2011-03-06

Predigt über Lukas 10,38-42 / Pfarrer Martin Hirschmüller, Ostfildern

Liebe Gemeinde,

»Mitarbeiter gesucht« – heißt es in vielen Gemeinden. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden dringend
gebraucht, es sind fast immer zu wenige.

Wie sieht er/sie denn aus, der ideale Mitarbeiter, die ideale Mitarbeiterin?

- er/sie soll nichts kosten. Besser er bringt noch Geld mit und finanziert auch die Auslagen, die durch seine Mitarbeit entstehen.

- er/sie will nicht lange gebeten sein. Am Besten kommt er/sie selbst aus eigener Initiative zum Pfarrer und sagt: »Ich suche eine Gelegenheit zur Mitarbeit. Was kann ich tun?«

- er/sie ist ein Multitalent. Die Zähmung einer widerspenstigen Jugendgruppe liegt ihm so gut wie die
Moderation eines Gesprächskreises.

- er/sie kann biblische Zusammenhänge gut erklären und sich seelsorgerlich auf andere einstellen.

- er/sie ist musikalisch und liebt Orgel und E-Gitarre, liturgische Gesänge und Popmusik.

- er/sie überlässt die ehrbaren Aufgaben den Hauptamtlichen und kümmert sich gerne ums Kleine, wie Stühle stellen und Abspülen.

- er/sie ist spontan, flexibel und keineswegs verstimmt, wenn er/sie samstagabends noch gebeten wird, für Sonntagmorgen ein Anspiel einzuüben.

- er/sie scheut keinen Einsatz. 4–5 Abende pro Woche setzt er/sie locker für die Gemeinde ein.

Im heutigen Predigttext wird uns eine fast ideale Mitarbeiterin vorgestellt. Sie heißt Marta, und doch wird sie getadelt. Hören Sie selbst!

 

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus: Lukas 10, 38–42:
38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. 39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. 40 Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! 41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. 42 Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

 

 

1. Marta ärgere dich nicht

Normalerweise hättest du recht, Marta. Schließlich ist Jesus ein langjähriger Freund der Familie, der mit seinen zwölf Freunden schon lange unterwegs ist. Da muss eine Waschmöglichkeit geschaffen werden, die Essmatten ausgelegt, der Raum gefegt. Dann muss Getreide gemahlen werden, das Feuer geschürt und Brot gebacken. Dann müssen Fische und Fleisch besorgt und zubereitet werden, Gemüse geputzt und gegart. Und das Ganze für nicht weniger als vierzehn hungrige Männer. Fünf Hände müsste man haben. Vier wären es ja schon, wenn Maria auch helfen würde. Du bist eine Tochter deines Volkes, Marta. Du bist gastfrei und handelst damit nach der Sitte. Den Gast ehrt man, wenn man sich viel Mühe macht. Man verachtet ihn, wenn man ihn vernachlässigt. Normalerweise hättest du recht.

 

Normalerweise hättest Du recht.

- Den Freunden zum 50. Geburtstag des Mannes muss man auftischen. Man kann sie nicht nur mit Butterbroten abspeisen.

- Wenn der Chef des Mannes zu Besuch kommt, muss man schon aufwarten und Eindruck schinden.

- Wenn fünfzehn Rangen zum Kindergeburtstag erscheinen, muss ein Programm her. Wenn die Unterhaltung nicht stimmt, zerlegen sie die Wohnung.

- Wenn ein pflegebedürftiger Großonkel vorbeigebracht wird, muss man sich für ihn aufopfern und ihm helfen.

Normalerweise hätte Marta recht und Maria gehörte
kritisiert. Denn sie lässt ihre Schwester alleine schuften. Sie hat keinen Blick für das Notwendige. Sie drängt sich Jesus förmlich auf. Sie sitzt als Frau »zu seinen Füßen«, als ob er ihr Rabbi sei, der sie als Jüngerin in die Schule aufgenommen hat. Das ist ungebührlich, ja fast schon peinlich.

 

 

 

2. Jesus ist nicht ›normal‹

Er kommt nicht als Gast zum Geburtstag. Wo er kommt, will er die Rolle des Hausherrn übernehmen. Er wird Gastgeber in einem fremden Haus. 

 

Er kommt nicht als Chef des Ehemannes vor dem man Eindruck schinden muss und das Beste servieren aus Küche und Keller. Er will servieren und zwar Speisen des ewigen Lebens. 

 

Er kommt auch nicht als Gast zum Kindergeburtstag, den man unterhalten muss. Er sorgt für unseren Unterhalt, unseren Lebensunterhalt. Er unterhält uns mit seinen Worten und Predigten über Gottes Liebe zu uns. 

Er ist überhaupt kein pflegebedürftiger Großonkel, für den wir uns aufopfern müssten, sondern Gottes Sohn, der sich für uns aufopfern will: »Seht wir gehen hinauf nach Jerusalem und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn« (1).

 

Jesus ist eben kein normaler Besucher. Er ist eben nicht einfach ein Gast wie viele andere. Wo er hinkommt, möchte er der Herr sein. Wo er zu Besuch ist, möchte er volle Aufmerksamkeit. Wo er auftaucht, kommt Gott selbst den Menschen nahe und hat ihnen etwas zu sagen. Wo er eingeladen ist, will er nicht bedient werden, sondern dienen und Menschen befreien aus ihrem menschlichen Leerlauf. 

 

Er ist dabei, sein Leben zu opfern für Marta und Maria und alle anderen, und das müssen sie erst einmal wissen und dann annehmen. Deshalb ist dieses Mal Maria im Recht. Sie macht das einzig Richtige, wenn Jesus zu Besuch ist: sie hört auf ihn, sie lässt sich beschenken und helfen. Gierig saugt sie seine Worte auf wie Kleinkinder die Muttermilch, die sie wachsen und gedeihen lässt. Fasziniert von seiner Botschaft vergisst sie alles um sie herum, allen Umtrieb, alle Geschäftigkeit, alle häuslichen Pflichten. Sie hat erkannt worauf es in erster Linie ankommt, denn der Glaube kommt aus der Predigt (2).

 

Der Liederdichter Gerhard Tersteegen drückt es so aus:

»Ich setzt mich 

wie ein Kindlein still,
das sonst nichts weiß
noch wissen will, 

zu meines Meisters Füßen, 

da ich aus seinem Munde hör,
in einem Viertelstündchen mehr,
als alle Bücher wissen.«

 

 

3. Denk mal an Dich!

Es gilt als unhöflich, zuerst an sich selbst zu denken. Nein – zuerst die anderen. Jesus macht Marta Mut zu einem richtigen Egoismus: Denk mal an dich!

Höre für dich, was Jesus zu sagen hat, nicht für deine Freundin oder Schwägerin. Jesus meint zuerst dich. Sorge für dich, wenn es um das ewige Leben geht. Hier hilft keine falsche Bescheidenheit, die stets anderen den Vortritt lässt. Jesus will dir ewige Rettung schenken, er möchte, dass du ein Kind Gottes wirst. Sorge einmal für dich und lass dich von Jesus umsorgen, anstatt immer selbst für alles und alle anderen sorgen zu wollen. 

 

Der Glaube an Jesus ist nicht zuerst eine Tat sondern etwas Passives: sich seine Liebe gefallen lassen, zulassen, dass er sein Leben für dich gegeben hat. Akzeptieren, dass er dein Leben in die Hand nehmen und zu seinem guten Ziel führen will. Das ist so einfach und doch so schwer. Offen sein für seine Worte, dankbar für sein Sterben. Sein Leben zu sich nehmen, wenn er es im
Abendmahl anbietet.

 

Vielleicht nehmen Sie sich in den kommenden sieben Wochen bis Ostern das konkret vor: Jeden Tag beginnen wie Maria. Mit einem Gebet sich in die Gegenwart Jesu versetzen, mit einem Bibeltext ihn reden lassen. In der Stille und Abgeschiedenheit von allem alltäglichen Getriebe den Geist Gottes wirken lassen und sich Kraft und Liebe schenken lassen für die bevorstehenden Aufgaben des Tages. Nehmen Sie sich ein Heft und schreiben Sie ihre Gedanken auf. Schreiben Sie auch das Eine oder Andere auf für das oder den sie regelmäßig beten wollen. Ich wette mit Ihnen, wenn Sie nach Wochen darin zurückblättern, werden Sie staunen, wie Jesus Sie und manches andere verändert. Aber wie immer, wenn man Prioritäten setzt, muss man auch Dinge an die zweite und hintere Stelle rücken. Wo soll die Zeit mit Jesus herkommen, von kürzeren Schlafzeiten, von weniger Fernsehen, weniger Zeitung? Zu sieben Wochen bewusst mit Jesus, gehört auch ein sieben Wochen ohne etwas anderes. Sonst wird es nichts.

 

Nur als Beschenkte können wir andere beschenken, nur als Bediente anderen dienen. Nur als Versorgte für andere sorgen und nur als veränderte Menschen helfen, dass andere verändert werden. Das ist die Grundvoraussetzung für jede Mitarbeit in der Gemeinde. 

 

Im Kloster Maulbronn steht im Kreuzgang ein so genannter Schalenbrunnen. Das Wasser fließt oben in die erste Schale. Wenn diese überläuft wird es von der zweiten, größeren Schale aufgefangen, die es dann überströmend an die nächste weitergibt.  Wir geben, was wir empfangen haben, wir müssen nichts aus uns selbst produzieren.

Conrad Ferdinand Meyer hat es so beschrieben:

 

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede gibt und nimmt zugleich
Und strömt und ruht.    Amen

 

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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