2011-09-25

Predigt über Markus 1,40-45 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Markus-Evangelium Kapitel 1, die Verse 40-45:

40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und 

sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte 

ihn und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: 

Ich will's tun; sei rein! 42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm und 

er wurde rein. 43 Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich 

44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; 

sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine 

Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. 45 Er aber 

ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt 

zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt 

gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie 

kamen zu ihm von allen Enden.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

 

die Heilung von Aussatz galt zur Zeit von Jesus als so scher

wie eine Totenauferweckung, also praktisch unmöglich!

 

Auch heute noch gibt es Leprakranke, 

man schätzt so zwei Millionen, vor allem in Indien, und es kommen

jedes Jahr gut 100.000 Neuinfizierte dazu!

Aussatz ist eine Armutskrankheit. Schlechte hygienische Verhältnisse

bilden den Nährboden dafür: 

Durch Tröpfcheninfektion wird Lepra übertragen. 

Der Erreger greift die Nervenzellen an, zuerst an den Fingern und Zehen, 

dann ganze Hände und Füße. 

Gefühllosigkeit ist die Folge und unter großen Schmerzen 

sterben langsam ganze Körperteile ab. 

 

Ein Informationsfilm der deutschen Lepramission trägt den 

charakteristischen Titel: „Allein in der Volksmenge!“

Genau das ist Los von Menschen, die Lepra / Aussatz getroffen hat. 

„Allein!“

 

Allein, weil alle Angst davor haben angesteckt zu werden, 

selbst der engste Verwandtenkreis macht einen weiten Bogen. 

Die soziale Isolation ist deshalb die zweite große Not dieser Menschen. 

 

Jetzt ist die medizinische Forschung heute ein gutes Stück weiter. 

Seit etwa 25 Jahren gibt es spezielle Antibiotika gegen den Erreger. 

Sie bringen zwar abgestorbene Gliedmaßen nicht zurück, 

aber es ist ein echter „Segen“ der medizinischen Forschung!

 

Was damals zur Zeit von Jesus ein Wunder war, 

ist also also heute in Großen und Ganzen „medizinisch beherrschbar“. 

Und trotzdem sagen auch heute viele Ärzte: 

Heilung ist oft ein Wunder, sogar mit moderner Medizin, 

denn ob Medikamente auch anschlagen, 

ob der Arzt wirklich die richtige Kombination von Therapie entdeckt, 

die für einen bestimmten Patienten nötig ist, 

ob es wirklich zu Heilung kommt (und nicht zur zu einem Aufschub), 

da ist bis heute noch ein weites, offenes Feld!

 

Die Heilung des Aussätzigen im Markusevangelium, 

die hat ihre besondere Spitze darin, 

dass diese Krankheit „Aussatz“ einem Menschen nicht nur krank

und sozial isoliert sein lässt, 

sondern ihm auch alles nimmt, was das Leben reich macht und

sie nicht zuletzt auch in der Gottferne dahin vegetieren lässt. 

 

Es waren nicht nur die Angehörigen, die diese Leute plötzlich 

als Gefährdung betrachtet haben, 

auch die Priester im Tempel haben sie raus geschickt: 

„Kein Zugang zu Gott, so krank wie Ihr seid!“

 

Stellen wir uns das einmal ganz konkret vor: 

Da ist jemand glücklich verheiratet, hat liebe gesunde Kinder, 

Eltern, Großeltern, die zur Familie gehören, 

ein erträgliches Einkommen, 

bis die Ehefrau eines Tages einen weißen Fleck an der Hand des

Mannes entdeckt und sie schickt den Mann - wie es das Alte Testament

vorschreibt - zum Priester, der sagen soll, was jetzt los ist. 

 

Und da wirkt dieser sonst so nette Mann plötzlich wie umgedreht, 

starr im Gesicht erklärt er dem Ehemann: Du musst Deine Familie

sofort verlassen! Zieh in eine Aussätzigensiedlung!

Ein letzter Kuss, ein letztes Drücken der Kinder, 

ein letztes Mal die Hand reichen!

 

Markus stellt das besonders heraus: 

Aussätzige sind wie Verstoßene, Verdammte!

Weil die Leute dazu noch glauben, dass einer schwer gesündigt haben

muss, wenn ihn so eine Krankheit befällt!

Eine Situation ähnlich wie für so manche AIDS-Kranke heute: 

Längst nicht alle haben sie sich selbst und ihrer Lebensweise

zuzuschreiben. Auch viele kleine Kinder (von der Mutter angesteckt)

kommen mit AIDS auf die Welt ... gerade in Afrika. 

 

Auch diese Menschen sehnen sich bis heute nach einem Wunder!

Dass endlich ein Impfstoff gefunden wird. 

Aber wenn er ausbleibt?

 

Christen seit den ersten Jahrhunderten haben in dieser

Begegnung von Jesus mit einem Aussätzigen immer auch eine 

Aufforderung über den rechten Umgang mit Kranken gesehen.

Deshalb haben sie über Jahrhunderte hindurch Pestkranke und 

Aussätzige gepflegt, nicht links liegen lassen, 

auch wenn das für sie selber total gefährlich war.

Das Beispiel von Jesus führt bis heute Christen zu Kranken 

und Behinderten, die mit ihrem Los nicht allein dastehen sollen. 

 

Vielleicht sieht es so aus, 

als ob Jesus mit seinem Wunder an diesem Mann dessen Krankheit

einfach „weggeblasen“ hat!?

Aber Jesus Wunderdoktor, sondern immer wenn er so etwas tut, 

dann müssen wir sehen: Es steckt mehr dahinter!

 

Als Jesus den Aussätzigen überhaupt angefasst hat, 

da waren seine Begleiter schon nah am Herzstillstand!

Warum tut er das?

Einen Unberührbaren so demonstrativ anfassen!?

Er hätte doch einfach aus sicherem Abstand sagen können: 

Sei gesund!

 

Und für so manche Begleiter legte sich ein schneller Schluss nahe: 

Wer so mit einem alttestamentlichen Gebot (nämlich Aussätzige zu meiden) 

umgeht, der muss vom Teufel sein, den meide lieber!

 

 

Doch wenn Jesus zum gerade Geheilten sagt: 

„Geh hin und zeige dich dem Priester ...“, da macht er klar: 

Ich, Jesus, kenne und befolge das Alte Testament!

Es geht ihm mit diesem Wunder offenbar noch um etwas ganze

Anderes, das zu diesem Zeitpunkt noch auf der Hand lag. 

 

Sogar seine eigenen Jünger haben es erst nach dem Karfreitag, 

als Jesus am Kreuz hing, richtig verstanden: 

Jesus ist ja der in Jesaja 53 angekündigte Gottesknecht, 

der „unsere Krankheit und unsere Sünde auf sich“ nimmt.

Er ist ganz bewusst in die Gottferne gegangen, 

damit sich auch für uns die Tür zu Gott wieder öffnet. 

 

Dieser Mensch mit seiner unheilbaren Krankheit ist demnach

ein Gleichnis für unser aller Leben!

 

Der Schritt von Jesus auf den Aussätzigen zu, setzt ein öffentliches

Zeichen, zeigt an, wieviel Uhr es (in Gottes Plan uns Menschen wieder

in seine Nähe zu bringen), geschlagen hat.

„Blinde sehen und Lahme gehen, 

Aussätzige werden rein und Taube hören, 

Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündigt“

Jesus hat diese Verheißung aus dem Alten Testament zitiert 

und auf sich bezogen bei seiner Predigt in der Synagoge von Nazareth

(Lk 4,16ff): „Ich bin es!“ 

 

Jesus der Heiland ist da!

Das ist die tiefere Botschaft hinter dieser Heilung!

Und sie läuft darauf hinaus, nicht dass wir jetzt alle unsere körperlich-

psychisch-seelischen Krankheiten von ihm abgenommen bekommen, 

sondern dass Jesus gekommen ist in die Welt, 

auch zu uns nach Dennach / Schwann, 

um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zurück zu holen!

 

Auch uns, die wir heute im Gottesdienst sitzen, 

will Jesus „berühren“! Dabei fragt er nicht, was an Trennendem 

noch alles zwischen ihnen liegt. 

Sondern er spricht jeden an, will ihn berühren durch sein Wort „Sei rein!“

Das heißt: Ich möchte Dich in die Gemeinschaft mit Gott bringen!

Komm einfach und frage nicht!

 

Wir dürfen das nicht verwechseln mit unserem tiefen Wunsch, 

vielleicht von Jesus auch medizinisch geheilt zu werden. 

Das kann damit einher gehen, muss es aber nicht. 

 

„Sei rein! Ich will es tun!“

Mit diesen Worten antwortet Jesus auf das große Zutrauen, 

das ihm dieser Aussätzige entgegen gebracht hat. Und:

    • der kommt zu ihm, 

- er bittet ihn, 

    • er kniet vor ihm nieder sagt: „Willst du, so kannst du mich reinigen!“

Was für ein großes Zutrauen spricht doch aus diesen Worten!

Was für ein Glaube!? Jesus kann!

 

Und Jesus lässt ihn nicht im Regen stehen.

„Ich habe Dein Flehen um Hilfe und Deine Sehnsucht nach einem 

neuen Anfang gehört! - Sei rein!“ sagt er. 

„Du gehörst jetzt wieder zu den Lebendigen“. 

Das sind im geistlichen Sinne Menschen, die Jesus aufgenommen haben, 

die ganz ihm gehören. Sie sind „vom Tod zu Leben hindurch gedrungen“, 

sagt Paulus einmal. 

 

Und so zeigt uns diese Heilungsgeschichte heute im Kern die Liebe Gottes, 

die zu uns kommt. 

Liebe, die heilen kann nach Geist, Seele und Leib,

Erbarmen, das jedem Menschen offen steht. 

 

Auch heute, wenn Du diesen Bericht vielleicht zum wiederholten Mal hörst, 

will Gott seine Hand auf Dich legen. 

Er kennt dich, er kennt Deine Sehnsucht nach Leben, vielleicht auch nach 

medizinischer Heilung 

und Du sollst wissen: Auch für mich gibt es Hoffnung!

In Jesus bin ich eingeladen, nicht länger außen vor, 

ganz egal was ist oder war, es gibt auch für mich Hoffnung. 

Ich bin eingeladen in sein Reich. 

 

Und wenn Sie zu denen gehören, die seine Einladung schon 

angenommen haben: 

Dann fragt uns hier Jesus: 

Sind wir solche Zeugen, die in seinem Namen Tote auferstehen lassen?

Die brennen für ihren HERRN und bitten: Für wen kann ich heute dein 

Bote sein?

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 18.10.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
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Kindergottesdienst
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Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann