2011-04-21 Passionsandacht Gründonnerstag

Predigt über Markus 14,17-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Gründonnerstag aus Markus 14, die Verse 17-26:

17 Und am Abend kam er mit den Zwölfen. 18 Und als sie bei Tisch 

waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter 

euch, der mit mir isst, wird mich verraten. 19 Und sie wurden traurig 

und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich's? 20 Er aber sprach 

zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die 

Schüssel taucht. 21 Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm 

geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschen-

sohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie 

geboren wäre. 22 Und als sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte 

und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. 

23 Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie 

tranken alle daraus. 24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut 

des Bundes,1 das für viele vergossen wird. 25 Wahrlich, ich sage 

euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks 

bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinke im Reich Gottes. 

26 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus 

an den Ölberg.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,

zur Feier des jüdischen Passahmahles gehörte das Erzählen.

Erzählt wurde von den großen Taten Gottes mit dem Volk Israel.

So erzählte der jüdische Hausvater auf die Frage des jüngsten Sohnes, 

was denn diese Nacht von allen anderen unterscheide, 

die Geschichte vom Auszug des Volkes aus Ägypten.

 

Ich will heute Abend auch ein Stück weit einfach erzählen - 

und zwar die Abendmahlsgeschichte. 

Ich will uns mit hineinnehmen in diese Atmosphäre der Spannung 

und der Erwartung auf das Kommende. 

Denn dass der Weg Jesu jetzt seinem Höhepunkt entgegenging, 

dass spürten wohl alle Jünger, - das lag in der Luft..

 

Jesus und seine Jünger feierten in Jerusalem das Passahmahl 

und sie freuten sich auf diesen Höhepunkt des Jahres. 

Ja, die ganze Stadt freute sich auf dieses Fest. 

Es war Festtagsstimmung in Jerusalem. 

 

Aber es lag auch eine Spannung über der Stadt.

Mit Händen war es zu greifen, dass etwas passieren musste mit Jesus. 

Sein Auftreten hat die Gemüter bewegt und die Meinungen gespalten. 

Nur was genau kommen sollte, das wusste allein nur Jesus.

 

Die Jünger haben Jesus noch nicht verstanden, 

als er ihnen von seinem bevorstehenden Tod voraus gesagt hat. 

Sie konnten und wollten nicht glauben, dass sein Weg so enden sollte. 

Sie wollten es einfach nicht wahrhaben.

Für sie bedeutete der Tod Jesu das Ende aller ihrer Hoffnungen, 

die Katastrophe ihres Lebens.

 

Jesus feiert Abschied mit seinen Jüngern. 

Aber sie wissen es noch nicht. 

Nur Jesus weiß um diesen Abschiedscharakter des letzten Passah-Mahls.

Aber vielleicht ahnen sie etwas von diesem Abschied.

 

Einer unter den Jüngern trägt ein Geheimnis mit sich: Judas. 

Sein Verrat an Jesus war schon geschehen. 

Er hat mit den Oberen der Juden schon alles ausgehandelt, 

wie Jesus gefangen genommen werden sollte. 

Jesus weiß auch um diesen Judas Bescheid. 

Er blickt in sein finsteres Herz und durchschaut ihn.

Als sie nun am Tisch sitzen, sagt Jesus in diese feierlich-gespannte 

und erwartungsvolle Stimmung hinein zu den Zwölfen:

"Einer unter euch wird mich verraten."

Die Jünger sind bestürzt und traurig und tief betroffen. 

Das konnte nun wirklich keiner fassen.

Weg war die Feiertagsstimmung. 

 

Plötzlich liegt eine Todesahnung über der Feier des Passahmahls.

Und weil er keinen mit Namen genannt hat, fangen sie an, 

einer nach dem andern Ihn zu fragen: Bin ich‘s?

Aber er gibt nur zur Antwort: Derjenige von Euch, der mit mir seinen 

Bissen Brot in die Schüssel taucht, der ist‘s; der wird mich verraten.

 

Jesus sagt das mit einer unbegreiflichen Ruhe und Gelassenheit. 

Er sagt es nicht zornig und drohend. Er ist ohne Hass. 

Er stößt keinen Fluch aus!

Er liebt sie ja alle. 

Den Petrus und den Jakobus und den Johannes und den Thomas 

und wie sie alle heißen. 

Und auch den Judas, den Verräter.

 

Jesus ist und bleibt auch jetzt noch der Liebende, der Souveräne, 

der Heilige, der, der über der Situation steht, 

der, der nicht von der Angst gepackt wird.

Aber er bringt auch Klarheit in die Situation. 

Er sagt ein ernstes Gerichtswort zu dem, der ihn verrätt:

"Weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! 

Es wäre besser gewesen, er wäre nie geboren."

 

Dieses Wort macht den Abgrund deutlich, an dem der Judas steht, 

an dem die Jünger stehen, denn sie alle sind versuchliche Menschen.

Vielleicht muss man auch sagen, es ist der Abgrund, 

an dem die ganze Menschheit steht. 

Es ist ein großer Ernst, der über dem Tod von Jesus liegt. 

Kein Mensch kann an diesem Tod unbeteiligt vorbeigehen, 

ohne Schaden zu nehmen. 

Auch Gleichgültigkeit ist eine Form von Verrat.

 

Dieses ernste Wort steht jetzt über dem weiteren Fortgang des letzten 

Mahls Jesu mit seinen Jüngern.

Die Stimmung war dahin. 

Erschrecken lag über den Jüngern.

Auf dem Tisch das Brot, das besondere Brot der Passah-Mahlzeit, 

das ungesäuerte Brot.

Es erklingen die vertrauten Worte aus den heiligen Schriften 

vom Wunder des Auszugs.

Jesus spricht zu seinen Jüngern wie der Hausvater beim jüdischen 

Passahmahl zu seiner Familie. 

Er nimmt das Brot in seine Hände. 

Er dankt und spricht das Segenswort über dem Brot. 

Er bricht es in Stücke entzwei. 

Er teilt es aus und sagt dazu: 

Nehmt hin und esst! Das ist der feierliche Höhepunkt.

 

Aber dann sagte er etwas anderes: "Das ist mein Leib."

Was soll das bedeuten? Wie kommt er dazu, das hinzuzufügen?

Genau so nimmt er den Kelch und dankt und reicht ihn seinen Jüngern.

"Das ist mein Blut des neuen Testaments, das für viele vergossen wird."

 

Dann sagt er, dass er nie mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken 

wird bis zu dem Tag, an dem er es neu trinkt mit ihnen zusammen 

im Reich Gottes.

Die Jünger essen vom Brot und sie trinken vom Wein.

Es fragt keiner, was es zu bedeuten habe. 

Aber sie ahnen vielleicht, dass es mit Jesu Sterben zu tun hat.

Und vielleicht ahnen sie auch in diesem Augenblick,

dass er sein Leben für andere, für sie hingibt.

Vielleicht haben sie schon ein bisschen verstanden, was

dieses Mahl bedeutet: Jesu Liebe lässt sie nicht fallen. 

Er ist bei ihnen und sie sind bei ihm. 

Sie sind eine Gemeinschaft, 

und sie werden eine Gemeinschaft bleiben auch über den Tod hinaus.

 

Jesus sagt: "Mein Blut des Bundes, das vergossen wird - für viele."

Für viele - das soll heißen: Nicht nur für das Gottesvolk Israel, 

sondern für die ganze Völkerwelt.

Für die vielen aus Juden und Heiden.

Alle Völker sollen mit eingeschlossen sein in das Opfer des Einen,

der sich ganz für sie alle hingegeben hat.

Alle sollen sie aufgenommen sein in den neuen Bund, den Gott hier stiftet.

Wer zum Glauben an Jesus findet, wer ihm nachfolgen wird, 

der wird dazu gehören - aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen. 

 

Das Blut Jesu Christi wird für alle Zeiten das Zeichen sein für den 

neuen Bund, den Gott mit seinem Volk schließt, 

mit dem Volk des neuen Bundes.

 

Mit Sicherheit haben die Jünger diese wichtige Stunde Gottes 

damals noch nicht voll erkannt.

Sie können sich nicht vorstellen, wie Gott an seiner Menschheit handelt, 

wie er sein Reich schon jetzt unter ihnen aufrichtet 

durch den neuen Bund in Jesus Christus.

Sie erkennen erst viel später diese außergewöhnliche Stunde Gottes!

 

Aber doch ist ihr Herz voll von dem, was da geschieht. 

Sie merken, dass mit diesem Mahl etwas Entscheidendes - anders -

geworden ist. Sie ahnen wohl, dass hier Gott in Jesus handelt, 

dass er als der gnädige und barmherzige Gott in Jesus handelt. 

Und so beten sie auch - wie immer - am Schluss der

Mahlzeit den großen Lobgesang:

"Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und

seine Güte währet ewiglich" (Psalm 118,1).

 

Wenn wir nachher miteinander das Abendmahl feiern,

dann tun wir das auch aus dem Dank heraus für Gottes Heilstat 

am Kreuz, für Gottes Gabe für uns.

Dafür, dass er unser Gastgeber geworden ist, dafür, dass wir im Glauben

an Jesus schon heute zu seinem Reich gehören, 

dass er sich uns selber austeilt 

und er sich darin uns mitteilen will. 

 

Wir sind mit ihm verbunden in der Erwartung seiner Wiederkunft.

Und ob wir erst in einigen Jahren oder vielleicht noch heute bei ihm 

sein werden: Wir sagen jetzt schon Dank dafür und kommen an 

seinen Tisch. 

Amen

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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