2012-05-13

Predigt über Kolosser 4,2-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

das Thema dieses Gottesdienstes ist ein Vers aus dem 

Kolosserbrief: „Kaufet die Zeit aus!“ - Jede und jeder von uns

tut das Tag für Tag auf seine Art und ihre Weise. 

Manchmal sind wir zufrieden, oft gestresst, gelegentlich 

können wir etwas Ruhe genießen. 

Die einen haben vielleicht noch Freiräume bei ihrer Zeitplanung, 

die anderen stöhnen über viel zu viele Termine und Verpflichtungen. 

Aber jetzt ist es interessant, einmal von uns wegzuschauen - und

hinzuschauen, was die Bibel zu diesem Thema zu sagen hat.  

 

Wie sollen Christen ihre Zeit gestalten? 

 

Im letzten Kapitel des Kolosserbriefs unserer Bibel finden wir dazu 

einen kurzen Abschnitt, unser Predigttext heute (Kol 4, 2-6):

„Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm - mit Danksagung!

Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort

auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um 

dessetwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, 

wie ich es sagen muss. 

Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind - und 

kauft die Zeit aus. 

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr 

wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“ 

 

 

Hätten Sie das erwartet? 

Soll das alles sein? 

Müsste der Apostel Paulus zum Thema „Kaufet die Zeit aus“ nicht

mehr zu sagen haben? 

„Tut Gutes!“ - „Setzt euch für andere ein!“ - „Arbeitet in der Gemeinde mit!“ -

„Kümmert Euch um die Alten und Kranken!“ - „Besucht die Gottesdienste

und Veranstaltungen!“ - „Setzt ein Zeichen für Gerechtigkeit und Frieden!“ 

 

So oder ähnlich würden wahrscheinlich unsere Vorschläge lauten, 

was Christen mit ihrer Zeit anfangen sollen. 

Aber der Kolosserbrief (der Apostel Paulus) setzt andere Schwerpunkte. 

„Kaufet die Zeit aus!“ - das heißt hier: 

- „Seid beharrlich im Gebet!“ (V2) und 

- „wisst, wie Ihr einem jeden antworten sollt“ (V6). 

Es geht um das Gebet und um das Weitersagen der Botschaft. 

Mit anderen Worten: Das Reden mit Gott und das Reden von Gott

soll im Leben eines Christen seine Zeit und seinen Platz haben. 

Und zwar nicht irgendwo unter ferner liefen, sondern an heraus-

gehobener Stelle! 

 

 

1. Der erste Hauptgedanke: Das Gebet - Reden mit Gott 

Ein Brautpaar kommt ins Pfarramt um die bevorstehende Hochzeit

zu besprechen. Im Gespräch fragt der Pfarrer: „Beten Sie eigentlich

manchmal?“ - Die junge Frau antwortet: „Na, nicht regelmäßig, aber

von Zeit zu Zeit.“

Der Bräutigam nickt ebenfalls: „So ist es auch bei mir.“

Da sagt seine Braut ganz erstaunt: „Was, du betest? 

Wann soll denn das gewesen sein?“ 

Er erwidert: „Letztes Jahr, als meine Mutter so krank war.“  

Aber sie kann es immer noch nicht fassen: „Das hätte ich nicht 

gedacht, dass du betest!“ 

 

Irgendwie ist so eine Begebenheit doch aufschlussreich:

Da lieben sich zwei Menschen und wollen heiraten. 

Sie kennen einander und vertrauen sich. 

Aber der eine weiß vom anderen nicht, dass er manchmal betet! 

 

Ist Beten so etwas Außergewöhnliches? 

Für viele Menschen offenbar schon! 

Muss man das voreinander verstecken und geheim halten? 

So manche schämen sich regelrecht dafür ...

Sie denken: Beten - das gehört in die Kindheit!

Als kleiner Junge oder als kleines Mädchen da sind wir mit unseren

Sorgen zu Gott gekommen:

- die Katze, die davon gelaufen war, 

- das Brüderchen, das Bauchweh hatte, 

- die Weihnachtgeschenke, auf die man so lange warten musste ...

 

Und es war gut zu wissen: Gott hört mich. Ich bin nicht allein. 

Aber mit dem Älterwerden ist dieses Vertrauen in eine Krise geraten. 

Nicht jedes Gebet geht in Erfüllung, Enttäuschungen sind zu ver-

kraften. Zweifel tauchen auf: 

- Hat Beten überhaupt einen Sinn? 

- Was ist, wenn es Gott gar nicht gibt? 

Im Konfirmanden-Unterricht wird vielleicht ein letzter Versuch gewagt.

Aber wenn die Einser und Zweier dann nicht wie auf Bestellung

im Zeugnis stehen, lässt man es wieder bleiben. 

 

Und so gewöhnt sich mancher im Lauf der Jahre das Beten ab.

Ab und zu ein Stoßgebet, etwa wenn man bei Rot über eine Kreuzung

fährt - das muss reichen. 

Ansonsten hält man sich an die Überzeugung: Hilf dir selbst, dann

hilft dir Gott!

 

Aber gegen alle Enttäuschungen und Zweifel ermutigt uns der 

Apostel Paulus heute: „Seid beharrlich im Gebet!“ 

Beten ist mehr als nur Bitten. 

Beten ist Reden mit Gott. 

Das Gebet ist die Zeit und der Raum, in dem ein Christ innere

Stärkung erfährt! 

 

Bestimmt kennen Sie das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft!“ 

Ganz ähnlich ist es auch mit dem Gebet: Da zählt nicht die eigene

Leistung, da fragt niemand nach dem Wirbel, den wir entfachen 

können, sondern da gilt es, sich auf Gott einzulassen!

Und in dieser Begegnung kommt es zu einer Kraftübertragung! 

Da spüre ich, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin.

Ich muss nicht das Letzte aus mir herausholen,

ich muss nicht alles selber in die Hand nehmen!

Ja, in mir - wächst das Vertrauen, dass ich bei Gott in guten Händen bin! 

Und dieses Vertrauen gibt den Mut, meine Lebenszeit auszukaufen

und - zu gestalten! 

 

Von Martin Luther wird der Ausspruch überliefert: „Heute muss ich viel 

arbeiten, also muss ich viel beten!“ 

Bei mir ist es leider oft genau umgekehrt. 

Ich stürze mich ins Tagesgeschäft„Kaufet die Zeit aus!“, anstatt

mir die Zeit mit Gott zu nehmen!

Aber diese Minuten einzusparen ist kein Gewinn, sondern ein Verlust!

 

Weil ich im Gebet eine andere Sicht meines Alltags bekomme. 

Weil es dann nicht mehr nur um meine Wünsche und Vorstellungen

geht, sondern neue Prioritäten in den Blick kommen.

Deshalb ist das Gebet auch so wichtig: Weil hier nicht wir arbeiten, 

sondern Gott an uns arbeitet! 

 

Deshalb der Appell des Paulus: „Seid beharrlich im Gebet und wacht

in ihm mit Danksagung!“ 

Zum Beten gehört das Danken!

Wer dankbar ist, nimmt nicht alles für selbstverständlich!

Indem wir Gott danken, merken wir, wie wertvoll und einzigartig

unser Leben ist. 

Ich muss mein Herz nicht an das hängen, was mir scheinbar noch 

fehlt zu meinem Glück, sondern darf entdecken, wie Gott mich 

beschenkt hat.

 

Beten verändert meine Sichtweise! 

 

 

2. Der zweite Hauptgedanke: Weitersagen des Glaubens - 

Reden von Gott

Für die ersten Christen war das Weitersagen ihres Glaubens mit

Gefahren verbunden: Wir hören in unserem Abschnitt, dass der 

Apostel seinen Brief aus dem Gefängnis schreibt!

Aber die Gemeinden ließen sich nicht davon abhalten, in ihrem Alltag

über ihren Glauben zu reden:

- Auf dem Markt, 

- bei Bürgerversammlungen, 

- als Sklaven in höher gestellten heidnischen Familien,

gefragt war das rechte Wort zur rechten Zeit. 

 

Wir sind da heute viel zurückhaltender: Religion gilt in unserer

Gesellschaft als Privatsache. 

Abschreckendes Beispiel für missionarischen Eifer sind die Zeugen

Jehovas: Sie klingeln an den Haustüren oder bieten ihre Zeitschriften

in den Fußgängerzonen an. 

Diese Aufdringlichkeit stört uns aber gleichzeitig stellt sie uns auch 

in Frage: Wo wagen die Christen es, ihren Glauben weiterzusagen? 

Und in welcher Form könnte das geschehen? 

 

Im Kolosserbrief  bekommen wir dazu zwei Hinweise: 

(1.) V6: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr 

wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“ 

„Freundlich“ - das heißt: auf keinen Fall von oben herab, sondern 

von Mensch zu Mensch. 

Das griechische Wort für „freundlich“ hängt mit „Gnade“ zusammen:

Unser Gesprächspartner soll in meinem Verhalten ein Stück der

Freundlichkeit und Gnade Gottes spüren. 

 

Aber wir müssen nicht verschweigen, was uns wichtig ist: Unsere

Rede darf „mit Salz gewürzt“ sein! 

Salz bringt Würze in ein fades Essen. 

Das immer gleiche Einerlei schmeckt plötzlich anders. 

So könnte mein Weitersagen des Glaubens zu einem Aha-Erlebnis

führen!

Menschen bekommen Appetit und entdecken: Das könnte mir auch 

schmecken: „Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist“, heißt

es in einem Psalmvers. 

Warum sollte ein Christ nicht weitersagen, dass sein Leben nicht 

vom Zufall (Schicksal) bestimmt ist, sondern einen HERRN hat? 

 

Salz hat außerdem - der (2.) Hinweis im Kolosserbrief - ein langes 

Haltbarkeitsdatum!

Mit Salz gewürzte Worte wirken länger als ein Gerede, das zum einen

Ohr rein und zum anderen rausgeht!

Trotzdem sollen Christen niemand die Suppe versalzen. 

Wo sie zu scharf werden, wo ich zu sehr gepfeffert und gesalzen 

rede, da entsteht leicht auch Verbitterung. 

 

Auch das Weitersagen des Glaubens steht unter der Überschrift: 

„Kaufet die Zeit aus!“ 

Es geht darum, den richtigen Zeitpunkt herauszufinden. 

Immer wieder gibt es Gelegenheiten, bei denen sich eine Tür für 

beherzte Worte öffnet. 

 

Ich denke z. B. an einen Unternehmer, der seinen Geschäftspartnern

zu Weihnachten eine CD von einem christlichen Liedermacher schenkte.

Das hat manchen ins Nachdenken gebracht und zurückfragen lassen: 

„Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“

 

Oder ich denke an eine Goldene Hochzeit:

Nach dem Kaffeetrinken erzählt das Jubelpaar den Freunden und

Verwandten, wie Gott sie durch ihr Leben geführt und begleitet hat. 

Die Enkel waren beeindruckt darüber: „Mensch, Opa, so haben wir

das noch nie gesehen!“ 

 

Christen brauchen sich nicht zurückziehen, 

sondern sie sollen Ansprechpartner sein für die Fragen der Menschen! 

Sie sollen sie „aufrütteln“ mit der Guten Nachricht von Jesus Christus!

Weil unser aller Lebenszeit davon rinnt!

Weil niemand unendlich Zeit hat. 

Auch in diesem Sinne gilt: „Kaufet die Zeit aus!“ 

(Menschen - Paulus spricht von „denen, die draußen sind“ -, sollen 

die Möglichkeit bekommen, Jesus noch kennenzulernen ...)

 

Was ist hier für uns „dran“ in Dennach, liebe Gemeinde? 

Wie können wir noch mehr „Brücken bauen“ zu fragenden Menschen? 

 

Einfach zu sagen: „Jeder könnte ja, wenn er nur wollte, in den Gottes-

dienst kommen!“, das kann‘s nicht sein!

Dann hätte auch Paulus damals nicht losziehen müssen ...

 

Aber es geht nicht um Aktionismus! 

Es geht um die Liebe zu Menschen, die Jesus brauchen

und die ohne ihn verloren gehen. 

Und da beginnt alles im Gebet (sagt Paulus):

„Macht das Gebet stark!“ (gibt er uns mit), und dann geht los: 

„Kauft die Zeit aus!“ 

„Gebt ein klares Zeugnis für den HERRN eures Lebens: 

für Jesus Christus!“

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 18.10.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger