2011-07-24

Predigt über Johannes 1,35-42 / Klaus-Dieter Kirschner, Heidenheim (die Predigt von Dr. Hanna Josua, Stuttgart liegt uns leider nicht in digitaler Form vor)

Wir hören den Predigttext für diesen 5. Sonntag nach Trinitatis

aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 1, die Verse 35-42:

"Am nächsten Tag stand Johannes abermals da - und zwei 

seiner Jünger; und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: 

Siehe, das ist Gottes Lamm! - Und die zwei Jünger hörten 

ihn reden - und folgten Jesus nach. 

Jesus aber wandte sich um - und sah sie nachfolgen - und sprach 

zu ihnen: Was sucht ihr? - Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi - das 

heißt übersetzt: Meister - wo ist deine Herberge? ( - ) 

Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! ( - ) 

Sie kamen und sahen's - und blieben diesen Tag bei ihm. Es 

war aber um die zehnte Stunde. - Einer von den zweien, die 

Johannes gehört hatten und die Jesus nachgefolgt waren, war 

Andreas, der Bruder des Simon Petrus. 

Der findet zuerst - seinen Bruder Simon - und spricht zu ihm: 

Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte! 

Und er führte ihn zu Jesus. ( - ) Als Jesus ihn sah, sprach er: 

Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, 

das heißt übersetzt: Fels.“ ( - )

 

 

Liebe Gemeinde!

Das Aufregendste, das Spannendste,

was einem Menschen in diesem Leben widerfahren kann, 

ist, dass er oder sie ein Schüler, ein Anhänger Jesu wird.

Jesus will auf uns nicht verzichten. 

Deshalb sucht Er Menschen, die Ihm nachfolgen.

Doch ein Nachfolger Jesu wird man nicht von sich aus. 

Jünger Jesu werden berufen - wenn sie sich denn berufen lassen. 

Jünger Jesu werden zu Jesus hin gerufen - von denen, die 

schon seine Jünger sind.

 

In unserem Text fällt auf, dass er uns der Reihe nach die 

Namen der Jünger nennt, die berufen werden.

Es beginnt mit Johannes, dem Täufer, 

Der deutet nur auf Jesus und sagt: „Siehe, das ist Gottes Lamm!“

Das wiederum hört Andreas und er ruft Petrus: 

„Du, wir haben den Messias gefunden.“

 

Auch von Philippus geht der Ruf weiter zu Nathanael.

Der biblische Bericht lässt hier die Namen nicht aus.

Das heißt: solches Berufenwerden ist persönlich gemeint.

Nicht Unbekannte oder anonyme Massen werden berufen, 

sondern einzelne, die einen Namen tragen, 

einen Namen, so wie Sie und ich einen Namen haben:

Andreas und Simon, 

Philippus und Nathanael, 

Erich und Maria, Bernd und Nicole.

Jesus kennt uns beim Namen. 

Und wenn ER uns beruft, durch andere beruft, 

dann nennt ER uns bei unserem Namen (1).

Er meint wirklich uns.

 

Noch ein Zweites muss uns auffallen.

Andreas ruft Petrus.

Wer berufen worden ist, ruft andere. 

Wer selber dem Ruf folgt, will, dass auch andere dies tun, 

dass auch andere folgen.

Und so ergibt sich eine Kette, die von einem zum anderen geht,

die dort anfängt bei Joahnnes, dem Täufer, die durch die Jahrhunderte 

reicht und bis zu uns geht:

„Du, ich hab das Beste, was es auf dieser Welt gibt, gefunden: 

Jesus Christus.“

„Siehe, das ist Gottes Lamm!“

 

 

Das Aufregendste, das Spannendste,

was einem Menschen in diesem Leben widerfahren kann, 

ist, dass er oder sie ein Jünger, ein Schüler, ein Anhänger Jesu wird.

Lassen Sie uns noch etwas genauer dem nachspüren, 

wie es zugeht, wenn wir zu Jesus gerufen werden.

 

Als die beiden Jünger, der eine ist Andreas, Jesus folgen, 

da fragt sie Jesus: „Was sucht ihr?“

 

Ja, was suchst du? ( - ) 

Halte doch mal einen Augenblick inne und klär‘ das für dich! ( - ) 

- Suchst du Religiöses? 

- Suchst du Unterhaltung? 

- Suchst du Abwechslung? 

- Willst du mal bei Jesus im Programm surfen?

Zu deinem eigenen Besten: Halte inne und klär‘ das für dich! 

- Bist du nur neugierig? 

- Oder ist deine Nachfrage ernst gemeint? 

- Willst du die Konsequenzen, die deine Nachfrage haben 

könnte, wirklich auf dich nehmen? ( - ) 

 

Die Gegenfrage der beiden Jünger zeigt uns, 

dass es ihnen wirklich ernst ist. „Meister - wo bleibst du?“ ( - )

So wäre die Luther-Übersetzung zu korrigieren, denn die 

Jünger wollen nicht Jesu Quartier begutachten und die Möblierung 

prüfen, sondern erfahren, wie es sich bei und mit Jesus lebt.

„Meister, wo bleibst du?“  ( - ) 

 

Das Wort „bleiben“ - das müssen wir wissen - hat im Johannes-

Evangelium besondere Bedeutung. 

Es ist ein wichtiger Begriff in Jesu Bildwort von der Rebe und 

dem Weinstock (2):

- Die Rebe gedeiht nur, wenn sie am Weinstock „bleibt“. 

- Bleiben ermöglicht Leben.

„Meister - wo bleibst du?“ ( - ) 

Das heißt: Wie lebst du?

Wie können wir leben?

Was ist von Dir, Jesus, für unser Leben zu erfahren? ( - ) 

Wie bleibt man? 

Wie kann man sein Leben bestehen? ( - ) 

 

Die Frage der Jünger beantwortet Jesus mit dem Hinweis: 

„Kommt und seht!“ 

- Er hält den Jüngern keinen Vortrag.

- Er legt nicht Referenzen vor. 

- Er breitet nicht sein Programm aus. 

- Er lädt ein, mitzukommen und aus erster Hand zu erfahren, 

wie Leben aussieht.

 

Der Mensch heute, so sagt man, will nicht belehrt werden. 

Angepredigt zu werden, das ist ihm suspekt.

Auch Jesus tut's nicht. 

Er sagt den beiden „Interessenten“ etwas ganz Modernes: 

„Schau's dir an! Lass dich darauf ein! 

Probier's doch einfach! 

Kommt und seht!“ ( - ) 

 

Unser Hunger, liebe Gemeinde, wird nur gestillt, 

wenn wir zugreifen. 

Vom Anschauen eines unbekannten Lebensmittels werden 

wir nicht seine Köstlichkeit entdecken. 

Wir müssen zugreifen und einen Bissen probieren. 

 

Neues erfahren wir erst, wenn wir uns darauf einlassen. 

Und so ist es auch mit unserem Hunger nach gelungenem und 

erfülltem Leben: 

- Wir müssen Neues probieren, 

- müssen das Angebot Jesu ausprobieren. 

Jesus lädt ein: Kommt und seht! ( - ) 

 

Der Text erzählt uns nicht, was die Jünger dann bei Jesus 

erlebt haben, wie der Tag bei Ihm verlaufen ist, 

worüber sie mit Ihm gesprochen haben.

Aus gutem Grund. 

Denn da gab es Seelsorge.

 

Sehen Sie liebe Gemeinde, 

ein solches Gerufen-werden zu Jesus durch andere 

kommt erst dann zu seinem Ziel, wenn wir Ihn hören, 

wenn wir Seine Stimme aus dem Wort der Bibel heraushören, 

wenn ein Zwiegespräch zwischen Ihm und uns zustande kommt.

Dann sagt uns Jesus, wie man bleibt, wie man lebt. 

Dann breiten wir vor Ihm aus, was bisher in unserem Leben 

gewesen ist, und ER schaut's an und vergibt und heilt. ( - )

 

Andere zu rufen ist wichtig. 

Aber wir müssen diese anderen zu Jesus führen. 

Und sie - müssen zu Jesus kommen. 

Es muss wirkliche Begegnung mit Jesus geben. 

Damit unser Glaube nicht auf menschlicher Weisheit beruht, 

sondern auf Gottes Kraft (3).

 

Andere können uns einladen, andere können uns Mut machen, 

andere können unsere Zweifel und Bedenken auszuräumen versuchen. 

Aber wenn wir nicht in die Zwiesprache, in die Lebensschule 

bei Ihm eintreten, bleibt es eine halbe Sache. 

Wir müssen Ihn selber hören, Seine Liebe und Kraft spüren. 

Alles andere verfehlt das Ziel.

 

Wir müssen unser Leben mit Ihm besprechen. 

Und wird uns sagen, 

- wie wir bleiben können, 

- wie wir bestehen können, 

- wie wir leben können. 

Weil Jesus gekommen ist, damit wir das Leben, 

das Leben in seiner ganzen Fülle haben sollen (4).

 

Die Jünger bleiben den ganzen Tag bei Jesus, 

sind später mit Ihm durch's Land gezogen, nach Jerusalem gewandert.

Zu Jesus zu kommen und zu sehen, zu erleben, wie man bleiben, 

bestehen kann, ist keine Sache für den Augenblick.

Wir müssen Zeit, unsere Lebenszeit, mitbringen.

Jesus geht es nicht um eine flüchtige Begegnung, 

um einen oberflächlichen Eindruck.

Wir sollen von Ihm lernen (5).

Wir sollen Ihn sehen und von Ihm lernen. 

Deshalb sagt ER: „Kommt und seht!“ ( - )

 

Zu Simon sagt ER: „Du sollst Kephas heißen!“, das heißt Fels.

Das heißt: Jesus hat eine Vorstellung von dem, was aus Petrus wird, 

wenn er bei Ihm bleibt, wenn er verbindlich in die Nachfolge eintritt.

 

Nicht anders ist es bei uns: Jesus hat eine Idee,

eine Vorstellung von dem, was aus uns werden kann, 

wenn wir denn in seiner Nachfolge bleiben. 

Noch mehr: ER hat nicht nur die Vorstellung, ER hat auch die 

Möglichkeit und Kraft, uns zu dem zu machen, wenn wir uns denn 

IHM überlassen.

Jesus wird dir zeigen, 

- wozu Er dich haben will, 

- was du Ihm sein sollst, 

- was dein Weg und Werk sein wird.

Und so wird ER dir auch einen neuen Namen geben: Titel und Bedeutung. 

Freilich: Nicht jeder ist Kephas, das heißt Fels, 

aber du bist Ihm genauso wichtig wie Simon Petrus. 

Er will auf dich nicht verzichten.

 

Ja, das Aufregendste, das Spannendste,

was einem Menschen in diesem Leben widerfahren kann, ist, 

dass er oder sie ein Schüler, ein Anhänger Jesu wird.

Deshalb, liebe Gemeinde, 

- lassen Sie sich rufen, 

- bleiben Sie bei Ihm, in Seiner Lebensschule und 

- rufen Sie andere.

 

Denn Jesus ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. 

In fester Verbindung mit IHM werden wir bleiben, 

wird unser Leben gelingen.   

Amen.

 

 

Anmerkungen:

(1)  Jesaja 43, 1

(2)  Johannes 15, 1-8

(3) 1. Korinther 2, 5

(4)  Johannes 10, 10

(5)  Matthäus 11, 29




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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