2011-10-30 Reformation

Predigt über Matthäus 10,26b-33 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

Bekenntnisse begegnen uns fast täglich. 

Wir leben in einer Coming-out-Kultur. 

Viele „outen“ sich und zeigen damit an, was in ihnen steckt. 

Die schon längst tot geglaubten Auto-Aufkleber kommen wieder in Mode. 

und zeigen an, ob der Autobesitzer z. B. für oder gegen „Stuttgart 21“ ist. 

Man zeigt wieder, wofür man steht. 

 

Das gilt auch für andere Lebensbereiche, Fußball z. B. oder überhaupt

den Sport: Letzte Woche hat ein Konfirmand ( ... ) vor dem Unterricht gemailt: 

„Lieber Herr Bühner, ich kann am Mittwoch nicht kommen, 

wegen dem KSC-Spiel“ und dick dahinter in Klammern geschrieben: „Wichtig, 

wegen Schalke!“ - ein bekennender KSC-Fan!

 

So was zeigt, für wen dieser Konfi ist und damit auch, für wen nicht!

Das sollen die anderen ruhig mitkriegen!

Dass ich für den KSC bin - und gegen Schalke!

 

Noch mal: Bekenntnisse begegnen uns ständig. 

Aber: Sehr oft fügen sie sich in das ein, was gerade gesellschaftlich 

oder in der Gruppe „in“ ist. 

Ist es anders -, ist also mein Bekenntnis eher unbequem für die anderen, 

dann sind wir schon heraus gefordert. 

 

Aber von dieser Art ist seit jeher das Bekenntnis

zu dem einen lebendigen Gott, zu Jesus Christus. 

Das wird deutlich im Bibelwort für den Reformationstag aus Matthäus

 

10,26b-33, das ich jetzt vorlese:

„Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nichts geheim, 

was man nicht wissen wird. 

Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; 

und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können, doch 

die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, 

der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 

Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? 

Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 

Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. 

Darum fürchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge.

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen

vor meinem himmlischen Vater. 

Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch 

verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

 

heute begehen wir das Reformationsfest. 

Dabei geht es um die Frage, wer wir eigentlich sind: 

als evangelische Kirche, als Gemeinde hier in Dennach / Schwann, 

aber auch persönlich als einzelner Christenmensch. 

Immer wieder fragen wir: 

„Wer sind wir und wenn ja, wie viele?“

 

Das klingt nicht nur wie der Titel eines Bestsellers der letzten Jahre, 

sondern ist eine Frage unseres Lebens ...“

Was sind denn die Eckpunkte eines authentischen Lebens als Christ?

 

Dazu will ich anhand unseres Bibelwortes heute fünf wichtige 

Dinge festklopfen, nämlich ...

 

  1. Entscheidend ist nicht, was ankommt, sondern worauf es ankommt.

Was mich als Christ zutiefst ausmacht, 

das ist, was Jesus für mich bedeutet. 

Ist er für mich konkurrenzlos wichtig?

(Das muss ich auch den Konfi fragen, der so für den KSC fiebert, 

dass er dafür nicht zum Konfirmanden-Unterricht kommen will ...)

 

Weiß ich und habe ich das persönlich angenommen, dass er auch für 

meine Sünden am Kreuz gestorben ist?

Habe ich erfahren, wie Vergebung durch Jesus ein Leben frei und froh macht

und ich habe jetzt mit ihm „den Grund gefunden, 

der meinen Anker ewig hält“, wie es in einem Lied heißt?

Den Anker für mein Lebensschiff, 

so dass ich jetzt froh bekennen kann: Jesus Christus hat mir ein 

neues Leben gegeben - ER ist jetzt mein Leben?

Und ich halte das unerschütterlich fest, 

weil es mich festhält!?

Jesus - mein Erlöser - mein Herr - und mein Gott!

 

 

  1. Entscheidend ist nicht, dass ich „in“ bin, sondern dass ich echt bin.

„Was drinnen ist, drängt nach draußen“. So ist das doch. 

Und deshalb ist es auch unmöglich, Jesus im Verborgenen, 

nur ganz privat für sich daheim im stillen Kämmerlein, 

nur unter der Bettdecke Bibel lesend und betend, 

nachzufolgen. 

Das hat Jesus hier mit einem Sprichwort aus seiner Zeit heraus gestellt!

 

Glaube drängt in die Öffentlichkeit!

Ganz ähnlich wie z. B. eine Ehe intim und öffentlich zugleich ist: 

Zwei Menschen gehören zueinander, so innig, so eng, so persönlich, 

dass es niemanden sonst etwas angeht. 

Das ist die eine Seite. Und gleichzeitig, ja gerade deshalb auch 

äußerst öffentlich!

 

Das Innigste bestimmt das Äußerste, weil es die Identität der beiden 

Ehepartner bestimmt: 

Die Frau ist ohne ihren Mann nur unvollständig wahrgenommen, 

genau so der Mann ohne seine Frau!

 

So ist auch der Glaube eine total persönliche Sache (einerseits): 

Meine Beziehung zu Jesus Christus geht mich so persönlich an 

wie nichts und niemand sonst, aber gerade so bin ich (andererseits) als ein 

Jünger von Jesus nicht ohne ihn zu denken und wahrzunehmen

Wer mir begegnet, dem wird Jesus nicht verborgen bleiben. 

Ist es so?

 

Entsprechend sagt Jesus: „Was ich euch sage in der Finsternis, 

das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, 

das predigt auf den Dächern“ (V27).

Das, was wir also auch heute für uns aus Gottes Wort in aller Stille

und privat mitnehmen, das sagen wir weiter: 

Wir treten ins Rampenlicht, auf die Bühne, 

auf die Dächer dieser Welt, kurzum: Wir gehen in die Öffentlichkeit!

 

Tun wir das? 

Tun wir das ohne Scheu?

Machen wir den Mund auf zuhause, in der Familie, im Verein?

Gehen für mich Gottes Termine (am Sonntag Morgen, im Konfirmanden-

Unterricht ...) vor?

Für Jesus, der mir persönlich ganz wichtig geworden ist?

Hier zeigt sich die Echtheit unseres Glaubens!

 

 

  1. Entscheidend ist nicht, wie viele große Worte machen, 

sondern wer das letzte Wort hat. 

Haben Sie sich schon einmal gefragt: Wen fürchte ich eigentlich mehr: 

Menschen oder Gott?

Von wem erhoffe ich letztlich, gehalten zu werden?

 

Jesus sagt unumwunden: „Wer mich verleugnet vor den Menschen, 

den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater (V33).

Es geht um die ewige Verlorenheit. 

Jesus hat sein Leben für uns gegeben, er hat gelitten wie ein Hund, 

ist bespuckt und verlästert worden - und das alles für mich, für dich, 

für die Sünder dieser Welt - 7 Milliarden gibt es davon, 

soviel wie es Menschen auf dieser Erde gibt!

Denn er wollte nicht, dass die Menschen ohne Hoffnung und auf ewig 

verloren gehen! Deshalb hat er das auf sich genommen!

 

Angesichts einer solchen Liebe bis in den Tod noch einmal die Frage:

Wen fürchte ich eigentlich mehr: 

Die Menschen, die mich zum Außenseiter stempeln, wenn ich Jesus 

frei und offen bekenne - oder Gott, 

dem ich einmal Rechenschaft geben muss?

Den, der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten?

Von wem erhoffe ich letztlich gehalten zu werden?

 

Es ist doch eindrücklich, wie Jesus uns hier drei Mal ermutigt: 

„Fürchtet euch nicht!“

Gott kennt und liebt uns bis in die Haarspitzen. 

Und Jesus will uns vorbereiten, ausrüsten, das Rückgrat stärken 

angesichts all dessen, was bevorsteht - an Mächten, die uns in die 

Knie zwingen wollen. 

Wir sollen vor Gott knien - und vor Menschen stehen!

Aufrecht, für unseren Glauben, an jedem Ort!

 

Wie viele Christen in arabischen Ländern, aber auch in Nordkorea

oder Laos, können uns darin ein leuchtendes Vorbild sein. 

Aber auch in Deutschland kann man heute schon erahnen, 

dass es in Zukunft schwerer werden könnte, 

sich frei und ohne Nachteile öffentlich zu Jesus zu bekennen. 

Das ist nicht „in“, jedenfalls nicht überall. 

Aber wir sind aufgefordert zu bekennen, 

den zu wählen, der einmal das letzte Wort hat!

 


Ein 4. Eckpunkt: Entscheidend ist nicht, was wir für morgen befürchten

oder erträumen, sondern was wir heute tun!

Mit Blick auf aktuelle Bedrängnis oder kommende Verfolgung 

sollen wir - wie die Jünger damals - nicht erstarren oder uns in Träume

flüchten.

Heute ist Jesus bei uns. 

Heute ist unser Bekenntnis gefragt. 

Heute sind wir seine Zeugen. 

Und heute gilt uns seine Verheißung. 

Was wir heute vor der Welt bekennen, das hat morgen vor Gott Bedeutung!

 

Gefragt ist das schlichte Bekenntnis (und das kann z. B. heißen,

dass ich dem Sonntagmorgen für den Gottesdienst und den Kinder-

Gottesdienst ohne Zögern den Vorrang gebe vor einer Wanderung 

oder einem Vereinsausflug um diese Zeit - auch wenn mich andere dafür 

fragend anschauen werden ...)

 

Das, was ich heute tue, sagt etwas aus. 

Der Gang durchs Dorf in die Kirche ist Bekenntnis. 

Und wir sollen den Mut haben, uns ganz gelassen in den Chor 

der Bekenntnisse unserer Zeit einzumischen und wieder durch 

Selbstverständlichkeiten unterstreichen:

„Hey, ich bin Christ - und das ist gut so!“

 

 

Ein letzter, 5. Eckpunkt, für das Leben als Christ entnehmen wir aus

diesem Wort: Entscheidend ist nicht, wie überzeugend, wie stark, wie groß ...

wir sind, sondern dass wir treu sind!

Jesus verheißt seinen Jüngern nicht die großen Erfolge, 

aber er fordert ihre Treue, 

die in seiner Treue gründet. 

 

Ich habe vor kurzem von einem 8.-Klässler gehört, 

der einen Eintrag von seinem Lehrer in Kauf genommen 

und auch bekommen hat, 

weil er für eine Einladeaktion des Schülerbibelkreises an seiner Schule 

eine halbe Stunde unterrichtsfrei brauchte, die ein Lehrer 

trotz rechtzeitiger Frage um Erlaubnis ihm dafür nicht geben wollte

und als „unentschuldigtes Fehlen“ gewertet hat. 

(Der Schulleiter hatte die Einladeaktion ausdrücklich genehmigt ...)

 

Aber der Schüler wollte gegen diesen Eintrag nicht beim Rektor „kämpfen“, 

sondern hat dem Lehrer freundlich und offen gesagt: 

„Dazu stehe ich, ich nehme den Eintrag dann in Kauf!“

 

Ich fand das sehr mutig und trotzdem nicht überheblich. 

 

Weil so eine selbstverständliche und doch demütige Haltung etwas

ausdrückt, was den Glauben an Christus zu allen Zeiten 

ausgemacht hat: 

Eine große Gelassenheit im Auferstandenen, 

in Christus, der über allen Dingen stehen soll und der Paulus

dazu gebracht hat, die Korinther zu warnen: „Werdet nicht der 

Menschen Knechte!“ (1. Kor 7,23). 

 

Wenn Menschen so klar und gelassen von Christus her leben, 

dann wird das „Fürchtet euch nicht!“ sichtbar, 

dann wird der sichtbar, der das letzte Wort haben wird

und der längst für uns den Sieg erkämpft hat. 

 

Warum sollten wir für den nicht ganz einstehen, 

frei bekennen, was wir glauben?!

Jesus Christus ist HERR!

Nur in ihm liegt Freiheit. 

Das sollen alle wissen ... und sich einladen lassen.

Amen

 

 

(Diese Predigt übernimmt Vorarbeiten von Pfarrer Steffen Kern)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
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10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
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19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann