2011-03-20 Jubelkonfirmation

Predigt anlässlich der Jubelkonfirmation über Matthäus 12,38-42 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Festgemeinde, Liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn in vergangenen Jahren mit Gott 

gemacht? Können Sie sagen: Ja, „Du meine Seele singe, wohlauf und

singe schön ...“ (Lied zum Eingang) - oder sind Sie heute halt gekommen, 

weil die Einladung so nett war?

Aber ansonsten haben Sie den Faden zu Gott verloren, 

vielleicht gar nie richtig gefunden, trotz Konfirmation damals?

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

 

Als Sie konfirmiert wurden, da war das Leben noch sehr bescheiden, 

aber man hat zusammen gehalten - auch weil man musste. 

1951 - als Sie, liebe Diamantkonfirmanden hier in der Kirche Gott ihre 

Treue gelobt haben und ins volle Leben gestartet sind, 

da waren die Lehrstellen noch knapp. 

Etliche mussten nehmen, was es halt gab. 

Ob sie den Platz wirklich wollten oder nicht. 

Und es galt für viele: So weit die Füße tragen ... Kein Bus, kein Auto

brachte sie so schnell von A nach B. 

 

Auch im Konfirmanden-Unterricht, der noch zwei Jahre dauerte, 

ging es streng zu: 

Viele Verse mussten gelernt werden und Sprüche, 

wer sie nicht konnte, hat sie auch schon mal zur Strafe abschreiben müssen. 

Und doch ist manches segensreich hängen geblieben. 

Vielleicht auch durch die Christenlehre, die sich danach noch zwei Jahre

anschloss. Und von der man sich entschuldigen musste, wenn man 

nicht kam. So war das 1951. 

Aber sehr glückliche Erinnerungen gehören dazu: 

dass der Vater vor der Konfirmation doch noch aus der 

Kriegsgefangenschaft nach Hause kam ...

 

Zehn Jahre später, 1961, war manches schon etwas „lockerer“, 

so ging der Konfirmanden-Unterricht auch nur noch ein Jahr. 

Und ein neuer Pfarrer war aufgezogen: Pfarrer Richter. 

Er kam oft singend in den Gottesdienst, hat mir jemand erzählt, 

und brachte ganz neue Ideen ins Gemeindeleben mit ...

 

Was ist davon geblieben?

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

seine Nähe gesucht im Gottesdienst?

Und große Dinge mit ihm erlebt!?

Oder war die Konfirmandenzeit damals eher eine Schnellbleiche, 

nicht wirklich lebenstauglich?

 

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat  dazu geführt, dass Sie an diesem Gott irre geworden 

sind,  weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten. 

Wie auch immer, er war bei Ihnen bis heute, 

hat sie vielfach bewahrt und mit Liebe umgeben, 

sucht bis heute jeden Tag neu ihre dankbare Antwort. 

 

Und so hören wir jetzt auf das Wort Gottes für diesen Sonntag. 

Es steht in Matthäus 12, den Versen 38-42 und ist uns für heute gegeben: 

[Die Zeichenforderung der Pharisäer]

38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und 

sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.

39 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges 

Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben

werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. 40 Denn wie Jona 

drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschen-

sohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. 41 Die Leute von 

Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und 

werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. 

Und siehe, hier ist mehr als Jona. 42 Die Königin vom Süden wird auftreten 

beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; 

denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. 

Und siehe, hier ist mehr als Salomo.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,
Gott ist heilig und das ist gut so. 

 

Nicht wir bestimmen, was er zu tun hat, sondern er setzt die Wirklichkeit. 

Gott beauftragt Menschen und beruft sie in die Nachfolge. 

Ich weiß nicht, ob Sie das bei Ihrer Konfirmation so erlebt haben, 

doch ich hoffe, dass ihr heutigen Konfirmanden das wirklich spürt!

 

Im Grunde ist es doch nur schwer verständlich, 

dass es Menschen gibt, die wirklich ohne Gott leben wollen!

Kaum einer will das wirklich und oft wird betont „Sehen Sie, ich habe

schon meinen Glauben!“

 

So war das auch bei den Pharisäern, die von Jesus hier ein Wunder fordern. 

Klingt doch nicht schlecht, oder!?

Sie erwarten etwas von Jesus. 

Dies ist grundsätzlich positiv. 

 

Aber - ihre Erwartungen geben Jesus überhaupt keinen Raum, 

er selber zu sein, der zu sein, zu dem ihn sein Vater im Himmel gemacht hat. 

 

Drei Dinge fallen mir hier auf, die auch für uns zutreffen können

und die will ich mit Ihnen zusammen bedenken:

 

1. Sie sind Gefangene ihres engstirnigen Willens.

Im Grunde sind dies wunderbare Menschen, aber sie kommen nicht frei 

von sich selber. Alles dreht sich um ihre Gefühle und Empfindungen. 

Nichts und niemand darf sie kritisieren, auch Gott nicht. 

Diese Gefangenschaft im eigenen, engen Willen, die kann ganz 

unterschiedlich aussehen. 

 

Für uns im Europa seit der Aufklärung ist der Kerngedanke ist immer 

derselbe: Der Mensch macht sich seinen Gott. 

Was in der Bibel dieses menschengemachte Bild korrigieren könnte, 

wird vom Menschen her zurechtgerückt. 

Gott darf nur noch die Eigenschaften haben, die ihm der Mensch zubilligt. 

Gott darf nur noch das tun, was ihm der Mensch einräumt. 

Oberflächlich sieht es so aus, als ob sich der Mensch hierdurch befreit hätte - 

er sich nicht mehr vor dem heiligen Gott beugen müsste.

 

In Wirklichkeit aber ist der Mensch nicht frei geworden, 

sondern ein Gefangener seines eigenen Willens. 

Der beredte Satz „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!“ stimmt nicht. 

Das Gegenteil ist der Fall: Wenn der Mensch seinen Willen bekommt, 

schafft er sich damit den Vorhof der Hölle. 

Die Geschichte des letzten Jahrhunderts ist ein Lehrstück dazu.

Dabei muss man sich nicht einmal die dunkelsten Kapitel vor Auge

 

Auch ganz aktuelle Phänome gehen in diese Richtung: 

- Die durch Geldglauben und Geldgier ausgelösten Wirtschaftskrisen 

haben Menschen in die Verzweiflung getrieben. 

Sie erwarteten von ihren materiellen Gewinnen den Himmel. 

Ihre besten Kräfte haben sie darauf konzentriert - und sobald das

weggebrochen ist, sehen sie keinen Sinn mehr im Leben. Oder:

   - Unser Hang zur Überheblichkeit hat uns glauben gemacht,
  wir hätten technisch alles in der Hand,
  ein Gott, der zu uns reden und uns korrigieren will,
  den brauchen wir jetzt nicht mehr ...
  Bis ein Tsunami unsere so sicher geglaubten Kernreaktoren
  einfach explodieren lässt ... Und wir erleben:
- Wie der Mensch Gottes Maßstäbe einfach auflöst.
  Er gibt vor, was gelten soll: In der Familie, bei der Beurteilung des
  Lebens, was als tolerant oder intolerant zu gelten hat.
Jeder, der sich hier nicht unterordnet, gilt als Unperson.

 

Irgendwie ist vieles sogar gut gemeint, klingt sehr menschenfreundlich.
Aber es legt eine Fessel über die Gesellschaft. 

Keiner getraut sich mehr zu sagen, was er wirklich denkt.

Und was für einen Staat fatal ist: Keiner vertraut mehr dem anderen.
Das Vertrauen unter den Menschen löst sich auf.
Ohne ein Grundvertrauen funktioniert kein Zusammenleben. 

 

Übrigens hat auch Jesus eine gesunde Skepsis den Menschen
gegenüber gehabt: Als die begeisterte Menge ihn hochjubeln will, 

da lasst er sich nicht von der Begeisterung tragen. 

Und Jesus hat trotzdem Erbarmen mit den Menschen gehabt!

Wenn Sie zu denen gehören, die mit Jesus leben, 

dass lassen Sie uns gerade dafür immer wieder neu Gott bitten!

Um Erbarmen mit den Menschen!

 

Denn Gott gibt die Menschheit nicht auf, 

deshalb ist sein Sohn über diese Erde gegangen. 

Auch die Menschen Europas, Asiens, Japans sind von ihm nicht 

aufgegeben. Warum? Weil ...

 

 

2. das Wunderzeichen des Jona jedem Menschen gilt. 

 

Jesus hat seine Skepsis gegenüber den Menschen,
aber er baut diesen Männern eine Brücke des Vertrauens. 

Er schreibt sie nicht ab, sondern ringt um sie: Ihr wollt ein Zeichen. 

Das werdet ihr bekommen: So wie Jona 3 Tage im Bauch des Meeres-

ungeheuers war, so wird auch der Menschensohn 3 Tage in der Erde 

bleiben und am dritten Tag wird ihn der Tod nicht länger halten können. 

Mit seiner Auferstehung wird die allgemeine Auferstehung der Toten 

bestätigt. 

 

Die Gesprächspartner haben ihre Bibel genau gekannt.

Sie wollten von Jesus ein Zeichen dafür, dass er wirklich der Messias ist. 

Sie wollten Gewissheit über Jesus:

Ist er nur einer, der den Mund zu voll genommen hat?

Es könnte ja so sein, wer kann‘s wissen!

 

Die Männer hier imponieren mir, weil sie wirklich die Kernfrage stellen. 

Sie lassen sich nicht mit Nebensächlichkeiten abspeisen.

 

Er redet von sich als dem „Menschensohn“ und von dem steht schon 

ganz viel in der Bibel, im Buch Daniel, 

Dinge, die die Schriftgelehrten und Pharisäer wussten.

Jesus bereitet sie darauf vor, dass der Menschensohn am Kreuz 

für die Sünden der Welt verbluten wird.

 

So wie Gott Jona nicht aufgegeben hat, und ihn hat laufen lassen. 

So gibt Gott den Menschen nicht auf, 

lässt ihn nicht ohne Chance zur Umkehr ins Verderben laufen. 

Sondern holt ihn zurück, durch seinen Sohn. 

Wie Jona durch ein inneres Sterben im Bauch des Riesenfisches 

hindurch musste, so muss auch der Sohn Gottes durch das Sterben 

hindurch.

 

Gottes heiliger Plan erfüllt sich auf diese Weise.

Dafür kann der Mensch nur verstummen und Gott danken, 

will er gerettet werden. 

 

Ein Mensch dagegen, der sich anmaßt, Gott dafür zu beurteilen, 

der weiß nicht, wer Gott ist und wie klein der Mensch wirklich ist. 

Ein Mensch, der Gott dafür kritisieren will, der verdrängt, 

wie stark die Menschheit gefangen ist in den Mächten des Verderbens.

Allein Gott hat die Macht, Tote wieder zum Leben zu erwecken.

So, wie er seine Macht an Jona gezeigt hat ...

 

Es war eine Tat der Barmherzigkeit Gottes, als Jona wieder ans Land 

gekrabbelt und ihm das Leben neu geschenkt worden ist. 

 

So ist es Gottes Barmherzigkeit, die auch uns offen steht, 

uns vom Tod ins Leben leiten will. 

Wenn wir durch Gottes offene Tür gehen ...

 

 

3. Jesus öffnet eine Tür, die niemand mehr zuschließen kann

Diese Tür ist das ewige Leben. 

Es beginnt hier und heute und vollendet sich am jüngsten Tag. 

Jesus malt davon keine Utopie.

Er geht ganz real davon aus, dass die genannten Personen wieder-

kommen werden: Die Königin von Saba und die Leute von Ninive. 

Jetzt schlafen sie noch, aber am Tag der Auferstehung werden sie 

vor uns stehen.

 

Wer im Lichte des ewigen Lebens lebt, der kann auch hier auf dieser 

Erde schon wirklich leben. 

Und er kann Leben bewahren und erhalten. 

Notfalls kann er auch sein Leben verlieren, weil er weiß: 

Mein Erlöser verlässt mich auch im Tod nicht. 

Jesus wird mir einen Platz in seinem Reich geben. 

Ich bin ihm von Herzen dankbar dafür.

 

Wie schlimm muss es für die 50 japanischen Techniker im Atomkraftwerk

Fukoshima sein, die dort für ihrem Einsatz in diesem „Himmelfahrts-

kommando“ den Strahlentod sterben werden, 

dass sie von dieser Tür zum ewigen Leben, von Jesus Christus, 

wahrscheinlich nie erfahren haben!

Für ihren Einsatz kann ich sie nur bewundern. 

Doch wie anders, nämlich getrost, könnten sie sterben, 

wenn ihr Leben Jesus gehören würde. 

 

Wenn unsere jetzigen Konfirmanden in wenigen Wochen konfirmiert

werden, dann werden sie gefragt: 

„Wollt ihr mit Jesus Christus (als) eurem Herrn leben, 

im Glauben an ihn wachsen

und in seiner Gemeinde bleiben?“

 

Sie können darauf antworten und es mit ihrem Leben bestätigen. 

Dann sind sie durch die offene Tür Gottes, eingetreten ins Reich Gottes. 

Und auch als Gold- oder Diamantkonfirmand, darf ich bis heute 

durch diese Tür Gottes noch eintreten. 

Jesus ist da. 

Wer ihm annimmt und ihm nachfolgt, der hat das ewige Leben, 

braucht nicht verzweifeln und kann aus der Rückschau aus manchen leid-

vollen Erfahrungen oft noch Gottes barmherziges Suchen erkennen. 

 

Jesus macht frei vom eigenen Willen, 

sein Wort ist Beweis genug und 

Jesus öffnet eine Tür, die niemand zuschließen kann. 

Wer durch sie eintritt, erlebt Gottes Segen. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann