2013-05-19 Pfingstfest

Predigt über 4. Mose 11,11-25 in Auswahl / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

neben Internet und Smartphone

prägen unsere Zeit drei „Symbole“, schreibt der Reporter

einer großen Zeitung:  

 

Die Autobahn - sie steht für die ungehinderte Beweglichkeit, 

für die Freiheit, jederzeit hinfahren zu können, 

wohin man will.

Der Discounter - er steht für ein unübersehbares Warensortiment

zu vergleichsweise günstigen Preisen und 

Die Fastfood-Ketten (Schnell-Restaurants), 

bei denen ich meine Hunger- und Durstgefühle immer

gleich befriedigen kann, sobald sie auftreten. 

 

Soziologen sagen, wir leben heute immer stärker eine „Instant-Kultur“

und sie meinen damit eine Lebens- und Denkweise, 

für die der Nachkriegs-Instant-Kaffee symbolisch am Anfang stand: 

„Becher, Pulver, heißes Wasser drüber, umrühren  - und fertig ist der 

Instantcafé!“

Alles Hindernde, vor allem die Zeit, wird tendenziell abgeschafft!

Wir kommunizieren zunehmend wortlos (oder nur im SMS-Stil)

und versuchen unsere Bedürfnisse vor allem 

schnell und hastig zu stillen. 

 

Alles, was sich früher an Spannung zwischen meine Wünsche 

und deren Erfüllung schob, 

was in langen Zeiträumen geplant und vorbereitet werden musste, 

woran ich aber auch reifen konnte (!),

das verschwindet heute zusehends.

 

Jetzt reden wir heute am Pfingstfest von der Erneuerung 

durch Gottes Geist: Eine Erneuerung, die auf uns, 

unsere Kirche und die ganze Welt zielt. 

Auf alle Regungen des Lebens. ( - ) 

Diese wirkliche Erneuerung gibt es aber gerade nicht „instant“ -, 

auch wenn wir uns das noch so erträumen mögen, 

auch wenn die Sehnsucht nach schnellen Lösungen, 

und dem Ende aller Spannungen, in denen wir stehen, 

ganz tief in uns drin steckt. 

 

Der Geist Gottes ist anders - und wirkt anders. 

Er bläst an Pfingsten nicht einfach über die Missstände 

und fegt sie mit sich weg. 

Sondern er wirkt in einer unerhörten Tiefe. 

 

Die heutige Geschichte von Mose, die erzählt, wie Gott Erneuerung 

vorbereitet und geschenkt hat, 

zeigt uns die Art und Weise, wie es dazu kommt. 

Sie zeigt, wie ein Volk erst einmal geistlich geführt werden muss, 

um zu einer Erneuerung zu kommen.

Denn auch das Wüstenvolk Israel hat - wie wir heute 

- nach schnellen Lösungen gelechzt -, 

- es hat sich den Highway ins gelobte Land gewünscht -, 
den Zugriff auf Abwechslung und Zerstreuung 

und möglichst alle paar Kilometer einen „Drive-In“. 

Aber in der Wüste gibt es das nicht! 

Und deshalb „murrt“ das Volk.

 

Im 4. Buch Mose, Kapitel 11 lesen wir (11,11-12.14-17.24-25):

„Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du

deinen Knecht? - Und warum finde ich keine Gnade vor deinen

Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst?

Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu

mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein

Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? ( ...)

Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu

schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn

anders ich Gnade gefunden habe vor deinen Augen -, damit ich nicht

mein Unglück sehen muss. Und der HERR sprach zu Mose: Sammle

mir 70 Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass

sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die 

Stiftshütte und stelle sie dort vor dich hin, so will ich hernieder kommen

und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen 

und auf sie legen, damit sie mit dir - die Last des Volks tragen und du 

nicht allein tragen musst ( ... ) 

Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN 

 

und versammelte 70 Männer aus den Ältesten des Volks und stellte

sie rings um die Stiftshütte. Da kam der HERR hernieder in der Wolke

und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und 

legte ihn auf die 70 Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerie-

ten sie in Verzückung - wie Propheten - und hörten nicht auf.“ ( - ) 

 

 

 

  1. Geistliche Erneuerung beginnt im Zerbruch 

 

Liebe Gemeinde, 

wenn Pfingsten etwas mit Erneuerung zu tun hat, warum fängt sie dann

mit Zerbruch an? 

 

Komisch. 

Aber das ist das Erste, was uns hier begegnet: 

Da ist einer erschöpft und kann nicht mehr: Mose!

 

Völlig überlastet, gestresst, wird er müde an seinem Leben. 

Er kann nicht abgeben. 

Sieht sich aber für alles verantwortlich und geht gerade deshalb 

immer näher auf den Kollaps zu. 

Aber Gott braucht keine Helden, die alles schultern,

sondern Menschen, die mit seinem Geist begabt, 

Aufgaben übernehmen und sich von IHM abhängig wissen! ( - ) 

 

Wie oft - unterliegen wir doch demselben Irrtum: Wir meinen, eine 

Situation - irgendwie - selber „packen“ zu müssen. 

Und sind dann regelmäßig völlig erschöpft, weil wir es nicht können!

 

Jetzt ist in dieser Geschichte die Voraussetzung für eine Erneuerung 

aber schon vorbereitet: Mose schreit zu Gott! 

Und der lebendige Gott nimmt ihn in seiner Lage 

ganz ernst und wichtig! ( - ) 

 

Wie gut doch, dass Mose in dieser tödlichen Situation nicht bei sich 

selber bleibt! ( - ) 

 

Gott, der keine Instant-Wege führt, beugt sich zu Mose 

in die Tiefe hinab, um mit ihm - von diesem Punkt aus - 

seine Wege weiter zu gehen!

Er setzt  das Leben der Menschen, die er ruft, 

ungeheuren Spannungen aus,

die durchgehalten werden müssen. 

Er stellt in Belastungsproben, 

manchmal über große Zeiträume hinweg. 

 

So dass es Mose (wie auch uns heute) durchaus so vorkommen kann, 

als müssten wir nun wirklich - zu viel - durchmachen.

Beispiele dafür kennen wir alle: 

- Situationen, die uns menschlich, körperlich oder beruflich 

an den Rand bringen. 

- Es können auch die Anforderungen in der Gemeinde sein: 

Wenn sich andere einfach zurück lehnen und die Arbeit immer 

an denselben hängen bleibt. 

Da bringt auch Selbstmitleid nicht weiter. ( - ) 

 

Suchen wir da nicht immer wieder, 

vor allem den schnellen Notausgang, 

wenn wir in so einem Dilemma stecken,

die ungeschminkte Wahrheit aber scheuen wir lieber? ( - ) 

 

Ich habe es an mir selber schon erlebt, wie ich in bestimmten Situationen

dazu neige, einfach vor mich hin zu schuften, 

wenn in einer Sache keine wirkliche Lösung absehbar ist 

(oder noch eine Enttäuschung auf einem lastet). 

Da wird man dann zum verbissenen Einzelkämpfer und wird doch 

nicht froh dabei. 

 

Dass unsere geistliche Armut unsere größte Chance sein könnte, 

das wollen wir nicht gerne wahrhaben! 

Und so leugnen wir sie immer wieder ab, wir verdrängen und 

verachten sie. 

Aber wir verhindern damit zugleich Gottes Erneuerung, die im 

persönlichen Zerbruch beginnt. 

 

Auch unsere Landeskirche, die das 21. Jahrhundert bestehen will, 
setzt da nicht immer die richtigen Prioritäten: Manchmal müssen Dinge
auch aufgegeben werden um Platz für Mission und Evangelisation 
zu schaffen ... Wer denkt, Hauptsache alles erhalten, 
was einmal gut und wichtig war, der denkt zu kurz ...

Nicht die ggw. Form und Gestalt unser Kirche hat eine biblische 

Verheißung, aber dass Gott sie erhalten wird, wenn sie sich von 

ihm führen lässt, das steht felsenfest!

 

Unser Predigttext heute lehrt uns: Eine Erneuerung beginnt 

oft da, wo wir an unseren eigenen Möglichkeiten zerbrechen, 

dann aber nicht weglaufen, 

sondern ganz neu auf den HERRN bauen!

 

Deshalb: 

 

 

2. Erneuerung kommt aus dem Reden mit Gott. ( - ) 

Erneuerung kommt aus einem Reden mit Gott, das „echt“ wird. ( - ) 

Mose war am Punkt der äußersten Nacktheit angelangt, 

wo es keine Lösungen mehr gab. 

Und er weicht diesem Punkt nicht aus. 

 

Wie schwer ist das doch, vor Gott einmal auszuhalten!? ( - ) 

Gar nichts Erfolgreiches berichten zu können, 

nicht mehr danken zu können -, nichts mehr zu bitten -, 

nicht einmal zu klagen!? ( - )

Sondern einfach zutiefst - vor IHM sein - mit sich selbst und allem, 

was hochkommt. ( - ) 

 

Oft passiert so etwas erst, wenn alle eigenen Lösungsversuche 

gescheitert sind: Dass wir uns bedingungslos auf Gott werfen, 

offen unseren Mangel eingestehen. ( - ) 

Haben Sie das schon getan? 

Und erlebt, was dann passiert ist? ( - ) 

 

Es kann sein, dass man heute in der „Instant“-Zeit 

ganz bewusst - einige Tage in die Stille gehen muss, 

vielleicht auf auf eine christliche Freizeit, 

damit in der Stille zu schreien beginnt und Worte findet, 

was nie rauskonnte. 

Aber es könnte auch schon im alltäglichen Ablauf beginnen, 

wo wir das Anhalten und das Dasein vor Gott wieder üben würden, 

und bewusst  vor der Tageszeitung oder dem Radio 

Gott unsere Herzen und Hände so lange entgegen halten in der Stille, 

bis - er sie uns füllt. ( - ) 

Denn Erneuerung kommt nicht - durch die neuesten Nachrichten, 

sondern aus dem Reden mit Gott. ( - ) 

 

 

3. Erneuerung kommt aus dem Erbarmen von Jesus

Liebe Gemeinde, unsere Lebensumstände sind zu keinem Zeitpunkt

ideal! (weder in der Vergangenheit, noch jetzt noch werden sie es

in der irdischen Zukunft sein!) 

Deshalb müssen auch unsere Illusionen immer wieder zerbrechen. ( - ) 

 

Jesus - lässt - Visionen - kaputt gehen! ( - ) 

Mit Menschen zusammen zu arbeiten bringt immer auch Konflikte! ( - ) 

Aber Jesus macht sich auch sehr persönlich auf den Weg 

mit jedem, der ihn fragt:

- Er ermutigt dazu, sich zurückzunehmen. 

- Er schenkt in die Not hinein - den Blick für andere - mit ihren 

Gaben und Fähigkeiten. 

- Er will mir zeigen, dass andere - ruhig etwas tun sollen, was ich 

seither gemeint habe, selber machen zu müssen. 

 

Gottes Geist befreit, dass ich die Vielfalt anerkennen, 

ja schätzen und lieben lerne. 

Auch die Christen außerhalb unserer Landeskirche! - In vielen 

Freikirchen z. B., wo sie (wie wir) demselben HERRN Jesus Christus 

dienen wollen. 

Auch wenn wir hier und da verschieden denken. 

Weil nicht wir, sondern Gottes Geist und das klare Wort der Bibel

Gemeinschaft entstehen lässt 

und Gemeinde lebendig macht. 

 

So stellt auch ER selbst uns Schwestern und Brüder zur Seite. 

Auch das meint Pfingsten!

 

Gottes Geist ist es, der lebendig macht!

Gottes Geist ist es, der unsere Sicht erneuert, 

unser Denken und unseren Umgang miteinander. 

Das Leben der Gemeinde besteht nicht aus lauter Einzelkämpfern! 

Auch nicht aus einem Nebeneinander von Gruppen und Kreisen! - 

Weil Gottes Geist eine andere („göttliche“) Sicht der Dinge hat. 

Deshalb setzt er jeden Menschen, der ihm nachfolgen will,

nicht nur an einen bestimmten Platz, sondern rüstet ihn auch aus 

mit Gottes Geist - zum Dienst. 

 

Er führt aus der Tiefe der Selbsterkenntnis, wer ich ohne Jesus bin, 

hin zur Freude.  

Auch das ist Pfingsten! 

 

D. Bonhoeffer hat einmal an seine geistlichen Brüder etwas Tolles 

über die Freude geschrieben, die aus dem Erbarmen von Jesus kommt: 

„Gott will uns durch Jesus Christus froh machen. 

Er will uns nicht bedrücken, uns nicht Probleme aufgeben oder

vor unlösbare Aufgaben stellen, sondern er will, dass wir uns an Jesus

Christus und an seiner Herrschaft freuen ...

Das gehört wieder zu den einfachsten Dingen, die wir über dem 

Schwierigen gern vergessen, dass wir uns an Jesus Christus freuen

lernen wie die Kinder ... (Weil der Glaube an IHN uns von innen erneuert).

Ohne die Freude an dem Mensch gewordenen und auferstandenen 

Sohn Gottes geraten wir (immer) ins Murren, in den Widerspruch, 

in die Traurigkeit“.

 

Liebe Gemeinde, 

weil das so ist, gibt es wirkliche Freude nur bei Jesus.

Pfingsten führt uns deshalb in die Tiefe, aber nicht - in die Verzweiflung -, 

sondern an den Punkt der Wahrheit über uns selbst, 

wo diese Freude aufbricht. 

Eine Freude, die sich an dem entzündet, 

was Jesus für uns tat und tut. 

 

Gottes Geist will bei Dir die Freude an Jesus wecken. 

Er will dich froh machen und bezeugen, dass Jesus lebt

und ER dich in die Freude der Gemeinschaft hineinführt. 

Er will Dir die Augen öffnen für jeden Mitchristen, 

der mit dir lebt und demselben HERRN dient 

wie viele Glieder an einem Leib. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
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Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
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Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
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Chorprobe im GH in Schwann