2012-07-29

Predigt über 1. Kor 6,9-20 i. A. / Pfarrer Friedhelm Bühner

Predigt 

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 1. Brief des 

Apostels Paulus nach Korinth, Kapitel 6, die Verse 9-14 und 18-20:

„9 Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht 

ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch 

Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder,  10 Diebe, 

Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes 

ererben. 11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid 

rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch 

den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres 

Gottes. 12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. 

Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. 

13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird 

das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber nicht der 

Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14 Gott aber 

hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine 

Kraft. ( ... ) 

18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb 

des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 

19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes 

ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch 

selbst gehört?  20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit 

eurem Leibe.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

was wird anders, wenn ein Mensch Christ wird? 

Diese Frage steht unausgesprochen hinter unserem
Predigttext. Paulus gibt darauf drei Antworten:

1. Antwort: Die Lebensführung ändert sich

Jürgen Werth, manche kennen ihn vom Kirchenbezirkstag
und vom Evangeliumsrundfunk, hat schreibt über Ulf Bastian,
eine wahre Geschichte: »Ulf Bastian ist Punk. Wild und aggressiv.
Er ist Sänger in der Band ›Saufen gegen den Staat‹ – der Name ist
Lebensprogramm.
Nur eins ist ihm wichtig: seine Freundin.
Doch die Beziehung scheitert. Nicht zuletzt, weil Ulf fremdgeht. …

Mit ihm geht es bergab. Eines Nachts im Gefängnis schreckt ihn
ein furchtbarer Traum aus dem Schlaf: ›Ich stand auf einem Platz,
und ein Schwert hing über meinem Kopf.
Da standen alle meine Sünden drauf, die kleinen und die großen.
Dann fiel dieses Schwert – und ich wachte schweißgebadet auf.
Da wusste ich, dass ich mich am Ende meines Lebens vor jemanden
verantworten muss.
Ich habe zu Jesus gebetet.
Warum, weiß ich nicht.
Aber da überkam mich so ein eigenartiger Friede, dass ich wusste:
das ist die richtige Adresse‹« (1).

Die wenigsten von uns werden eine so radikale Lebenswende
erlebt haben wie Ulf Bastian.
Die meisten von uns sind in »geordneten Verhältnissen« aufgewachsen,
vielleicht sogar in die Kirche hineingewachsen.
Die Weitergabe des Evangeliums von einer Generation zur nächsten
hat funktioniert.

Und doch: Der Apostel Paulus macht diese Veränderung,
diesen Wechsel der Lebensrichtung in mehreren seiner Briefe
zum Thema.
Er beschreibt: »So war es bei euch früher -, jetzt aber ist es ganz
anders geworden.«

An keiner Stelle tut er das mit so drastischen Worten,
mit so konkreten und peinlichen Beispielen aus dem Leben
seiner Leser und Hörer, wie in unserem Predigttext.
So mancher Demetrios  und so manche Diana in Korinth wird,
als der Brief in der Gemeindeversammlung vorgelesen wurde,
am liebsten in den Boden versunken sein.

Diese erste christliche Generation bestand ja nicht aus
unbeschriebenen Blättern, aus Leuten mit einer weißen Weste.
Nein, viele waren wegen ihres früheren Lebenswandels in ihrer
Stadt bekannt und – verachtet.
»Ungerechte« nennt Paulus aus seiner Sicht Menschen,
die so, wie sie sind, keinen Platz in Gottes Gemeinschaft finden können.
Und beachten wir, wie viel von dem, was hier genannt wird,
heute wie selbstverständlich in unserem Umfeld gelebt wird
(gestern war Christopher Street Day in Stuttgart, 200 000 Menschen
waren dort und Politiker haben Grußworte gesprochen ...
Aber auch das Lästern kommt in der Liste des Paulus als
Ausschlusskriterium für das Reich Gottes vor ..., Mensch, wie leicht
lassen sich selbst Christen noch dazu verleiten!)

Wenn das Leben derer, die Paulus hier andeutet,
vor Gott noch einmal zur Sprache kommen wird,
hätten sie keine Chance auf einen Freispruch.

Und Paulus scheut die Konkretion nicht: »Unzüchtige (gemeint sind
Menschen, die nicht heiraten, sondern einfach so zusammen leben,
solange es ihnen Spaß macht), Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben,
Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber« -
nennt er sie und fährt fort:
»Solche sind einige von euch gewesen«.
Eine Gemeinde von Leuten, für die die Zehn Gebote von vorn
bis hinten keine Rolle gespielt haben.
Aber von Leuten, die so, wie sie waren, zu Gott kommen durften.
Und die zu Gott gekommen sind. 

Nur als kleine Anmerkung für uns:
Bei vielen dieser Etiketten, die Paulus da vergibt,
könnten wir uns schnell moralisch entrüsten: »So was tut man doch nicht!«
Aber dass er Leute,
- die an andere Götter glauben,
- die die Ehe gering achten,
- die von ihrem Überfluss nichts abgeben wollen,
- die gern mal einen über den Durst trinken oder die andere herunterputzen,
mit solchen, die Kinder missbrauchen oder
sich mit brutaler Gewalt nehmen, was sie haben wollen,
in einen Sack steckt,
das verwirrt uns denn doch. ( - )

Christen haben andere Maßstäbe für ihr Leben als Nichtchristen. ( - )
Der Satz »Du darfst alles, du darfst dich nur nicht erwischen lassen!«
gilt für Christen nicht. ( - )
Christen leben anders. ( - )

2. Antwort: Die Lebensrichtung ändert sich

Paulus selber ist das beste Beispiel für einen Menschen,
in dessen Leben es einen radikalen Wendepunkt gegeben hat.
Er hätte mit Sicherheit das Datum jenes Tages nennen können,
als ihm - vor den Toren der Stadt Damaskus (um die heute morgen
gekämpft wird ...) Christus selber in den Weg getreten ist.
Und Lukas hat in der Apostelgeschichte ausführlich beschrieben,
welche Folgen das in Paulus’ Leben gehabt hat.
Es war ein Kurswechsel um 180°:
Christus und die Christen ausrotten wollte er vorher;
Christus allen Menschen »aufschwätzen« (Apg 26, 24–29)
nachher. Aus »contra« ist »pro« geworden!

Und der Apostel verbindet diese Richtungsänderung mit drei geistlichen
Vorgängen im Leben der Christen:
- »Ihr seid rein gewaschen,
- ihr seid geheiligt,
- ihr seid gerecht geworden durch den Namen des
  Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes« (V11).

Drei Vorgänge, die eigentlich dieselbe Sache aus verschiedenen
Blickwinkeln beschreiben:
Das Erste ist die Taufe.
Sie war damals die zwingende Konsequenz, wenn sich jemand
Jesus anvertraut hat, bei Jesus ein neues Leben bekommen wollte.
Das Zweite ist die Heiligung.
Damit ist gemeint, dass ein Mensch aus der säkularen Welt,
die mit Gott nichts am Hut hat, herausgenommen worden ist
und jetzt ganz auf Gottes Seite stand.
Das Dritte ist die Rechtfertigung.
Gott erklärt diesen Menschen trotz seiner gottlosen Vergangenheit
für gerecht.

Was alle drei Vorgänge verbindet: in jedem von ihnen ist Gott
der Handelnde, nicht der Mensch.
Sprachlich erkennen wir das an den Formulierungen im Passiv:
»ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden«.
Paulus sagt das ganz ohne Vorbehalt.
Nicht vielleicht, nicht vermutlich, nicht wahrscheinlich,
sondern ganz bestimmt trifft das auf Christen zu.
Wenn jemand Christ geworden ist,
dann muss er das für sich bekennen können:
Meine Sünden sind mir von Gott vergeben worden (rein gewaschen),
ich lebe jetzt anders als vorher, dieser Schritt hatte Konsequenzen (geheiligt
worden),
ich danke Gott dafür, dass er mich trotz meiner Vergangenheit
für gerecht erklärt (gerechtfertigt worden)!

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,
das ist das Evangelium, das ist die gute Nachricht,
die er als Christ und Botschafter für Christus verkündigt. 
Gott hat alles an mir - und für mich - getan;
Gott hat mein Leben -, meine ganze Existenz -,
verändert und neu gemacht.
An anderer Stelle spricht Paulus von einer »neuen Kreatur«,
die dabei entstanden ist (2. Korinther 5, 17).
Ich selbst - könnte mich nicht - an den eigenen Haaren aus dem Sumpf
meines Lebens ziehen, wie es der Lügenbaron Münchhausen von sich
behauptet hat.

Dabei spricht Paulus nicht nur von Äußerlichkeiten.
Die äußerlich sichtbaren Veränderungen
(dass dieser Mensch seine Ehefrau jetzt nicht mehr schlägt oder anbrüllt,
dass er den Kunden im Geschäft nicht mehr belügt;
dass er von der Droge wegkommen will) –
diese äußerlich sichtbaren Veränderungen sind im Grunde nur die
Symptome dafür, dass in seinem Inneren etwas ganz Großes passiert ist.
Und das ist ...

3.: Die Lebenshaltung hat sich geändert

Dieser Mensch, diese Diana oder dieser Demetrios,
diese Doro oder dieser Dieter,
haben nämlich eine innere Veränderung erlebt.
Ihre Einstellung zu Gott und zu den Menschen hat sich gewandelt.
»Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch ist und den ihr von Gott habt,
und dass ihr euch nicht selbst gehört?«, fragt der Apostel (V19).
Gott selber ist in diesem Leben eingezogen
und das markiert den Wendepunkt, an dem ein Mensch Christ wird. ( - ) 

Wenn wir eine neue Wohnung beziehen,
dann räumen wir erst mal aus und entsorgen,
was vom Vormieter noch an Resten dageblieben ist.
Dann tapezieren wir, streichen die Wände frisch,
stellen die eigenen Möbel auf, hängen unsere Lieblingsbilder an die Wand.
Erst dann, wenn wir beim ersten Kaffee unter dem Sonnenschirm
auf dem Balkon hocken, fühlen wir uns so richtig zu Hause!

Und dieser Vergleich lässt sich auch auf Gott anwenden!
Wenn er sich in unserem Leben breit macht,
wenn sein Heiliger Geist einzieht,
dann wird er kein neuer »Mitbewohner«.
Sondern: Er will allein da sein und das Leben in der Bude (in meinem
und Deinem Leben) gestalten und bestimmen!

Warum?
Woher nimmt Gott das Recht dazu?
Paulus beantwortet diese Frage hier nicht von der Schöpfung her.
Er könnte ja sagen: Ja, weil Gott doch unser Schöpfer und Erhalter ist,
deshalb kann er das verlangen ...

Aber nein, er gibt die Antwort von Karfreitag und Ostern her.
Von Ostern: »Gott hat den Herrn (Jesus) auferweckt und wird
auch uns auferwecken durch seine Kraft« (6, 14).
Was an Ostern passiert ist, gibt unserem Leib eine neue Würde.
Und von Karfreitag her: »Ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott
mit eurem Leibe«, d.h. mit einem Leben, das Gott gefällt (V20).

Der Graf von Zinzendorf, eine einflussreiche Persönlichkeit in der
Geschichte der Kirche, war auf einer Bildungsreise durch Europa
unterwegs.
In Düsseldorf besuchte er ein Museum und stand schließlich vor
einer Darstellung der Kreuzigung Jesu mit der Unterschrift:
»Das tat ich für dich – was tust du für mich?«
Der Satz, schreibt er später, hat ihn so zum Nachdenken gebracht,
dass er sein Leben verändert hat.
»Das tat ich für dich – was tust du für mich?«
„Mensch, wenn Jesus sich doch für mich am Kreuz hat hinrichten lassen,
damit ich durch ihn - zurück - zu Gott kommen kann,
dann will ich ihn von jetzt an auch klar und entschieden gehen -
ohne Kompromisse!“

Gott will unser Leben gestalten und bestimmen – das führt dazu,
dass sich bei mir zu allererst die Dinge, die wirklich wichtig sind, verändern!

»Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen«,
schreibt Paulus.

Und er meint damit: Ja, Christus hat mich wirklich frei gemacht,
so frei, dass ich jetzt unterscheiden kann zwischen dem,
was mein Leben nur scheinbar und nur oberflächlich frei macht,
das mich aber in Wirklichkeit bindet und mir die Luft zum Atmen nimmt,
und dem, das wirklich Freiheit bringt. 

(Für euch Konfis ist es vielleicht das Rauchen!?
Als ich 14 war, da habe das ganz cool gefunden und weiß noch,
wie wir uns in der Clique total stark gefühlt haben,
aber irgendwann habe ich gemerkt: Rauchen macht mich ja gar
nicht frei, sondern abhängig ... und kostet dazu noch viel Geld.
Solche Dinge hat Paulus gemeint: Prüft immer, ob es wirklich frei macht!
Das gilt auch für die Zeit vor dem Computer oder mit dem schicken
Smartphone ... gebrauchen ja, aber ob Du noch „frei“ bist,
das zeigt sich, wenn es ums Abschalten und weglegen geht!)

Der Apostel will, dass die Christen in Korinth darüber nachdenken,
wer sie sind und wie sie leben.
Das kann auch uns nicht schaden.

Die Mitte dieses Jahres ist schon wieder überschritten.
Erinnern wir uns noch an den Satz aus der Heiligen Schrift,
der uns in diesem Jahr begleiten und beschäftigen soll?
Die Jahreslosung, sie stammt auch von Paulus.
„Gott hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen.
Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12,9).
Jesus ihm den zugesprochen, als er an sich selber schier verzweifelt ist.

Diese Worte passen wunderschön zu unserem Predigttext:
Jesus lässt uns mit unserem »alten« Leben und mit unserer Unfähigkeit,
uns selber zu verändern, nicht allein.
Aber durch seinen Geist verändert er uns – wenn wir ihn an uns ran -
und in uns rein - lassen!  
Amen.

 

(Ich danke Pfarrer Dr. Hans-Werner Neudorfer für Vorarbeiten zu dieser Predigt)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi