2011-04-24 Ostersonntag

Predigt über Matthäus 28,1-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Ostersonntag aus Matthäus 28, die Verse 1-10:

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche 

anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach 

dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. 

Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und 

wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Gestalt war 

wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen 

aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich 

weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; 

er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die 

Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen 

Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er 

wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. 

Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg 

vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen 

Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus 

und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten 

seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: 

Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, 

dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“

 

 

Die Erde bebt.

Liebe Gemeinde,

ein Erdbeben kommt selten allein. 

Der Boden wackelt – und das nicht nur einmal. 

Meistens folgen weitere Beben. Nachbeben. 

Japan erlebt das nun seit Wochen in dramatischer Weise ...

Die Auswirkungen der Erschütterungen können verheerend sein: 

Risse entstehen, Straßen zerbrechen, Häuser fallen zusammen. 

Selbst sicher geglaubte Anlagen sind betroffen ...

 

Erdbeben zerstören, machen kaputt. 

Und je größer die Erdbeben, um so schrecklicher das Leid 

und die Verwüstung.

 

Auf den ersten Blick war es damals ganz ähnlich. 

Das erste Erdbeben registrierten die Einwohner Jerusalems 

am Freitagnachmittag um 15.00 Uhr. 

Die Erde bebte zeitgleich mit dem letzten Schrei eines sterbenden 

Mannes, draußen vor der Stadt. 

Und die Auswirkungen waren verheerend: Theologen stellten fest, 

dass der Vorhang im Tempel in zwei Stücke ausriss. 

Geologen entdeckten Risse in den Felsen und die Friedhofsgärtner? 

Sie beschwerten sich über die Zerstörung gut gepflegter Gräber.

 

Doch dieses Erdbeben hat noch eine ganz andere, 

eine ungewöhnliche Seite. 

Was die einen als Schaden erachteten, ist anderen zum Segen geworden. 

Nach dem Beben ist der Vorhang im Tempel offen. 

Jetzt können alle Menschen in die Gegenwart Gottes treten; 

endlich hinter den Vorhang schauen; 

endlich ganz nah bei Gott sein. 

 

Risse in den Felsen kündigen den Tag des Herrn an. 

Wird nicht sogar der Ölberg gespalten, wenn der Herr wiederkommt? 

Endlich greift der allmächtige Gott in die Weltgeschichte ein. 

Und die Gräber? Einige waren aufgerissen und leer. 

Tote wurden zum Leben erweckt und lebendig in der Stadt gesehen.

 

Wann haben wir das erlebt, dass durch ein Erdbeben Menschen 

aus dem Tod gerissen wurden?

 

Aber es kommt noch mehr. 

Rund 38 Stunden später bebt die Erde wieder.

Kein schwaches Nachbeben. 

Diesmal wird ein großes Erdbeben registriert. 

Und auch diese Erschütterung hat eigenartige Folgen. 

Rein äußerlich hat sich wenig bewegt. 

Diesmal wurden keine Gräber aufgerissen. 

Sondern den großen Stein vor der Grabhöhle hat der Engel des Herrn 

eigenhändig beiseite geschoben. 

 

Und trotzdem: die Auswirkungen dieses zweiten Bebens schlagen 

Wellen bis heute. Gott, der Vater, hat seinen Sohn dem Tod entrissen. 

Die Macht des Teufels ist zerstört. Der Tod ist tot, es lebe das Leben! 

Solche Erdbeben hat die Weltgeschichte noch nie erlebt,

heilsame Erdbeben. 

Das Alte ist vergangen. Schaut her: Neues ist geworden.

 


Jesus lebt.

Was passiert nach dem Erdbeben? 

Ein Engel erscheint den verwirrten Frauen am Grab:

Maria von Magdala und die andere Maria begegnen dem Engel 

des Herrn.

Engel sind uns an Festtagen ziemlich vertraut. 

Sie treten schon vor Weihnachten auf und bereiten Maria 

und Josef auf die außergewöhnliche Geburt vor. 

An Weihnachten dann erscheint die geballte Engelsmacht -

den ängstlichen Hirten, um ihnen die Geburt des Erlösers zu verkündigen. 

An Ostern sind sie wieder da und an Himmelfahrt treten sie noch

einmal auf. 

Große Heilsereignisse werden von Engeln verkündet. 

Sie sind Boten Gottes. 

Sie sagen den Menschen, was Gott zu ihrem Heil tun wird oder 

schon getan hat.

 

So auch der Osterengel. 

Er verkündet den ängstlichen Frauen am Grab, 

dass Jesus auferstanden sei. 

Damit nimmt er auf, was Jesus vor seinem Sterben seinen Jüngern

dreimal wiederholt hat, um es ihnen einzuprägen: »Ich werde 

sterben und am dritten Tage auferstehen von den Toten.« 

(Vgl. Matthäus 16, 21; 17, 23; 20, 19).

Die Jünger und auch die Frauen, die mit Jesus umhergezogen waren, 

hätten es also wissen müssen. 

Im Grunde überbringt der Engel ihnen nichts Neues.

 

Auch Sie hören heute keine Neuigkeiten. 

Jeder Gottesdienstbesucher weiß, dass Jesus auferstanden ist, 

wenigstens im Kopf. 

Wir haben es schon oft gehört, mehr als dreimal. 

Warum müssen wir das ständig wiederholen? 

Wäre es nicht interessanter, einer Geschichte zuzuhören?

 

Das Wort von der Auferstehung kennt die Gemeinde!

Und trotzdem muss es immer wieder gesagt werden. 

Als Paulus seine große Osterpredigt schreibt, beginnt er mit 

den Worten: »Ich erinnere euch . . . an das Evangelium, das ich 

euch verkündigt habe . . . Ich habe euch weitergegeben, was ich 

auch empfangen habe; dass Christus gestorben ist für unsere 

Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; 

und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift.« 

(1. Korinther 15, 1–4)

 

Auch wir brauchen immer wieder dieses Osterwort: ›Jesus Christus 

lebt. Heute ist der Tag des Heils.‹ 

Und das bedeutet konkret gesprochen: Der Auferstandene ist hier,

jetzt in diesem Gottesdienst. Wenn es nicht so wäre, dann wären wir 

die elendsten unter allen Menschen! 

Wenn es nicht so wäre, hätten wir keine Hoffnung.

Aber weil Jesus lebt, deshalb können wir feiern und fröhlich sein. 

Halleluja!

 

Beweisen kann und will der Engel die Auferstehung nicht. 

Er erklärt auch nicht, wie die Auferstehung vor sich gegangen ist. 

Aber er lädt die Frauen ein, in das offene Grab zu treten. 

Ob die Frauen wirklich ins Grab hineingeschaut haben, 

erfahren wir nicht. Anscheinend ist das nicht so wichtig. 

Denn im Grab gibt es nix mehr zu sehen, nix mehr zu salben, 

nix mehr zu beweinen. 

Der Engel fordert sie vielmehr auf: Geht wieder. 

Bitte, verlasst den Friedhof. 

Denn er ist nicht hier. 

Er ist auferstanden.

 

Pilgergruppen, die heute Jerusalem besuchen, finden zwei 

unterschiedliche Orte vor, an denen das Grab Jesu verehrt wird. 

Die Grabeskirche und das Gartengrab. 

Das Gartengrab liegt außerhalb der Altstadt, in der Nähe des 

Damaskustors, in einem wunderschön angelegten Garten. 

Viele Besucher kommen, um dort das Grab zu sehen. 

Aber wer in das Grab hineinschaut, wird von einem Schriftzug 

überrascht. »He is not here, for he is risen. Er ist nicht hier, 

denn er ist auferstanden.« 

Hier gibt’s nichts mehr zu suchen. 

Wer ins Grab hineinschaut, wird aufgefordert, wieder zu gehen. 

Auf dem Friedhof gibt’s nichts mehr zu sehen.

 

Die beiden Frauen tun, was der Engel des Herrn sagt. 

Sie verlassen das Grab um die Jünger mit der Osterfreude 

zu überraschen. 

Damit werden sie selber zu Engeln, zu Boten einer neuen Zeit. 

Sie tragen sie die Lebensnachricht weiter,

werden den Jüngern verkündigen: es ist geschehen, 

was der Herr gesagt hat: Er ist auferstanden. Er lebt.

 

erlebt

Bevor die beiden Namensschwestern Maria bei den Jüngern 

ankommen, passiert etwas Unerwartetes: Der Auferstandene 

begegnet ihnen persönlich. 

Sie erleben eine lebendige Begegnung mit dem Auferstandenen. 

Die Predigt des Engels allein ist noch nicht genug,

das leere Grab zu wenig,

der Auferstandene selber muss ihnen begegnen, 

um ihnen die Gewissheit zu geben: ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

 

Oh könnten wir ihn doch so ergreifen und erfahren, wie die 

Frauen damals!

Manchmal haben wir den Eindruck, die Osterbotschaft bricht 

mitten im Satz ab:

Er ist nicht hier –. 

Er ist nicht bei mir –. 

Er zeigt sich nicht als Auferstandener –. 

Und tatsächlich, es gibt einen Ort, an dem wir ihn nie finden werden:

in seinem Grab. 

Das ist leer. 

Das ist der einzige Ort, wo wir Christus vergeblich suchen. 

 

Zu allen anderen Gräbern hat er Zugang. 

Zu allen Verlassenen kommt er durch. 

Zu allen Verschlossenen kommt er herein, 

ganz unerwartet und spricht: Friede sei mit euch. 

Und sie erfahren: er ist auferstanden. 

 

Er wandert mit den enttäuschten Jüngern nach Emmaus. 

Und als er ihnen das Brot bricht, erkennen sie ihn: es ist der Herr. 

Er steht am Ufer und ruft den Fischern zu, wie sie ihre Netze auswerfen 

sollen und als sie ihn sehen, gehen ihnen die Augen auf: 

Unser Herr lebt. Und so ist es bis heute geblieben!

 

Felix Dupont sitzt im Staatsgefängnis in Paraguay. 

Um ans große Geld zu kommen, ermordet er einen Mann. 

Anstatt Geld bekommt er 30 Jahre Haft. 

Auf keinen Fall wollte er die Haft absitzen und plante sich 

umzubringen. Als er gerade dabei war, alles dafür vorzubereiten, 

unterbricht ihn ein Polizeibeamter. 

Er wirft ihm ein Päckchen seiner Frau Elena zu. 

Zu seinem Erstaunen liegt darin neben Lebensmitteln auch eine 

christliche Schrift. 

 

Was er liest, beeindruckte ihn zutiefst. 

Er erkennt, dass er sich auf falschem Weg befindet und dort 

in der dunklen Zelle begegnet ihm der Auferstandene. 

Ihm vertraut er sein Leben an. 

Jetzt beginnt sein Leben neu. 

Nicht dass er gleich aus der Haft entlassen wurde. 

Erst nach sieben Jahren wird er vorzeitig entlassen. 

Aber Dupont geht nicht. 

Er gründete eine Gemeinde im Gefängnis und wird Leiter der 

Gefängnisgemeinde (1).

 

Wenn Menschen Jesus begegnen, bleiben sie nicht am Boden liegen. 

Sie stehen wieder auf, weil der Auferstandene ihnen einen Auftrag gibt. 

Dupont erzählte den Gefängnisbrüdern, dass Jesus lebt. 

Die beiden Frauen wurden zu den Jüngern gesandt, 

um ihnen zu sagen: Jesus ist auferstanden. 

Und den Jüngern gibt der Auferstandene selbert den Auftrag: 

»Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker.« (Matthäus 28, 19).

 

Geht hin und sagt es denen, die nicht in den Gottesdienst kommen. 

Sagt es denen, die nicht in die Kirche kommen können,

den verzagten Brüdern und Schwestern. 

 

Ist das nötig? 

Wissen sie nicht selber, dass wir heute die Auferstehung unseres 

Herrn feiern? Vermutlich wissen sie es. 

Aber wir haben ja keine Informationen zu überbringen, 

sondern die Osterfreude: »Er ist hier, er ist auferstanden.« 

Und dann kann das Wunder geschehen, 

dass der Auferstandene sich zeigt und den Trostlosen und Verzagten 

selber begegnet.

Auch den Spöttern und Zweiflern und den Agnostikern. 

 

Ein heilsames Erdbeben. 

Ein großartiges Erleben. 

Jesus lebt.   

Amen.

 

 

(1) Beispielgeschichte aus dem Mitteilungsblatt des Kinderwerk
Lima Nr. 141, Sept.2004




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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