2013-06-16

Musikalischer Gottesdienst mit dem Ensemble "VARIOTON" in der Schlosskirche Schwann / Predigt über Lukas 19,1-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

IMG_4678.jpg
IMG_4679.jpg

IMG_4681.jpg
IMG_4682.jpg

IMG_4683.jpg
IMG_4684.jpg

IMG_4685.jpg
IMG_4686.jpg

IMG_4688.jpg

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 1-10: 

„1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe,

da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner 

und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und 

konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 

Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; 

denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, 

sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich 

muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter 

und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Als sie das sahen, murrten sie alle 

und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.  8 Zachäus aber trat 

vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz 

gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe 

ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem 

Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. 10 Denn der 

Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was 

verloren ist.“

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,
verstehen Sie, warum Zachäus auf den Baum geklettert ist? 

Ich würde Zachäus gerne fragen:

 

  1. (Sehnsucht nach der Liebe Jesu)

 

(a) »He Zachäus, warum bist Du denn damals auf die Straße gegangen? ,
Warum bist Du diesen Maulbeerbaum rauf geklettert
und hast Dich so lächerlich gemacht?

Du warst doch ein Vorsteher bei den Zöllnern (ein hohes Tier).
Du bist im Dienst der römischen Besatzungsmacht gestanden.
Von Deinem Volk bist Du als Verräter beschimpft worden.
Aber das hast Du in Kauf genommen!?“

 

Ich weiß außerdem, dass Du Deine Position als Zöllner
ganz schön ausgenutzt hast:
- Die Leute waren von Dir abhängig.
- Du hast von ihnen übermäßig Zoll verlangt.
- Du hast sie aufs Kreuz gelegt und bist dabei steinreich geworden.
Sie haben deshalb auf Dich geschimpft, sie haben Dich verflucht.
Auch den Preis hast Du für Deine Karriere gezahlt.

Und ich weiß, dass Du als unrein gegolten hast,
weil Du mit Heiden und mit deren Geld gedealt hast.
Deshalb durftest Du nicht in den Tempel,
Du warst aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen.
Aber die Religion war Dir ja auch nicht so wichtig ...

 

Warum wolltest ausgerechnet Du Jesus sehen?
Was hat dich dazu gebracht, auf die Straße zu gehen? -
Neugier? - Es muss mehr als Neugier gewesen sein.
Denn sicher waren die Leute gehässig zu Dir und haben gesagt:
Was will denn dieser Zöllner und Sünder hier?
Diesen Verbrecher lassen wir erst gar nicht durch, 

für den machen wir nicht Platz. 

Hau ab, Zachäus!

 

Und dann - bist Du sogar auf einen Baum gekrackselt. 

Du, mit deinen vornehmen und teuren Kleidern, 

als reicher Mann!

 

Die Leute werden sich gegenseitig angestupst 

und auf Dich gezeigt haben. 

Sie werden sich über Dich halbtot gelacht haben:
Was hat den auf die Straße getrieben? 

Der hat doch alles, was er will. 

Warum ist es dem so wichtig, Jesus zu sehen?

 

(b) Vielleicht - hätte Zachäus geantwortet:

»Ja, ich war reich. Ich konnte mir jeden Wunsch erfüllen. 

Aber Reichtum ist nicht alles. 

Ich hatte in meinem Leben ein großes Problem, 

das konnte ich nicht lösen: 

- Ich wollte anerkannt und geliebt werden. 

- Ich habe versucht, überall diese Anerkennung und Liebe 

  zu bekommen.

Als Kind hab‘ ich mir gesagt: Wenn ich mal jemand bin, 

dann werden mich die Leute lieben. 

Deshalb habe ich mich angestrengt und Karriere gemacht. 

So bin ich Zöllner geworden, dann Oberzöller - und schließlich - 

der Oberste der Zöllner. 

 

Auf diesem Weg habe ich meine menschlichen und religiösen 

Grundsätze über Bord geworfen. 

Ich habe sogar auf meine bisherigen Freunde verzichtet. 

 

Schließlich habe ich es geschafft. 

Jetzt war ich wer. Jetzt hatte ich Macht, Geld und Beziehungen –
aber immer noch keine Liebe.
Im Gegenteil: die Leute hatten Angst vor mir, 

sie haben mich verabscheut, mich gehasst.

Jetzt war ich auch reich, konnte mir vieles leisten, 

mir selbst etwas Gutes tun,
aber das war es nicht, was ich brauchte. 

 

Und da - habe ich von Jesus gehört!

 

Davon, dass Jesus die Menschen liebt – unabhängig von ihrer Stellung, 

unabhängig von ihrem Ruf - 

und er redet mit ihnen, heilt sie, ist ihnen ganz nah ...

 

Als ich das gehört habe, da ist plötzlich meine ganze Sehnsucht

nach Liebe in mir aufgebrochen!

Ich wollte diesem Jesus nahe sein. 

Ich wollte auch von ihm so geliebt werden – trotz meiner Fehler

und meines verkehrten Lebens. 

 

Was die Leute denken würden, war mir egal. 

Nur um mich - ist es mir in diesem Augenblick gegangen!

Ich wollte zu diesem Jesus. 

Deshalb bin ich auf die Straße gegangen

und auf einen Maulbeerbaum geklettert. 

 

 

 

Liebe Gemeinde, das finde ich so sympathisch an Zachäus. 

Er war auf der Suche nach Liebe. 

Er hat seinen Mangel und seine Sehnsucht nicht länger versteckt, 

sondern sich dazu bekannt. 

Dabei war es ihm egal, was die Leute von ihm dachten. 

Er wollte - diesen Jesus - kennenlernen. 

Er wusste, dass er ihn brauchte!

 

 

 

(2. Jesus schenkt diese Liebe)

Und ich find‘ es so toll, wie Jesus auf die Sehnsucht dieses 

Menschen reagiert hat: Jesus verschenkt seine Liebe nämlich

wirklich gern!


Bestimmt war die ganze Straße voller Leute. 

Die haben gejubelt, geklatscht und durcheinander geschrieen. 

 

Und doch bleibt Jesus plötzlich stehen, schaute in diese Baumkrone,
sieht Zachäus und sagt: »Zachäus, komm schnell runter, 

denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.« 

 

Es begeistert mich, dass Jesus diesen Zachäus auf dem 

Maulbeerbaum sieht. 

Er sieht den Einen unter den Hunderten, 

der voller Sehnsucht nach ihm war. 

Er hat einen Blick für den Suchenden, für den Hungrigen. 

So ist Jesus. 

Und das ist bis heute so!

 

Gott sagt: »Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 

so will ich mich von euch finden lassen.« (1) 

Jesus selber sagt: »Sucht, und ihr werdet finden.« (2) 

 

Zachäus hat Jesus von ganzem Herzen gesucht 

und Jesus hat sich von ihm finden lassen. 

Jesus verachtet keinen. 

Deshalb: Wenn Du auch diese Sehnsucht nach der Liebe Gottes hast, 

dann streck Dich nach diesem Jesus aus.

 

»Steig eilends herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.« 

»Ich muss.« - Ja, warum muss Jesus denn?

Wer zwingt ihn? 

 

Es ist ein innerer Zwang.

Es ist der Gehorsam dem Vater gegenüber. 

Dieser Vater hat ihn zu den verlorenen Menschen dieser Welt geschickt

und das sind zunächst einmal alle Menschen!

 

Und dieser Aufgabe bleibt Jesus treu. 

Dabei sieht er in die Menschen hinein, 

er sieht hinter ihre Fassade. 

 

Er sieht die ganze Not des Zachäus, 

er sieht seine Sehnsucht nach Liebe, nach Annahme 

und vielleicht - sogar Vergebung. 

 

Deshalb treibt es ihn zu diesem Zöllner, der ein echter Lump 

und Sünder war. 

Jesus lässt sich durch nichts davon abbringen. 

Weder durch das falsche Leben des Zachäus noch 

durch das Geschwätz der Leute. 

Er ruft Zachäus mit Namen. 

Er kennt ihn, obwohl sie vorher nichts mitnander zu tun hatten. 

Und Jesus lädt sich bei ihm ein. 

 

Da ist Zachäus überglücklich, 

er erlebt an diesem Tag etwas, 

wonach er sich sein ganzes Leben gesehnt hat: Liebe und Annahme.

 

 

Liebe Gemeinde, was Zachäus erlebt hat, 

das ist auch für uns wie ein geöffnetes Fenster. 

An Zachäus erkennen wir, 

das Jesus alle Menschen am Herzen liegen, 

dass er allen mit seiner Liebe begegnen will – auch dem größten Sünder. 

 

Aber es gibt leider eine falsche Herzenshaltung, die verhindert, 

dass es zu dieser heilsamen und rettenden Begegnung mit Jesus kommt:

Viele weisen diesen Jesus zurück, 

weil sie zu stolz sind. 

Sie wollen ihr Leben in die eigene Hand nehmen und 

von niemand abhängig sein. 

 

Sie erkennen ihr eigentliches Problem, nämlich die Trennung von 

Gott nicht und wollen es auch nicht wahrhaben!

Deshalb versuchen sie alles mögliche, 

um diesen Mangel und das Vakuum ihres Lebens anderweitig zu füllen. 

Sie sind noch nicht so weit wie Zachäus, 

der gemerkt hat: Wo immer ich Liebe und Annahme suchte, 

ich habe sie nicht gefunden. 

Ich brauche Jesus!

 

 

(3. Das Murren der Leute gegen die Liebe Jesu)

Als Jesus bei Zachäus einkehrt, 

da war das bestimmt der wichtigste und schönste Tag seines Lebens. 

 

Was muss das für ein fröhliches Essen und Trinken gewesen sein! 

Überbordende Freude, Lachen und Scherze 

erfüllen das Haus dieses Zöllners. 

 

Und ich finde es so traurig, dass draußen vor der Tür Leute stehen, 

die sich nicht mitfreuen können: »Als sie das sahen, 

murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt!« 

 

Das Leben eines Menschen wird heil. 

Ein Sünder wird gerettet - und daneben - stehen Leute, 

die eifersüchtig sind. 

Sie hätten Jesus selber gern eingeladen. 

Sie haben sich für besser als dieser Zöllner und Sünder gehalten. 

Sie haben sich nicht freuen können über diesen Besuch von Jesus

bei Zachäus!

 

Wie traurig!

 

Daraus will ich gerne lernen: 

Ich will nicht eifersüchtig sein, wenn Jesus andere Menschen
mit seiner Liebe beschenkt. 

Ich will mich mitfreuen, wenn Jesus durch andere Menschen als durch 

mich (oder uns) Leute zum lebendigen Glauben führt. 

Ich will auch nicht neidisch auf andere Gemeinden oder christliche

Werke schauen, wenn die gerade aufleben und blühen. 

 

Ich will mich statt dessen freuen, 

wann und wo immer Jesus Menschen rettet und sie seine Liebe

annehmen. 

„Im Himmel wird Freude sein über einen Sünder, der Buße tut ...“

und alle, die das tun, werden dort einmal zusammen sein!

 


(4. Die Annahme der Liebe Jesu verändert die Menschen)

Ein letzter Gedanke noch, der mich an diesem Zachäus fasziniert: 

Als Jesus ihn anspricht, da klettert er sofort vom Baum runter 

und nimmt Jesus spontan mit nach Hause. 

 

Zachäus hat keine Zeit, sich vorzubereiten, 

keine Zeit, daheim erst aufzuräumen. 

Seine Betrügereien (sein bisheriges Geschäftsgebahren) hat er 

nicht mehr verstecken können. 

Es war ihm egal, wie‘s dort aussah und was Jesus vorfand. 

Er denkt nicht: Erst wenn ich daheim alles in Ordnung gebracht habe, 

kann ich Jesus reinlassen. 

Nein, in seiner Begeisterung und Freude nimmt er Jesus einfach 

in seine unaufgeräumte Wohnung mit.

 

Und umgekehrt gilt auch: Jesus will in dieses Haus des Zachäus 

– so wie es war – einkehren. 

Zachäus muss keine Voraussetzungen erfüllen. 

 

Das zeigt mir, dass die rettende Liebe von Jesus nicht 

an Bedingungen geknüpft ist. 

Jesus sieht das Herz an. 

Wenn das für ihn schlägt und offen ist, dann zieht er ein – 

egal, was im Leben dieses Menschen noch nicht in Ordnung ist. 

 

In einem schönen Lied (3), das auch in unserem roten Liederbuch 

steht - wir haben es letzten Sonntag gesungen - da heißt es:

 

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin.

Du hast gesagt, dass jeder kommen darf.

Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann.

Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan.

Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin,

und ich kann so zu dir kommen wie ich bin.

 

Jesus, bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.

Ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir.

Ich muss nichts vor dir verbergen, der mich schon so lange kennt.

Du siehst -, was mich zu dir zieht, und auch, was mich von dir noch trennt.

Und so leg ich Licht und Schatten meines Lebens vor dich hin,

denn bei dir darf ich mich geben, wie ich bin.

 

 

Genau das hat Zachäus gemacht. 

Und da passiert etwas ganz Interessantes:

Während die anderen draußen vor dem Haus noch rummosern, 

da passiert drinnen etwas ganz Unerwartetes: 

 

Das Herz des Zachäus verändert sich.
Die Liebe Gottes, ausgegossen in das Herz eines Sünders, 

verändert dessen Herz. 

 

So steht Zachäus plötzlich auf, tritt vor Jesus hin und sagt: 

»Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, 

und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.« 

 

Die Liebe von Jesus verändert das Leben des Zachäus: 

Sie bewirkt, dass er sich von Betrug und Gewalt löst 

und sein Leben auf neuen Grundsätzen aufbaut. 

Sie schafft es, 

dass Zachäus jetzt plötzlich ganz andere Werte wichtig werden. 

So kam sein Leben wie von selber in Ordnung. 

So erfährt er eine innere Heilung. 

Es passiert das Wunder der Umgestaltung eines Sünders -

zum Jünger und Nachfolger von Jesus.

 

Wo immer die Liebe von Jesus in einen Menschen fällt, 

da gibt es automatisch Veränderung. 

Was Zachäus erlebt hat, das kann auch heute noch geschehen. 

 

Wenn Du Sehnsucht nach der Liebe Gottes hast, 

dann wird Jesus sich Dir zuwenden. 

 

Das Angebot Gottes gilt: »Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch.« (4) 

Jesus wird Dir seine Liebe schenken.
Und diese Liebe wird auch in Dir gute und heilvolle
Veränderung bewirken.

 

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin.

Nimm fort, was mich und andere zerstört.

Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt,

der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt.

Du hast schon seit langer Zeit mit mir das Beste nur im Sinn.

Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Du hast schon seit langer Zeit für mich das Beste nur im Sinn.

Darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrerin Esther Schaf für ihre Vorarbeiten zu dieser Predigt). 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann