2013-05-05

Predigt über Matthäus 6,5-15 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 6, die Verse 5-15

„5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern 

in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, 

damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: 

Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh 

in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, 

der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, 

wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern 

wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele 

Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. 

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 

9 Darum sollt ihr so beten: 

Unser Vater im Himmel! 

Dein Name werde geheiligt.  

10 Dein Reich komme. 

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.  

11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 

12 Und vergib uns unsere Schuld, 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 

13 Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen.

[Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.] 

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, 

so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.  

15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater 

eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,

das Vaterunser, das hat mal einer gesagt, 

sei der größte Märtyrer der Welt.

Niemand habe so viel erlitten, wie dieses Gebet.

Und ich denke, da ist was Wahres dran:

Wie oft ist dieses Gebet nur heruntergesagt worden -
ohne dass das Herz dabei war?
Wie oft waren diese Gebetsworte von Jesus nur Lippenbekenntnis -
aber nicht vom Leben gedeckt?

Und wie oft ist es uns selber so gegangen,
dass wir es zwar gebetet haben, 

aber in Gedanken - war wir wo ganz anders!?

 

Und dabei ist das Vaterunser doch eine genial verdichtete

Anleitung zum Beten, 

eine Hilfe für Leute wie mich und Dich,
die viel zu oft Getriebene sind 

- von Zeitknappheit (so kommt es uns vor), 

        - von Wünschen, die gar nicht selten egoistischer sind 

als wir glauben und
- von einer völlig falschen Einschätzung dazu, was Gott (!)
eigentlich wichtig ist. 

 

Im Vaterunser gibt uns Gott was an die Hand, 

das einfach Klasse ist ... und mehr als eine Gedankenstütze:

 

1. Das Vaterunser – es ist ein Meistergebet

Ein Meistergebet deshalb, 

weil es wirklich „meisterhaft“ alles das zusammen bündelt, 

auf das es wirklich ankommt.

 

So steht da gleich am Anfang die vertrauensvolle Anrede
»Vater unser im Himmel«.

Dann folgen wie eine Perlenkette sieben kurze Bitten. 

Zuerst geht‘s dreimal um Gott: Sein Name, sein Reich, sein Wille.

Und dann folgen vier Bitten für uns: 

    • um das tägliche Brot, 
    • die Vergebung der Schuld, 
    • die Bewahrung vor der Versuchung und 
    • die Rettung aus dem Verderben.

Und am Ende - steht ein großes Lobbekenntnis. 

Amen. 

 

So kurz – aber auch so gut! 

Vom Meister formuliert!

 

Wir würden, wenn wir beten,
wahrscheinlich so manche weiten Sätze machen.
Wir würden lange Reihen mit eigenen Anliegen aufzählen,
so lang und so breit wie Bandnudeln.
Und wahrscheinlich würden wir mit unserem Gebet 

am Ende nur bei uns selber stehen bleiben. 

Die berühmten Signalworte

 dafür sind: „ich, meiner, mir, mich ...“ 

Ich will gerne ...

Mir fehlt dies und das ...

Mich beachtet keiner ...

Jesus dagegen zeigt uns, was wirklich beten heißt:

Groß von unserem himmlischen Vater reden.

Gott groß machen.

Und Großes von ihm erwarten – für uns und für die Welt.

 

Machen wir uns klar: 

Jesus hat damals die Jünger auf die Seite genommen, 

hat ihnen mit der Bergpredigt quasi ein Glaubensseminar gehalten. 

Da geht‘s um zentrale Inhalte des Glaubens,
dort auf einem Berg (mit Blick auf den See Genezareth).
Und in der Mitte dieser Nachfolgeschulung, 

quasi als Herzstück des Glaubens, 

ist es Jesus wichtig klar zu machen, 

was beten heißt!

 

Beten will demnach gelernt sein – vielleicht ist auch das ein Grund,
warum heutzutage so viele Menschen nicht mehr recht beten.
Sie suchen schon nach Worten,
aber ihrem Beten fehlt die Kraft und die Gewissheit.

 

Jesus zeigt seinen Jüngern und uns, wie man betet.
Der Meister leitet die Schüler an einem Beispiel an.

 

Und er ordnet damit unsere wirren Vorstellungen und 

Gedanken über Gott.
Denn dieses Lehrgebet von Jesus macht uns deutlich, 

was wirklich wesentlich und unverzichtbar ist:

- Dass Gott in der Mitte steht (Dein Wille),

- dass wir aus seiner Hand leben (unser täglich Brot gib uns),

- dass er uns bis zuletzt durchträgt (erlöse uns von dem Bösen).

 

Das Vaterunser umfasst alle Lebensbereiche. 

Es ist ein Gebet für alle Fälle, für alle Lagen, für alle Zeiten. 

Andere Gebete sind auf bestimmte Stunden und Anlässe ausgerichtet. 

Das Gebet des Herrn dagegen hat Kraft 

- am Morgen wie am Abend, 

- wenn’s uns gut geht und wenn wir krank sind, 

- bei der Geburt und im Sterben, 

- in der Jugend und im Alter. 

Es ist sogar ein Gebet ohne Grenzen, 

weil es Christen rund um den Globus verbindet.

»Es ist das Gebet, das die Welt umspannt.« (Helmut Thielicke)

 

 

2. Das Vaterunser – ist ein Mustergebet

Für unser Beten haben wir im Vaterunser ein echtes Muster. 

Da setzt Jesus den Maßstab für alles Beten, 

das Gott gefällt. 

Klar, wir sollen und dürfen frei beten,

aber was wir beten, muss sich immer wieder am Vorbild messen lassen. 

Und da steht Gott an erster Stelle, nicht der Beter: »Dein Name«.

Da wird voller Vertrauen mit Gott geredet, 

nicht unpersönlich distanziert: »Unser Vater«.

Da wird Gott als der Macher bekannt, 

nicht der Mensch: »Dein ist das Reich«.

Und da wird deutlich, worauf es letztlich ankommt: 

»Vergib uns -, erlöse uns«.

 

Mit diesem Gebet hat Jesus allen, die beten, einen Kompass gegeben, 

der die richtige Richtung und Haltung anzeigt. 

Eine tolle Hilfe für unsere Gebets-Versuche. 

Da leitet uns Jesus, 

ER betet mit uns. 

 

Das Vaterunser will unser schwaches Beten

regelrecht umschließen ...

 

Aber es ist schon traurig, dass dieses Mustergebet viel zu oft

nur ein Muster ohne Wert bleibt. 

Wir müssen es immer wieder beten. 

Immer neu mit der Bitte: Herr schenk‘ das auch in meinem Leben: 

dass dein Name geheiligt wird, dass dein Wille geschieht

und dass ich bewahrt werde vor Versuchung.

 

 

3. Das Vaterunser ist ein Mitarbeitergebet

Machen wir uns klar: 

Jesus hat das Vaterunser im Jüngerkreis gelehrt. 

Es ist ein Gebet für die Gemeinde. 

Ein Gebet für die, die ihm vertrauen. 

Das aber heißt: Das Gebet gehört – nach dem Willen von Jesus – 

zu den ganz zentralen und entscheidenden Aufgaben,

die seine Gemeinde in der Welt zu tunhat.
Im Grunde ist das Beten der Gemeinde das Wichtigste,

was sie tun kann. 

Betet sie nicht mehr, 

dann kann sie Worte machen, so viel sie will ...

es wird am Ende alles für die Katz sein. 

 

Müssen wir das heute nicht wieder klarer in den Blick nehmen

und festhalten?

In einer Zeit, die geprägt ist von 

    • unmenschlichem Leistungsdruck, von 

- hektischem Aktionismus, von 

    • der immer neuen Sehnsucht, bloß nicht zu kurz zu kommen. 

 

Aktionen, die nicht aus der Stille kommen, 

verflachen und versanden. 

Nur wenn wir wieder ganz neu und dran bleibend ...

im Namen von Jesus beten, 

tut sich etwas hier in unserem Ort und weltweit. 

 

Jesus hat uns mit dem Vaterunser eine Tür aufgemacht,  

die Tür zum Vater. 

Er will, dass wir durch diese Türe gehen, 

dass wir sie benützen, Tag für Tag. 

Es ist die Tür zum Leben, die Tür zum Heil. 

Und dass sie uns offen steht, verdanken wir Jesus. 

Ihm allein.

 

Das Vaterunser kann man nicht nur sprechen, man kann es auch singen. 

wir tun das nachher mit der Lied Nr. 894 ... 

Wie ein roter Faden zieht sich hier die erste Bitte des Vaterunsers durch:

„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“

 

„alle Ehre deinem Namen“

 

Damit fängt Jesus an, dass er gleich am Anfang

den unvergleichlichen Namen Gottes in die Mitte rückt. 

 

Wir stehen doch ständig in der Versuchung, 

dass wir zuerst von uns selber und unseren Anliegen reden!?

... Die Signalworte: Ich, meiner, mir mich!

 

Es gibt die Personalpronomen aber auch in der 2. Person: 

Du, deiner, dir, dich ...

Und diese Person, die will Gott sein!

 

Jesus macht im Vaterunser deutlich: 

Es gibt nichts Wichtigeres als diesen Namen anzurufen!

Es geht nichts über Gottes Vaternamen.

„Dein Name werde geheiligt ...“

 

Vielleicht haben Sie aber auch gewisse Schwierigkeiten 

mit dem Vaterbild?!

So manche haben autoritäre Väter erlebt

oder sie haben nur den Vater vor Augen, der doch nie Zeit hat. 

 

Manche haben einen schwachen, entscheidungslosen Vater

vor Augen, einen, der sich kaum um sie gekümmert hat. 

Und wie viele haben überhaupt keinen Vater erlebt

oder nur gelitten unter ihrem Vater!?

 

Aber es wäre fatal, wenn wir unser Vaterbild auf Gott übertragen. 

Denn Gott ist kein Abbild von unseren Vatererfahrungen.

Ganz im Gegenteil: 

Die Bibel sagt: Schaut auf Gott, 

wie er uns in Jesus Christus begegnet, 

dann kommt ihr dem auf die Spur, 

wie irdische Väter sein sollen!

 

Ja – da liegt das Vorbild für die Väter von heute. 

Da, beim himmlischen Vater müssen Väter lernen, 

was es heißt, richtig Vater zu sein.

 

Denken Sie nur an den verlorenen Sohn ...

Sein Vater steht für den himmlischen Vater:  

Schutz und Geborgenheit, Heimat und Freiheit, 

Liebe und Vergebung, Geduld und Verstehen, 

Güte und Festigkeit -, das Ja und das Nein zur richtigen Zeit. 

So ist Gott – sagt Jesus damit -, 

so ein unvergleichlicher und guter Vater.

 

Die erste Bitte heißt jetzt: Geheiligt werde dein Name.

Gott hat uns seinen Namen bekannt gemacht.

Dagegen ist bei uns so vieles namenlos:

Das Schicksal, das Elend, die Finsternis, 

auch ein anonymer, unverschämter Brief, 

all das hat keinen Namen. 

 

Gott dagegen hat einen Namen.

Und er gibt seinen Namen in die Hände der Menschen. 

Dabei passiert, was so manchem Geldstück passiert:

Es gibt alte Münzen, die sind durch den starken Gebrauch 

bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen. 

Kaum, dass man auf ihnen noch das Wappen erkennen, 

geschweige denn die Inschrift entziffern kann.

 

Ganz ähnlich geht‘s dem Namen Gottes auf der Erde.

Er ist bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen, 

entwertet und entstellt von uns Menschen. 

 

Was in die Hände der Menschen fällt, 

ist ständig in der Gefahr, missbraucht und von seinem ursprünglichen 

Sinn entfremdet zu werden.
Wir erleben das jeden Tag:

Gedankenlos wird Gottes Name benützt und damit missbraucht, 

gar nicht selten wird sein Name bis in die Medien hinein verlästert, 

und immer wieder wird Gottes Name ersetzt und entstellt

durch andere, fremde Namen, die wir vergöttern.

 

Überlegen wir nur einen kurzen Augenblick, 

wie empfindlich wir reagieren, wenn unser eigener Name angetastet, 

beleidigt oder verunehrt wird. ( - ) 

 

Gott aber will, dass sein Name, dass er selber geheiligt wird. 

Heilig ist alles, was nicht zum normalen Gebrauch bestimmt ist

und damit ganz für Gott zur Verfügung steht.
So wie ich einen Brief mit meiner Unterschrift unterschreibe 

und damit sage: alles was drin steht, das kommt von mir 

und das habe ich gesagt -, 

so - soll es auch bei Gott sein.

 

Gottes Name wird dann geheiligt, wenn wir ihm erlauben, 

dass er unser ganzes Leben - mit seinem Namen - unterschreibt. 

 

Damit sind wir persönlich herausgefordert,
ob wir bereit sind, uns Jesus Christus ohne Einschränkungen

anzuvertrauen. 

Und ob wir bereit sind, seine Korrekturen in unserem Leben zu dulden.

 

Oder gibt es bei mir Lebensbereiche, 

die ich selber unterschreiben will und deren Regie ich nicht aus 

der eigenen Hand gebe? 

 

Wo lasse ich in meinem Denken und Tun die Korrektur 

und die Erneuerung durch den Geist Gottes nicht zu?

 

Ob das im Bereich der Sexualität ist, oder meine Familie betrifft. 

Ob damit meine Geschäftsmoral 

oder meine Freizeitgestaltung gemeint ist. 

Ob es um mein Karrieredenken 

oder um meinen Umgang mit dem Geld geht: 

Jedes Mal muss ich mir selber Auskunft darüber geben: 

Kann ich in diesem Bereich wirklich beten: 

Geheiligt werde dein Name? ( - ) 

 

Das Leben von manchen Christen ist tief innen - krank, 

ist wachstumsgestört -, 

weil es Privatbezirke gibt, in die Gott nicht hineinreden darf.

 

Das Vaterunser hält uns hier den Spiegel vor. 

Was darf Gott bei dir bewirken und verändern? 

Und zugleich will es uns frei machen – frei für Gott.

 

Brechen wir da mal ab.

Jede einzelne Bitte des Vaterunsers will uns so den Spiegel vorhalten – 

aber das ganze Gebet will uns zugleich auch einladen, 

ganz Gott zu vertrauen. 

Denn mit dem Vaterunser hat uns Jesus 

die Tür zum Vaterherzen Gottes geöffnet. 

 

Es ist die Tür zum Leben, die Tür zum Heil.   

Amen. 

 

(Ich danke Pfarrer Jochen Hägele, Markgröningen, für seine Vorarbeiten zu dieser Predigt) 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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