2013-09-29

Predigt über 2. Mose 20,1-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören als Predigttext heute die sehr bekannten Worte aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 20, die die Überschrift tragen: „Die 10 Gebote“:

„Und der HERR redete alle diese Worte: 

Ich bin der HERR -, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der

Knechtschaft, geführt habt: Du sollst keine anderen Götter haben 

neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis 

machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, 

was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. 

Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Misse-

 

tat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern

derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen 

tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen;

denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen 

missbraucht. 

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. 

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 

Aber am siebten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. 

Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, 

dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der 

in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel 

und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und 

ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag

und heiligte ihn. 

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest

in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. 

Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. 

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht 

begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, 

was dein Nächster hat.“ 

 

(Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren)

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

»auf der ganzen Welt gibt‘s rund 40 Millionen Gesetze

und das alles nur, um den 10 Geboten Geltung zu verschaffen.«

Dieser bemerkenswerte Satz steht auf einer Spruchkarte, 

zwar ohne Autor - aber er leuchtet ein!

Und er macht uns nachdenklich:

Gott schnürt kurz und klar zusammen, 

was wir Menschen oft zerreden und relativieren. 

 

Wenn wir heute in der Predigt auf die 10 Gebote hören,

dann geht das nur, wenn wir absolut auf das Wesentliche schauen!

Eigentlich könnte man einen ganzen Glaubenskurs darauf beziehen, 

wollten wir dem wirklich gerecht zu werden, 

was Gott uns da im Einzelnen - und an Tiefe - angedeihen lässt. 

 

Aber kriegen wir heute morgen nicht hin. 

So konzentriere ich mich heute auf das erste Gebot, 

in dem Gottes guter und klarer Wille so deutlich wie nur möglich 

zum Vorschein kommt. 

Das erste Gebot ist wie eine Tür, 

die - wenn man hindurch geht -, einem nacheinander auch alle

anderen Gebote aufschließt. 

 

Und da steht gleich am Anfang ...

 

1. Das Hauptwort: Ich bin der Herr, dein Gott

»Ich« heißt das erste Wort. 

Gott ist das Subjekt. Er ist der Schöpfer. Er ist das Hauptwort. 

Und das soll sein Volk unbedingt festhalten,

dem er seine Gebote gegeben hat. 

 

»Ich bin« - das gilt auch heute und jetzt, 

hier in Dennach / Schwann. 

Nicht »ich war« – gestern, längst passé. 

Auch nicht »Ich werde sein« – in der Zukunft, irgendwann. 

Sondern Gott zeigt sich als Herr (Lenker) des Heute, 

als der, der die Gegenwart gestaltet, der sie in der Hand hat. 

 

Damit sind die ersten zwei Worte der 10 Gebote schon ein klarer Protest 

gegen unsere Zeit, gegen den Geist unserer Zeit, 

in der wir Gott vielfach klein gemacht haben:

    • In den Büros und von den „Entscheidern“ wird geplant,
      als ob der Mensch alle Fäden in der Hand hat.
      (Firmen werden hoch gezogen, wie oft allein auf ihre Rendite
      hin bewertet, dann verschachert an irgendeinen Heuschrecken-
      Investor und wer fragt nach den Angstellten und ihren Familien ...?)
    • In den Labors wird geforscht,
      als ob der Mensch das Maß aller Dinge sei.
      (die „Präimplantationsdiagnostik“ ist vor zwei Jahren legalisiert worden:
      Menschen können jetzt nach der Zeugung erst mal untersucht werden,
      ob sie gesund genug sind, um im Mutterleib heranwachsen zu dürfen ... 
      Menschen entscheiden über das Lebensrecht von Menschen!)
    • In den Nachrichtenstudios wird gesendet,
      als ob‘s die gute Nachricht – das Evangelium – überhaupt nicht gäbe.
      („schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ heißt da das Motto ...
      und wie oft fällt mir auf: Wenn sich 10.000 Christen irgendwo zu einer
      Konferenz treffen, dann ist das keine Meldung wert;
      treffen sich aber 100 um - sagen wir mal - gegen Verkehrslärm zu
      demonstrieren, dann wird das zur Top Nachricht)
    • In den Parlamenten wird debattiert und entschieden,
      als ob die Zukunft Deutschlands und dieser Welt
      allein in der Hand von Menschen liege.
      (Die Links-Partei will Gott komplett aus dem Grundgesetz streichen,
      aber nicht nur sie ... oder in Berlin gibt es Religionsunterricht nur noch am
      Nachmittag, für die, die sich auch davon nicht abschrecken lassen ...)

 

Wir haben Gott klein gemacht.

In unserer westlichen Welt, in Deutschland, 

und vielfach auch in unserem Leben. 

Wie schnell sind wir einzig darauf fixiert in unserem Alltag,

was wir leisten müssen und können. 

Wie oft sind wir fixiert auf unsere Träume und Hoffnungen 

und Wünsche?

 

Gott aber stellt sich dagegen. 

»Ich« sagt er laut und deutlich, klar und entschlossen.

»Ich zuerst und vor allem anderen.« 

Auch bei dir soll das so sein.

 

Und jetzt passiert etwas Bemerkenswertes, ja Tragisches:

Sobald der Mensch das erste Gebot hört, 

reagiert er mit Unbehagen und Kritik. 

»Gott zuerst« -, „äh‘m, das will ich nicht!“

 

Wir Menschen sind versucht -, immer neu - ohne Gott zu leben, 

so als gäbe es ihn gar nicht. 

Das hat seinen Anfang schon im Paradies genommen. 

Wie verlockend war da die Stimme der Schlange: 

»Sollte Gott gesagt haben«. 

Aber auch wie giftig und tödlich. 

 

Und seitdem ist so viel Elend und Not dabei heraus gekommen, 

wenn Menschen das »Ich bin« Gottes überhört und übergangen haben.

 

Vielleicht kennen Sie die alte Fabel von einer Spinne?

 

Die untersucht ihr ausgedehntes Netz, 

ob sich nicht was einsparen ließe. 

Schließlich muss man mit der Zeit gehen, hat sie gehört. 

Es sei wichtig, Altes abzulegen und sich dem Neuen zu öffnen.

 

Auf der Suche nach einer solchen Rundum-Erneuerung ihres Netzes

findet sie schließlich einen Faden, der scheinbar zwecklos war. 

Der ging einfach in die Höhe 

und hatte bisher noch keinen einzigen Fang eingebracht. 

So entschließt sie kurzerhand, diesen Faden abzubeißen. – 

Mit dem „Erfolg“, dass ihr ganzes Netz in sich zusammen fällt!

Denn es war der Faden nach oben, an dem das ganze Gewebe hing.

 

Eine Geschichte mit Tiefgang,

die uns sagt 

»Reißt den Faden nach oben, 

den Faden des Vertrauens auf Gott, 

den Faden der Furcht Gottes nicht ab. 

Sonst entsteht ein Chaos, 

alles fällt in sich zusammen

und Verwirrung und Orientierungslosigkeit bleiben zurück«

 

Nach dem Hauptwort „Ich bin der Herr, dein Gott“

geht es in den 10 Geboten vor allem um die 

 

 

2. Die Hauptperson: Du sollst keinen anderen Gott
als den Vater Jesu Christi haben

»Ich bin der Herr, dein Gott! 

Du sollst Gott haben – mich allein!« – 

so lässt sich das erste Gebot auch übersetzen. 

 

Und darin hören wir, wie Gottes Liebe um uns wirbt. 

 

Es ist so, dass sich der Schöpfer und Herr des Universums 

in diesem Wort zu uns herunter beugt

und auf seinen Sohn Jesus Christus zeigt und sagt: 

»Schau auf den. Hier hast du mich.«

Hier werde ich greifbar (findbar und annehmbar) für Dich!

 

Immer wieder sagt Jesus von sich: »Ich bin...« 

– das Brot des Lebens 

– das Licht des Lebens 

– der wahre Weinstock 

– der gute Hirte.

Und jedes Mal schwingt das erste Gebot in seinen Worten mit. 

In Jesus füllt der Vater im Himmel das erste Gebot mit Leben. 

Und im Blick auf Jesus 

können wir dieses erste Gebot überhaupt erst erfüllen. 

 

Paul Gerhardt, ein großer Liederdichter aus unserem Gesangbuch, 

er wäre in diesem Jahr 400 Jahre alt geworden (wenn wir so ein 

Alter erreichen könnten), 

hat dieser persönliche Zuwendung Gottes in Jesus 

selber erlebt und dann in einem Lied so ausgedrückt (EG 370,11):

„Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, 

du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. 

Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut - mir zugut - 

in den Tod gegeben.“

 

Ja, die Hauptperson unseres Glaubens

ist dieser Gott, der uns in Jesus entgegen kommt, 

der Mensch wird, 

der um unserer Sünden und um unserer Verlorenheit willen

am Kreuz elend stirbt

der Gott, von dem wir im Konfirmanden-Unterricht  am Mittwoch 

gesprochen haben, von dem im Evangelium steht:

„Er hat die Welt so sehr geliebt, 

dass er seinen einzigen Sohn dahin gab ... 

Warum eigentlich?

damit alle, die an ihn glauben, 

nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16).

 

Die an Jesus glauben, 

die ihm nachfolgen, zu ihm beten, 

die kennen Gott wirklich

und sie wissen: Es kann in unserem Leben nur eine Hauptperson geben. 

 

Die Frage ist nur, welche es ist?

ER oder ICH?!

 

Aber eines ist sicher: 

Wer den Sohn Gottes angenommen hat, 

der braucht sich nicht mehr nach anderen Helfern umschauen, 

der weiß sich im Sohn Gottes geborgen. 

 

Deshalb ist das erste Gebot ein scharfer Widerspruch 

gegen die vielen Heilshoffnungen, 

an die sich die Menschen heute klammern:

    • Ob es die holzgeschnitzten Götter sind, die viele
      afrikanische Stämme verehren. 
    • Oder die chinesische Einsicht, nach der es mehr Götter gebe
      als Sand am Fluss Hoangho. 
    • Oder sei es der indische Glaube (Hinduismus), der mit 330
      Millionen Göttern rechnet.

Jedes Mal widerspricht der Gott der Bibel entschieden:
Du sollst keine anderen Götter haben!

 

Aber dazu brauchen wir gar nicht nach Asien schauen. 

Auch in unseren Breitengraden gibt es Götter über Götter: 

 

– Das Schicksal zum Beispiel, wenn Menschen abergläubisch auf
   Holz klopfen. Aber das ist eine völlig andere Macht als der Vater
   Jesu Christi. Oder wenn viele gar nicht wissen:
   Wenn jemand „Toi, toi, toi“ sagt - dass das eigentlich
   „Teufel, Teufel, Teufel“ heißt ...

 

– Wie viele bekennen: Mein Gott ist die Natur, und sie machen sich
am Sonntagmorgen zum Spaziergang in den Wald auf
   oder schwingen sich aufs Fahrrad ... suchen Gott in der Natur.
   Aber auch das ist ein ganz anderer Gott, als der Vater Jesu Christi.

 

– Wie leicht werden Geld und Besitz zum Gott, dem wir
hinterher eifern, der unser Denken und Handeln bestimmt.
Aber auch das ist ein anderer Gott,
   als der Vater von Jesus Christus,
   der unser Herr sein will, der Regisseur unseres Lebens. 

 

– Und wer von uns steht nicht in der Gefahr,
   sich zu konzentrieren auf die Sicherung der Gesundheit,
   vielleicht schon des Alters?
   Dafür machen wir dann ganz viel, vielleicht sogar alles?
   Aber auch das ist nicht der Vater von Jesus Christus,
   der mein Leben ganz bestimmen will. 

 

Wir könnten da unendlich weiter machen
und würden noch eine ganze Menge moderner Götzen finden. 

 

Martin Luther hat es auf den kurzen Nenner gebracht:
»Woran du dein Herz hängst, das ist (eigentlich) dein Gott.« 

 

Die Namen sind alle verschieden,
sie haben aber eines gemeinsam:
Sie ziehen unser Vertrauen weg von Gott, 

unserem Herrn und Schöpfer, 

sie ziehen unser Vertrauen weg

von Jesus Christus, seinem Sohn. 

Sie lassen uns nicht mehr ungeteilt und allein auf IHN trauen. 

 

Aber warum ist Gott so ausschließlich, so exklusiv? 

Manche meinen sogar „so intolerant“?!

 

Das erste Gebot »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir« 

kann man auch so übersetzen: »Du sollst keine fremden Götter 

neben mir haben.«

 

Und darum geht es!

Es sind fremde Götter, wie sie auch heißen. 

 

Wir meinen, unser Leben sei sicher (mit ihnen),

aber letztlich bleibt unser Leben bei ihnen heimatlos. 

»Das Schicksal«, »die Natur«, »der Besitz«, »die Sicherheit« – 

es sind fremde Götter, die unsere Seele nicht bergen können. 

Fremde Götter, die uns vielleicht auf Zeit beruhigen.
Die uns aber nicht wirklich still machen können. 

Und die am Ende eine Leere in uns zurücklassen.

 

Ich will versuchen, das mit einem Bild deutlich zu machen:

An einer belebten Straße sitzt ein Kind und weint. 

Es hat seine Mutter verloren.
Bewohner des Hauses finden das Kind und nehmen es zu sich. 

Sie verständigten die Polizei und erklärten sich bereit, 

das Kind zunächst zu beruhigen und zu versorgen. 

Sie setzen ihm Kuchen und Schokolade vor, 

übergeben das tollste Spielzeug. 

Aber es will nicht aufhören zu weinen, vor sich hin zu schluchzen, 

geschweige denn ein gemeinsames Spiel machen. 

Man legt das Kind in ein weiches Bett zum Mittagsschlaf. 

Aber die Tränen hören nicht auf. 

Da hört es vom Hauseingang her eine Frauenstimme:
»Mein Kind soll hier sein. Man hat mich hier her geschickt« 

 

Sofort fährt das Kind auf. 

Noch mit Tränen in den Augen läuft es in die offenen Arme 

seiner Mutter. 

 

Unsere Seele / unser Leben ist wie dieses Kind. 

Es trägt in sich das Heimweh 

und wartet auf die Stimme die uns sagt: 

»Ich bin der gute Hirte. Ich bin gekommen, 

um dich in meine Arme zu schließen und nach Hause bringen.« 

 

Erst bei ihm kommt sie zur Ruhe. 

Beim Hirten, der uns Leben und alles, was wir brauchen, 

schenken kann.

 

Petrus, der Jünger von Jesus, hat das erkannt. 

Als sich nach einer Predigt von Jesu viele Menschen zurück ziehen, 

da fragt Jesus seine Jünger: »Und ihr, wollt ihr auch weggehen?« 

Anders ausgedrückt: „Und ihr, wollt ihr Gott vielleicht nicht doch noch 

woanders suchen?“

 

Darauf bekennt Petrus: »Herr, wohin sonst sollten wir gehen? 

Du hast Worte des ewigen Lebens« (Johannes 6, 68). 

Niemand kann uns geben, was du gibst. 

Niemand verdient den Namen Gott zurecht, als allein du. 

Nirgends sonst kommt unser Herz und unser Leben zur Ruhe, 

als allein bei dir.   

Amen. 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)