2011-05-08

Predigt über Hesekiel 34 in Auszügen / Pfarrer Christoph-Knoke, Sulz-Hopfau

Wir hören auf Gottes Wort aus Hesekiel 34, 34, 1–16.31:

Die schlechten Hirten und der rechte Hirt

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. 4 Das Schwache stärkt ihr nicht und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5 Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. 6 Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder auf sie achtet. 7 Darum hört, ihr Hirten, des HERRN Wort! 8 So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, 9 darum, ihr Hirten, hört des HERRN Wort! 10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist ... 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.“

 

 

1. Einleitung: Der Hirtenberuf heute

Liebe Gemeinde,

jedes Kind freut sich, wenn es eine Herde Schafe sieht. Jetzt im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, dann gehen die Hirten mit ihren Schafen wieder los. 

Die kleinen neugeborenen Lämmer hüpfen lustig umher und die Hirtenhunde passen auf, dass kein Schaf hinläuft, wo es nicht hin laufen darf. Am Wegesrand steht der Hirte, gestützt auf seinen festen Hirtenstab, mit einem Schlapphut auf dem Kopf und einen regenfesten Kittel an. Ein malerisches und schönes Bild.

 

Solche Anblicke sind selten geworden in unserer Welt. Die Schafe werden weniger. Unsere Landwirte halten sich eher Schweine und Rinder, oder vielleicht noch Hühner und Puten. Tiere werden heute eher in großen Mengen im Stall gehalten. Dort können sie leichter und billiger gefüttert und beaufsichtigt werden.

 

Der Beruf des Hirten scheint bald ausgestorben zu sein in unserer Gesellschaft. Wir brauchen ihn nicht mehr, weil es kaum noch Schafe gibt, die einen Hirten brauchen.

 

2. Zum Predigttext: Hirtenaufgaben heute

Die Strafrede über den nachlässigen Hirten, die wir eben als Predigttext gehört haben, scheint daher kaum noch in unsere Zeit zu passen. Denn der Hirte kommt in unserem Leben nicht mehr vor.

 

Deshalb möchte ich sie einladen, dass wir uns einmal darauf besinnen, wo im übertragenen Sinne bis heute
Menschen das tun, was damals ein Hirte tat. Wir wollen uns einmal überlegen: Wo haben wir heute Aufgaben in unserem Leben (und in unserer Gemeinde), die der
Aufgabe des Hirten entsprechen? Wo tragen wir Verantwortung für andere Menschen, so wie der Hirte Verantwortung trägt für seine Herde?

a: Väter und Mütter

Da fällt mir zunächst unsere Aufgabe ein, die wir als Väter und Mütter für unsere Kinder haben. Unsere Kinder brauchen die Fürsorge ihrer Eltern, besonders, wenn sie noch klein sind. Ganz kleine Kinder suchen gerne die Hand von Vater und Mutter. Aber schon bald möchten sie selbst tun, was ihnen Spaß macht. Sie möchten alleine den Löffel in die Hand nehmen. Sie möchten alleine durch den Garten springen – und auch über die Straße. Doch da brauchen sie die feste Hand, die sie festhält und sicher über die Straße führt.

 

Und wenn die Kinder größer werden, dann gilt es manchen Kampf auszufechten: Wenn wir Eltern meinen, sie gehen falsche oder schlechte Wege; wenn wir manches verbieten wollen oder nur ungerne zulassen. Alle diese Dinge sind Hirtenaufgaben, da sind wir Eltern in der Erziehung gefordert, so, wie ein Hirte.

 

b: Mitarbeitende in der Gemeinde

Auch wo jemand in unserer Gemeinde eine Gruppe leitet, hat er oder sie eine Hirtenaufgabe übernommen. Das gilt für unsere Mitarbeitenden in der Kinderkirche genauso wie für die Gruppenleiter in der Jugendarbeit. Das gilt auch für unsere Chorleiter und für andere, wo sie einer Gruppe vorstehen. 

 

c: Unser Vorbild ist gefragt

In all diesen Aufgaben, wo wir andere Menschen leiten oder anleiten, sind unser Vorbild und unsere Verantwortung gefragt. Das, was wir von unseren Gruppenteilnehmern erwarten, das müssen wir ihnen auch selbst vorleben. Wenn wir von unseren Gruppenmitgliedern Pünktlichkeit erwarten, dann müssen wir selbst auch pünktlich sein. Wenn wir Ehrlichkeit haben wollen, dann müssen wir auch selbst ehrlich sein. Wenn wir uns Zuverlässigkeit und Treue wünschen, dann müssen wir auch selbst zuverlässig und treu sein. Wenn wir von unseren Gruppenteilnehmern eine regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst erhoffen, dann müssen wir auch selbst regelmäßig zum Gottesdienst gehen. Wenn wir uns über Freundlichkeit und Offenheit freuen, dann müssen wir auch selbst freundlich und offen sein.

 

In jeder Gruppenleitung und auch in der Familie gilt: Unser Leben gilt für andere mehr als unsere Worte. So wie wir uns selbst verhalten, so werden es auch unsere Kinder und Gruppenteilnehmer tun. Das, was wir zu ihnen sagen, das müssen wir ihnen auch vorleben. Sonst wird all unser Reden unglaubwürdig und bleibt wirkungslos.

 

d: eigene Belange zurückstellen

Wenn wir Verantwortung als Hirten übernommen haben, dann heißt das auch, die eigenen Belange und Interessen hinten anzustellen. Ein Hirte muss für seine Schafe sorgen. Vater und Mutter sind für ihre Kinder verantwortlich. Sie müssen für ihre Kinder sorgen. Es geht nicht an, dass da eigene Interessen zu Lasten der Kinder durchgesetzt und ausgelebt werden. Es geht nicht an, dass der Beruf wichtiger genommen wird als die Sorge für die Kinder. Kinder brauchen Zeit. Sie brauchen unsere Zeit, die wir als Eltern für sie aufwenden. Kinder beschränken unsere Freizeit, besonders wenn sie noch klein sind. Was da in frühen Jahren verpasst wird oder den Großeltern überlassen wird, das können wir später kaum mehr wieder einholen.

 

Das macht Mühe und kostet wohl auch manches Opfer, aber nur so kann man seiner Hirtenaufgabe gerecht werden.

 

In der Gruppenleitung in unserer Gemeinde gilt das genauso. Wer dort mitarbeitet, der hat das auch schon erfahren. Wer Verantwortung für eine Gruppe übernommen hat, der weiß, was das an Zeit kostet, die man sich manchmal auch zu Lasten der eigenen Vorhaben nehmen muss. Manches Eigene muss da zurückstecken, damit man seine Verantwortung als Hirte recht wahrnimmt.

e: der Hirte gibt »geistliche Nahrung«

Der Hirte ist dazu da, dass er für die Herde das tut, was die Herde selbst nicht tun kann. Er sucht nach dem rechten Weideplatz. Er behütet die Schafe vor Gefahren und Angriffen. Und er führt sie den rechten Weg, denn ohne einen Hirten gehen sie in die Irre. Und der Hirte versorgt die kranken und schwachen Schafe.

 

Darin liegt auch die Verantwortung aller, die Hirtenaufgaben in der Familie und in der Gemeinde übernommen haben.

 

Die Suche nach dem rechten Weideplatz bedeutet: Der Hirte hat die Verantwortung dafür, wovon die Schafe sich ernähren. Er sucht für die Schafe das, was sie zum Gedeihen an Nahrung brauchen.

 

Auf die Hirtenaufgabe in Familie und Gemeinde übertragen bedeutet das: Eltern und Gruppenleiter sind für das geistliche Leben verantwortlich. Eltern und Gruppenleiter sorgen dafür, dass die Kinder und Gruppenmitglieder im Glauben gefördert werden. Sie nehmen ihre Hirtenaufgabe wahr, wenn sie eine kurze und lebensnahe Andacht halten. Mancher, dem das nicht so liegt, kann zumindest nach einem guten Andachtsbuch suchen, das uns für jeden Tag einen Bibelvers erklärt und sagt, was das für unser Leben praktisch bedeutet. Eltern und Gruppenleiter beten mit ihren Kindern und Gruppenmitgliedern. Das beginnt beim Tischgebet und kann zum gemeinsamen Gebet werden, wenn die Kinder und Gruppenmitglieder das frei tun wollen. Mag sein, dass das schwer fällt oder gar nicht geht. Dann gibt es immer noch genügend vorformulierte Gebete, die wir vor dem Essen oder nach der Andacht oder vor dem Schlafengehen miteinander sprechen können. Unser Gesangbuch enthält eine große Sammlung an Gebeten für ganz verschiedene Anlässe: Wir finden dort Gebete am Tisch, Gebete am Morgen, oder am Abend, Gebete zum Geburtstag, Gebete in Krankheit, und sogar beim Sterbefall oder in der Trauer. Hier ist uns unser Gesangbuch eine große Gebetshilfe.

 

f: der Hirte zeigt den rechten Weg

Der Hirte zeigt seinen Schafen den rechten Weg. Das bedeutet für uns als Eltern und Gruppenleiter, dass wir mit unseren Kindern und Gruppenmitgliedern über die verschiedenen Möglichkeiten reden, die uns das Leben bietet. Wir lassen sie nicht unvorbereitet hinaus in die vielen Entscheidungen, die das Leben von uns fordert. Sondern wir beraten sie darin, wir zeigen ihnen gute
Wege auf, die sie gehen können. Natürlich können wir besonders den Heranwachsenden nicht vorschreiben,
was sie tun sollen. Diese Entscheidung können wir nicht für sie treffen, und das wollen die Heranwachsenden
auch nicht. Sie möchten selbst entscheiden. Das sollen sie auch. Aber irgendwoher muss man doch für seine Entscheidung einen Maßstab gewinnen. Und diesen Maßstab können wir Eltern und Gruppenleiter ihnen mitgeben, indem wir rechtzeitig die Dinge ansprechen und in einer guten und offenen Atmosphäre Wege aufzeigen, die uns gut erscheinen.

 

g: der Hirte sorgt für die Kranken und Schwachen

Der Hirte sorgt für die Kranken und Schwachen. Das ist und muss ein deutliches Kennzeichen jeder Gemeindearbeit sein, und das muss auch für unsere Kinder ein wichtiges Erziehungsziel sein: dass wir einen Blick bekommen für die Kranken und Schwachen. In unserer Gesellschaft wird viel zu oft nur die Leistung beurteilt. Die Noten in der Schule belohnen die guten Leistungen. Der Arbeitgeber nimmt den Bewerber, der die besten Leistungen vorweisen kann. Der Fußballtrainer stellt die besten Elf auf den Platz. Die Werbung stellt immer den starken, schönen und gesunden Menschen als Ziel unseres Lebens vor. Wer dagegen krank und schwach ist, der hat kaum noch eine Chance in unserer Gesellschaft. 

Das soll in unserer Gemeinde nicht auch noch so sein. Deshalb ist es gut, wenn unsere Kinder schon von klein auf diese Leistungsstruktur unserer Gesellschaft durchschauen, und von klein auf einüben, dass es andere Wertmaßstäbe gibt, die unser Verhalten und unser Verhältnis gerade zu den Schwachen und Kranken bestimmen.

 

Es gäbe sicher noch manches zu bedenken in Bezug auf die Hirtenaufgaben von Eltern und Gruppenleitern. Vielleicht sind Sie auch durch das eine oder andere Stichwort angeregt worden, selbst weiterzudenken.

 

3: Schluss: Gott selbst sorgt für seine Herde

In all unserem Bemühen, unserer Verantwortung als Hirten unseren Kindern und Gruppenmitgliedern gerecht zu werden, müssen wir jedoch immer auch feststellen, dass wir Fehler machen, dass wir vergesslich sind und dass wir unserer Aufgabe nicht ganz genügen können.
Mancher kommt früher oder später an seine Grenze und muss sich damit auseinandersetzen, dass er letztlich überfordert ist mit diesem Hirtenamt, als Vater oder Mutter oder auch in der Gemeindearbeit. 

 

An diesem Punkt werden wir entlastet. Denn wir sind nicht die einzigen Hirten für unsere Kinder und Gruppenmitglieder. Gott nimmt sich nämlich selbst seiner Herde an. Gott kümmert sich selbst um seine Schafe: Gott geht ihnen nach. Er führt sie auf dem rechten Weg. Und er ist ihnen nahe in Angst und Gefahr.

 

 

Dieses Wissen entbindet uns jedoch nicht aus unserer Hirtenaufgabe. Wir bleiben verantwortlich für das, was wir unseren Kindern und Gruppenmitgliedern gegenüber tun oder auch nicht tun. Aber dieses Wissen entlastet uns. Es macht es uns leichter, mit dieser unserer Hirtenaufgabe umzugehen und sie treu mit Gottes Hilfe zu erfüllen. Denn wir üben sie nicht für uns allein und allein aus unserer Kraft heraus aus, sondern Gott geht mit. In und aus der gelebten Verbindung mit ihm und seinem Sohn Jesus Christus nehmen wir unsere Verantwortung als Hirten wahr. Deshalb dürfen wir getrost diese Aufgaben annehmen, trotz aller eigenen Unzulänglichkeit. Denn wir sind darin nicht allein: Gott geht mit! Jesus trägt mit! Gottes Geist führt und leitet uns in unserem Hirtenamt!  Amen

 

 

 

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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