2012-01-15

Predigt über 1. Korinther 2,1-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem 1. Korinther-
brief des Apostels Paulus, Kapitel 2, die Verse 1-10
:
„Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit
hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes
zu verkündigen.
Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein
Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwach-
heit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine
Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher
Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit
euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf
Gottes Kraft.
Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkom-
menen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher
dieser Welt, die vergehen.
Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis
verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer
Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat;
denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herr-
lichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben
steht: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in
keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen,
die ihn lieben.
Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist
erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.“



Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

der Apostel Paulus stellt sich nicht heraus.
Er bekennt sich dazu, dass er niedrig, schwach und angefochten ist.
Er kommt gerade aus Athen,
hat dort eine glanzvolle Predigt gehalten.
Dort, auf dem Areopag, wo sich alle großen Redner und Philosophen
versammelten.
Seine Rede war gut, philosophisch gut, theologisch gut,
rhetorisch gut, alles gut, „1“.

Das ist auch kein Wunder, schließlich hat er bei den besten
Gelehrten Israels studiert.
Der Mann hat etwas auf dem Kasten,
aber der Erfolg seiner Rede war ausgesprochen „mager“.
Das muss für ihn „frustrierend“ gewesen sein.

Jetzt ist er einige Kilometer weiter, in Korinth,
da ist alles ganz anders.
Da redet er nicht mit einer glänzenden Rede,
demonstriert auch nicht Bildung und Gelehrheit,
benutzt keine Zitate und Fremdwörter um zu zeigen,
wie hoch sein Bildungsgrad eigentlich ist
und welche akademischen Titel er erworben hat.
Intellektualität ist nicht angesagt.

Er schreibt in den Versen vor unserem Text von der Niedrigkeit
der Gemeinde von Jesus, von ihrer Kreuzesgestalt.
Da schließt er sich an und sagt: „Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch
kam, auch ich ...“ (V1.3).
Damit bekennt er, dass auch er zu den schlichten, einfachen
Menschen gehört.

Dabei ist er doch ein großer Theologe.
Aber er sagt: „Ich kam zu euch nicht mit hohen Worten und nicht
mit hoher Weisheit, um die göttliche Predigt zu verkündigen,
denn ich hielt nicht dafür, dass ich etwas wüsste unter euch als
allein Christus, den Gekreuzigten!“ (V2)

Damit gibt er das Thema an,
das für die Gemeinde von Jesus Christus das eine verbindliche
Thema ist: Jesus Christus, der Gekreuzigte.
Christus allein, das war die Entdeckung der Reformation,
das war das Thema der Erweckungsbewegungen.

Persönlich wollte ich schon immer gerne mal nach Russland reisen
(und hoffe, das das irgenwann noch klappt).
Dort gibt es in Moskau den sogenannten Prominentenfriedhof,
auf dem sie alle versammelt sind, die die Geschichte der
ehemaligen Sowjetunion gelenkt haben,
die Politiker, Wissenschaftler, die Soldaten als in Stein gehauene,
imposante Denkmäler.
Chrustschow, Gagarin und wie sie alle heißen.
Und man sagt: Diese toten Skulpturen wirken heute regelrecht
bedrückend, bizarr ... so wie die Mausoleen, die jetzt in Nordkorea
erweitert werden für den vor kurzem gestorbenen „ewigen Führer“.
Wieviel Macht haben sie einmal besessen!

Und da fällt mir ein altes Lied dazu ein, das Siegfried Fietz einmal
vertont hat:
„Seht, man musste sie begraben, die der Welt Gebote gaben
und ihr Wort hat nicht Bestand ...
Ihre Namen sind verklungen, ihre Lieder ungesungen,
ihre Reiche menschenleer ...
Jesu Name wird bestehen, Jesu Reich nicht untergehen,
sein Gebot gilt allezeit ...“

Wir kennen diese Situation auch aus unserem Land:
Ein Christentum ohne Christus,
das unterscheidet sich nicht von den Sekten,
denn da ist es genauso.
Da ist noch eine fromme christliche Kulisse,
aber der Inhalt ist längst ganz anders.

Es gibt heute enorme Ansprüche an Christen,
was sie alles leisten müssten, um die Welt zu verändern.
Aber man vergisst zu sagen,
dass die Menschen doch erst einmal Christen werden müssen,
bevor sie auch christlich handeln können.
Man vergisst außerdem zu sagen, dass sie die Kraft zum
christlichen Handeln nicht von sich aus haben,
sondern dass Christus ihnen diese Kraft gibt.

„Christus allein“, das ist schon lange nicht mehr das Thema der Kirche
und auch nicht von allen, die sich Christen nennen.
Ich behaupte, weil das so ist, deshalb geht es der Kirche so schlecht.
Korinth ist nicht so weit weg, wie wir denken.
Auch in Deutschland müsste in Vollmacht gepredigt werden,
damit Gottes Kraft offenbart wird: Solus Christus, Christus allein.

Was ist das für ein Mann, der dort für dich verblutet ist,
der sich die Hände und Füße hat annageln lassen,
der sich das Herz für dich zerrissen hat,
der für dich erstickt ist an den Fehlern und der Schuld deines Lebens?

... wenn man Kindern ein Bild davon zeigt oder sie
ein Kruzifix ganz nahe anschauen lässt, dann sagen sie:
„Aber das tut ja furchtbar weh. Ich hätte geschrien ...!“
Und so war es ja auch: Der Gekreuzigte hat vor Schmerzen
laut ausgeschrien!

Was ist das für ein Mann, der seinen Geist dir gegeben hat,
der Geist, der IHN bewegt und der jetzt Dich bewegen soll?
Was ist das für ein Mann, der sich so sehr mit dir identifiziert,
dass er dir seinen eigenen Geist gibt?
Jesus und du.
Ihr sollt einander immer ähnlicher werden: Christus allein.

„Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht mit großem
Zittern, und mein Wort und meine Predigt geschah nicht mit
überredenden Worten menschlicher Weisheit“ (V3)

Ich verstehe den Apostel gut.
Denn wer es wagt, von diesem Mann, Jesus Christus,
zu predigen, der erzittert vor dem lebendigen Gott.

Ich hab‘ glaub ich noch keine Predigt gehalten, vor der ich nicht auch
aufgeregt war.
Und ich hab‘ noch kein Zeugnis von Jesus irgendwo gegeben,
bei dem ich nicht angespannt oder sogar ängstlich war.
Den meisten wird es wohl so gehen.

Manchmal denke ich, wenn ich gepredigt habe: Heute war sie
nicht schlecht. Ich habe mir Mühe gegeben, sie gut zu formulieren -
und nichts ist passiert!
Sie war nicht vollmächtig!

Und manchmal komme ich ziemlich frustriert von der Kanzel
und denke: Was hast Du heute bloß gestottert - und es sind Leute
im Innersten tief angerührt worden, sogar zum Glauben gekommen.
Gott selbst hat sie durch sein Wort getroffen.

Manchmal quäle ich mich auch bloß mit der Situation
und kann sie trotz Gebets nicht ändern.

Als ich mit der Bundeswehr zum Auslandseinsatz in den Kovoso
geflogen bin, da habe ich eine ganze Reihe fertige Predigten
mitgenommen, die ich in Deutschland schon ein Mal gehalten habe.
Ich habe sie dort nicht noch einmal gehalten, Wort für Wort.
Es sind Dinge passiert, die mich gezwungen haben,
mich ganz in die Führung Gottes fallen zu lassen, auch beim Predigen ...
Und es sind Menschen zum Glauben gekommen.
Hier ist das viel seltener der Fall. Warum?
Ich weiß es nicht.
Wahrscheinlich liegt es an der großen Käseglocke über
Deutschland ...

Es ist also offenbar so: Gott gebraucht auch das armselige Gestammel
seiner Prediger, auch von Mitarbeiter, die eine Andacht oder Bibelarbeit
in der Jungschar oder im Teenkreis halten ...
Das heißt natürlich nicht, dass wir möglichst schlecht und unvorbereitet
predigen sollen, damit Jesus möglichst gut wirken kann.
Nein, ich (wir) soll(en) mich (uns) gut vorbereiten,
unser Bestes geben.

Aber wenn Jesus nichts daraus macht,
habe ich nichts gegeben außer einem gewaltigen Wortgeklingel.
Das bedeutet doch für mich: Ich muss alles von Jesus erwarten,
ich kann mich anstrengen, wie ich will.
Und das werde ich auch weiter tun.
Für IHN.
Aber wenn ich nicht alles von IHM erwarte,
wenn ich nicht alles er-glaube, wird nichts passieren.

Jetzt hab‘ ich von mir geredet.
Eigentlich sind Sie jetzt dran!
Sie reden doch auch vom Glauben, oder nicht!?
Wie reden Sie?
Cool, überlegen, selbstsicher? -
Ein vollmächtiges Zeugnis von von Jesus Christus wird immer von
Furcht und Zittern begleitet sein.
Wenn Menschen auf dieser Erde unterwegs sind und andere für
Jesus gewinnen wollen, dann werden sie das wohl immer mit
Zittern und Zagen tun.
Und wer das nur in scheinbarer Überlegenheit tut,
der hat die Liebe nicht.

Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht, was ihr reden werdet!“ (Mt 10,19).
Damit meint er unser ganzes Vertrauen auf IHN.
Und so sollen wir uns alle gut vorbereiten und überlegen,
wie wir von Jesus reden.
Sprachfähig werden, das ist wichtig.

Aber dann gilt auch für Sie: Sie müssen alles von Jesus erwarten.
Alles.
Und dann kann man nur staunen, was er aus einem schwachen
Zeugnis macht, was er aus dem Reden seiner Leute macht.
Es ist einfach genial.
ER bekennt sich zu uns, zu unseren mageren Worten,
die nicht fähig sind, das Geheimnis des Himmels
auch nur annähernd zu übersetzen,
damit Menschen es verstehen können.

„Ich kam nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit
zu euch, sondern in der Weisung des Geistes und der Kraft.“ (V4)

Wir nichts - ER alles
und dann beglaubigt er „in Erweisung des Geistes und der Kraft“.
Was ist das?

Das ist zum Beispiel, dass man von seinen Sünden überführt wird.
Du könntest jahrelang in den Gottesdienst kommen,
alle Predigten hören - und nichts passiert.

Aber auf einmal ist es, als würde der Blitz einschlagen,
dein Gewissen ist angerührt und du weißt:
So kann ich Gott nicht unter die Augen treten.
Bis dahin hast du dich für einen netten, sympathischen Menschen
gehalten - und auf einmal bist du nur noch ein Sünder.
Das hämmert dir kein Pfarrer ein.
Das bewirkt der Heilige Geist.

Das geht natürlich noch viel weiter,
denn wenn Jesus der HERR unseres Lebens ist,
dann hat ER auch mit unserer ganzen Person zu tun.
Und dann wirst du sehen, dass du Erfahrungen machst an Stellen,
die dir viel Not bereiten:
Du kannst nachts nicht schlafen und musst Tabletten nehmen,
weil du Angst hast.

Und jetzt wirst du erfahren, wie sich der Heilige Geist in dir beweist
und dich verändert, so dass du allein sein und ohne Angst schlafen kannst.
Du wirst erfahren, wenn du Berührungen mit Okkultismus gehabt hast,
dass der Heilige Geist kommt und dich frei macht.
Bei Horoskop und Aberglauben genauso
wie bei Besprechen und Reiki.
Du wirst frei werden von Bitterkeit und Verletzungen,
mit denen andere dich gequält haben.
Du wirst erleben, wie kaputte Beziehungen unter dem Wirken
des Heiligen Geistes geheilt werden.
Und du wirst vielleicht auch erleben können, wie du körperlich geheilt wirst -,
oder dass du einfach nur alles aushalten kannst.

Unser HERR bestätigt sein Wort durch begleitende Zeichen und Wunder.
Wir können niemand überreden, Christ zu werden,
aber wir rechnen mit der Kraft des Heiligen Geistes,
der Menschen überzeugt.

„Auf dass euer Glaube nicht auf Menschenweisheit bestehe,
sondern auf Gottes Gottes Kraft!“ (V5)

Ein Betrunkener kommt einem Evangelisten entgegen und lallt:
„Sie haben mich doch letztes Jahr bekehrt!“
Der antwortet: „Man sieht‘s, man sieht‘s.“ ( - )

So ist das: Würden Sie auch noch glauben,
wenn ich vom Glauben abfalle?
Ich hoffe, dazu kommt es nie!
Aber ich schon viele Male erlebt, wie einer durch einen Freund zu Jesus
gefunden hat und dann Christ geworden ist.
Und dann ist der Freund selber vom Glauben weg gekommen.
Mann, war das schwer, dann noch Christ zu bleiben!

Um wessen willen glaubst du?
Um des Freundes willen, des Ehepartners, des Pfarrers willen?
Bitte glauben Sie um Ihretwillen und wegen Jesus!
Menschen enttäuschen, ich auch - Jesus nie!
Auf IHN sollen wir unseren Glauben gründen.
Damit unser Glaube nicht auf Menschenweisheit beruht,
sondern auf der Kraft Gottes.
Amen
 

(Diese Predigt nimmt die Vorarbeiten von Pastor Bernd Bierbaum, Bremen auf)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann