2013-05-12

Predigt über Jeremia 31,31-34 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Jeremia 31, die Verse 31-34: 

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem 

Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, 

als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, 

ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr HERR 

war, spricht der HERR; 

sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel

schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein 

Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie 

sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 

Und es wird keiner den anderen noch ein Bruder den anderen 

lehren und sagen: „Erkenne den HERRN“, sondern sie sollen 

mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR;

denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde 

nimmermehr gedenken.“

 

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

„Ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein!“ - 

Darum geht es im Alten Testament. 

So stellt sich Gott seine Beziehung mit Israel vor.

„Ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein!“ ( - ) 

 

Wer genau hinhört, der merkt, 

dass das ähnlich wie ein Eheversprechen klingt:

 „Ich bin Dein - und Du bist mein ...“  ( - ) 

Was Gott seinem Volk Israel mitteilen lässt, 

das ist nichts weniger als eine Liebeserklärung -, ein Heiratsantrag -, 

mit dem er um sein Volk wirbt. 

Und Israel willigt ein - in diesen Ehebund. 

Nach dem Auszug aus Ägypten hat es sein Jawort am Sinai gegeben. 

Es hat seinem HERRN ewige Treue gelobt. 

Zwei sagen JA zueinander -, das macht - einen Bund! ( - ) 

 

Und trotzdem: 

 

1. (Ist) Der alte Bund zerbrochen ( - ) 

Wie in vielen Ehen so ging es auch hier: 

Nach der Hoch-Zeit und den Flitterwochen kommt ganz schlicht 

und einfach - und doch so schwer - der Ehealltag. 

Da bleiben Probleme, Missverständnisse, Enttäuschungen 

und auch Schuld nicht aus. 

Und genau so - lief es auch beim Bund Gottes mit Israel. 

 

Nur einige Beispiele aus der Geschichte so als Schlaglichter: 

  • Kaum war der Bund am Sinai geschlossen, 

da wünscht sich das Volk einen „Gott zum Anfassen“ 

und tanzt um das Goldene Kalb. 

 

  • Nicht besser ging es Gott mit David, 

der über Israel als König gesetzt war. 

Denn kaum hatte Gott ihn Frieden und Wohlstand sehen lassen 

und seinen Bund noch einmal ausdrücklich bestätigt, 

da fallen die Blicke des Königs auch schon begehrlich auf Bathseba, 

die Frau eines Fremden (1).

 

Schließlich schickt Gott seine Propheten zur Warnung 

nach Israel und Juda. 

Aber das Volk wendet sich weiter von Gott ab. 

Bei seiner berühmten Tempelrede hat Jeremia noch gehofft, 

dass sich die Bürger von Jerusalem durch das Gotteswort aufrütteln lassen: 

„Bessert euer Leben und euer Tun, 

so will ich bei euch wohnen an diesem Ort“ (2). 

Aber alle Hoffnung auf Besserung ist bald der eindeutigen Diagnose 

gewichen: Es ist aus! 

Das Verhältnis zwischen Gott und Israel ist endgültig zerrüttet -,  

die Scheidung, die Kündigung des Bundes nur noch eine 

Frage der Zeit. 

 

Und an der Schuldfrage ist nichts zu interpretieren: 

„Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernem Griffel

und mit diamantener Spitze begraben auf die Tafel ihres Herzens“, 

steht in Jer 17, V1. 

Gottes Diagnose heißt: Bundesbruch durch „schuldhaftes 

Herzversagen“!

Und das Fatale an diesem Urteil ist auch noch: 

Es gibt von Seiten des Menschen tatsächlich keine Aussicht auf Besserung!

Der Bundniswille war schon immer wieder vorhanden, 

aber das Ganze scheitert faktisch immer wieder 

an der eigenen Bündnisfähigkeit!

 

Und diese Diagnose, liebe Gemeinde, 

trifft auf uns heute genauso zu wie auf die Hörer zur Zeit Jeremias!

Auch uns trifft das Urteil „schuldhaftes Herzversagen!“ 

Auch wir sind nicht bündnisfähig in den Augen Gottes! ( - ) 

 

Deshalb gibt Gott ...

 

2. Den neuen Bund - (ER hat ihn) verheißen 

und (zugleich selber) erfüllt  ( - ) 

Normalerweise führt „Herzversagen“  ja, 

weil es da nicht mehr zu helfen gibt - zum Tod. 

Aber bei Gott ist das anders: ER gibt uns nicht auf. 

Er verfolgt weiter sein Ziel mit uns Menschen und hält 

an seiner Liebeserklärung fest. 

- Scheidung ist für ihn keine Lösung! ( - ) 

- Der Bund soll nicht aufgelöst werden! ( - ) 

 

Allerdings: Wenn die Geschichte Gottes mit uns Menschen 

wirklich weitergehen soll, dann muss doch alles anders werden. 

Es reicht nicht, einfach den Alten Bund aufzufrischen 

(das würde wieder schief gehen, weil wir ja immer noch die Alten 

geblieben sind!)

 

Und deshalb lässt Gott einen Neuen Bund ankündigen. 

Er ist „neu“ in dem Sinne, dass er im Gegensatz zum „alten“ nicht mehr

an „Herzversagen“ scheitern kann: 

„So spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben

und in ihren Sinn schreiben und sie sollen mein Volk sein und

ich will ihr Gott sein“ (Jer 31,33b). 

 

Das Unmögliche wird dadurch möglich, 

dass Gott ganz innen, 

beim menschlichen Herzen ansetzt. 

An der bisherigen Schwachstelle. 

Jetzt aber pflanzt Gott uns einen „Schrittmacher“ ein, 

er gibt dem schwächelnden Herzen neue Kraft 

und bringt uns damit auf die Beine. 

 

Diese Kraft - nennt die Bibel „Geist“. 

Es ist die Kraft, die von innen kommt. 

Denn wo der Geist Menschenherzen verändert, 

da wird der Wille Gottes in meinem Innersten selbst - verwurzelt. 

Da wird aus „Du sollst ...“ ein „Ich will ...“ - oder - „Ich darf ...“ 

Da sind Gottes Gebote keine Last mehr, 

da hört ein Mensch gerne Gottes Wort, 

geht in den Gottesdienst und möchte das auch für seine Kinder

und Enkel ...

Da verändern sich die Prioritäten: „Jesus first“ - Jesus zuerst, 

Gott zuerst!

 

Und so sind die Folgen dieses neuen Bundes revolutionär: 

Jeremia schaut schon weit in die Zukunft:

Keiner wird den andern mehr ermahnen müssen. 

Es wird kein Lehramt mehr geben -, keinen Unterschied mehr zwischen

- Großen und Kleinen, 

- zwischen Wissenden und Unwissenden, 

- Gemeindegliedern und Pfarrern ...

Weil alle, die diesen Geist haben, Gott erkennen werden. 

Es wird keinen Zweifel mehr geben und keine Sinnlosigkeit!

Endlich wird es möglich sein, 

ohne Kraftaufwand den anderen lieben zu können. 

Menschen werden ganz selbstverständlich Gutes tun: 

- Kein Neid, kein Streit, keine Ungerechtigkeit!

Das ist der Beginn einer neuen Welt, 

ohne den ganzen Wust an Problemen, 

die auch Christen heute noch belasten. 

 

Was für tolle Aussichten! - So phantastisch! - So utopisch! 

So unrealistisch vielleicht? ( - ) 

 

Rund 500 Jahre später sitzt einer mit seinen Freunden zusammen. 

Sie essen, trinken und feiern das Passafest. 

Und der eine nimmt den Kelch mit Wein, zeigt ihn seinen Jüngern 

und sagt: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut“. 

Die prophetische Verheißung des Jeremia ist dabei, 

in Erfüllung zu gehen. 

Der Neue Bund zwischen Gott und Mensch wird Wirklichkeit! ( - ) 

 

Und dieser Bund kann nicht mehr scheitern daran, 

dass Gottes Wille einfach nicht getan wird! 

Weil Jesus ihn getan hat! 

ER - hat den Bund erfüllt.

 

ER kann deshalb nicht mehr an neuerlicher Schuld von uns 

Menschen scheitern. 

Der Neue Bund kann auch nicht daran scheitern, 

dass die Menschen noch immer die Alten geblieben sind: 

Weil der Heilige Geist - erneuerte Herzen schafft - bei allein, 

die erkennen, dass sie Sünder sind, 

und die umkehren und IHM jetzt nachfolgen.

 

Dazu ein 3. und letzter Punkt in diesem Bibelwort: 

 

3. Der Neue Bund - (ist gekennzeichnet durch ein)

Leben im Heiligen Geist ( - ) 

Der Apostel Paulus war so ein Mensch, 

der diesen Wandel von alt zu neu am eigenen Leib und Herzen 

erfahren hat. 

Früher war er überzeugt davon: Ich kann, wenn ich nur will, 

tun was Gott von mir erwartet. 

Ja, ich kann es sogar „ganz gut“. 

Bis er gemerkt hat: Nein, ich kann es nicht.

Auch mit den besten Absichten - bin ich doch immer ganz der Alte -, 

mir fehlt (aus mir heraus) - Gottes Geist und damit die Kraft - 

zu einem neuen Leben.

 

Aber Gott hat ihn eingeholt -, Jesus ist ihm erschienen 

und hat ihn in Klausur genommen. ( - )

Ganz am Boden erlebt er, wie Gottes Geist ihn erfüllt und sein Leben

auf Gott hin auszurichten beginnt.  

 

So dass er einige Jahre später den Christen in Galatien voller Freude 

schreiben wird: 

„Ich lebe, aber jetzt nicht (mehr) ich, sondern Christus lebt in mir. 

Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben

an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst

für mich dahin gegeben hat!“ (Gal 2,20). 

 

„Ich lebe, aber nun nicht (mehr) ich, sondern Christus lebt in 

mir ...“ ( - ) 

Mit anderen Worten: Gottes Geist lebt jetzt in mir ..., 

er ist bei mir eingezogen -, hat Wohnrecht -, 

er hat mir ein neues Leben geschenkt 

(durch die Annahme dessen, was Jesus für mich getan hat!) - 

und jetzt „treibt“ er mich an -, 

er tröstet mich und bringt es in mir fertig, 

dass ich ohne Druck und Selbstgerechtigkeit - gerne - Gottes Willen 

tue. (Das war früher ganz anders -, da habe ich geglaubt: Das packe

ich schon selber ... Mein Geist reicht ... Ich bin doch ganz in Ordnung, 

versuche anständig zu leben. 

Aber seltsamerweise war weder Paulus damit ein „befriedigter“ Menschen, 

noch sind es die vielen Menschen, die heute bei uns in Dennach / Schwann

so denken ...)

 

Selbstgerechte Menschen - sind arme Menschen, 

Menschen auf der Flucht vor Gott, 

Menschen, die anderen immer was vorspielen müssen ...

 

Aber Gottes Geist - macht mich ganz neu!

Christus lebt jetzt in mir (sagt Paulus), 

„Mensch, wie anders war das doch früher!“

 

Und so erfüllt sich die Prophezeiung des Jeremia bis heute in jedem 

Menschen, der zum Glauben an Jesus Christus findet. 

Weil es seit dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus

das Kraftwerk des Heiligen Geistes gibt in dieser Welt - 

und sich in IHM der Bund mit Gott tatsächlich leben lässt. 

Ohne Zwang, ohne Krampf, ohne Selbstgerechtigkeit. 

Gottes Geist - hat - die Kraft zu einem neuen Leben. 

 

Wer einmal vor einem großen Kraftwerk gestanden ist, 

der sieht, wie von dort aus viele Stromleitungen abgezweigt werden, 

die bis zu den vielen kleinen Endverbrauchern führen. 

So ist es auch mit dem Heiligen Geist. 

 

Er ist Gottes Kraft-Werk, von dem aus die vielen kleinen und großen 

Ereignisse gespeist werden, die im Zeichen des Neuen Bundes stehen: 

- der Bau von Gemeinde Jesu (auch hier in Dennach / Schwann),

- Missionsarbeit wo immer auf dieser Erde sie getan wird -, 

genauso wie der 

- Lobgesang einer vielleicht kleinen Gemeinde - und

- das Gebet verfolgter Christen. 

 

Gottes Geist - schafft - das Neue. 

ER - bringt die Kraft mit, Gottes Willen zu tun -, 

ja er ist die Lebenskraft überhaupt. 

Die Kraft des Christus in (m)einem Leben, 

ohne die ich „ewig der alte“ wäre - und noch kein Christ. ( - ) 

 

Und deshalb ist der Heilige Geist das Wichtigste, was es gibt.

ER schenkt einem Menschen das neue Leben -, 

und ER lässt ihn danach ganz deutlich spüren: 

Deine Sünden sind Dir durch Jesus vergeben -, 

Du bist jetzt ein Kind Gottes (Du gehörst IHM) -, 

und jetzt - folge IHM nach! ( - ) 

 

Nächsten Sonntag, liebe Gemeinde, ist Pfingsten - und an diesem Tag

wird es um dieses große Ereignis und seine Auswirkungen gehen: 

Dass Gott seinen Geist ausgegossen hat - und damit auch - die 

Verheißung des Jeremia erfüllt hat. 

 

Es ist ein unverdientes Geschenk, dieser Geist. 

Und doch dürfen wir Gott herzlich bitten: 

Sende Deinen Geist auf mein Leben, dass er mich ganz erneuert - 

und ER mich in alle Wahrheit leitet. 

Amen

 

Anmerkungen:

(1) 2. Sam 7 und 2. Sam 11

(2) Jer 7,3

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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