2012-09-02

Predigt über 1. Mose 4,1-16a / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, auf einmal war alles anders:

Bis vor Kurzem noch per Du mit dem Chef 

und jetzt ist alles zerbrochen: 

Die gemeinsamen Jahre, alle vernünftigen Gespräche 

und das gegenseitige Vertrauen -, es ist wie weggeblasen, 

und das Schlimmste: der Chef hat uns auch noch Hausverbot erteilt – 

mir und meiner Frau. 

Eine kleine Abfindung hat es noch gegeben, aber dann. 

Tschüss und auf Nimmer-Wiedersehen.

Wie oft wiederholt sich dieses Drama nicht, bis heute!?

 

Adam und Eva sind von einem Tag auf den anderen 

aus der Gemeinschaft mit Gott vertrieben worden (siehe Schriftlesung). 

Vom Paradies trennt sie der unüberwindbare Graben der Sünde. 

Wer schon einmal am Abgrund einer großen Schlucht gestanden hat, 

an einem norwegischen Fjord oder im Grand Canyon, 

der versteht, was damit gemeint ist, 

wenn wir von der Sünde als Trennung von Gott reden. 

Nichts und niemand kann von sich aus rüber kommen 

zu dem unendlich in die Ferne gerückten Gott. 

 

Noch leichter wäre es, von der einen Seite des Geirangerfjords zur
anderen Seite zu springen.

 

In der Geschichte von Kain und Abel werden die Auswirkungen 

der Trennung von Gott beschrieben. 

Es wird ausgeführt, was es bedeutet, wenn die Welt ohne Gott lebt, 

und so die Schöpfung aus den Fugen gerät. 

Auch menschliche Beziehungen laufen plötzlich nicht mehr rund, 

sondern Durcheinander und Gegeneinander prägen das einst 

so gute Miteinander.

 

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 1. Buch Mose, 

Kapitel 4, die Verse 1-16 - Der Bericht von Kains Brudermord (Fortsetzung

zur Schriftlesung):

1 Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar 

den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mit Hilfe des 

HERRN. 2 Danach gebar sie Abel, seinen Bruder. Und Abel wurde ein 

Schäfer, Kain aber wurde ein Ackermann. 3 Es begab sich aber nach 

etlicher Zeit, dass Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten 

des Feldes. 4 Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde 

und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, 

5 aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain 

sehr und senkte finster seinen Blick. 6 Da sprach der HERR zu Kain: 

Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? 

7 Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick 

erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, 

und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. 8 Da sprach 

Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab 

sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder 

Abel und schlug ihn tot. 9 Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein 

Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter 

sein? 10 Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes 

deines Bruders schreit zu mir von der Erde. 11 Und nun: Verflucht seist 

du auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von 

deinen Händen empfangen. 12 Wenn du den Acker bebauen wirst, 

soll er dir hinfort seinen Ertrag nicht geben. Unstet und flüchtig sollst 

du sein auf Erden. 13 Kain aber sprach zu dem HERRN: Meine Strafe 

ist zu schwer, als dass ich sie tragen könnte. 14 Siehe, du treibst 

mich heute vom Acker, und ich muss mich vor deinem Angesicht 

verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir's 

gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet. 15 Aber der HERR sprach 

zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt 

werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand 

erschlüge, der ihn fände. 16 So ging Kain hinweg von dem Angesicht 

des HERRN und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.“ 

 

 

Am Anfang der Menschheit steht die Geburt von Kain und Abel. 

Die erste Familie erscheint auf dem Erdboden. 

Beide, Kain und Abel, nehmen nützliche Berufe. 

Beide versuchen mit ihrer Hände Arbeit, 

dafür zu sorgen, dass die Menschheit überlebt. 

 

Sie leben nicht einfach so in den Tag rein und lassen sich 

die gebratenen Hähnchen in den Mund fallen, 

sondern strengen sich an:

Kain als Gemüsebauer und Abel mit Viehhaltung.

 

Beide nehmen den Erfolg und die Früchte ihrer Arbeit 

nicht selbstverständlich. 

Sie ahnen, dass es da was gibt, das dafür sorgt, 

dass auf menschliche Saat göttliche Ernte folgt. 

 

Obwohl die Opfergesetze der Bibel erst viel später eingesetzt werden 

und obwohl sich Gott erst dem Mose als HERR offenbart, 

verfolgen beide die richtige Spur. 

Sie geben Gott von ihrer Ernte etwas ab. 

Vielleicht sind die beiden Ur-Menschen uns und auch unserer Zeit 

hierin näher als wir denken!?

 

Das Erntedankfest ist immer noch populär, 

obwohl immer weniger Menschen mit der Erdscholle verbunden sind. 

 

Und das Beten oder die Dankbarkeit ist auch Menschen wichtig, 

die im eigentlichen Sinn gar nicht an Jesus glauben 

und ihm vertrauen ...

 

Irritierend war und ist für alle, die die Geschichte von 

Kain und Abel hören oder lesen, die Reaktion Gottes. 

Während der das Opfer Abels hoch achtet, 

verweigert er Kain die Anerkennung. 

Vielleicht können auch Sie sich so manche Lebensgeschichte 

vorstellen, in der es so aussieht, als 

    • zieht der schwarze Rauch Kains zur Seite ab, während
    • eine schöne weiße Rauchsäule wie von Abels Altar in 

Richtung Himmel abzieht ...

 

Was hat Kain falsch gemacht? 

Will Gott von Anfang an blutige Opfer? 

Hat Abel mit seinen Erstlingen zum Ausdruck gebracht, 

dass Gott nur das Beste zusteht, 

und Kain hat Gott das Erstbeste hingepfeffert? 

 

Die Geschichte ist da knapper als wir es gerne hätten. 

Aber vielleicht hat das ja seinen Grund!?

Vielleicht bietet die Geschichte uns ja Chancen und Erkenntnisse, 

die uns verstellt wären, wenn die Frage nach dem richtigen
oder falschen Opfer der beiden Brüder ausgetappt würde. 

Im Hebräerbrief ist Abel ein leuchtendes Vorbild des Glaubens. 

Das schließt aber nicht aus, auch einmal die Frage zu stellen, 

was uns Kain zu sagen hat, und
ob sich nicht auch Christen in vielem in ihm wieder finden.


(I.) Gott stellt Kain auf die Probe

 

»Warum senkst du deinen Blick? (...) 

Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben.« (V. 6.7) 

 

Schon die Körperhaltung Kains verrät, dass er etwas im Schild führt. 

Weil er so mit sich selber und seinen finsteren Gedanken beschäftigt ist, 

kann er nicht mehr aufrecht gehen 

und hat kein Auge mehr für Gott und seine Umwelt. 

Der finstere Blick und der gekrümmte Rücken führen direkt 

in die Katastrophe. 

 

Die wenigsten von uns haben nach den Maßstäben der Gesetze 

jemals was angestellt, was dem Mord Kains nahe kommt. 

Viele von uns sind sogar so unbescholtene Bürger, 

dass sie nicht einmal Punkte in Flensburg haben (ich selber habe 

leider schon ein Paar ...)

Aber das Gefühl, von dem Kain beherrscht worden ist, 

das kennen bestimmt alle:

Das Gefühl von Rache und Wut aller Welt und Gott gegenüber: 

Rutsch mir doch den Buckel runter, Gott. 

Mit dir will ich nichts zu tun haben!

 

Kain sieht sich von Gott ungerecht behandelt. 

Und dieses „Unrecht Gottes“ ihm gegenüber (so empfindet er es), 

das ist eigentlich erst darin deutlich,
dass Gott Abel, seinem Bruder, gnädig begegnet war. 

Ohne Abel hätte Kain vielleicht gar nicht registriert, 

dass Gott sein Opfer so anders, ungnädig, ansah. 

 

Wie oft werden wir vom Neid beherrscht und werfen Gott vor, 

dass es den anderen so gut geht? 

Wie oft sind wir verbittert und der freie Blick wird unmöglich, 

weil sich uns der Hals zuschnürt? 

- Ich hab mir doch so viel Mühe gegeben, 

und was kommt dabei heraus? 

    • Ich habe so viel gelernt und doch immer die 

schlechten Noten! 

- Ich war immer nett zu den anderen 

und jetzt werde ich so unfair behandelt! 

    • Ich hab‘ mich immer so gesund ernährt und jetzt bin 

ich krank! 

- Ich hab‘ immer so treu gebetet und so selten erlebt, 

dass meine Gebete erhört worden sind. 

 

Gott hat Kain auf die Probe gestellt und es kann auch sein, 

dass er uns (mich, Dich!) auf die Probe stellt. 

Wenn nicht immer alles glatt läuft, 

und wenn Gott zu schweigen scheint, 

dann können wir von dem warnenden Beispiel Kains was lernen. 

Wir können Gottes Aufforderung ernst nehmen 

und über die Sünde herrschen. 

 

Die Sünde besteht ja wohl nicht darin, 

dass ihm das Lob Gottes seinem Bruder gegenüber zunächst

mal schwer im Magen liegt, 

sondern sie ergreift erst dann die Herrschaft über ihn, 

als er seinen Bruder Abel, durch einen Vorwand aufs freie Feld gelockt, 

erschlägt. 

 

- Herrsche über die Sünde! 

- Gib Anfechtungen und Verführungen keinen Raum! 

- Meide Dinge, Menschen und Situationen,
die dich von deinem Weg mit Gott abbringen! ( ... )

  - Lass dich wachrütteln, wenn du auf dem Weg zum Verbrechen bist! 

- Sei klüger als Kain!

 

 

(II.) Fluch und Gnade

 

Es sind gute und schöne Glaubenserfahrungen, 

wenn wir der Sünde nicht nachgeben und uns positiv 

von Kain abheben.

Es ist gut für jeden Christen,

wenn wir eher mit Abel als mit Kain vergleichbar sind. 

Aber auch wenn Kain unsere Figur in dieser Geschichte ist, 

lohnt es sich weiter zu schauen, was mit ihm, 

dem ersten Mörder der Menschheitsgeschichte passiert. 

 

Kain wird von Gott verflucht. 

Die Sünde ist für Gott keine Lappalie, sondern bitterer Ernst. 

Der Fluch beinhaltet eine neue Lebensform, weg von der 

Sesshaftigkeit hin zu einem ständigen Nomadentum: 

»Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden!« (V. 12) 

 

Was es damals bedeutet hat, keinen festen Wohnort zu haben, 

können wir heute nur ahnen. 

Überall lauerten Gefahren, und das Leben war ständig bedroht

durch Dürre, Unwetter, wilde Tiere ....

Auch durch Räuberhorden, die hinter jeder Böschung lauern können:

»So wird mir’s gehen, dass mich tot schlägt, 

wer mich findet« (V. 15), sagt Kain und so wär‘s wohl auch 

gekommen. 

 

Auch wenn es einem da heute, zumindest in Deutschland, 

nicht gleich so krass ergeht, 

so müssen doch Menschen auch heute noch mit den Folgen 

von Schuld und Sünde leben. 

Wenn Beziehungen zerstört und Familien auseinandergegangen sind, 

dann kann man nicht einfach so tun, als sei nichts passiert. 

Und wer mit dem Gesetz in Konflikt kommt, 

der muss seine Schuld absitzen und dafür gerade stehen, 

auch wenn er auf Gott vertraut und mit seiner Gnade rechnet. 

 

Aber die Gnade Gottes gilt einem jedem, 

der sich an ihn wendet und um Vergebung bittet!

 

Uns so spannt sich da ein Bogen zwischen dem ersten Mörder der Menschheitsgeschichte und dem anderen, der am Kreuz Jesus um Vergebung bittet. 

Dem gekreuzigten Mörder wird das Paradies verheißen 

und Kain kriegt ein Zeichen von Gott, das ihn vor Totschlag schützt. 

 

Gott selber verbürgt sich durch dieses Zeichen für den umgekehrten Mörder Kain. 

In der christlichen Auslegung dieses Textes 

ist schon immer über die Frage spekuliert worden, 

ob mit Kreuz, das Gott Kain als Schutzzeichen an die Stirn malt, 

nicht schon das Kreuzzeichen vor abgebildet und gemeint sei ...

 

Auch wenn sich das vom Wortlaut her nicht beweisen lässt, 

so ist doch für Christen klar: Wenn ich mit meiner Schuld zu Gott komme, dann vergibt er mir durch Jesus, seinen Sohn. 

Er verhindert, dass ich aufgrund meiner Sünden erschlagen 

und ewig von ihm getrennt bleibe. 

Er schenkt mir neues Leben. 

Auf diese Weise werd‘ ich zum begnadigten Kain, 

der zwar so manchen Fluch der Sünde aushalten muss, 

aber doch unter dem Schutz des Kreuzes steht.   

Amen

 

(Ich danke Pfarrer Matthias Bilger aus Filderstadt für seine Vorarbeiten zu diesem Bibeltext)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)