2012-11-11

Predigt über Hiob 14,1-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Buch Hiob, Kapitel 14, die Verse 1-6:

 

„1 Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, 

2 geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt 

nicht. 3 Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du 

mich vor dir ins Gericht ziehst. 4 Kann wohl ein Reiner kommen von 

Unreinen? Auch nicht einer! 5 Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl 

seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschrei-

ten kann: 6 so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag 

kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.“ ( - ) 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

ist das ein Bibeltext, der wirklich in unsere Bibel passt?

So depressiv, so desillusioniert von Leben wie er daher kommt?

„O Gott (die Anrede kommt gar nicht vor, ist aber gemeint!), 

bitte mach‘s doch halb lang mit mir, ich kann nicht mehr!“

Darf man das wirklich sagen?

 

ich will diesen Text zunächst einmal einfach auf uns 

wirken lassen und ihm so nachdenken, wir er auf uns zu kommt:

Das Leben in seiner ganzen Unausweichlichkeit, 

seinen scheinbar unentrinnlichen Schritten: 

Ein Mensch wird geboren, 

hat im Schnitt gerade mal 70, 80, 90 und vielleicht sogar 100 Jahre 

zu erwarten, blüht kurz auf - und sieht schon bald, 

wie auch Schuld und Leid unausweichlich dazu kommen, 

wie die Jahre immer schneller vergehen

und ein Mensch sich sogar danach sehnt, 

endlich sterben zu dürfen ...

 

Ist das wirklich so weit hergeholt, diese Beschreibung unseres Lebens?

 

Ich finde, Nein!

Auch dann nicht, wenn wir heute deutlich länger leben als zur Zeit Hiobs, 

Auch wenn der medizinische Fortschritt schon so manche Geißel 

der Menschheit besiegt hat und das wahrscheinlich noch nicht

das Ende ist (Krebs, Alzheimer, Parkinson ... vielleicht gelingt es

ja noch, etwas gegen sie zu finden, zu entwickeln?)

 

Ganz unabhängig davon erlebt es jede Generation neu, 

dass alles Lebendige sterben muss!

Früher oder später!

Es wird auch in Zukunft den Hiob geben mit dieser Erfahrung - und vielleicht -

werden wir selber eines Tages dieser Hiob sein!? 

 

Ein kurzer Blick zurück: Wer war eigentlich dieser Hiob? 

- ein Mann, „fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig

und das Böse meidend...“ (beschreibt ihn die Bibel). 

- ein „Hans im Glück“ und Hans im Unglück. 

Als Ergebnis einer teuflischen Versuchung muss er alles

hergeben, was ihm lieb und teuer war: 

Hab und Gut, seine Kinder, seine Gesundheit (er findet sich 

plötzlich von Geschwüren übersät wieder) - und zuletzt 

gibt ihm auch seine Ehefrau den Laufpass,
hält‘s nicht mehr aus bei ihm - und mit seinem Trotzdem-Glauben!

- Von Hiob kommen die „Hiobs-Botschaften“,
die „Schocker“ aus heiterem Himmel, ohne jede Vorwarnung

(Gestern noch quietsch fidel, fröhlich und auf 

einen Schlag gebeutelt von allem, was nur geht)

- Warum? (fragt er sich und fragen ihn seine Freunde)

- Und sie kommen zu ihm und suchen nach Erklärungen,
  erkennbaren Zusammenhängen zwischen einer möglichen
Schuld des Hiob und seinem Unglück? 

(„Aber Hiob, mal ehrlich: Von Nichts kommt doch nichts!??)

- Tolle Freunde! 

- Aber Hiob schmeißt den Bettel trotzdem nicht hin,
hält an seinem Gott fest. 

- Und dann - schließlich doch - diese Resignation: So ist es mit 

dem Menschen: kurzlebig und schuldig. 

„Wenn schon, dann schau wenigstens weg, Gott -, und 

lass mich in Ruhe“.  ( - ) 

 

Die Bibel, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

ist total realistisch, 

da wird nichts unter den Teppich gekehrt ...

Hiob, der Gerechte, ist „fertig“ - versteht Gott nicht mehr - 

und sagt das auch laut - ohne - deshalb allerdings vom Glauben 

abzufallen. 

Geht das überhaupt?! ( - ) 

 

Sehen Sie, 

auch deshalb ist für mich die Bibel so vertrauenswürdig!

Dass sie keine für alle und alles passenden Patentantworten 

und auch keine allgemein einleuchtende Erklärung für das Leiden gibt. 

Sondern dass sie ganz klar sagt 

(was wir gerne für eine logische Zumutung halten): 

Dass es Fragen gibt zwischen Himmel und Erde,

die wir schlicht Gott vor die Füße legen müssen ...

sie IHM überlassen ... und damit Glauben beweisen. 

 

Die Bibel gibt Menschen in der Not eine Sprache: 

Hiob zum Beispiel, aber auch in den Klagepsalmen, 

sogar in vielen Rachepsalmen 

(„Gott, nach so viel unschuldigem Leid: Nach Hitler, Stalin und Pol Pot, 

millionenfachen Mördern, die alle ungeschoren davon gekommen sind -, 

zieh Du sie zur Verantwortung!“

Wer will das den Betroffenen verdenken?!“)

 

Die Bibel - gibt Menschen in der Not eine Adresse! 

 

Auch Hiob hat lange auf eine Antwort warten müssen!

Gott hat wie tot, „offline“, kein Mucks von ihm!

Und was war schließlich seine Antwort? 

 

Gott ist selber - ein Hiob geworden! ( - ) 

„Als aber die Zeit erfüllt war, da sandte Gott seinen Sohn, geboren von 

einer Frau ...“  - schreibt der Apostel Paulus. (1)

„Als aber die Zeit erfüllt war, da sandte Gott seinen Sohn ...“ ( - ) 

mit allen Konsequenzen, 

die Hiob und alle ähnlich bebeutelten nach ihm 

durchgemacht haben: 

- Jesus, geboren in armselige Verhältnisse hinein:

Auch ER „lebt nur kurz und voll Unruhe“ (rund 30 Jahre

alt ist er geworden, selbst von den eigenen Jüngern am Schluss nicht 

mehr verstanden), 

       - „er ging auf wie eine Blume ...“
        um schließlich „wie ein Schatten“ aus dieser Welt wieder
zu entfliehen. 

- Der Stern von Bethlehem -, gesunken - über dem Kreuz von 

Golgatha!? ( - ) 

Unerkannt von den meisten Menschen - von Gott „ins Gericht

gezogen“. Warum? - Wozu? ( - ) 

- „Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen?“ - Schon Hiob

hat gespürt: Das geht nicht! (V4)

Und auch wir spüren es.

 

Trotzdem: Gerade auch Jesus, der Reine (der Sohn Gottes)
hat leiden müssen 

und er hat in seinem Leiden Psalm 22 gebetet,
den Sterbepsalm der frommen Juden: 

-> „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (V2)

-> „Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul 

auf und schütteln den Kopf: 

Er klage es doch dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette 

ihn -, hat er Gefallen an ihm ...“ (V8)

Aber was dort in Psalm 22 auch steht:

-> „Sei nicht ferne von mir (mein Gott), denn Angst ist nahe, 

es ist hier kein Helfer!“ (V 12)

 

Liebe Gemeinde, liebe Schüler, 

Gott selber ist die Antwort auf die WARUM-Frage!

 

Allerdings keine Antwort der logischen Argumente!

Wer leidet, braucht keine Logik, sondern Nähe und Hilfe!

Auch für alle Hiobs heute - besteht die letzte Hilfe 

nicht in logischen Erklärungen, 

sondern einzig und allein darin, dass der zu ihnen spricht, 

der im weiteren Verlauf der Hiobsgeschichte - selber - 

das Wort ergriffen hat

und in Jesus endgültig das letzte Wort über alles Leid gesprochen hat. 

 

Wie sieht diese Antwort aus?

Sie bestätigt und korrigiert - den Hiob. 

 

Drei kurze Gedanken dazu:

1.) Hiobs Klage gipfelt in den Worten: „Kann wohl ein Reiner kommen 

von einem Unreinen?“ 

 

Wäre es so, dann würde sich alles ändern!

Aber es ist anders!

 

Aber wir sind von Natur aus Menschen ohne Gott, 

vom ersten Tag an, unserem ersten Schrei im Kreissaal.

Und deshalb wird, solange die Welt besteht, 

auch kein Reiner von einem Unreinen kommen, 

kein Gerechter von einem Sünder, 

kein Heiliger von einem Unheiligen. 

 

Nur ein Reiner ist tatsächlich von einem Unreinen gekommen: Jesus - 

geboren von einer Frau. 

Und er ist nicht nur als Reiner von Unreinen gekommen, 

sondern auch als Reiner zu Unreinen 

und als Reiner für Unreine. 

Wir alle sind von Natur aus Unreine, 

aber der Eine ist jetzt einer von uns geworden. 

 

Wir passen nicht zu IHM, aber jetzt passt ER zu uns!

Und in IHM passen Gott und wir tatsächlich zusammen. 

In IHM passt Gott zu Hiob - und zu allen Hiobs aller Zeiten!

 

 

2. Jesus korrigiert Hiob: Hiob erklärt hier seine Not damit, dass Gott ihn und seine Schuld sieht. Und deshalb hat er nur einen Wunsch: Gott möge wenigstens die paar Tage seines Lebens von ihm wegschauen und ihn in Ruhe lassen. 

 

Widersprechen müssen wir Hiob nicht, wenn er einen Zusammenhang

zwischen Leid und Schuld sieht. 

Es gibt ihn, diesen Zusammenhang, 

auch wenn er sich nicht so einfach erklären 

oder gar verrechnen lässt. 

DIesen Zusammenhang zwischen Leid und Schuld. 

Wir werden sogar einmal an unserer Schuld sterben!

 

Aber vom anderen Hiob sagt der Prophet Jesaja: „Fürwahr, ER trug unsere

Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen ...

Die Strafe liegt auf IHM ...“ (Jes 53). 

Das hat auf Jesus gezielt.

Und deshalb lässt sich Leid und Schuld 

jetzt nicht mehr einfach so verrechnen! 

 

Wir werden zwar vom Leid nicht verschont,

solange wir auf der Welt sind 

und es wird während dieser Zeit immer Hiobs geben,

aber ihr Leid ist nicht die Strafe Gottes. 

Ist uns das schon klar? 

Auch Christen müssen leiden und wissen 

unter Umständen wirklich nicht warum! 

Es ist für sie ein Stück Prüfung genau wie für Hiob damals, 

ob ihr Glaube auch echt ist 

oder ob der Teufel doch recht hat, wenn er behauptet, 

Hiob glaube ja nur, weil und solange ihn Gott so versorgt, 

er sich „betüttelt“ fühlt. 

 

 

Und noch an anderer Stelle korrigiert Jesus den Hiob:

3. Hiob meint, seine Ruhe dann zu haben, 

wenn ihn Gott in Ruhe lässt. 

Und das hängt damit zusammen, das Hiob (der Jesus ja noch nicht kennt) 

Schuld und Strafe gegenseitig verrechnet. 

 

Seitdem aber der Reine aber (Jesus) in diese Welt gekommen ist, 

besteht die Ruhe für die Unreinen gerade nicht mehr darin, 

von Gott in Ruhe gelassen zu werden, 

sondern bei Gott - zur Ruhe - zu kommen. 

Zur Ruhe zu kommen in Jesus Christus, 

der unser Heiland und Retter werden will 

und dazu alle eingeladen hat, 

die „Mühseligen und Beladenen“. 

 

Und genau hier liegt der springende Punkt: 

Jesus lädt die Hiobs aller Zeiten zu sich ein, 

die, die sich abmühen mit ihrem Geschick und ihrer Schuld, 

denen andere ihre Schuld um die Ohren schlagen 

und sie damit belasten. 

ER lässt sie zur Ruhe kommen 

mit ihren Selbstzweifeln und Selbstbeschuldigungen. 

In Jesus sagt er: ICH stehe zu dir! ( - ) 

 

 

Trotzdem bleibt es bis zur Wiederkunft von Jesus so, 

dass Unruhe in einem menschlich-irdischen Sinn

vorläufig immer noch spürbar ist,

weil „unser Herz so lange unruhig ist, bis es 

einmal endgültig in Gottes Reich Ruhe gefunden hat!“.

 

So lange werden die Hiobs leiden und fragen, 

klagen und auch hin und wieder zagen, 

unruhig sein und sich nach einem Ende des Ganzen sehnen. 

 

So lange werden Fragen offen bleiben, 

so lange wird es es Schmerzen geben.

 

Aber Christen können darüber doch einen unbeschreiblichen Frieden 

haben, weil sie in Jesus, an den sie glauben und mit dem sie leben, 

jeden Tag erfahren: ER steht zu mir!

Was auch immer meine Augen oder mein Gefühl mir anderes

vorgaukeln mag ...

 

Seit Jesus gekommen ist, muss der Stachel des Leids 

und der Unruhe nicht mehr wirklich stechen, liebe Gemeinde! 

 

Seit Jesus gekommen ist, ist das Ziel eines Menschen, 

der Jesus nachfolgt, nicht mehr der Tod, 

sondern das Leben, 

muss ihr Wunsch nicht mehr sein,

Gott möge sie doch in Ruhe lassen, 

sondern - sie kommen bei IHM - zur Ruhe. 

 

 

Zum Schluss noch eine ganz konkrete Frage an Sie: 

Haben Sie das schon erfahren,

dass sie bei Jesus Ruhe über ihr Leben (und Sterben) gefunden haben? 

 

Sind sie gewiss, das er ihre Schuld vergeben hat 

und sie die noch offenen Fragen bei IHM gut aufgehoben wissen dürfen? 

 

Wenn nicht, dürfen Sie ihn heute noch darum bitten, 

das für Sie zu tun!

 

Und sie werden erleben, was im Lied, das wir zusammen singen, 

so ausgedrückt ist: „Meine Zeit steht in Deinen Händen, nun kann ich 

ruhig sein, ruhig sein in dir ...“ (EG 628,1-3)

 

Anmerkungen:

(1) Gal 4,4




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 18.10.2018
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Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
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Mädchenjungschar
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