ein „Blinddarm“-Gott: 

Man kann ihn so lange ignorieren, wie er sich nicht meldet. 

Kommt es aber zur Entzündung, dass wird er rausgeschnitten ...

 

Nun appelliert Gott hier in diesem Bibelwort

einfach an den gesunden Menschenverstand: 

„Wo ist jemand, der wenn er fällt, nicht gern wieder aufstünde?“

„Wo ist jemand, der wenn er irregeht, nicht gern wieder 

zurechtkäme?“ 

 

Mensch, was für ein Angebot Gottes!

Was für eine Zusage: Er will dem Gefallenen eine neue Chance geben! 

Wer ginge nicht gern nach Hause, 

wenn er drei Wochen im Krankenhaus gelegen hat!

 

Aber Gott ist damals einfach nicht mehr zu Wort gekommen!

 

Sie waren alle damit beschäftigt, um sich selbst zu kreisen!

Und sie haben sich darin gemeinschaftlich bestärkt: 

„Ja, wenn das doch auch der und der so sieht ...“, 

dann muss man das doch auch so sehen - oder etwa nicht?

 

Ich muss an dieser Stelle mal etwas ganz Deutliches gegen 

unsere eigene Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

sagen: Sie hat ein neues Familienpapier heraus gebracht ( ... )

und darin allen Ernstes behauptet, dass nach der Bibel die Ehe 

keine Schöpfungsordnung sei, es im Prinzip egal sei, 

in welcher Form Menschen zusammen leben, wenn sie nur irgendwie 

verlässlich ihr gemeinsames Leben gestalten. 

 

Haben Sie eine eigene Bibel und lesen darin auch?

Das ist total wichtig, denn es schützt gegen geistliche Infektionen ...

 

Sind Sie vielleicht sogar kirchlich getraut worden ... und erinnern sich 

noch an die Traufrage: „Wollt ihr nach Gottes Gebot und Verheißung

leben, den Ehepartner als Gottes Gabe lieben und ehren

und ihm in Freud und Leid treu bleiben?“

 

Das alles soll „Schnee von gestern“ sein - nach der Meinung dieser 

Theologen, die unsere EKD leiten sollen!

Sie ignorieren einfach, was da sonnenklar quer durch alle Zeiten 

der Bibel als Gottes Wille steht:

Nämlich dass die Ehe von Mann und Frau genau das ist: 

Gottes Leitbild! Im Schöpferwillen Gottes begründet. 

Und dass es von daher eine Schande (auch eine Schande für unsere

Kirche) ist, wenn führende Leute darin beharrlich so tun, 

als seien sie schlauer und zeitgemäßer als Gott ...

 

Ich bin froh, dass auch eine Reihe von Bischöfen das klar und deutlich 

gesagt haben (Wolfgang Huber, unser Landesbischof u. a.). 

 

Aber es kommt mir vor, 

wie damals zu Zeiten Jeremias. 

Dort war es ein leerer Gottesdienstbetrieb, 

„the show must go on“ („Was wollt ihr denn, der Betrieb läuft doch“, 

haben sie gesagt), aber es war alles hohl und weich gespült. 

Gottes Wille ist mehr und mehr unter die Räder gekommen. 

Die Führung hat es dem Fußvolk vorgemacht. 

 

„Die falschen Gottesdienste sind einem echten Gottesdienst 

zum Verwechseln ähnlich ...“

 

Menschen, die heute zum Gottesdienst gehen, 

kommen in der Regel bewusst. 

Sie erwarten etwas und das ist gut so!

Sie spüren, dass Gottes Wort eine Kraft eigener Art ist, 

ein „Licht auf ihrem Lebensweg“, 

das sie sich selbst nicht geben können. 

 

Da geht es heute viel weniger als vielleicht noch in den Generationen

vor uns (und wie zur Zeit Jeremias) darum, dass man „gesehen“ wird. 

 

Hier wissen wir, können wir Gott begegnen. 

In seinem Wort. 

Lassen wir also nicht zu, dass es zeitgeistig verborgen wird

in unserer Kirche und passen Sie deshalb ruhig auch auf ihren
Pfarrer auf. Das muss so sein. 

 

 

2. Wahre Trauer und angeordnete Trauer sind zum Verwechseln ähnlich. 

Liege ich richtig mit der Vermutung, 

dass auch der Volkstrauertag (wie damals der Buß- und Bettag) 

schon längst aus unserem Kalender gestrichen worden wäre, 

wenn er kein Sonntag wäre?

 

Die Menschen in Deutschland nehmen ab und werden älter, 

die sich noch mit dem Anliegen dieses Tages identifizieren. 

Viele sagen: Können wir nicht endlich aufhören

mit dem ewigen Erinnern an Vergangenes?

 

Aber es geht ja nicht nur um die Geschichte von Krieg und Terror!

Wie viele werden mit der eigenen Vergangenheit nicht fertig!?

Wie viele Verletzungen sind noch offen?

Wie viele unversöhnte Beziehungen, Enttäuschungen, 

wie viel Nicht-vergessen-können und erlittene Demütigungen 

gibt es noch?

 

Auch in der Arbeitswelt, in den Familien, 

in Erbschaftsgeschichten gehen die Kleinkriege weiter. 

Und wie viel bleibt hinterher an zerdeppertem Geschirr?

 

Also, nicht nur Familienrichter wissen: 

Kein Grund zum Jubeln - angesichts von so wenig Bereitschaft sich 

wieder zu versöhnen und einander zu vergeben!

 

Auch ganze Völker scheinen wie blind zu sein ...

denken wir nur an Syrien ... und jetzt wieder Lybien ...

Wie viel religiöser und politischer Fanatismus kostet unzählige Menschenleben!?

Wie viele Menschen sind auf der Flucht? 

 

Und wie viele tun, was sie eigentlich gar nicht wollen?

Wie viele sind Mitläufer?

Wie viele, die sich täuschen lassen? 

Ein echtes Trauerspiel!

 

Der  Hengst, der in unserem Bibeltext vorkommt, 

ist ein Symbol für Vitalität und Freiheit

und doch ist er gerade nicht frei, 

sondern wird in der Reiterschlacht in den Tod getrieben!

Dabei ist doch uns Menschen im Unterschied zu den Tieren 

die Würde mitgegeben, selbstständig zu entscheiden, 

was gut oder schlecht für uns ist!

 

Aber wie oft jagen wir wie besinnungslos, 

zusammen mit anderen ins Verderben! 

„Wie ein Hengst, der in der Schlacht dahin stürmt!“ 

 

Der Volkstrauertag wäre eine gute Chance, 

zur Besinnung zu kommen:

    - Warum halten wir uns nicht neu und ganz bewusst an die Ordnungen
des Schöpfers (wenn es sein muss, sogar gegen unsere Kirchen-

Oberen?!)

- Wie viele Ungeborene werden Woche für Woche bei uns getötet?

(und wie schnell hat sich auch in christlichen Kreisen der Gedanke

eingeschlichen, dass das u. U. halt sein müsse.
„Gott wird danach schon auch wieder vergeben!??“)

- Wie viele machen unsinnige Schulden, weil sie nicht warten wollen
und die Zinsen so niedrig sind?

- Wie viele riskieren ihre Gesundheit, weil sie nicht verzichten wollen?

- Wie viele zerstören Gemeinschaft durch Tratschen und Lästern? 

 

 

Die traurige Realität ist, dass viele Menschen blind sind 

für die Wahrheit, für die Wahrheit Gottes.

So entstehen Kleinkriege und Verletzungen (und manchmal sogar 

große Kriege!), wenn Menschen sich über Gottes Ordnungen hinweg-

setzen!

 

Für echte Trauer gibt‘s genug Anlässe!

 

Der Volkstrauertag will uns dafür eigentlich einen Stupser geben ...

und kein verordnetes Begängnis sein. 

 

Aber wollen wir wirklich zurecht kommen? 

Empfinden wir wahre Trauer über uns und auch über unser Volk, 

das so viel Not über ganz Europa gebracht hat?  

Gibt es bei uns wahre Trauer? 

Menschen, die bekennen: „Was habe ich doch getan? 

Was ich getan habe, tut mich echt von Herzen leid!?“

 

Gott wartet auf solche Menschen, 

nicht auf Schauspieler von Trauer!

 

„Sogar Storch, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten sich genau

an den Termin des Wiederkommens“.

 

Heißt es am Schluss unseres Bibelwortes. 

Diese Vögel, die gar nicht sprechen können, wissen ganz einfach, 

dass Gottes Schöpfungsordnungen einfach gut und hilfreich sind. 

Sie orientieren sich daran. 

Und das hilft ihnen, 

das schützt ihr Leben 

 

Nehmen wir das mit 

und verbinden wir es mit dem Evangelium von Jesus Christus, 

das uns den Himmel öffnet. 

 

Wo ER ist, da verändert sich alles.

Aber da ist auch kein Platz mehr für irgendeine Form

von Doppelbödigkeit ...

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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