2013-10-20

Predigt über Johannes 15,9-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Johannes-Evangelium, Kapitel 15, die Verse 9-17:

„9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.
Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, 

dann bleibt ihr in meiner Liebe, 

(so) wie ich meines Vaters Gebote halte und in seiner Liebe bleibe. 

11 Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe
und eure Freude vollkommen werde. 

12 Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, 

wie ich euch liebe. 

13 Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt 

für seine Freunde. 

14 Ihr seid meine Freunde -, wenn ihr tut -, was ich euch gebiete. 

15 Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; 

denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. 

Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; 

denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, 

habe ich euch kundgetan. 

16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt 

und (dazu) bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure 

Frucht bleibt -, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, 

er es euch gebe. 

17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.“

 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

jeder konstruierte Gegenstand hat eine Bestimmung. 

Zum Beispiel Beispiel eine (diese) Taschenlampe ...

Sie soll leuchten. 

Radfahren können wir nicht mit ihr. 

 

Oder denken wir an eine Nähmaschine. 

Die ist so konstruiert, dass sie nähen kann (wenn jemand mit

ihr umgehen kann) - Rasen mähen aber kann sie nicht!

 

Wie ist das bei uns Menschen? 

 

Auch wir sind von Gott genial konstruiert und geschaffen. 

An vielen Stellen in der Bibel wird das heraus gestellt. 

So ist auch in diesem Predigttext heute, 

da geht es ganz zentral um die Bestimmung des Menschen. 

 

Jesus sagt denen, die ihm nachfolgen 

und mit Ernst Christen sein wollen: »Nicht ihr habt mich erwählt, 

sondern ich habe euch erwählt“.
Er hat ihnen die Möglichkeit eröffnet, umzukehren in Gottes offene Arme. 

„... und bestimmt, dass sie hingehen und Frucht bringen.«

 

„Frucht bringen“, darin steckt Energie und Leben!

 

Jetzt im Herbst sehen wir die Ergebnisse an den Bäumen ...

Aber am eindrücklichsten ist es doch, 

wenn im Frühsommer ein Meer an Blüten aufgeht, 

die Pflanzen in die Höhe schießen

und die Schöpfung regelrecht „explodiert“

vor unseren Augen. 

 

»Der Weizen wächset mit Gewalt...«, hat Paul Gerhardt gedichtet. 

Und tatsächlich: Hinter jedem Wachstum steckt Energie und Leben!

 

Bei Jesus hat auch das Christsein mit Wachstum zu tun!

Da wird etwas sichtbar. 

Für andere wahrnehmbar. 

Da kommt etwas heraus 

    • zur Ehre Gottes (und), 
    • zum Wohl und Heil der Menschen und unserer Gesellschaft. 

 

Wie kommt‘s zu diesem Wachstum? 

 

Darauf gibt Jesus uns in diesem Bibelwort (mindestens) drei Antworten: 

 

1. Von Jesus erwählt: Dadurch kann Frucht wachsen

Jesus sagt: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt 

und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt.«

Diese Wahl kommt also nicht aus menschlichem Denken -, 

Gott trifft diese Wahl!

Und: Es ist eine besondere Wahl!

 

Besonders deshalb, weil sie sich von jeder menschlichen Wahl 

unterscheidet!

 

Wie wählen wir? 

 

Wenn wir zum Beispiel einen Freund wählen, 

dann muss er sympathisch sein, 

möglichst die gleichen, 

wenigstens aber ähnliche Interessen haben. 

Es muss einfach passen, sagen wir!

 

Aber Gott wählt anders. 

Er wählt gewissermaßen zu seinem eigenen Nachteil. 

Schon im Alten Testament heißt es von Israel, 

dem auserwählten Volk Gottes: 

»Nicht hat euch der HERR ... erwählt, weil ihr größer wäret 

als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 

sondern - weil - er euch geliebt hat…« (5. Mose 7,7).

 

Sie waren Hebräer, Nichtsesshafte, Habenichtse,

Sklaven in Ägypten, geschlagen, gebeutelt, gehasst (das übrigens

bis zum heutigen Tag ...).

Danach 40 Jahre in der Wüste. 

Und nach einer kurzen Blütezeit ging‘s schon wieder 

abwärts - bis in die babylonische Gefangenschaft. 

Zuletzt - ist das Volk Israel in alle Winde zerstreut worden. 

 

Und trotzdem „erwählt“,

ohne Grund, ohne Vorleistung, 

ohne Ansehen hat Gott gerade dieses Volk erwählt.

 

Im Neuen Testament ist das nicht anders. 

Nur ein Beispiel: 

Denken wir an Simon Petrus. 

Jesus hat ihn nicht erwählt, 

weil er ein besonders erfolgreicher Fischer war,

weil er das Potenzial zum erfolgreichen Gemeindemanager hatte. 

Nicht, weil er was vorzeigen konnte, 

Titel, Leistungen ...

„Ohne jeden Verdienst oder eine besondere Würdigkeit“ 

hat ihn der Herr ausgewählt und ihn in seine Nachfolge gerufen. 

 

»Ich habe euch erwählt.« - Das ist die uns voraus laufende Gnade, 

die auch uns gilt, 

die uns in Jesus und in seinem Wort begegnet, 

so dass wir antworten können. 

 

Gottes Wahl ist anders. 

So kann der Apostel Paulus schreiben: 

»Was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt …, 

was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt … - 

das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, 

das, was nichts ist ... das hat Gott erwählt.“ (1. Kor 1,27f).

 

So ist das bei Gott. 

Auch in meinen Leben ist das so, 

so sehe ich das heute aus der Rückschau ...

„was töricht ist, was schwach, gering, ja was nichts ist vor der Welt, 

das hat Gott erwählt ...“

 

Entscheidend ist, 

dass sich Menschen hinein nehmen lassen in diesen Wahlprozess 

Gottes, ihn sich gefallen lassen ...

und wenn sie es tun, 

dann wird ihr Leben Frucht tragen. 

Die Bibel nennt sie „Früchte“, die von Gott gewirkt sind, 

„Früchte des Heiligen Geistes“: 

„Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, 

Güte und Treue ...“ (Gal 5,22 HfA).

 

Für diese Bestimmung Gottes gibt es überhaupt niemand, 

der dazu grundsätzlich untauglich wäre. 

 

Der Zweifler soll es hören: 

Du bist von Gott erwählt, hast die Freiheit, 

Gott mehr zu vertrauen als deinem Zweifel, komm zu Jesus!

Der Angeschlagene soll es hören: 

Du bist von Gott erwählt!

 

Der Schwache soll es hören, dem, der nicht mehr aus noch ein weiß.

Müde, Verzagte, Frustrierte - sie alle sollen es hören: 

Ihr seid von Gott erwählt! 

ER wartet auf Euch!

 

Das steckt dahinter, wenn Jesus sagt:

»Ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und 

Frucht bringt.«

 

 

 

2. Von Jesus geliebt: Dadurch kann Frucht wachsen

Jesus sagt: »Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch…« 

 

Was für die Erwählung Gottes gilt, 

gilt auch für die Liebe Gottes. 

 

Gottes Liebe ist eine besondere Sache.

 

Wenn wir einen Menschen lieben, 

dann muss die Beziehung stimmen. 

Schließlich lieben wir nicht jede wildfremde Person:

Ein Mann liebt seine Frau, die Mutter liebt ihr Kind. 

Aber bei Gott ist das anders. 

Ganz anders.

 

Er liebt alle Menschen, ja, er liebt sie nach Hause. 

 

Sie sind seine Geschöpfe, 

auch noch als seine gefallenen Geschöpfe ...

Niemand ist da ausgenommen. 

Selbst nachdem die Beziehung des Menschen zu Gott nicht mehr

stimmt. »Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch.« 

Das ist die Liebeserklärung des Himmels!

 

Wenn schon das »Ich mag dich!« einer Mutter zu ihrem Kind

ein Lächeln und tiefe Freude auslöst, 

- wenn schon ein anerkennendes Wort des Vorgesetzten 

einem Mitarbeiter gegenüber das Arbeitsklima verändert 

und das Selbstwertgefühl stärkt, 

- wenn schon das »Ich liebe dich« eines Verliebten
an die Verehrte Schmetterlinge im Bauch auffliegen lässt, 

was muss dann in unserem Leben passieren, 

wenn uns ein Licht aufgeht darüber, was Jesus uns hier zusagt:
»Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch!«

 

Die Liebe von Jesus ist keine Allerweltsliebe. 

Sie ist auch nicht die des stürmischen Liebhabers ...
der womöglich mehr von den eigenen Hormonen gesteuert wird.

Jesus liebt nicht wie ein Mensch, 

sondern so wie Gott. 

 

Und wie liebt Gott? 

Im Johannesevangelium steht es (Konfis fragen!): 

»So sehr hat Gott die Welt geliebt, 

dass er seinen eingeborenen Sohn dahin gab,
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben« (Joh 3,16).

 

 

Gottes Liebe zeigt sich darin, 

dass sein Sohn für meine und Deine Sünde

am Kreuz sein Leben gelassen hat, 

dass er uns mit dem Kreuzesbalken eine Brücke, 

einen Weg gebaut hat, der zurück ins Paradies (zu Gott) führt. 

Einen Weg, der nicht zusammen bricht, 

wie alle menschlichen Versuche, 

uns Gott in irgendeiner Form anzudienen ...

Gottes Liebe hat gehandelt ... am Kreuz

und sie handelt bis heute ... indem sie uns durch Gottes Wort freundlich 

bittet: „Mensch, wo bist du? - Antworte mir doch!“

 

Gottes Liebe ist deshalb nicht einfach die Erfüllung all dessen, 

was sich Menschen wünschen. 

Sie ist kein einfaches Trostpflaster, 

das wir uns aufkleben und dann folgenlos weiter leben!

 

Wahre Liebe lässt sich nicht an der Erfüllung der Wünsche messen, 

sondern nur - am Grad ihrer Opferbereitschaft. 

Und Gott war hochgradig opferbereit: Er hat seinen Sohn dahin gegeben!

Nicht nur vom Himmel auf die Erde, das auch! 

Nein, er hat ihn für uns in den Tod gegeben!

Er hatte ein ganzes Ja zum Kind in der Krippe 

und zum Mann am Kreuz. 

Und das freiwillig, aus eigenem Antrieb. 

Den einzigen Sohn, 

einen anderen hat er nicht!

 

So opferbereit war Gott, 

so viel hat er sich seine Liebe kosten lassen, 

so - hat Gott geliebt. 

 

In einem Weihnachtslied hat es Gerhard Tersteegen so gesagt: 

»Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget; 

sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! Gott wird ein Kind, 

träget und hebet die Sünd; alles anbetet und schweiget« (4). 

 

Jesus ist die Liebe Gottes in Person. 

Er sagt: »Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch«. 

 

Und in diese Liebe darf sich jeder Mensch hinein nehmen lassen, 

indem Jesus zum Mittelpunkt seines Lebens wird. 

Dann wird sein Leben Frucht bringen!

 

 

3. Vom Wort Gottes geleitet: Dadurch kann Frucht wachsen 

Jesus sagt: »Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner 

Liebe« und »Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, 

wie ich euch liebe.«

 

Die „Gebote“ sind Worte Gottes. 

Sie stehen in der Bibel. 

Sie sind keine Sammlung von Paragraphen. 

Gottes Worte sind Lebensworte. 

Auch die Gebote.

 

Ganz besonders auf das Liebesgebot weist Jesus 

an dieser Stelle hin. 

An anderer Stelle im Johannesevangelium steht eine 

tiefe Begründung (Joh 13,34). 

Dort wird es das neue Gebot genannt. 

 

Was ist das „Neue“ daran?

Dass es in Jesus verwurzelt ist!

Christen sind Menschen, die Jesus gewissermaßen „geboren“ hat,

seine Geliebten - und als solche sollen sie sich auch untereinander 

„lieben“.

 

Darum geht es: 

Der Strom der Liebe Gottes, von vom Vater im Himmel 

zu seinem Sohn Jesus und uns weiter geleitet wird, 

dieser Strom der Liebe soll nicht im Kreis der Christen „hängen“ bleiben, 

versickern, sondern muss weiter fließen, 

nicht zuletzt zu allen Menschen. 

 

Deshalb kann es einen echt traurig machen, 

wenn sich auch unter Christen Brüder und Schwestern 

manchmal so wenig „grün“ sind, 

wenn sich da Gruppen, Grüppchen und Klüngel bilden, 

Geschmacks- und Kuschelkreise. 

 

Das muss sich wie eine Wachstumsbremse auswirken. 

 

Weil nur dort Ausstrahlungskraft entsteht, wo Menschen, die Jesus 

nachfolgen, sich gegenseitig anzunehmen und lieben. 

 

Die wenigen Christen im alten Rom sind in der damaligen Multi-Kulti-

Gesellschaft vor allem an einem Merkmal erkannt worden: »Siehe, 

wie haben sie einander so lieb!« schreibt ein römischer Chronist. 

An der Liebe zueinander werden Christen erkannt 

oder es stimmt etwas im Kern nicht. 

 

Lassen wir uns also durch das Wort Gottes leiten, 

halten wir das persönliche Bibellesen, Hauskreise und die 

Gottesdienste hoch!

Es gibt so viele entscheidende Lebenshinweise in der Bibel

und wir alle brauchen immer wieder auch Korrektur!

 

Dabei geht‘s nicht um ein „übersteigertes“ Christsein, 

aber um das Hören auf Gottes Wort schon 

und nicht zuletzt um das Gehorchen!

Und um Vergebung - Vergebung selbst annehmen 

und anderen nicht zu verweigern. 

Wo Menschen so aus Gottes Wort leben und sich ihm nicht in 

den Weg stellen, da wächst Frucht!

Absolut sicher!

 

Noch mal zur Erinnerung die „Früchte des Geistes“, 

die Paulus nennt: 

„Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, 

Güte und Treue ...“ (Gal 5,22 HfA).

 

Damit ist bestimmt noch nicht alles gesagt, aber Entscheidendes.

„Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, 

Güte und Treue ...“ - Das sind alles Dinge, die es in dieser Welt 

so nicht gibt, so wie sie Gott gibt in das Leben von Menschen, 

die Jesus nachfolgen. 

 

Da passen „Wort und Tat“ zusammen ... weil Jesus sich auswirkt. 

 

Aber nicht wir sind es, 

die letztlich die „Früchte“ des Glaubens beurteilen, 

sondern Gott selber wird das einmal tun. 

 

ER ist es, der einmal erntet. Nicht wir. 

Und ER ist es auch, der einmal den Weizen von der Spreu trennen wird.

 

Drei Punkte habe ich heute von Jesus herausgestellt:
Wer von der Erwählung Jesu lebt, 

auf seinen Ruf in die Nachfolge antwortet, 

wer in seiner Liebe bleibt und wer sich von seinem Wort leiten lässt, 

der bringt Frucht, die bleibt.  

Amen. 

 

Anmerkungen:

(1)  5. Mose 7, 7

(2)  1. Korinther 1, 27.28

(3)  Johannes 3, 16

(4)  EG 41, 3

(5)  Johannes 13, 34




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
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10:00 Uhr in Schwann:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
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19:45 Uhr:
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Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
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