2012-03-11

Predigt über 1. Petrus 1,18-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

wieviel ist ein Menschenleben wert? 

 

Bei einem Verkehrsunfall wird ein Mensch getötet. 

Die Angehörigen geben sich mit der für solche Fälle vorgesehenen 

Versicherungsumme nicht zufrieden. 

Das ausgelöschte Leben kann doch nicht nur EURO 100.000,00 wert sein

oder EURO 200.000,00 oder EURO 500.000,00!

Und selbst wenn der Betrag noch deutlich höher ausfallen würde, 

das ausgelöschte Leben lässt sich damit nicht aufwiegen, 

geschweige denn zurück holen!

 

Aber das ist doch wohl die tiefere Sehnsucht, wenn man um höhere 

Summen streitet!

 

Und wirklich: Unser Leben ist noch viel mehr wert!

Das macht uns Gottes Wort für diesen Sonntag deutlich. Es seht 

im 1. Brief des Apostels Petrus, Kapitel 1, die Verse 18-21 (nach 

der Übersetzung „Hoffnung für alle“): 

18 Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der 

Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure 

Väter geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Geld,

19 sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut, das er als unschul-

diges, reines Lamm Gottes für uns geopfert hat.

20 Dass er für uns sterben sollte, hatte Gott schon vor Erschaffung 

der Welt bestimmt. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus 

zu euch gekommen, um euch zu retten.

21 Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden. 

Er hat Jesus Christus von den Toten auferweckt und ihm seine 

göttliche Herrlichkeit gegeben, damit ihr an ihn glaubt und eure 

ganze Hoffnung auf ihn richtet.“

 

 

Da ist also von einer anderen Summe die Rede. 

Einer, die nicht mit Geldwerten aufzuwiegen ist. 

Der Gegenwert für unser Leben ist das Leben des Gottessohnes

Jesus Christus. An Karfreitag vor rund 2000 Jahren ist das aller

Welt - blutig - demonstriert worden. 

Und dass da Blut geflossen ist, das macht nur deutlich, 

wie ernst es Gott damit ist, uns freizukaufen. 

Das gibt unserem Leben eine ganz neue Dimension. 

 

 

Drei wichtige Dinge stecken in diesem Bibelwort heute: 

 

1. Erlöst aus der Sklaverei des alten Lebens.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis,

Sklaverei ist kein Relikt aus längst überwundenen Zeiten. 

Mitten in unserer hochtechnisierten und vernetzten Welt gibt es 

sklavenartige Verhältnisse (so sind bis vor wenigen Jahren im Sudan 

noch Tausende Kinder des christlichen Stamms der Dinkas regelrecht

versklavt worden, verkauft als Arbeitssklaven an moslemische Familien

im Zentralsudan. Auch in Indien schuften viele Kinder und Frauen in 

ähnlichen Verhältnissen - für Teppiche und in Steinbrüchen. 

Und auch unsere moderne Arbeitswelt kennt Anstellungsverhältnisse, 

die daran erinnern: „Leiharbeit“, ständig befristete Arbeitsverhältnisse, 

Jobs, von denen keiner leben kann ... sich als „Sklave“, „ausgeliefert“

fühlen, das ist hart!)

 

Versklavt sind wir Menschen aber auch an Mächte und Verhältnisse, 

für die wir selber verantwortlich sind, 

die wir gerne loswerden wollten 

und scheitern doch immer wieder an der eigenen Hilflosigkeit!

 

Denken wir nur an die Auswirkungen des Alkoholismus. 

Er macht Menschen regelrecht willenlos, 

„unbeherrscht“ - und gerade darin zeigt sich, 

dass ein Alkoholiker unter von einer fremden Macht beherrscht wird. 

(siehe die Gefährdetenhilfe „Wegzeichen“ aus Enzklösterle, Wolfgang

Isenburg und seine Familie ...)

 

Es gibt so viele Bindungen, die uns unfrei machen, 

sichtbare und viel mehr noch unsichtbare! 

Da machen sich Menschen voneinander abhängig, 

erwachsene Kinder können sich ohne schlechtes Gewissen nicht

entscheiden, weil ihnen von den Eltern immer alle Verantwortung

abgenommen wurde.

Ein Ehepaar lebt in ständiger Spannung miteinander, weil z. B. die 

Mutter des Mannes sich ständig einmischt und der sich nicht 

getraut, etwas dagegen zu sagen. 

 

Aber es gibt auch Abhängigkeiten in uns selbst: Ein Mann um die 

Vierzig leidet darunter, dass er immer wieder grob ausfällig wird -

gegenüber anderen - und auch gegenüber der eigenen Familie.

Er will es nicht, aber schafft es auch nicht, sich zu ändern!

So mancher hat sich in seiner Verzweiflung darüber schon das 

Leben genommen! 

 

Wie viele Menschen sehnen sich danach, ihre alten Verhältnisse

hinter sich zu lassen, neu anfangen zu können!? 

 

Frei zu sein von den Ketten ihrer Gewohnheiten, ihrer Wunschträume

und überzogenen Erwartungen, ihrer Bedürfnisse, ihrer Triebe?! ( - ) 

Vom ständigen Nachschauenmüssen in Facebook, auf dem Handy ...

 

Wir müssen nicht erst die Sklavenverhältnisse im Altertum 

in Amerikas im 19. Jahrhundert und in manchen Ländern heute dafür

„herholen“. 

 

Gottes Wort für diesen Sonntag heute sagt uns, 

dass es diese grundsätzliche Befreiung aus den Fesseln der Sklaverei, 

der alten Mächte wirklich gibt! ( - ) 

In Christus hat Gott sich seiner entgleisten Schöpfung 

noch einmal ganz neu und real angenommen!

In IHM steht uns die Tür zum eigenen Gefängnis offen!

Wird uns gesagt: Du darfst wirklich aufatmen!

 

Aufatmen, wie z. B. die  Frau, die nach über 30-jähriger Ehe

von ihrem Mann sitzengelassen wurde. 

Weil ihm eine jüngere Frau jetzt besser gefallen hat!  

Und weil es dann immer die gleichen Sprüche sind, die man 

zu hören bekommt: „Ach, unsere Ehe war doch schon lange nicht 

mehr intakt usw usw ...“ Alle diese billigen Ausflüchte ...

Und diese Frau ist daran fast zerbrochen, 

eine Welt ist über ihr zusammen gekracht, 

und es gab doch keine andere für sie! ( - ) 

 

Sie ist nur eine von vielen!

Aber diese Frau, die mir vor Augen steht, durfte in dieser schwersten

Zeit den christlichen Glauben von einer Seite kennenlernen, 

wie sie ihn bisher noch nie gesehen hat! ( - ) 

Eine gläubige Frau hat sich um sie gekümmert!

Und da hat sie bald gemerkt, dass Glauben mehr ist als ein bloßes 

Fürwahrhalten, dass es um eine vertrauensvolle Beziehung geht - 

zu Jesus Christus - und dass dieses Vertrauen, wenn es denn echt ist, 

sich auch im Alltag auswirkt und zwar darin,

wie man dann mit Problemen umgeht! 

 

Mit deren Hilfe hat diese gehörnte Frau nach und nach gelernt, 

wieder Vertrauen zu fassen 

und auch ihr altes Leben aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. 

 

So dass sie heute sagen kann: Mein Leben hat einen neuen Sinn und Halt 

gefunden, ich kann jetzt getrost in die Zukunft schauen (und gehen)!

 

 

 


2. Erlöst, weil Gott es von Anfang an so gewollt hat. 

So, wie diese Frau es erlebt hat, können wir das 

auf der Ebene unseres eigenen Lebens auch erleben!

Wir sollen aufatmen können, weil Gott es so will!

 

In unserem Predigtabschnitt wird gesagt, dass Christus vor Beginn

der Welt für dieses Rettungswerk ausersehen war. 

Das können wir in den Kategorien unseres Denkens nur schwer unter-

bringen. Aber können ja auch sonst längst nicht alles unterbringen, 

was zu unserem Leben gehört? 

 

Gerade da - zahlt sich das Vertrauen aus -,

das wir in Gottes umgreifende Liebe haben können! 

Und die Gewissheit darüber wird eher noch gefördert, 

wenn wir uns einmal klar machen, 

dass Gott von Anfang an - niemanden - verloren gehen lassen wollte. 

(„Keiner muss verloren gehen!“ ...)

(Konfis: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, ... dass er seinen eingeborenen

Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, 

sondern das ewige Leben haben!“)

Als seine Geschöpfe liebt Gott uns derart, dass er uns in Freiheit 

und für die Freiheit geschaffen hat. 

Aber wir haben diese Freiheit dazu genutzt, 

um uns von Gott abzusetzen, unsere eigenen Herren zu sein - 

und sind sind darüber in zwingender Konsequenz 

zu Sklaven unserer selbst geworden!

 

Als solche verfehlen wir Gott in allem, was wir denken, reden und tun ...

Das nennt die Bibel „Sünde“, wörtlich übersetzt: „Zielverfehlung!“

 

Wie gut, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

dass Gott noch nicht die Nase voll hat von uns, 

dass er den Bettel noch nicht hingeschmissen hat!

Sondern uns in Liebe nachgeht, die Verlorenen sucht ... 

 

Dazu hat er ein Stück seiner selbst geopfert, Jesus

und uns damit die verlorene Freiheit zurück gekauft!

Die Tür unseres Gefängnisses steht offen!

Wenn ich nur Jesus vertraue und folge, der da unter der Tür steht und 

mir zuruft: Komm doch raus, folge mir!

Dann fallen die Ketten ab, die mich noch binden. 

 

Auch das, was mich heute so festhält und nicht loslassen will,

ist in den Kaufpreis eingeschlossen, den Jesus am Kreuz

für mich bezahlt hat.

 

Gott hat mir eine Tür geöffnet. 

Und deshalb ist es so total wichtig,

dass ich nicht einfach freundlich nickend - sitzen bleibe, da wo ich bin. 

 

 

 

3. Erlöst, um ein neues Leben zu führen. 

Das ist es eigentlich, worum es Petrus hier geht. 

Wenn ich aufgestanden bin und in Jesus Christus einen neuen, 

einen ganz anderen Herrn gefunden habe -, 

dann kann ich doch nicht so tun, 

als ob nach wie vor die alten Verhältnisse herrschten. 

 

Wenn jemand „Glauben und Hoffnung zu Gott“ hat, 

wie es am Schluss unseres Textabschnittes heißt, 

dann müssen das alle sehen und spüren können, 

darauf aufmerksam werden!

 

Denn wer nicht so recht weiß, wohin und wozu er eigentlich lebt, 

das wissen wir alle, der gibt das im Alltag auch (unbewusst) so weiter: 

Er lässt sich treiben (oder treibt es ...), 

Er sammelt vieles an (es ist seine ganze Hoffnung ...), 

aber er spürt auch, wie ihm die Zeit, die Lebenszeit, davon läuft. 

Und deshalb sind solche Menschen meistens ungeduldig, 

es kann nie schnell genug gehen,

sie wollen das kurze Erdenleben genießen, 

aber wehe, es kommt etwas dazwischen: 

    • ein Pflegefall in der Familie ...
    • die Frau oder man selbst wird plötzlich krank ...
    • die Karriere bricht ab ...

Dann ist „Schluss mit lustig!“

 

Ganz anders ist das doch bei einem Menschen, 

der durch die Tür seines eigenen Gefängnisses zu Jesus hinaus

gegangen ist und jetzt im Vertrauen auf ihn lebt. 

Warum sollte der seine Flinte ins Korn werfen, die „Lebenspanik“ kriegen, 

selbst wenn er merkt, 

    • dass auch seine Ehe in die Jahre gekommen ist und 
    • sich längst nicht alles so traumhaft erfüllt hat wie gewünscht, 
    • wenn Menschen enttäuschen, 
    • die Lebenskraft abnimmt. 

 

Dieser Mensch wird daran nicht mürbe werden. 

Er wird Glauben halten, die Frau oder den Mann nicht in die Wüste 

schicken, auch bei so manchen Schwierigkeiten mit Kollegen am 

Arbeitsplatz und zunehmender Unsicherheiten 

nicht sarkastisch werden!

 

Und das macht deutlich - wenn es dann auch noch mit einem mutigen 

Bekenntnis zu Jesus im Beruf, in der Schule, verbunden ist umso mehr! -, 

dass gelebtes Christsein keine Theorie ist, sondern Kraft, 

eine „verwegene Zuversicht“, 

ein Erlöstsein (!) zu einem neuen Leben. 

 

 

 

In den Versen davor hat Petrus an Gottes Aufforderung erinnert: 

„Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!“ 

 

Damit sagt er uns:

Das Leben eines Christen soll dem Willen Gottes entsprechen. 

Nun geht das aber nicht automatisch. 

Es gehört auch ein fester Entschluss, ein fester Wille dazu!

Und, dass ich wieder aufstehe, wenn ich gefallen bin!

 

Denn auch Christen sind ja keine fehlerfreien Heiligen. 

Sie sind Menschen, die von Gottes Barmherzigkeit, 

von seiner Vergebung - und daraus folgend - 

aus seiner Liebe leben dürfen!

 

Und wo das ein Mensch tut, 

da kommt es wirklich zum Aufatmen! 

Da fällt nach und nach ab, was einen Menschen so lange versklavt hat. 

 

 

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde, 

Gott will unsere Freiheit und dass wir IHN ernst nehmen!

Das heißt „Gottesfurcht“ -, 

ein Wort, das Petrus immer wieder benutzt. 

 

Und wie geht das praktisch?

 

Es geht so, dass ich Jesus meine ganze Liebe, 

mein ganzes Vertrauen schenke (dadurch werde ich frei von den alten 

Bindungen, frei für ein Leben mit Gott, mit Jesus). 

Und als Antwort auf diese geschenkte Freiheit 

folgt daraus, dass ich mit meinem ganzen Leben (ohne Ausnahme)

diesen HERRN auch als meinen Chef annehme

und weiß, dass es nicht geht, mehrere Chefs gleichzeitig zu haben. 

 

ER bezahlt mich ... 

Vor IHM muss ich auch gerade stehen für alles, was ich tue. 

 

(Beispiel orthodoxe Kathedralen mit riesengroßem Christus-Bild 

in der Kuppel. Bedeutung: „Von hier aus sieht er (= Christus) jeden 

und er sieht jeden Winkelzug, den ein Menschen macht ...)

 

Christus „sieht“! 

 

Aber anders als „big brother is watching you“ 

oder bei der Daten-Sammelwut von Google, Facebook und Co. 

brauche sich ein Christ vor Christus nicht zu fürchten, 

kein mulmiges Gefühl haben, dass alles, was er sieht, 

auch mal gegen mich verwendet werden könnte, 

sondern wer Jesus Christus als Chef seines Lebens angenommen hat, 

an ihn glaubt, der darf darauf vertrauen, dass dieser HERR es „nur gut“

mit ihm meint, dass Gott ihm barmherzig ist und bleibt. 

 

Bei IHM gibt es kein Anbiedern und keine Bestechung, 

kein „Einschleimen“.

 

Das Leben, das der Sohn Gottes am Kreuz für uns gelassen hat, 

war viel zu kostbar!

Machen wir uns da nichts vor!

 

Und das ist Petrus wichtig

und er bringt es immer und immer wieder aufs Tablett: 

Was hat es Gott doch gekostet, 

damit ich, Du, wir alle - aufatmen und ein neues Leben führen können!

 

Nicht aus uns, 

nur durch mit seinem Sohn!

Wahre Freiheit und Erlösung gibt es nur bei ihm!

 

Deshalb: Geht mit Jesus durch die Tür aus dem Gefängnis. 

Amen

 

 





Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
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10:15 Uhr:
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Dienstag, 23.10.2018
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Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
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19:00 Uhr in Schwann:
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20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi