2011-06-02 Christi Himmelfahrt

Predigt über 1. Könige 8,22-27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

mit einer kuriosen, aber wahren Anekdote zu 

Himmelfahrt will ich heute beginnen: Leonid Breschnew, 

der ehemalige Ministerpräsident der Sowjetunion hält sich 

1977 zu einem Staatsbesuch in Bonn auf. 

Er fragt: Weshalb sind die Geschäfte in der Stadt am heutigen Tag 

geschlossen? Und erhält die Antwort: Es ist heute Himmelfahrt. 

Der russische Dolmetscher übersetzt: Heute ist der Tag der Luftfahrt  ...

 

Der russische Dolmetscher wusste offenbar nichts anzufangen mit dem 

Himmelfahrtstag und hat ihn deshalb umgedeutet - wie viele andere

vor und nach ihm: 

– So notiert ein Kalender, 2. Juni 2011: »Gesetzlicher Feiertag (Vatertag)«

– Tageszeitungen, Fernsehen und Rundfunk feiern den ›Vatertag‹.

(in unserer Tageszeitung findet sich überhaupt kein Hinweis

auf einen besonderen Tag, es steht einfach Mittwoch 1. und Donnerstag,

2. Juni 2011)

– Viele Fotos huldigen dem Wander-, Grill- und Maiausflug.

– Und Ehefrauen erhalten Tipps für passende Geschenke an den lieben 

Gatten, schließlich sollen neben dem ›Muttertag‹ auch die Männer 

ihren ›Vatertag‹ haben ...

 

Der christliche Medienverbund KEP sah sich vor kurzem erstmals 

genötigt, die Intendanten, Programmdirektoren, Redaktionsleiter 

und Redakteure der Rundfunk- und Fernsehanstalten in einem 

offenen Brief darauf hinzuweisen, dass der Feiertag heute nicht 

der ›Vatertag‹, sondern ›Christi Himmelfahrt‹ ist.

 

Ist der Himmel leer?

Weshalb deuten Menschen Christi Himmelfahrt um als Frühlings-

Ferien-Vater-Tag ...? 

Wohl deshalb, weil sie bewusst oder unbewusst meinen, 

der Himmel sei leer.

Bertold Brecht beschreibt, wie es zu dieser Entleerung gekommen ist. 

In seinem Schauspiel »Das Leben des Galilei« lässt der Dichter 

den Mathematiker und Physiker Galileo Galilei (1691–1736) sagen: 

"Es hat sich heraus gestellt: Der Himmel ist leer. 

Wenn man z. B. in einer Kammer nebenan jemand vermutet, 

sich eigens leise und rücksichtsvoll verhält, schließlich anklopft 

und nachsieht – und dann entdeckt: Die Kammer ist leer. 

So hat sich herausgestellt, dass der Himmel leer ist. 

Und darüber ist ein Gelächter entstanden."

 

Der Himmel leer ist, das hat sich laut Berthold Brecht heraus gestellt.

 

 

Aber: Der Himmel ist nicht leer!

Jesus sichert uns zu: »Bittet, so wird euch gegeben. 

Suchet, so werdet ihr finden. 

Klopfet an, so wird euch aufgetan (Mt. 7, 7). 

Und Christen wissen aus vielfacher Erfahrung, dass der ›Himmel‹ 

der im Vaterunser genannt wird, ein naher Himmel ist.

 

Die Bibel meint mit ›Himmel‹ nicht die Weiten des Weltraumes. 

Sondern in der Bibel meint ›Himmel‹ die Gegenwart, die Nähe, 

das Antwortgeben Gottes. 

Und der Name des heutigen Feiertages, ›Christi Himmelfahrt‹ 

hält fest, dass im Himmel ein Bekannter wohnt, jemand, dessen 

Leben, Ansichten und Zielsetzungen denen vertraut sind, 

die ihn kennen und lieben. 

Der ›Himmel‹ unseres Glaubens ist nicht leer, sondern bewohnt von Jesus. 

In ihm hat sich der allmächtige, unfassbare Gott für unsere Vorstel-

lungskraft fassbar gemacht.

 

So entspringt also das Gelächter, von dem Brechts Galilei erzählt, 

einem Missverständnis:

- Der Himmel ist nicht leer. 

- Er wird erfüllt von der Gegenwart, 

von der Nähe -, vom Antwortgeben Gottes.

 

Der Himmel ist kein Niemandsland, kein Phantasialand. 

Sondern der Himmel ist der Ort, von dem aus regiert wird. 

Über alle räumlichen Dimensionen hinaus, 

überall, allgegenwärtig und in Reichweite für alle. 

Auch dort, wo wir ins Nachdenken kommen, ...

Der Himmel ist der Ort, von dem aus regiert wird, 

vor, zur Zeit des Unglücks und nach Fukushima ...

Gott sitzt bei keiner Weltlage machtlos vis à vis, sondern er benutzt

sie, ja er steuert sie - Christus regiert - seit seiner Himmelfahrt.

 

Himmelfahrt steht für das Ins-Regiment-Setzen Jesu Christi.

»Christus i. R.« – könnte man jetzt seinen Titel nennen:

- Christus in Reichweite, 

- Christus im Regiment. 

(Und nicht, wie Spötter meinen: Christus im Ruhestand oder 

gar Christus auf dem Rückzug ...)

 

Wenn also Christus im Regiment sitzt, dann bekommt auch alles, 

was sich von ihm sagen lässt, öffentliche Bedeutung. 

Und dann ist es eigentlich angebracht, Christi Himmelfahrt 

ganz ähnlich zu feiern wie die Tempelweihe zur Zeit des Königs 

Salomo vor rund 3.000 Jahren. 

Und von diesem Fest der Tempeleinweihung hören wir heute im 

Predigttext aus dem 1. Königebuch der Bibel, Kapitel 8, die Verse 22-29:

"Und Salomo trat vor den Altar des Herrn - angesichts der 

ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel

und sprach: Herr, Gott Israels, es ist kein Gott - weder droben 

im Himmel - noch unten auf Erden - dir gleich -, der du hältst den 

Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln

von ganzem Herzen; 

der du gehalten hast deinem Knecht - meinem Vater David, 

was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet -

und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist - an 

diesem Tage ...

Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem 

Knecht  -, meinem Vater David -, zugesagt hast.

Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? - 

Siehe, der Himmelund aller Himmel Himmel - können dich nicht 

fassen -, wie sollte es dann dies Haus tun, das ich erbaut habe? 

Wende dich aber - zum Gebet deines Knechts und zu seinem 

Flehen. - Herr, mein Gott, damit du hörst das Gebet deines 

Knechts - heute vor dir." 

Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und

Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name

sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser

Stelle betet."

 

 

Christus i. R. = Christus im Regiment

Salomo, der erste Mann im israelitischen Staat, tritt vor das 

versammelte Volk und bezeugt Gott, der die Himmel erfüllt 

und den zugleich alle Himmel nicht fassen können. 

 

Während eines hochoffiziellen Staatsaktes bekennt sich Salomo 

öffentlich zu Gott. 

Der oberste Repräsentant des Volkes hält es nicht für unpassend, 

in aller Öffentlichkeit zu beten.

Gott ist der Herr und er sitzt im Regiment. Er ›erfüllt alle Himmel 

und aller Himmel Himmel‹ – das bezeugt Salomo, das Staats-

oberhaupt -,  vor den Ohren der Öffentlichkeit.

 

Heute ist das bei Staatsführern eher die Ausnahme. 

Ein großer Teil unserer Regierungsmitglieder lehnte 

die religiöse Vereidigungsformel bei ihrer Einsetzung mit der Begründung ab: 

»So wahr mir Gott helfe«, diese Aussage gehöre nicht in die 

Öffentlichkeit, sondern sei nur ein private, subjektive Überzeugung ...

 

Oft sind es eher ältere Menschen, die vor schwierigen 

Wegstrecken sagen können:

»Jetzt wage ich es halt – mit Gottes Hilfe.« 

Aber es gibt auch wieder junge Leute, die das tun ...

und ich habe mich gestern Abend bei der Abi-Feier des Gymnasiums

Neuenbürg gefreut, dass der Rekor den Schulabgängern nicht nur 

„alles Gute, macht was draus!“ gewünscht hat, 

sondern „Gottes Segen!“. 

 

Das ist ein öffentliches Bekenntnis: Gott sitzt im Regiment, 

Christus sitzt im Regiment, auf IHN solltest Du zählen!

 

Und so gibt es auch etliche die jungen Christen, 

die sich in der Schule zum Schülerbibelkreis treffen, ob in 

Conweiler oder in Neuenbürg und die damit Mut zum Bekenntnis

zeigen: Ja, ich weiß, das Jesus Christus lebt und regiert,  

dass ich zu ihm kommen kann und soll 

und dass es nichts Wichtigeres gibt als ihn. 

 

Umgekehrt haben viele andere niemand, der sie am Sonntag morgen

zum Gottesdienst begleitet, der ihnen ein Vorbild ist: 

Weil es in der Familie halt schon lange so ist, „dass man nicht zu den 

Kirchenspringern gehört“, findet auch kaum einer den Mut, 

trotzdem zu gehen, selber auszuscheren ...

 

Trauen wir uns noch, öffentlich vor aller Welt von Christus 

zu reden, von dem, der im Regiment sitzt?

Nur so ist er auch erkennbar für Andere!

Und nur so ist unser Glaube wirklich "echt", ein Zeugnis, 

das anderen Mut macht ...

 

Nicht nur manche Politiker, sondern doch auch manche von uns 

leben oft so, als sei das mit Gott ausschließlich meine ganz 

eigene, im Herzen verborgene Sache: Über den Glauben redet 

man nicht. 

Aber gerade das sollten wir wieder lernen - von Salomos öffent-

lichem Bekenntnis und genauso von der Botschaft des Himmel-

fahrtstages: Gottes Wirklichkeit beschränkt sich nicht nur auf 

einen stillen Winkel in meinem Herzen! 

Gottes Wirklichkeit erfüllt den Himmel! 

Deshalb „alle Hochachtung!“ vor den Konfirmanden und Schülern, 

die mutig sind, mit Christus - vielleicht sogar gegen die Egalhaltung

in der eigenen Familie - zu schwimmen ...

Öffentlich, frisch und fromm, fröhlich und frei ...

 

 

»Christus im Regiment«, das ist die öffentlich zu machende 

Botschaft des Himmelfahrtstages. 

Und genau das bekennt auch der Apostel Paulus im Philipperbrief mit feier-

lichen Worten, die viele von uns kennen:

»Gott hat Christus erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der 

über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen 

aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde 

sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der 

HERR ist.« (Phil 2, 9–11)

 


Christus i. R. = Christus in Reichweite

Während der Tempel-Einweihungsfeier tritt König Salomo zum Altar. 

In der typischen Gebetshaltung betet er zu Gott: Er erhebt 

seine Hände »und breitet sie aus gen Himmel« (V. 22). 

Salomo betet - zum im Regiment sitzenden, überall präsenten, immer ansprechbaren Gott. 

Dieser Gott - wohnt im Himmel. 

Aber dieser Himmel ist – das weiß Salomo – gerade nicht unerreich-

bar weit weg. 

Ganz im Gegenteil, der Ort, wo der lebendige Gott wohnt, ist ganz nahe. 

Gott hat sein Ohr am Mund derer, die mit ihm reden. 

Auf Gott ist Verlass. 

Denn »du, Gott -, hältst deinen Bund und du übst Barmherzigkeit« (V. 23) – 

so betet Salomo.

 

Und Jesus, der mehr ist als Salomo, hat es uns so versprochen: 

»Bittet, dann wird euch gegeben. 

Suchet, dann werdet ihr finden. 

Klopfet an, dann wird euch aufgetan. 

Denn wer da bittet, der empfängt. 

Und wer da sucht, der findet. 

Und wer da anklopft, dem wird aufgetan.« (Mt 7, 7.8).

 

So also ist Gott. Er hält seinen Bund. Er steht zu seinem Wort. 

Bei ihm weiß ich, woran ich bin. 

Er ist barmherzig, er vergibt mir, wenn ich ihn darum bitte. 

Und auf jeden Fall: Er hört mich, 

eine der wichtigsten Botschaften von Himmelfahrt: 

Christus hört mein Gebet. 

Es ist nicht für die Katz, kein psychologischer Trick, 

kein Selbstgespräch.

Weil der Himmel nahe ist. 

»Christus i. R. = Christus in Reichweite«, das heißt Himmelfahrt.

 

 

Christus i. R. = Christus im Raum

»Gott, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht 

fassen« (V. 27) – betet Salomo. 

Das ist Anbetung. Das ist Lobpreis. 

Salomo benennt in seinem Gebet die Art - und das Wesen - und die 

Größe Gottes. 

 

Die Größe und die Gegenwart Gottes, lassen sich nicht reduzieren 

auf einen einzigen Ort – so als wäre er nur dort präsent. 

Der Himmel und aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen. 

Das will sagen: Nicht einmal ein unvorstellbar großer Raum reicht 

aus, um die Größe Gottes zu beschreiben.

 

Und Salomo spricht weiter mit Gott: 

»Gott, lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Tag 

und Nacht. Denn du hast ja gesagt: Hier – in diesem Hause – 

soll mein Name sein« (V. 29). 

Damit spricht er etwas schier Unvorstellbares aus: 

Der so unbegrenzbar große Gott kann sich gleichzeitig so ›klein‹

machen, dass er Wohnung nehmen kann überall dort, wo er 

willkommen ist. 

 

Gott wohnt nicht nur im Himmel, er wohnt auch dort, wo er 

eingeladen wird - zu wohnen - und das Leben zu gestalten.

 

Gerade dieses doppelte Wohnen drückt sich auch aus in der 

Himmelfahrt Christi. 

Christus hat sich weder für immer von der Erde verabschiedet, 

noch thront er unerreichbar und unberührbar weit weg irgendwo 

in der Weite des Alls. 

Sondern Jesus hat uns verheißen, dass er in der Kraft des 

Heiligen Geistes in den Menschen wohnen wird, die ihn einlassen.

 

Dort wo Jesus willkommen ist, dort, wo er gebeten wird zu wohnen, 

dort zieht er ein. »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt 

sind, da bin ich mitten unter ihnen« (Mt 18, 20) verspricht er.

Seine Himmelfahrt heißt also auch: ER ist jetzt hier - im Raum - 

in der „Christuskirche“ / „Schlosskirche“. 

»Christus i. R. = Christus im Raum«. 

 

Irgendwie seltsam: 

Die Spötter deuten die Himmelfahrt Christi als »Christus im Rückzug«, 

oder als »Christus im Ruhestand«. 

So, als hätte er Abschied genommen auf Nimmerwiedersehen ...

 

Aber sie kennen Gottes Wort nicht, ja sie kennen Gott nicht, 

haben ihn gegen ein sattes und pralles Leben eingetauscht, 

das scheinbar Gott nicht braucht. 

Bis etwas schief geht in ihrem Leben. 

Aber ob sie dann noch aufwachen können?

Sie kennen Gottes Möglichkeiten nicht. 

 

Aber aus der Bibel wissen wir:  Jesus Christus ist jetzt hier in diesem Raum. 

Er ist die wichtigste Größe überhaupt. 

Ich kann und darf mit Jesus in meinem Alltag ganz konkret rechnen, 

das heißt Himmelfahrt!

Himmelfahrt heißt, dass er in Reichweite ist, 

dass ich ständig mit ihm sprechen kann, 

dass er was tut für mich! ... und sei es, dass er unsäglich traurig ist

darüber, warum so viele Menschen, dies eigentlich gar nicht wollen ...

 

Noch einmal zurück zum Anfang – zum entleerten Himmel und zu 

Galilei, wie ihn Bertold Brecht beschreibt:

Die Wahrheit ist, dass der Himmel nicht leer ist. 

Sondern der Himmel ist gefüllt mit der Nähe und der Vollmacht Christi. 

Und darüber darf wirklich ein fröhliches Lachen entstehen.

Das fröhliche Lachen über die gute Botschaft von der wahren 

Himmelfahrt!

 

Nehmen wir es also ruhig mit und bekennen es öffentlich:

- Christus ist im Regiment, 

- Christus ist in Reichweite, ja noch mehr: 

- Christus ist hier im Raum. 

- Von IHM allein erwarte ich alles im Leben.   

Amen.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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