2011-10-10

Predigt über Klagelieder 3,22-26 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

geht es Ihnen auch so wie mir, 

dass Sie manchmal viel eher geneigt sind, auf das Negative zu 

schauen als auf das Positive? 

Also, einmal überspitzt ausgedrückt: Dass es sie z. B. deutlich

ärgert beim Blick in den Spiegel, dass Ihre Haare eben immer heller

werden, wobei Sie eigentlich auch ganz dankbar sein könnten, 

dass Sie überhaupt noch Haare auf dem Kopf haben!? 

Es gäbe noch viele andere Beispiele dafür ...

 

Weil ich bei mir selber diese Tendenz im Denken entdeckt habe,

hängt bei uns daheim ein Bild - ganz bewusst - im Wohnzimmer an 

der Wand, eines, das zeigt, wie Sonnenstrahlen durch dunkle Tannen 

auf einen Waldweg scheinen. 

Und darunter steht der Satz: 

„Es hängt alles davon ab, ob Du das Licht im Schatten 

oder den Schatten im Licht siehst“ 

 

Licht und Schatten, darauf geht auch unser Bibelwort für diesen 

Sonntag hinaus. 

Auf Höhen und Tiefen und wie wir damit umgehen. 

Und über alle dem auf die Frage, wie wir darin Gott schauen. 

 

In den Klageliedern Jeremias, Kapitel 3, Verse 22-26 lesen wir: 

„Die Güte des Herrn ist‘s, dass wir nicht gar aus sind, 

seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, 

sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß. 

Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; 

darum will ich auf ihn hoffen. 

Denn der Herr ist freundlich dem, der auf ihn harrt

und dem Menschen, der nach ihm fragt. 

Es ist ein köstlich Ding für einen Mann, 

geduldig zu sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.“ 

 

 

Aus diesem Bibelwort für diesen Sonntag möchte ich heute

drei Aufforderungen heraus stellen. Nämlich, es geht darum, ...


1. Vergessenes wieder zu entdecken! 

Könnten wir "aus dem Stand heraus" Gutes benennen?

Oder haben wir alles, was Gott uns gütig gewährt hat,

selbstverständlich geschluckt, verdaut und weg war's !? 

 

Gerade in Notlagen kann ja Gott den merkwürdigen "Umschlag"

fertig bringen, dass z. B. ein schwer Herzkranker sich dankbar 

bewusst wird, wie viel ungezählte Tage und Jahre sein Herz

schon verlässlich geschlagen hat. 

Eltern, die sich um ihre Kinder bis in schlaflose Nachtstunden

Sorgen machen, erinnern sich dankbar an frohes Kinderlachen,

an die ersten Gehversuche, an den ersten Schultag und wie in all‘ 

dem Gottes Güte mit dabei war. 

 

Das müssen nicht unbedingt wehmütige Augenblicke sein.

Solche Erinnerungen können auch neuen Mut geben: 

Der Gott, der uns so viel gegeben hat, 

der hat doch seine Güte nicht einfach aufgekündigt!

Gottes Barmherzigkeit und Treue, die wir meist recht 

selbstverständlich hingenommen haben, die müssen doch 

mehr Power und Ausdauer als eine 12-Volt-Batterie haben!

 

Genau so hat es der einsame Prophet Gottes namens Jeremia erlebt. 

Genau diesen Umschwung in der Betrachtung der Dinge!

Eigentlich klagte er -hne Hoffnung - er die Zerstörung Jerusalems. 

 

Der holländ. Künstler Rembrandt hat ihn dargestellt

wie in einer düsteren, nachtschwarzen Höhle;

vor dem Eingang die brennenden, in sich zusammenstürzenden 

Häuser der Stadt, in der Gott so viel gewirkt hat. 

 

Aber mitten im Klagelied Jeremias tauchen dann diese Verse auf, 

die wir bereits zum Eingang gehört haben: 

"Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind,

seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern

sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß ...

darum will ich auf ihn hoffen!" (Threni 3,22-24).

 

 

Es ist mehr, als uns oft bewusst ist, liebe Gemeinde,

was Gott in seiner Barmherzigkeit an uns schon gewirkt hat!

Deshalb sollten wir dem Vergessen entreißen,

was in Gefahr ist, vergessen zu werden.

Denn "seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende"; 

sie fängt auch nicht erst mit dem heutigen Tag an.

Sie ist uns von Herzen zugedacht, vom treuen Gott,

der in unserem Leben 

- auf mehr aus ist als eben ein paar Gelegenheitsbegegnungen

(z.. B. bei der Taufe, bei der Hochzeit oder am Heiligabend)

- auf mehr als eben ein paar Durchhilfen in schweren Zeiten. 

 

Deshalb steht heute Morgen der "treue Gott" ganz 

im Mittelpunkt. Von ihm heißt es hier: 

 

 

2. Seine Treue ist groß.

Die Treue Gottes ist packend. 

Man kann eigentlich gar nicht theoretisch über sie reden. 

Denn sie ist ja mir zugedacht und sie schafft etwas, 

eine Vertrautheit, wie zwischen zwei Liebenden.

 

Da merkt ein Mensch voller Staunen: 

„Das Herz Gottes schlägt ja für mich!" -

Deshalb wäre es ganz unnatürlich, 

wenn ich jetzt weitermachen würde, über Gott zu reden - 

über seine Barmherzigkeit oder seine Güte. 

Wenn ich jetzt Gott in seiner Güte zu mir ernst nehme, 

ganz ernst nehme, dann muss ich vertraut zu ihm reden,

mit ihm reden: "Deine Treue ist groß!" 

 

Solches Zutrauen zu Gott sieht nicht zuerst darauf,

ob die Treue Gottes sich auch wirklich auszahlt in Euro und Cent, 

in Gesundheit und in Bewahrung!

 

Unter Menschen erfahren wir die Treue von guten Freunden

doch darin, dass sie zu uns stehen selbst dann, wenn viele 

andere uns den Rücken gekehrt haben.

Und ganz ähnlich ist es auch mit der Treue Gottes. 

 

Als Jesus mutterseelenallein am Kreuz hing,

verlassen von seinen Getreuen und verachtet von den 

Repräsentanten einer ganzen Menschheit,

da betete er: "In deine Hände befehle ich meinen Geist!" -

Ein Satz aus Ps 31, der eine erstaunliche Fortsetzung hat:

"Du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott!" (V.6).

 

Darin bewährt sich die Treue Gottes, 

dass man sich ihm anbefehlen kann 

mit der ganzen Ohnmacht des Lebens. 

Wenn kein Freund mehr da ist, auf den man sich verlassen kann,

wenn alles ausweglos ist, der treue Gott ist immer noch da!

 

Darin bewährt sich die Gottes Treue, dass niemand 

"zum Teufel gehen" muss im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn so hatte es Jesus im Vaterunser gemeint, als

er seinen Leuten ans Herz legt zu beten:

"Erlöse uns von dem Bösen" - vom Bösen in Person.

 

So haben es die Apostel Jesu verstanden. 

Und in diesem Sinne reden sie auch von der Treue Gottes:

"Der HERR ist treu; der wird euch stärken

und bewahren vor dem Bösen" (2 Thess 3,3).

 

Ja, es gilt sogar: Selbst wo wir unsere Treue zu Gott nicht

durchhalten können "bleibt er doch treu, weil er sich selbst

nicht verleugnen kann" (2 Tim 2,13). 

 

Eigentlich hätte es mit Jeremia und mit Israel

"ganz und gar aus und vorbei" sein müssen. 

Denn das Volk hatte Gott behandelt wie eine eintönige Wüste,

die man am besten meidet. 

Es hatte Gott die Treue aufgekündigt. 

 

Wenn Gott trotzdem weitermacht  - wie bei uns in Deutschland z. B. 

nach dem totalen Zusammenbruch 1945 - oder nachdem ich ganz

offensichtlich seinen Willen in den Wind geschlagen habe und jetzt

auf die Nase gefallen bin, 

dann liegt das nicht daran, "das ja nicht alle ganz so schlimm waren

oder dass auch ich mich ja immer noch bemüht habe, 

sondern daran, dass Gott ganz und gar unerklärlich Treue gehalten hat. 

 

Verdient hat sie keiner von uns, liebe Gemeinde, liebe Konfis!

 

Drittens und letztens fordert uns dieses Bibelwort heute dazu auf, 

3. Wirklich gespannt zu erwarten, was uns im Glauben verheißen ist! 

 

Die Treue Gottes ist kein Gute-Nacht-Schoppen!

Sie darf nicht als Beruhigungstablette missbraucht werden.

Genau darauf ist Gott nicht aus, dass wir weiterleben 

in der Meinung, Gottes Treue ließe sich wie der "Strom aus 

der Steckdose" beliebig abrufen.

 

Gott will mit seiner Treue unser Zu-Trauen wecken!

Er will uns hellwach machen dafür, 

noch viel mehr Signale seiner Treue in unserem

bisherigen Leben zu entdecken.

Er will uns wecken dafür, dass wir gespannt 

und jeden Tag neu Zeichen seiner Treue erwarten!

 

Staunend sollen wir Tag für Tag hineinwachsen in die Gewissheit:

"Du bist großartig, mein Gott! - Dass ich dir so viel wert bin!"

 

Vieles deutet heute darauf hin, dass der rauhe Wind in unserer Gesellschaft

eher noch zunimmt: Die Sozialgefüge sind ins Rutschen gekommen, 

Familienbande werde immer schwächer und entsprechend zieht Kälte ein, 

oft Eiseskälte, blanker Egoismus, nicht - aber auch - im Arbeitsleben!

 

Kälte, die auch vor der Kirche nicht Halt gemacht hat und die 

uns alle gefährdet, weil sie in den Köpfen anfängt. 

 

Aber wir würden dieses Wort Jeremias heute nicht betrachten, 

wenn sich daran nichts ändern könnte. 

Und wie kann es sich ändern? 

Dadurch, dass mir Gottes Treue über meinem Leben wieder ganz 

neu aufgeht! Und dass ich darüber dankbar werde und Gott wieder

die Ehre erweise, in dem ich mich in seiner Treue bergen will. 

 

Der Blick auf den treuen Gott, liebe Gemeinde, hat quer durch 

die ganze Geschichte der Christenheit immer wieder Menschen 

herausgerissen aus Abgründen von Unsicherheit, Zukunftsangst, 

ja sogar Verzweiflung.

Der Blick auf den treuen Gott macht uns zu freien Menschen, 

zu Menschen, die Gott die Ehre geben wollen, 

die „nicht der Menschen Knechte“ sind, 

sondern ihren Willen dem Gehorsam gegen Gott unterstellen!

 

Ein bekannter Liederdichter unseres Gesangbuchs, Josua Stegmann, 

hat unter diesen Vorzeichen mitten im 30-jährigen Krieg das Lied 

gedichtet, das vielen von uns bekannt ist: 

"Ach, bleib mit deiner Treue bei uns,

mein Herr und Gott;

Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not!" (EKG 347,6)

Ein tolles Lied, weil es den Blick weg von mir - von allen Höhen und 

Tiefen - hin zu dem lenkt, der über allem steht und treu ist

wie kein anderer. 

 

Deshalb sollten wir alle miteinander daran gehen, 

von diesem großen Gott Großes zu erwarten. 

Er ist treu. ( - ) 

Vertrauen wir uns IHM an! 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 23.10.2018
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Mittwoch, 24.10.2018
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Sonntag, 28.10.2018
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10:15 Uhr:
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