2012-12-25 Christfest

Predigt über Johannes 3,31-36 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 1. Christfesttag aus dem Johannes-Evangelium, Kap. 3, die Verse 31-36:

„Der von oben her kommt, ist über allen. 

Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde.

Der (aber) vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, 

was er gesehen und gehört hat; 

und sein Zeugnis nimmt niemand an. 

Wer es aber annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. 

Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; 

denn Gott gibt den Geist ohne Maß. 

Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. 

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.

Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, 

sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ ( - ) 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

der heutige Predigttext zum Christfest ist unglaublich nüchtern. 

Kein Wort zu Bethlehem, von der Krippe im Stall, 

den Engeln und den Hirten auf dem Felde. 

Auch die Weisen aus dem Morgenland fehlen, ja sogar Maria

und Josef mit ihrem Jesus-Kind fehlen.

 

Aber gerade deshalb kann uns dieser Textabschnitt helfen, 

zum Eigentlichen von Weihnachten vorzustoßen: zur Mitte 

des Christfestes. 

Denken Sie an das Auspacken bei der Bescherung gestern Abend.

Nicht das Geschenkpapier war doch da wichtig, sondern das Eingepackte!

 

So will uns auch Johannes mit diesem Predigttext helfen, 

hinter der altbekannten Weihnachtsgeschichte die eigentliche 

Weihnachtsbotschaft zu entdecken. 

Und die wird hier ganz unsentimental und nüchtern entfaltet. 

In einem Satz könnte sie lauten: »Gott kommt zu uns in seinem Sohn,

damit wir - leben.« (2x)

 

Also der Reihe nach - in drei Schriten:

 

1. Gott kommt zu uns ( - ) 

Das ist der Ausgangspunkt. 

In unserer durch Weihnachten höchstens für kurze Zeit ausgeblendeten 

Realität: 

- Menschen in Einsamkeit, vergrämt und desillusioniert

(nicht selten gerade an Weihnachten, und)

- in wieviel Familien bricht nicht gerade dann der Streit 

aus, wenn alle beisammen sind, wie klassisch an Weihnachten. ( - ) 

- Auch an den Krisenherden der Welt geht es an Weihnachten 

nicht weniger heftig zur Sache wie sonst. 

- Und wer hat schon Naturkatastrophen letztlich im Griff? ( - ) 

 

Sind das nicht Argumente genug, dass Gott doch unendlich weit

von der Wirklichkeit dieser Welt und ihren Menschen entfernt sein muss?

Nicht wenige sehen es so.

Darum ist die Frage schon wichtig: 

Wie und wo lässt sich Gott denn finden? ( - ) 

 

Nach der Bibel gibt es von uns Menschen aus keinen Weg zu Gott. 

Weil, »wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde« 

(V. 31 b), lesen wir hier. Das will heißen: 

Uns fehlt von Natur aus die „Antenne für Gott“ und den Himmel,

wir sind der Erde verhaftet („Erdlinge“). 

 

Es gibt eine für uns unsichtbare Welt. 

Und für diese Welt sind wir ganz auf Spekulationen angewiesen - 

oder - auf jemand, der aus ihr kommt 

und uns von ihr berichten kann. 

Es geht also nicht ohne Offenbarung, 

wenn wir mehr über Gott wissen wollen ...

 

Aber auch: »der von oben her kommt, ist über allen« (V. 31 a). ( - )

»Oben« – damit ist die himmlische Welt, im Grunde Gott selber gemeint.

Nur der kann uns Erdlingen Zuverlässiges über Gott sagen, der von IHM 

her kommt und der IHN kennt!

 

Mit der Geburt von Jesus nimmt Offenbarung noch einmal eine 

andere Qualität an als vorher.

 

„Gott kommt!“ ist jetzt der Kern der Weihnachtsbotschaft!

Nachdem sich gezeigt hat, dass all unsere Wege auf IHN zu  

ins Leere führen, macht sich Gott auf, 

um selber zu uns zu kommen!

Gottes Liebe zu uns ist der Motor. 

Durch sie will Gott nicht ohne uns sein!

Er wagt sich herunter in die Dunkelheit dieser Welt. 

Ohne Wenn und Aber. 

 

Was er uns in Jesus zu sagen hat, 

das können wir uns selber nicht sagen, 

darauf wären wir nie gekommen. 

 

Der zweite Punkt unseres Predigttextes ist folglich: 

 

2. Gott kommt zu uns in seinem Sohn.

Dass Gott zu uns kommt in seinem Sohn ist der einzige 

nichtkommerzielle Grund, 

warum wir jedes Jahr neu das Christfest feiern. 

Allein deshalb lesen wir auch immer wieder neu 

die alten Geschichten von der Geburt Christi, 

singen die bekannten Weihnachtslieder, 

machen uns Geschenke, denken an die Ärmsten der Armen. 

Weil - der Heiland geboren ist. 

 

Immer wieder und verschieden ausgedrückt, begegnen wir diesem 

Faktum im Neuen Testament: 

- »Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist 

Christus, der Herr, in der Stadt Davids«, 

lesen wir bei Lukas. 

 

- Der Apostel Paulus schreibt: 

»Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,

geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan.« 

 

- Und Johannes deutet es so: „Der von oben her kommt, 

ist über allen“. 

 

Warum sonst sollten wir das Christfest feiern, 

wenn nicht deshalb, weil Gott das Unsagbare getan hat: 

Er ist zu uns gekommen in seinem Sohn Jesus Christus. 

Klein und unscheinbar, im Wirtschaftsgebäude sozusagen. 

 

Und doch: Wer Augen hat zu sehen, der sehe: 

In ihm wird Gottes Absicht uns Menschen gegenüber sichtbar und erfahrbar.

Keiner ist mehr von vorne herein abgeschrieben, 

zu weit weg oder zu tief drinsteckend im Schlamassel, 

als dass ihn Gottes Liebe nicht herausholen könnte. 

So wertgeachtet sind wir Menschen bei Gott. 

 

Aber auch das ist wahr: Diese Mensch gewordene Liebe Gottes 

wird von vielen verkannt oder links liegen gelassen. 

Weil sie nicht glauben wollen, dass Gott gerade auch für sie Mensch 

werden musste. 

Habe ich IHN wirklich nötig? - denken sie

und winken schnell ab. 

 

Ein bisschen Weihnachtsstimmung muss schon sein,

auch Besinnlichkeit (tatsächlich ein gutes Anti-Stress-Mittel heute), 

aber: Dass dieses Krippenkind der Sohn Gottes und unser 

Retter ist und darüber hinaus mein HERR (Chef) sein will, 

das weisen viele von sich.

 

Aber Johannes macht hier keinen Rückzieher: 

„Der vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, 

was er gesehen und gehört hat«. - 

Jesus allein - kam aus der himmlischen Herrlichkeit, 

damit wir erfahren, wie unsere Rettung geschehen soll: 

Durch seine Menschwerdung und durch sein unschuldiges Leiden

und Sterben sollen wir die Möglichkeit bekommen in Ewigkeit zu leben. 

 

Die Frage ist immer, wie wir damit umgehen:

Ob wir unseren Namen darunter setzen

und es damit zu unserem Eigenen machen oder nicht. 

 

Die Hirten von Bethlehem „breiteten das Wort aus, 

das zu ihnen über dieses Kind gesagt war“ (Lk 2,17) 

und sind damit selber zu Zeugen geworden. 

Als Jesus dann selber durch sie zu reden angefangen hat, 

dann waren es nicht nur Teilwahrheiten von Gottes ganzer Wahrheit

(So wie es z. B. der Koran darstellt: Erst mit Mohammed kam 

der fehlende Rest ...)

Nein, „Gott gibt den Geist ohne Maß“ (V34),

„Der Vater hat ihm alles in seine Hand gegeben“ (V35), 

das heißt in seiner ganzen Fülle ist die Wahrheit Gottes

mit dem Kommen von Jesus bekannt gemacht. 

 

Deshalb dürfen wir dieses Geschenk Gottes auf keinen 

Fall achtlos auf die Seite legen!

Sondern wir sollen es im Glauben entgegen-nehmen , 

annehmen und als Geschenk aus Gottes Herzen erkennen. 

Wie groß ist doch Gottes Liebe zu uns!? 

 

 

3. Gott kommt zu uns in seinem Sohn, damit wir leben. 

 

»Wer an seinen Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. 

Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben 

nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm« (V. 36) ( - ) 

Stimmt das denn wirklich: 

Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben? 

 

Gibt es ein ewiges Leben, das schon im hier und heute

beginnt? 

Ein Leben, das sich deshalb lohnt?

Ein Leben, das erfüllt ist von der Kraft Gottes und das folglich

auch in Krisenzeiten nicht zusammen klappen muss?

- Wenn die Kinder enttäuschen ...

- Wenn Kollegen oder Vorgesetzte einen belasten ...

- Wenn schwere Krankheiten über uns kommen ... ( - ) 

 

Ja, dieses Leben gibt es! 

Nicht bei Banken oder Lebensversicherungen, sondern 

      - im Glauben an Jesus als meinen Retter, 

      - in der verbindlichen Lebensgemeinschaft mit ihm und indem
  ich an seinem Wort bleibe.

 

Der Angekommene will aufgenommen sein. 

Und: Wer Jesus will, muss ihn ganz nehmen, so wie er ist. 

Weil die Teilhabe an Gottes Dimension, der Ewigkeit, 

denen vorbehalten ist, die Jesus das abnehmen, was er sagt, 

die also eine Beziehung des unbedingten Vertrauens zu ihm haben. 

 

Im Johannes-Evangelium wird besonders deutlich, 

dass „ewiges Leben“ nicht etwas ist, 

was die Glaubenden irgendwann nach dem Tod bekommen. 

Sondern: Wer an Jesus glaubt und mit Jesus lebt, 

für den hat die Ewigkeit schon jetzt angefangen!

 

Als Gegenbegriff zu „glauben“ spricht Johannes hier auch nicht von 

„nicht glauben“, sondern - von „nicht gehorchen“!

Dieses Wort wird im NT immer nur mit Blick auf Gott 

und seinen Willen verwendet. 

Ihm „nicht gehorchen“ heißt in diesem Zusammenhang, 

sich dem zu widersetzen, dass der Weg zu Gott einzig über Jesus

führt. 

Also nicht anzunehmen, dass wir nur in Jesus das Leben 

und damit ewiges Leben bekommen können. 

 

Ohne Jesus und ohne seine Vergebung gibt es keinen

Zugang zum Reich Gottes. 

 

Seine Geburt in Bethlehem, sein stellvertretendes Leiden und 

Sterben und seine Auferstehung am Ostermorgen

sind deshalb - zusammen genommen - das teuerste Geschenk, 

das Gott uns macht. 

Und alle Menschen sind herzlich eingeladen, 

es anzunehmen, 

Jesus in seiner ganzen Länge, Breite und Tiefe

als die Wahrheit Gottes über unser Leben. 

„Gott kommt zu uns in seinem Sohn, 

damit wir leben (wenn wir uns Jesus ganz übergeben)“.

 

In diesem Sinne ist Weihnachten das Fest der Liebe Gottes, 

ist die Geburt von Jesus der Grund zur wahren Weihnachtsfreude. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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